BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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10.1 Glossar

Additional Risk:

Berechnungsweise des expositionsbedingten Lebenszeitrisikos als Differenz zwischen dem Risiko der Exponierten und dem Risiko der nicht-exponierten Kontrollgruppe:

PA (x) = P(x) – P(0)
mit PA (x): Additional Risk bei der Exposition x

P(x): Lebenszeitrisiko der Exponierten

P(0): "Hintergrundrisiko" (Lebenszeitrisiko einer nicht-exponierten Kontrollgruppe)
Der Begriff des Additional Risk wird insbesondere für Daten aus Tierversuchen verwendet, im Falle epidemiologischer Daten wird für das analoge Risiko eher der Begriff des Exzess-Risikos (s. dort) verwendet.

Adduktbildung:

Hier: Bindung eines Fremdstoffs oder dessen Stoffwechselprodukts an die DNA. DNA-Addukte im Zellkern können unter Umständen die Zellteilung behindern und/oder Mutationen auslösen.

AGW

s. "Arbeitsplatzgrenzwert"

AGW-analoger Wert:

Ein nach dem Konzept für nicht krebserregende Stoffe abgeleiteter Wert für die nicht krebserzeugende Wirkung eines Kanzerogens.

Ein für die empfindlichste toxische nicht krebsartige Wirkung nach dem in der Bekanntmachung zu Gefahrstoffen "Kriterien zur Ableitung von Arbeitsplatzgrenzwerten" (BekGS 901) skizzierten Verfahren abgeleiteter Wert (AGW) kann in dem Bereich auf oder unterhalb der Toleranzkonzentration (s. "Akzeptanz-/Toleranzkonzentration") für den betrachteten Stoff liegen. Ist dies nicht auszuschließen, muss neben der Expositions-Risiko-Beziehung (s. dort) zum Krebserkrankungsrisiko ein solcher Wert nach dem vorgegebenen "AGW-Verfahren" abgeleitet und im Managementkonzept berücksichtigt werden. Ein derartiger für die nicht krebserzeugenden Eigenschaften eines kanzerogenen Stoffes ermittelter Wert ist von einem solchen Wert für einen nicht kanzerogenen Stoff (dann AGW) trotz der gleichermaßen angewendeten Ableitungsmethode zu unterscheiden. Deshalb wird ein solcher Wert in Abgrenzung zum AGW als "AGW-analoger Wert" bezeichnet.

Diese Unterscheidung ist auch deshalb notwendig, weil ein AGW-analoger Wert im Gegensatz zum AGW nicht unbedingt vor schädlichen Wirkungen (Tumorerkrankungen) schützt. Über diesen AGW-analogen Werten liegende Expositionen bergen aber nicht "lediglich" ein erhöhtes Tumorrisiko, sondern geben Anlass für die Annahme einer begründeten Gefahr des möglicherweise kurzfristigen Auftretens weiterer, nicht krebsartiger, Gesundheitsschäden. Liegt der AGW-analoge Wert oberhalb der Toleranzkonzentration (s. "Akzeptanz-/Toleranzkonzentration"), ist die praktische Bedeutung vergleichsweise gering. Eine Überschreitung der Toleranzkonzentration muss nach dem Maßnahmenkonzept der BekGS 910 wegen des damit verbundenen nicht zu tolerierenden Krebsrisikos ohnehin vermieden werden. Sind nicht tumorartige Gesundheitsbeeinträchtigungen aber schon bei niedrigeren Arbeitsplatzkonzentrationen zu befürchten, so löst eine Überschreitung dieser AGW-analogen Werte dieselben Schutzmaßnahmen aus wie die Nichteinhaltung "klassischer" Arbeitsplatzgrenzwerte (s. dort) für nicht kanzerogene Stoffe. Der Terminus: "AGW-analoger Wert" wird zur Beschreibung der Vorgehensweise und Bewertungsergebnisse in Begründungsdokumenten zur ERB verwendet, nicht jedoch im Rahmen des Risikomanagements. Dort wird der "AGW-analoge Wert" zum AGW, wenn er allein maßgeblich und statt einer ERB heranzuziehen ist, und zur risikobezogenen Toleranzkonzentration, wenn er als Obergrenze einer Arbeitsplatzexposition schon unterhalb des Toleranzrisikos (4:1.000) maßgeblich ist.

