BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Rückwärts blättern Vorwärts blättern

4 Anforderungen und Ausführungen

 

4.1

Allgemeines

Die Warnkleidung muss ein Etikett u. a. mit CE-Kennzeichen aufweisen (Kapitel 6.1 ).

Grundsätzlich muss Persönliche Schutzausrüstung

  • Schutz gegenüber der zu verhütenden Gefährdung bieten, ohne selbst eine größere Gefährdung mit sich zu bringen, z.B. enganliegend, wenn an einer Maschine gearbeitet wird, bei der die Gefahr besteht, in die Maschine hineingezogen zu werden,
  • für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sein, z.B. Warnkleidung in Kombination mit Schnittschutzkleidung wenn eine entsprechende Gefährdung dies verlangt,
  • den ergonomischen Anforderungen und gesundheitlichen Erfordernissen der Versicherten u.a. durch gute Passform Rechnung tragen.


4.2

Anforderungen an Warnkleidung

Die Norm DIN EN 471 „Warnkleidung – Prüfverfahren und Anforderungen“ legt die Anforderungen an Schutzkleidung fest, die die Anwesenheit des Trägers visuell signalisieren soll. Warnkleidung soll den Träger bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen am Tage sowie beim Anstrahlen durch Fahrzeugscheinwerfer in der Dunkelheit auffällig machen.
Um zu gewährleisten, dass die Warnkleidung auffällig erkennbar ist, sind Leistungsanforderungen an das farbige Hintergrundmaterial, das retroreflektierende Material sowie an die Mindestflächen und die Anordnung dieser Materialien festgelegt (DIN EN 471).

Bei der Arbeit im Freien und auf Baustellen treten Klimabedingungen (Nässe, Wind und Umgebungskälte) auf, die den Wärmehaushalt des Körpers nachhaltig beeinflussen können. Häufig ist Warnkleidung daher gleichzeitig auch Schutzkleidung gegen klimatische Witterungseinflüsse.



4.3

Grundsätzliche Festlegungen für die Ausführung von Warnkleidung

Warnkleidung wird je nach Mindestfläche an fluoreszierendem sowie retroreflektierendem Material in drei Klassen eingeteilt, wobei Klasse 3 die beste Sichtbarkeit bietet.

Die fluoreszierenden Materialien werden für die Tagesauffälligkeit eingesetzt, die retroreflektierenden Materialien dienen der Nachtauffälligkeit.

Die Flächen werden an der kleinsten verfügbaren Kleidergröße gemessen. Bei der Kombination von Warnkleidungsstücken kann durch Addition der entsprechenden Kleidungsklassen nicht automatisch eine höhere Klasse erreicht werden, da sowohl die sichtbaren Mindestflächen des Hintergrundmaterials als auch des retroreflektierenden Materials ausschlaggebend sind.

Tabelle 1: Mindestflächen des sichtbaren Materials in m2 (siehe Tab. 1 der DIN EN 471)

Material Kleidung
Klasse 3
Kleidung
Klasse 2
Kleidung
Klasse 1
Fluoreszierendes
Hintergrundmaterial
0,80 0,50 0,14
Retroreflektierendes
Material
0,20 0,13 0,10
Material mit kombi-
nierten Eigenschaften
- - 0,20

Für das Hintergrundmaterial sieht die DIN EN 471 die Farben fluoreszierend gelb, fluoreszierend orange-rot und fluoreszierend rot vor. In Deutschland sind die Farben fluoreszierend gelb und fluoreszierend orange-rot nach Verwaltungsvorschrift zu § 35 Abs. 6 Straßenverkehrsordnung (StVO) zulässig.

Die Unfallversicherungsträger legen in der jeweils erlassenen Unfallverhütungsvorschrift "Fahrzeuge" (BGV/GUV-V D29) die Hintergrundfarben für Arbeiten ihrer Versicherten im Straßenverkehrsbereich fest.

Sind nach den Vorschriften mehrere Hintergrundfarben zulässig, so ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, in der auch die Umgebungsbedingungen zu bedenken sind, zu prüfen, welche der zulässigen Hintergrundfarben eine bessere Erkennbarkeit ermöglicht.

 

Abbildung 2: Erkennbarkeit einer Person mit Warnweste in fluoreszierend gelb oder fluoreszierend orange-rot an einer Straße mit Bäumen oder vor einem blühenden Rapsfeld

Eine Person mit einer Warnweste in fluoreszierend gelb ist in bewaldeten Umgebungen oder z.B. vor einem Rapsfeld weniger gut erkennbar, als eine Person mit Warnweste in fluoreszierend rot-orange (Abbildung 2).

