2 Begriffsbestimmungen

(1) In dieser TRGS sind Begriffe so verwendet, wie sie im "Begriffsglossar zu den Regelwerken der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), Biostoffverordnung (BioStoffV) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)" des AGS und ABS bestimmt sind [1].

(2) Faserstäube im Sinne dieser TRGS sind Stäube, die alveolengängig und biobeständig sind und die Dimensionen von WHO-Fasern (Länge größer 5 µm, Durchmesser kleiner 3 µm und ein Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis größer als 3 zu 1 [14]) besitzen. Solche Faserstäube werden, besonders auf EU-Ebene, auch als "kritische Fasern" bezeichnet.

(3) Hochtemperaturwollen (HTW) sind amorphe Aluminiumsilikat- und AES-Wollen ((Alkaline Earth Silicate Wools = Hochtemperaturglaswollen bzw. Erdalkalisilikatwollen)) sowie polykristalline Wollen (PCW) [3] [10].

  1. Aluminiumsilikatwollen, früher auch als Keramikfasern (Refractory Ceramic Fiber = RCF) bekannt, sind amorphe Fasern, die durch Schmelzen einer Kombination von Al2O3 und SiO2, üblicherweise im Gewichtsverhältnis 50 : 50, hergestellt werden. Zusätzlich kann auch ZrO2 enthalten sein [3] [12] [13]. Diese Fasern sind in der CLP-Verordnung harmonisiert als krebserzeugend Kategorie 1B eingestuft.
  2. AES-Wollen bestehen aus amorphen Fasern, die durch Schmelzen einer Kombination von CaO, MgO und SiO2 hergestellt werden und die für die Hochtemperaturanwendung bestimmt sind. Produkte aus AES-Wollen werden in der Regel bei Einsatztemperaturen bis maximal 1200 ºC und bei kontinuierlich arbeitenden Thermoprozessanlagen verwendet. Aufgrund ihrer verhältnismäßig niedrigen Biopersistenz sind sie von einem spezifischen Verdacht der Krebserzeugung freigesprochen [6]. Sie werden in der Gefährdungsbeurteilung mit dem allgemeinen Staubgrenzwert beurteilt.

    Der Begriff AES-Wollen wird zunehmend durch die Bezeichnung LBP-Wollen verdrängt ("low bio-persistence"). LBP-Wollen ist somit ein Oberbegriff für AES-Wollen, aber auch andere Hochtemperaturwollen mit geringer Biopersistenz [15].
  3. Polykristalline Wollen (PCW) bestehen aus Al2O3 und SiO2, mit einem SiO2-Gehalt kleiner 30 Gew.-%. Sie werden im "Sol-Gel-Verfahren" aus wässrigen Spinnlösungen erzeugt. Die zunächst entstehenden wasserlöslichen Grünfasern (Vorprodukt) werden durch anschließende Wärmebehandlung kristallisiert [12] [13]. Polykristalline Wollen werden in der Regel bei Einsatztemperaturen oberhalb 1300 ºC und bei kritischen chemischen und physikalischen Anwendungsbedingungen verwendet. Faserstäube dieser Wollen sind als krebsverdächtig der Kategorie 2 eingestuft [6].

(4) Wärmedämmende "Feuerfest-Produkte" (feuerfeste Erzeugnisse) haben eine Gesamtporosität ≥ 45 %. Dabei wird zwischen Produkten mit und ohne Porenbildnern und jeweils noch zwischen geformten und ungeformten Produkten unterschieden.

  1. Faserfreie feuerfeste Produkte [11] sind nicht-metallische keramische Werkstoffe. Häufig eingesetzte Materialien sind z. B. Leichtschamotte, Perlit, Vermiculit, Blähton oder Hohlkugelkorund. Dabei wird zwischen ungeformten und geformten Erzeugnissen unterschieden:
    a) Ungeformte Produkte (z. B. Betone, Massen) werden unter Zugabe von Bindemittel durch Gießen, Stampfen oder Spritzen in ihre endgültige Form gebracht und nach dem Einbau temperaturbehandelt. Zu den ungeformten Erzeugnissen gehören auch Mörtel und Kitte.
    b) Geformte Produkte (z. B. Steine, Platten, Formteile) haben eine definierte Geometrie und sind einbaufertig. Sie sind bereits überwiegend temperaturbehandelt.
  2. Faserfreie, durch Zusatz von Porenbildnern porosierte feuerfeste Produkte, sind nicht-metallische keramische Werkstoffe. Diese werden entweder durch Aufschäumen oder durch chemisch-thermische Verfahren hergestellt. Hauptbestandteile sind z. B. Aluminiumoxid, Mullit und mikroporöses Calcium-Hexaaluminat.
    a) Ungeformte, durch Zusatz von Porenbildnern porosierte Produkte (z. B. Betone) werden unter Zugabe von Bindemittel (z. B. Wasser) durch Gießen, Stampfen oder Spritzen in ihre endgültige Form gebracht und nach dem Einbau temperaturbehandelt.
    b) Geformte, durch Zusatz von Porenbildnern porosierte Produkte (z. B. Steine, Platten, Formteile) haben eine definierte Geometrie und sind einbaufertig. Sie sind überwiegend temperaturbehandelt.

(5) Faserfreie feuerfeste Schüttmaterialien sind bindemittelfreie nicht-metallische keramische Produkte (z. B. Perlit, Vermiculit, Blähton), die als loses Füllmaterial eingesetzt werden.

(6) Bei quarzhaltigem Staub handelt es sich um Staub in dem Quarz oder Cristobalit enthalten ist [4]. Tätigkeiten mit Exposition gegenüber quarzhaltigem Staub sind krebserzeugend [7]. Für quarzhaltigen Staub sind die Vorgaben der TRGS 559 [4] sowie der allgemeine Staubgrenzwert zu beachten.