AIC (Akaike Information Criterion):

Statistisches Verfahren zur Beschreibung der relativen Anpassungsgüte von Kurvenmodellierungen. In der Regel ergeben besser angepasste Kurven niedrigere AIC-Werte. Wichtiger Test im Benchmark-Verfahren (s. dort).

AKC:

Abkürzung für: Akzeptanzkonzentration, d. h. über die gesamte Lebensarbeitszeit als gleichbleibend betrachtete Expositionskonzentration, die mit einem berechneten "akzeptablen" Krebsrisiko verbunden ist (s. Akzeptanz-/Toleranzrisiko).

Akzeptanz-/Toleranzrisiko:

Das gesundheitliche Risiko (s. dort) durch Einwirkung von Gefahrstoffen ist ein Kontinuum, das in der Regel mit der Gefahrstoffkonzentration zunimmt. In dem Risikokonzept des Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) wird dieses Kontinuum durch zwei Zäsurpunkte, das Akzeptanz- und das Toleranzrisiko, in folgende drei Bereiche unterteilt:
(1)   Ist ein Schadenseintritt lediglich möglich, wird das damit verbundene Risiko als "hinnehmbar" (akzeptabel) bewertet. Bei diesem Risiko sind die Grundmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten erforderlich (Bereich unterhalb des Akzeptanzrisikos).
(2) Ist ein Schadenseintritt nicht lediglich möglich und nicht bereits hinreichend wahrscheinlich (s. (3)), wird das damit verbundene Risiko als "unerwünscht" bewertet. Dieses Risiko bezeichnet die Besorgnis eines Gesundheitsschadens.
(3) Ist ein Schadenseintritt hinreichend wahrscheinlich, wird das damit verbundene Risiko als "nicht hinnehmbar" bewertet. Dieses Risiko bezeichnet eine Gefahr für die Gesundheit (oberhalb des Toleranzrisikos).
Die Risikohöhen für die bezeichneten Zäsurpunkte (Akzeptanz-, Toleranzrisiko) können nicht wissenschaftlich begründet sondern nur gesellschaftspolitisch gesetzt werden. Dabei sind eine Reihe von Kriterien zu beachten, neben der gesellschaftlichen Risikowahrnehmung sind dies z. B. die Schwere eines Gesundheitsschadens, das mögliche Schadensausmaß (Art des Schadens und/oder die Anzahl der Betroffenen), die Relation zu vergleichbaren anderen Arbeitsplatzrisiken, ein unmittelbarer Nutzen und die tatsächlichen und möglichen Risikominderungsmaßnahmen.
Es wird auch der Begriff der "akzeptablen Exposition" in Abgrenzung von einer "gefahrenrelevanten Konzentration" (bei Überschreitung der Toleranzkonzentration) verwendet.

Allometrisches Scaling:

Element der Interspeziesextrapolation (s. dort) von kleinen Versuchstieren auf den Menschen. Unter Allometrie versteht man die Ermittlung der Abhängigkeit verschiedener biologischer Parameter von der Körpergröße. Beim allometrischen Scaling wird rechnerisch berücksichtigt, dass z. B. bei Säugern die Stoffwechselaktivität nicht linear mit dem Körpergewicht der verschiedenen Tierarten ansteigt. Dies hat zur Folge, dass der Mensch gegen vergleichbare toxische Einflüsse empfindlicher zu sein scheint als beispielsweise die Maus, wenn man die aufgenommene Dosis auf das Körpergewicht bezieht.

