BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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7 Intraspeziesextrapolation

(1) Es wird keine Intraspeziesextrapolation durchgeführt. Der Maßstab ist demnach das durchschnittliche individuelle zusätzliche Lebens(arbeits)zeitrisiko. Das Risikomanagement legt dabei ein niedriges durchschnittliches Risiko als Maßstab zugrunde, wodurch auch das Risiko für empfindliche Personengruppen niedriger wird und diese Gruppe so indirekt berücksichtigt ist. Während bei Nichtkanzerogenen der (weitgehende) Schutz der Empfindlichen vor Gesundheitseffekten durch einen Intraspeziesfaktor explizit (als Defaultfaktor für Variabilitäten) erfolgt, wird im Rahmen dieses Leitfadens also dieser Schutz bei Kanzerogenen durch die Auswahl eines entsprechend niedrigeren (als akzeptabel oder tolerabel erachteten) durchschnittlichen individuellen Risikos vorgesehen. Könnte man einen geeigneten Intraspeziesfaktor für krebserzeugende Wirkung beziffern, wäre eine direkte Umrechnung (auf das Risiko für empfindliche Personengruppen) möglich.

Die Nichtberücksichtigung des Intraspeziesfaktors bei Kanzerogenen entspricht einer häufiger angewandten Konvention (ECHA, 2012b). Es liegen nur unzureichende Daten vor, die die Spannbreite der Empfindlichkeiten für das multifaktorielle Geschehen der Kanzerogenese hinreichend abbilden würden.
Es ist nicht erkennbar, dass für die Begründung eines wissenschaftlich gestützten Defaultwerts für diese Intraspeziesvariabilität hinreichende Daten aus dem Bereich krebserzeugender Wirkung in absehbarer Zeit vorliegen werden. Die Angabe der Höhe eines entsprechenden Faktors wäre aufgrund dieser ungenügenden Datenlage also äußerst unsicher. Eine vorläufige Auswertung tierexperimenteller Daten zeigte keine deutlich größere Variabilität von Auszuchtstämmen im Vergleich zu Inzuchtstämmen in Bezug auf das Krebsgeschehen. Eine einfache Verknüpfung von Enzymaktivitäten und deren Variabilität mit der Variabilität im Krebsgeschehen ist nicht möglich.

Einzelne Bewertungsmethoden (vgl. z. B. EFSA (2005), vgl. auch Abschnitt 1.4 (3)) weisen jedoch einen Intraspeziesfaktor von 10 auch für Kanzerogene aus, ohne dass sich dies bei diesem Vorschlag auf das Schutzniveau – Höhe des vorgesehenen Grenzwerts – auswirken würde. Bei EFSA (2005) wird unterstellt, dass die Intraspeziesvariabilität für krebserzeugende Effekte identisch mit derjenigen für andere Effekte sei.
Auch von der U.S.EPA (2005b) wird ein Intraspeziesfaktor für Krebs berücksichtigt, jedoch ausdrücklich nur für das Kleinkindalter, bei denen eine besondere Empfindlichkeit gezeigt ist, das in den tierexperimentellen Kanzerogenitätsstudien in der Regel aber nicht abgebildet wird. Das entsprechende Schutzgut kindliche Gesundheit ist in der vorliegenden Betrachtung nicht maßgeblich.
Für die Quantifizierung von nichtkanzerogenen Effekten, die als Auslöser oder Verstärker für Kanzerogenität berücksichtigt werden, werden jedoch empfindliche Personengruppen explizit berücksichtigt (vgl. Abschnitt 5.2 (2) und 5.3 (4)).

 

 

 

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