4 Hinweise und Literaturangaben

Die Hinweise und Literaturangaben dienen der Information. Sie sind von der Vermutungswirkung nach § 3 Absatz 1 Satz 2 ArbMedVV ausgenommen.

(1) Arbeitsmedizinische Grundlagen

Das Tragen von Atemschutzgeräten kann durch einen ggf. erhöhten Atemwiderstand oder durch das Gerätegewicht eine Belastung darstellen.

In erster Linie kann eine erhöhte Beanspruchung der Lunge und des Herzkreislaufsystems resultieren. Das Ausmaß der Beanspruchung hängt dabei vom Gerätetyp, der Tragedauer, der Arbeitsschwere, den Umgebungsbedingungen und individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen wie möglichen Vorerkrankungen ab [3].

Beispielsweise ist mit dem Tragen von FFP2-Masken zur Prävention luftübertragbarer Infektionen zwar eine Änderung von physiologischen Atemparametern verbunden, bei leichter bis mittelschwerer Arbeit sind diese jedoch nicht in einem relevanten Umfang zu erwarten [4]. Das gilt auch für Schwangere [5].

Partikelfiltrierende Halbmasken mit Ausatemventil können gegebenenfalls den Ausatemwiderstand und damit die Beanspruchung der Atemschutzgeräte tragenden Personen durch das Gerät reduzieren [1]. Diese sollten daher bevorzugt ausgewählt werden, sofern der Schutz Dritter vor Infektionen nicht erforderlich ist.

Mit zunehmender körperlicher Schwere der Arbeit erhöht sich die Beanspruchung, ebenso je nach Gerätetyp mit zunehmender Tragedauer (Gebrauchsdauer). Die Tragedauer sollte daher je nach Gerätetyp begrenzt werden [1].

Hohe Umgebungstemperaturen oder das Tragen von isolierender Schutzkleidung kann durch erhöhten Flüssigkeitsverlust sowie unzureichenden Wärmeaustausch die Beanspruchung erhöhen und eine Austrocknung (Exsikkose) bzw. Überwärmung (Hyperthermie) begünstigen.

Belastung der Umgebungsluft durch Stäube können den Atemwiderstand durch Belegung (Beaufschlagung) eines Filters mit den Staubpartikeln und damit die Beanspruchung der Atemschutzgeräte tragenden Personen erhöhen. Dies wird durch hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt.

Mögliche lokale Hautreaktionen im Bereich des Atemanschlusses können durch im Gerätematerial enthaltene Inhaltsstoffe oder Feuchtigkeit ausgelöst werden.

Ein hohes Gewicht des Gerätes kann zu Muskel-Skelett-Beschwerden beitragen.

Mit dem Tragen von Atemschutzgeräten kann eine psychische Belastung verbunden sein (z. B. Klaustrophobie durch eingeschränktes Sichtfeld oder räumliche Enge) und Stressreaktionen auslösen. Dies ist insbesondere zu berücksichtigen, wenn das Tragen eines Atemschutzgerätes ungewohnt ist.

Beanspruchungsfolgen im Sinne chronischer Erkrankungen oder der langfristigen Verschlimmerung vorbestehender Erkrankungen durch das Tragen von Atemschutzgeräten sind nicht bekannt. Bei vorbestehenden Erkrankungen der Lunge oder des Herzkreislaufsystems kann jedoch eine akute Verschlechterung während des Tragens nicht ausgeschlossen werden.

Die wesentliche Gefährdung im Zusammenhang mit dem Tragen von Atemschutzgeräten resultiert jedoch aus einem unzureichenden Dichtsitz durch fehlende Anpassung oder einer nicht ausreichenden Filterwirkung bzw. der Auswahl nicht geeigneter Geräte.


(2) Literatur


[1]  DGUV Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten", Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV), 2021, https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/
1011%7CDGUV-Regel112-190_Benutzung-von-Atemschutzgeraeten_Download.pdf
[2]  DIN EN 134 "Atemschutzgeräte - Benennungen von Einzelteilen" Deutsches Institut für Normung e. V. (Hrsg.)
[3]  DGUV Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen "Atemschutzgeräte (Arbeitsmedizinische Vorsorge)", Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV), 2024, https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/4783
[4]  Marek et al. "Effects of wearing different face masks on cardiopulmonary performance at rest and exercise in a partially double-blinded randomized cross-over study" 2023, Sci Rep 13:6950, https://www.nature.com/articles/s41598-023-32180-9
[5]  Ausschuss für Mutterschutz (AfMu), FAQ 3 "Dürfen Schwangere FFP2 Masken tragen?" 2024 in MuSchInfo 11.2.02 "FAQ zu Schutzmaßnahmen bei luftgetragenen Infektionserregern", https://www.ausschuss-fuer-mutterschutz.de/fileadmin/content/Dokumente/MuSchInfo_
11.2.02_FAQ_Mutterschutz_luftgetragene_Infektionserreger.pdf