Alpha-2u-globulin:

Niedermolekularer Eiweißstoff, der in großen Mengen in der Leber erwachsener männlicher Ratten gebildet wird. Bestimmte leichte Kohlenwasserstoffe (z. B. Isophoron, 1,4-Dichlorbenzol, Limonen) binden an Alpha-2u-globulin. Die so entstehenden Komplexe reichern sich in den Nierenzellen an, was in der Folge zu Zelluntergang mit anschließender Reparatur, Regeneration und vermehrtem Auftreten von Nierentumoren führen kann. Dieser nicht-gentoxische Tumorentstehungsmechanismus (s. "Gentoxizität") wird als geschlechts- und speziesspezifisch und ohne Relevanz für den Menschen angesehen.

Alveolengängiger Staub (A-Staub):

Unter alveolengängigem Staub oder der alveolengängigen Fraktion eines Staubes (A-Staub) wird der feine Anteil des einatembaren Staubs (s. dort) verstanden, der in die tiefsten Regionen der menschlichen Lunge (pulmonärer oder Alveolarbereich) vordringen kann. Für diese Partikel kann keine absolute Größe angegeben werden, es wird stattdessen eine Größenverteilung nach DIN EN 481 beschrieben.

Aneugenität:

Induktion von Aneuploidie; bezieht sich auf die Effekte, die eine Änderung (Gewinn oder Verlust) in der Zahl der Chromosomen in Zellen verursachen. Ein Aneugen kann Verlust oder Gewinn von Chromosomen verursachen, die auf Zellen hinauslaufen, die nicht ein ganzzahliges Vielfaches des haploiden Chromosomensatzes haben.

Arbeitsplatzgrenzwert (AGW):

Nach § 7 Abs. 2 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist ein AGW "der Grenzwert für die zeitlich gewichtete durchschnittliche Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz in Bezug auf einen gegebenen Referenzzeitraum. Er gibt an, bis zu welcher Konzentration eines Stoffes akute oder chronische schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Beschäftigten im Allgemeinen nicht zu erwarten sind." Arbeitsplatzgrenzwerte sind Schichtmittelwerte bei in der Regel achtstündiger Exposition an fünf Tagen pro Woche während der Lebensarbeitszeit.

Voraussetzung für die Ableitung eines AGW ist die begründete Annahme einer toxikologischen Wirkschwelle (s. dort). Insbesondere für krebserzeugende Stoffe mit direkt gentoxischem Wirkmechanismus ist eine Wirkschwelle kaum bekannt, weshalb üblicherweise kein AGW abgeleitet werden kann. In diesen Fällen kommt das Risikokonzept nach Bekanntmachung 910 zur Anwendung (s. hierzu auch unter "AGW-analoger Wert").

Arbeitsplatzgrenzwerte werden vom AGS vorgeschlagen, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales beschlossen und in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 900 veröffentlicht. Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass sie eingehalten werden. Wird ein AGW überschritten und stehen keine wirkungsvollen Expositionsminderungsmaßnahmen zur Verfügung, muss der betreffende Stoff ersetzt werden. Für den Fall, dass auch dies nicht möglich ist, schreibt die GefStoffV ein gestuftes Vorgehen zur Anwendung von geeigneten (technischen, organisatorischen oder persönlichen) Schutzmaßnahmen vor.

A-Staub:

s. "Alveolengängiger Staub"

Attributables Risiko:

Das Attributable Risiko oder Attributivrisiko bezeichnet den Anteil der Krankheitsbelastung in der Bevölkerung, der auf einen bestimmten Risikofaktor (s. dort) zurückzuführen ist. Man kann dabei das Attributable Risiko unter Exponierten (ARE) vom Attributablen Risiko in der Allgemeinbevölkerung (PAR) unterscheiden. Während das ARE angibt, welcher Anteil der Erkrankungsfälle in der exponierten Teilbevölkerung auf die Exposition zurückzuführen ist, gibt das PAR den entsprechenden Anteil für die Gesamtbevölkerung an. Bei seltenen Expositionen kann das PAR zwar klein sein, jedoch kann bei entsprechender Höhe des Relativen Risikos (RR) der diesbezügliche Anteil in der exponierten Teilgruppe, wie z. B. den Beschäftigten in einem bestimmten Produktionszweig, sehr hoch sein, und z. B. bei einem RR > 2 über 50 % liegen.

