BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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8 Messunsicherheit, Genauigkeitsklassen

8.1 Allgemeines

(1) Die Messunsicherheit ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn der ermittelte Tages-Lärmexpositionspegel in der Nähe eines Auslösewertes liegt und entschieden werden muss, ob dieser unter- oder überschritten wird.

(2) Die Unsicherheit der ermittelten Lärmexposition hängt vor allem von den folgenden Einflussfaktoren ab:

  • Messgerät und Kalibrierung,
  • Mikrofonposition,
  • Erfassung der längerfristig typischen Lärmexposition.

In Abhängigkeit von diesen Einflussfaktoren lässt sich z. B. nach DIN EN ISO 9612 die Unsicherheit der ermittelten Lärmexposition bestimmen.

(3) Der Vergleich eines Tages-Lärmexpositionspegels mit einem Auslösewert hat nach Abschnitt 8.2 und 8.3 unter Berücksichtigung der jeweils zutreffenden und nachfolgend definierten Genauigkeitsklasse zu erfolgen. Es wird zwischen den Genauigkeitsklassen 1 bis 3 unterschieden. Die Unsicherheit eines Tages-Lärmexpositionspegels entscheidet über die Zuordnung zu einer der drei Klassen. Die Zuordnung der Genauigkeitsklasse erfolgt nach einem der beiden nachfolgend genannten Verfahren.

8.2 Zuordnung der Genauigkeitsklasse in Abhängigkeit von der ermittelten Messunsicherheit

Die folgende Tabelle 1 definiert die Genauigkeitsklasse in Abhängigkeit von der kombinierten Standardunsicherheit des Tages-Lärmexpositionspegels.

Tab. 1   Zuordnung der Genauigkeitsklasse in Abhängigkeit von der nach DIN EN ISO 9612 ermittelten kombinierten Standardunsicherheit u
Genauigkeitsklasse 1 2 3
Kombinierte Standardunsicherheit u (nach DIN EN ISO 9612) ≤ 2 dB ≤ 4 dB ≤ 6 dB

8.3 Vereinfachtes Verfahren für die Zuordnung der Genauigkeitsklasse

(1) Bei Durchführung von tätigkeitsbezogenen Messungen (Strategie 1) kann alternativ ein vereinfachtes Verfahren zur Bestimmung der Unsicherheit angewandt werden, das nur zwei Einflussfaktoren berücksichtigt:

  • Klasse des Messgerätes,
  • Unsicherheit bei der Erfassung der längerfristig typischen Lärmexposition.

(2) Die Zuordnung der Genauigkeitsklasse erfolgt, indem die beiden in Tabelle 2 eingetragenen Einflussfaktoren zunächst für sich betrachtet der angegebenen Genauigkeitsklasse zugeordnet werden. Die dabei festgestellte Klasse mit der größten Unsicherheit bestimmt schließlich die Genauigkeitsklasse des Tages-Lärmexpositionspegels.

Tab. 2   Zuordnung der Genauigkeitsklasse in Abhängigkeit von der Klasse des Messgeräts und der geschätzten Unsicherheit (vereinfachtes Verfahren)
Genauigkeitsklasse 1 2 3
Messgerät
(s. Abschnitt 4 )
Klasse 1 Klasse 2 oder besser Klasse 2 oder besser
Geschätzte Unsicherheit bei der Erfassung der längerfristig typischen Lärmexposition ≤ 1,5 dB ≤ 3 dB ≤ 6 dB

(3) Die Unsicherheit bei der Erfassung der längerfristig typischen (repräsentativen) Lärmexposition ist aufgrund der Arbeitsplatzsituation und der betrieblichen Messerfahrung in den drei Stufen ≤ 1,5 dB, ≤ 3 dB und ≤ 6 dB abzuschätzen.

(4) Bei der Abschätzung der Unsicherheit für die Erfassung der längerfristig typischen Lärmexposition ist zu berücksichtigen, dass neben den ermittelten Lärmbelastungswerten gegebenenfalls auch die für die einzelnen Tätigkeiten angenommenen Teilzeiten Einfluss auf das Ergebnis haben. Im Einzelfall kann es zweckmäßig sein, den Lärmexpositionspegel für verschiedene angenommene Tätigkeitsdauern zu berechnen und zu prüfen, in welchem Maße sich die Tätigkeitsdauer auf das Ergebnis auswirkt.

 

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