Für Arbeiten in Gleisanlagen werden Regelungen zur Warnkleidung in den Unfallverhütungsvorschriften BGV D30 "Schienenbahnen", GUV-V D30.1 "Eisenbahnen" und BGV/GUV-V D33 "Arbeiten im Bereich von Gleisen" getroffen.

 

Abbildung 3: Nachtauffälligkeit durch Reflexstreifen

Nach DIN EN 471, Tabelle 4 müssen außerdem retroreflektierende Streifen aus Reflexmaterial Stufe 2 angebracht sein. Die Reflexstreifen müssen mind. 50 mm breit sein und bei zwei horizontalen Reflexstreifen müssen diese mind. 50 mm voneinander entfernt sein.

In der Dunkelheit und bei schlechten Sichtverhältnissen werfen die retroreflektierenden Streifen auf der Warnkleidung das Licht von Scheinwerfern zurück und sorgen dafür, dass Personen, die sich im Verkehrsbereich aufhalten, von anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig gesehen werden können. Für Arbeiten in Dunkelheit ist Warnkleidung Klasse 3 zu verwenden, wobei die zusätzlich verfügbare Fläche an Reflexstoffen die menschliche Gestalt (Kontur) betonen soll.

Nach der DIN EN 471 sind sowohl die fluoreszierenden als auch die retroreflektierenden Materialien so auf dem Kleidungsstück verteilt, dass eine Rundumsichtbarkeit der Person in möglichst allen Körperhaltungen und Positionen erreicht wird.

 

Abbildung 4: Tagsichtbarkeit

Abbildung 5: Nachtauffälligkeit

So verbessert die Kombination von waagerechten und senkrechten Reflexstreifen auf Westen und Jacken die Erkennbarkeit. Sind die waagerechten Reflexstreifen beispielsweise bei gebückter Haltung verdeckt, wäre die Person ohne zusätzliche vertikal angeordnete Reflexstreifen (sogenannte Schulterbänder) bei Dunkelheit nicht mehr sichtbar.

 

Abbildung 6: gebückte Arbeitshaltung und dabei sichtbare Schulterstreifen

Neben der horizontalen Anordnung können die Reflexstreifen auch mit einer Neigung von maximal ± 20° zur Waagerechten aufgebracht sein.

Wenn die Warnkleidung nach DIN EN 471 gefertigt wurde, sind die Leistungsanforderungen an das fluoreszierende Hintergrundmaterial, das retroreflektierende Material sowie an die Mindestflächen und die Anordnungen dieser Materialien erfüllt.

Die Warnkleidung darf nicht durch das nachträgliche Anbringen von Firmenlogos, Applikationen oder durch andere Veränderungen umgestaltet werden, wenn damit die Mindestflächen von Hintergrund- und Reflexmaterial nach DIN EN 471 unterschritten werden.



4.4

Auswahl von Warnkleidung für den Straßenverkehr

Nach den gültigen Rechtsvorschriften ist bei Tätigkeiten im Straßenverkehr Warnkleidung zu tragen.
Zur Auswahl der Warnkleidung ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Erkennbarkeit der Warnkleidung unter Berücksichtigung der auszuführenden Tätigkeiten, Körperhaltungen und Umgebungsbedingungen zu bewerten (siehe auch Abbildung 2 ).
Entsprechend dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist Warnkleidung so auszuwählen, dass insgesamt die Klasse 2 oder 3 erreicht wird.

Bei erhöhter Gefährdung ist Warnkleidung der Klasse 3 einzusetzen.

Erhöhte Gefährdung bedeutet:

  • schlechte Sichtverhältnisse oder
  • Straßenverkehr mit einer durchschnittlichen Verkehrsgeschwindigkeit von mehr als 60 km/h oder
  • große Verkehrsbelastung mit mehr als 600 Fahrzeugen pro Stunde oder
  • beim Überqueren mehrspuriger Fahrbahnen oder
  • Arbeiten in der Dunkelheit oder
  • wenn Teile der Warnkleidung häufig tätigkeitsbedingt verdeckt werden oder
  • wenn häufig zwischen abgesperrten und ungesicherten Arbeitsbereichen gewechselt wird oder
  • wenn Arbeiten ohne Schutz einer Baustellensicherung oder zum Aufbau derselben durchgeführt werden.

Von Warnkleidung der Klasse 3 kann abgewichen werden und Klasse 2 eingesetzt werden, wenn einfache Gefährdung im Straßenverkehr vorliegt.