Zur Berechnung des Attributablen Risikos in der Allgemeinbevölkerung (PAR) sind zwei Informationen erforderlich:
  • die Häufigkeit des Risikofaktors in der Bevölkerung,
  • das Ausmaß der Erhöhung des Erkrankungsrisikos durch diesen Risikofaktor.
Nimmt man beispielsweise an, dass bei Rauchern das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken im Vergleich zu Nicht-Rauchern auf das Zehnfache ansteigt, und nimmt man weiter an, dass die Häufigkeit des Rauchens bei Männern in der Bevölkerung 40 % beträgt, dann würde sich das Attributivrisiko auf etwa 78 % belaufen, d. h. 78 % der Lungenkrebsfälle in der männlichen Bevölkerung wären durch das Rauchen verursacht. In vergleichbarer Weise lässt sich für berufliche Expositionen auf der Basis von Daten zur Expositions-Prävalenz und unter Verwendung von Risiko-Schätzungen aus vorliegenden Studien das Attributable Risiko unter Exponierten (ARE) zur jeweiligen Exposition schätzen.

 

Mathematische Definitionen von ARE und PAR:

mit P|E = 1|    Wahrscheinlichkeit, bezogen auf die Population, exponiert zu sein

Benchmark-Verfahren:

Verfahren zur Anpassung eines mathematischen Modells an die in einer Studie erhobenen Daten zum Dosis-Wirkungs-Zusammenhang. Dafür stehen mehrere Modellfunktionen zur Verfügung.

Das Benchmark-Verfahren ist ein Instrument zur Ermittlung eines "point of departure" (s. dort) für quantitative Risikoabschätzungen. Für eine definierte Effekthäufigkeit bzw. ein definiertes Effektmaß, der sog. "Benchmark Response" (BMR), kann die Dosis geschätzt werden, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu diesem Effekt führt. Diese Dosis wird "Benchmark Dose" (BMD) genannt. Eine BMD10 wäre diejenige Dosis, die ein 10%iges Risiko für das Auftreten eines interessierenden Effekts erwarten lässt. Die Sicherheit der Abschätzung einer Dosis-Wirkungs-Beziehung wird durch Angabe eines Vertrauensbereichs quantifiziert. Der Wert des unteren (in der Regel 90 oder 95 %) Vertrauensbereichs der "Benchmark Dose" wird als "Benchmark Dose Lower Bound" (BMDL) bezeichnet. Eine Prüfung der Anpassungsgüte der Ergebnisse mit verschiedenen Modellfunktionen kann anhand des AIC erfolgen (s. dort).

Bias:

Unter dem Begriff Bias versteht man in der Epidemiologie eine Verzerrung, die auf einen systematischen Fehler bei der Erhebung der Daten zurückzuführen ist. Im Gegensatz zu zufälligen Fehlern führen systematische Fehler zu einseitigen Abweichungen.

Bioaktivierung:

Umwandlung eines Fremdstoffes, i. d. R. durch körpereigene Enzyme, in einen toxischen oder kanzerogenen Metaboliten.

BMD (Benchmark Dose):

s. "Benchmark-Verfahren".

BMDL (Benchmark Dose Lower Bound):

s. "Benchmark-Verfahren".

BMR (Benchmark Response):

s. "Benchmark-Verfahren".

Chi-Quadrat-Verteilung:

Ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung über die Menge der positiven reellen Zahlen.

Clearance:

Hier: Reinigung der Atemwege von deponierten (s. "Deposition") Partikeln durch physiko-chemische Auflösung oder mechanischen Abtransport. Letzterer kann in den mittleren Atemwegen über das Flimmerepithel ("mukoziliäre Clearance"), in den unteren Atemwegen durch Aufnahme in frei bewegliche "Fresszellen", den Makrophagen ("Makrophagenclearance"), erfolgen.

CLP-Verordnung

Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, zur Änderung und Aufhebung der Richtlinien 67/548/EWG und 1999/45/EG und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006. Diese Richtlinie unterteilt krebserzeugende Stoffe in folgende drei Kategorien:
  • 1A: Stoffe, die bekanntermaßen beim Menschen kanzerogen sind; diese Einstufung erfolgt überwiegend aufgrund von Nachweisen beim Menschen.
  • 1B: Stoffe, die wahrscheinlich beim Menschen kanzerogen sind; diese Einstufung erfolgt überwiegend aufgrund von Nachweisen bei Tieren.
  • 2: Verdacht auf karzinogene Wirkung beim Menschen.
Ein analoges Klassifikationsschema sieht die CLP-Verordnung z. B. für mutagene und keimzellmutagene Stoffe vor. Der vorliegende Leitfaden verwendet dieses Klassifikationsschema.

Confounder:

Störvariable, die sowohl mit dem eigentlich untersuchten Einfluss (z. B. bestimmter Arbeitsstoff) als auch mit dem untersuchten Endpunkt (z. B. Krebsentstehung) assoziiert ist. Confounding ist das Vermischen von Störfaktoren-Effekten mit dem Effekt desjenigen Risikofaktors, der untersucht wird.

DALY:

Abkürzung für "disability-adjusted life years" oder "disease-adjusted life years". Man versteht darunter die Summe aus der durch Behinderung und/oder Krankheit beeinträchtigten und durch vorzeitiges Versterben verlorenen Lebensjahre (YLL, s. dort) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen.

Default:

Statistisch gestützter Standardwert oder -annahme, der oder die in Ermangelung Stoff- oder Tierart-spezifischer Daten verwendet werden soll. Ein Default lässt Abweichungen zu und ist ein Mittel, um Systeme zu beschreiben, deren Merkmale nicht vollständig bekannt sind.

Deposition:

Hier: Ablagerung von eingeatmeten Partikeln in den Atemwegen. Deponierte Partikel können wieder aus den Atemwegen entfernt werden (s. "Clearance").

DMEL:

Abkürzung für "derived minimal effect level".

Die europäische REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 schreibt für Chemikalien mit bestimmten Merkmalen eigentlich die Ableitung eines "gesundheitsbasierten" Derived No-Effect Level ("DNEL", s. dort) vor. Kann für Kanzerogene/Mutagene kein DNEL aufgestellt werden, insbesondere wenn eine toxikologische Wirkschwelle (s. dort) unbekannt oder unplausibel ist, erlaubt diese Verordnung gemäß ihrem Anhang I "eine qualitative Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, dass bei Anwendung des Expositionsszenariums Auswirkungen vermieden werden". Nicht in der REACH-Verordnung selbst, sondern im REACH-Leitfaden "Guidance on Information Requirements and Chemical Safety Assessment" (Kapitel R.8) wird für diesen Fall die Aufstellung eines DMEL empfohlen, definiert als "a reference level which is considered to be of very low concern. DMEL derived in accordance with the guidance should be seen as a tolerable level of effects and it should be noted that it is not a level where no potential effects can be foreseen."

Der genannte REACH-Leitfaden schlägt mehrere Möglichkeiten der Ableitung von DMEL-Werten vor. Darunter ein "linearisiertes Modell", das weitgehend mit dem im vorliegenden (deutschen) Leitfaden beschriebenen übereinstimmt, daneben aber auch das EFSA-Konzept (s. dort) oder physiologiebasierte pharmakokinetische Modelle (s. dort).

Im REACH-Leitfaden werden keine klaren Vorgaben zum anzustrebenden Schutz- oder Risikoniveau gemacht. Seine Autoren beschränken sich auf folgenden Passus: "Although there is no EU legislation setting the ’tolerable’ risk level for carcinogens in the society, cancer risk levels had been set and used in different contexts (see APPENDIX R. 8-14 for various values previously applied within and outside the EU). Based on these experiences, cancer risk levels of 10-5 and 10-6 could be seen as indicative tolerable risks when setting DMELs for workers and the general population, respectively."