Einfache Gefährdung bedeutet:

  • ausreichende Sichtverhältnisse und
  • geringe Verkehrsbelastung von weniger als 600 Fahrzeuge pro Stunde und
  • durchschnittliche Verkehrsgeschwindigkeit von unter 60 km/h
  • oder
  • wenn Arbeiten innerhalb einer nach den Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA) gesicherten Baustelle durchgeführt werden.

Bei einfacher Gefährdung oder in Notsituationen (z.B. Fahrzeugpanne) ist mindestens Warnkleidung der Klasse 2 einzusetzen.

Im Sommer und Winter herrschen unterschiedliche klimatische Verhältnisse, so dass die Versicherten durch Wechsel von Kleidungsteilen auf die Temperaturen reagieren. In der Tabelle 2 sind daher Auswahlbeispiele für die Kombinationsmöglichkeiten von Bekleidungsstücken dargestellt, die sich in der Praxis bewährt haben und gleichzeitig die richtigen Bekleidungsklassen entsprechend der ermittelten Gefährdung darstellen.

 

Gefährdung warm
(sommerliche Temperaturen)
kalt
(winterliche Temperaturen)
Einfache Gefährdung mindestens A oder B mindestens D mit (A oder C)
Erhöhte Gefährdung mindestens B mit C mindestens D mit (A oder C)

Tabelle 2: Kombinationsmöglichkeiten für Bekleidungsstücke je nach Temperatur und ermittelter Gefährdung und Designbeispiele A bis D

Die Warnwirkung der Warnkleidung ist bei den geplanten typischen Arbeitshaltungen zu gewährleisten. Es ist darauf zu achten, dass die relevanten retroreflektierenden Streifen und das fluoreszierende Hintergrundmaterial durch ein Arbeitsgerät nicht verdeckt werden und die Warnwirkung auch bei allen Sicht- und Witterungsverhältnissen gewährleistet bleibt.

Die Warnkleidung ist geschlossen zu tragen und darf nicht durch weitere Kleidungsstücke verdeckt werden.

Beispiele siehe Kapitel 5 .



4.5

Warnkleidung und Wetterschutzkleidung

Bei der Arbeit im Freien und auf Baustellen treten Klimabedingungen auf, die den Wärmehaushalt des Körpers beeinflussen können. Häufig muss Warnkleidung auch gegen Nässe und Wind sowie Kälte schützen. Denn Fehlzeiten oder Leistungsminderung durch Erkältungen, Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen können typische Folgen sein, die ggf. auch negative Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens haben können.

Die Warnkleidung mit Funktion als Schutzkleidung gegen Regen darf die Temperaturregelungsvorgänge des menschlichen Körpers bei körperlicher Arbeit nicht wesentlich behindern, d.h. der vom Körper produzierte Wasserdampf (Schweiß) muss nach außen abgegeben werden können.

 

Abbildung 7:
Wasserdampfaustausch

Da diese Bekleidung eine Kombination von Schutzkleidung (Schutzkleidung gegen Regen und Warnwirkung) darstellt, wird sie sowohl entsprechend der Norm DIN EN 471 als auch der DIN EN Schutzkleidung - Schutz gegen Regen 343 gefertigt.

In der DIN EN 343 sind die Anforderungen an die Bekleidung hinsichtlich des Schutzes gegen Regen und der Tragekomfort definiert und danach wird die Bekleidung in die Klassen 1, 2 oder 3 eingeteilt. Diese Klasseneinteilung darf bei Auswahl und Beschaffung nicht mit den Klassen der Warnkleidung verwechselt werden. Je höher die Klasse, desto besser der Schutz vor eindringender Feuchtigkeit bzw. desto besser der Feuchtigkeitstransport durch die Kleidung nach außen und somit der Tragekomfort.
Wegen der hohen thermischen Belastungen, die bei mangelndem Wasserdampfdurchgang entstehen, sind für die drei Klassen an Schutzkleidung gegen Regen unterschiedliche maximale Tragedauern festgelegt.

 

Abbildung 8: Klassen von Schutzkleidung gegen Regen und empfohlene Tragedauern bei entsprechenden Außentemperaturen nach DIN EN 343 Anhang A

Bekleidung zum Schutz gegen Regen, die nur der Klasse 1 genügt, muss aufgrund der physiologischen Trageeigenschaften mit einem Warnhinweis versehen sein, der auf die begrenzte Tragezeit hinweist.

 

Webcode: M326-6