DNA-Polymerasen:

Enzyme, die die Synthese der Erbsubstanz Desoxyribonucleinsäure (DNA) aus ihren Bausteinen, den Desoxyribonucleotiden, katalysieren. Dabei dient ein bereits bestehender DNA-Einzelstrang als Matrize.

DNEL:

Laut Anhang I der europäischen Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), ist es Ziel der Ermittlung schädlicher Wirkungen auf die Gesundheit des Menschen, "für den genannten Stoff Expositionshöhen abzuleiten, oberhalb deren Menschen nicht exponiert werden sollten. Dieser Expositionsgrenzwert wird als Derived No-Effect Level (DNEL – abgeleitete Expositionshöhe, unterhalb deren der Stoff zu keiner Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit führt) bezeichnet."

DNEL-Werte müssen von den Herstellern oder Importeuren für registrierungspflichtige gefährliche Stoffe mit einer Produktions- bzw. Einfuhrmenge ≥ 10 Tonnen pro Jahr aufgestellt und im Stoffsicherheitsbericht und Sicherheitsdatenblatt aufgeführt werden. Zu ein- und demselben Stoff können für unterschiedliche Personengruppen (z. B. Verbraucher, Arbeitnehmer, schwangere Frauen, Kinder) sowie für unterschiedliche Expositionsdauern und -wege (oral, dermal, inhalativ) verschiedene DNEL-Werte ermittelt werden.

Im REACH-Leitfaden "Guidance on Information Requirements and Chemical Safety Assessment" wird die Vorgehensweise der Ableitung von DNEL-Werten beschrieben. Grundsätzlich ähnelt das Verfahren demjenigen, das in der Bekanntmachung zu Gefahrstoffen (BekGS) 901 vorgeschlagen wird, um AGW (s. dort) für Deutschland aufzustellen; einzelne Extrapolationsfaktoren unterscheiden sich jedoch geringfügig.

In Deutschland sind AGW die für den Arbeitgeber verbindlichen Luftgrenzwerte am Arbeitsplatz. Falls kein AGW (und auch kein MAK-Wert) zur Verfügung steht, kann u. a. der stoff- und szenarienspezifische DNEL ("inhalative, long-term, workers") gemäß der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 402 hilfsweise herangezogen werden, um zu beurteilen, ob die getroffenen Schutzmaßnahmen ausreichen.

Dosis-Wirkungs-Beziehung:

Funktionale Beziehung zwischen Dosis und Wirkung (Effektstärke) einer pharmakologisch oder toxikologisch aktiven Substanz. Dosis-Wirkungs-Beziehungen für den Endpunkt Krebs sind streng genommen Dosis-Häufigkeits-Beziehungen und beschreiben die Tumorrate in Abhängigkeit von der Dosis (oder Konzentration). Diese Funktionen sind stetig und nähern sich meist asymptotisch einem maximalen Wert für die Tumorrate.

Für den tierexperimentell in der Regel nicht zugänglichen Niedrigdosisbereich sind mehrere Kurvenverläufe, z. B. mit dem Benchmark-Verfahren (s. dort), modellierbar:
  • Lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Kurvenabschnitt lässt sich durch eine Geradenfunktion beschreiben.
  • Sublineare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Der mit stetig steigender Dosis zunächst langsame Anstieg z. B. der Tumorrate steigert sich überproportional ("nach unten durchhängende" oder konvexe Kurve)
  • Supralineare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Kleinere Dosisschritte im Niedrigdosisbereich bewirken einen relativ großen Anstieg z. B. der Tumorrate, während es im höheren Dosisbereich nur noch zu einer geringen Zunahme der Tumorrate und damit zu einer Abflachung der Kurve kommt ("nach oben ausgebauchte" oder konkave Kurve).
Diese Beschreibungen der Kurvenverläufe beinhalten grundsätzliche keine Informationen darüber, ob die Funktionen durch den Nullpunkt verlaufen oder nicht.

EF:

Englisch: Abkürzung für "Excursion Factor"; s. ÜF.

EFSA-Konzept:

Strategie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für die Risikobewertung von gentoxischen (s. Gentoxizität) und krebserzeugenden Stoffen. Das Konzept beruht auf der Berechnung einer "margin of exposure" (s. dort). Als Bezugspunkt auf der Dosis-Wirkungs-Kurve wird die Dosis ermittelt, die im Tierexperiment eine Tumorrate von 10 % bewirkt (bei befriedigender Datenlage berechnet als BMDL, s. dort). Liegt die "margin of exposure" (also das Verhältnis zwischen über den Verdauungstrakt aufgenommener Dosis und BMDL10) bei 10.000 oder höher, wird das Krebsrisiko für Konsumenten von belasteten Lebensmitteln als gering eingestuft und vorgeschlagen, diese Substanzen mit niedriger Priorität zu behandeln. Je weiter der "margin of exposure" unter 10.000 liegt, desto dringlicher werden Minimierungsmaßnahmen.

Einatembarer Staub (E-Staub):

Der Massenanteil eines Schwebstoffes, der vom Menschen durch Mund und/oder Nase eingeatmet werden kann, wird als einatembare Fraktion (einatembarer Staub, E-Staub) bezeichnet. Während kleinere Partikel (aerodynamischer Durchmesser < 5 µm) fast vollständig eingeatmet werden, nimmt die Inhalierbarkeit zu größeren Partikeln hin ab (durch den nicht einatembaren Anteil). Die Größenverteilung der einatembaren Fraktion kann der Norm DIN EN 481 entnommen werden. E-Staub lässt sich anhand der Ablagerungsorte in der Lunge in weitere Staubfraktionen unterteilen (z. B. alveolengängige Fraktion/A-Staub, s. dort).

Endokrin:

Das Hormonsystem betreffend.

Endozytose:

Aufnahme von Stoffen in die Zelle durch Einstülpung und anschließender Abschnürung der Zellmembran.

Enzyminduktion:

Aktivierung einer Steigerung der Synthese von bestimmten Enzymen in den Zellen eines Gewebes. Werden Stoffwechselenzyme induziert, kann dies Auswirkungen auf die Entgiftung oder Giftung aufgenommener Fremdstoffe haben.

EPA:

Abkürzung für "United States Environmental Protection Agency". Die EPA ist eine unabhängige Umweltbehörde der US-amerikanischen Bundesregierung.

Epidemiologie:

Epidemiologie ist die Untersuchung der Verteilung und der Ursachen von gesundheitsbezogenen Zuständen oder Ereignissen in definierten Populationen (s. dort) und die Anwendung der Ergebnisse derartiger Untersuchungen mit dem Ziel, Gesundheitsprobleme zu vermeiden. Unter "Untersuchung" sind Beobachtungsstudien, Surveys, Hypothesentests, analytische und experimentelle Studien zu verstehen. "Verteilung" beinhaltet die Auswertung von entsprechenden Daten nach Zeit, Ort und Personengruppen. Unter "Ursachen" sind alle physikalischen, biologischen, sozialen, kulturellen und verhaltensbedingten Faktoren zu verstehen, die einen Einfluss auf die Gesundheit haben können. "Gesundheitsbezogene Zustände oder Ereignisse" umfassen Erkrankungen, Todesursachen, Verhaltensweisen wie z. B. Tabakkonsum, Reaktionen auf Präventionsmaßnahmen und die Bereitstellung und Nutzung von Gesundheitsdiensten. Unter "definierten Populationen" sind Menschengruppen mit identifizierbaren Charakteristika (Alter, Geschlecht, Wohnort etc.) zu verstehen. Mit "Anwendung der Ergebnisse..." wird explizit auf das Ziel von Epidemiologie, nämlich die Förderung, den Schutz und die Wiederherstellung von Gesundheit, hingewiesen (Porta, 2008).

ERB:

s. "Expositions-Risiko-Beziehung".

E-Staub:

s. "Einatembarer Staub".

Extrathorakaler Bereich (ET):

Obere Atemwege, Nase, Mund, Rachen und Kehlkopf umfassend.

Expositions-Risiko-Beziehung (ERB):

Eine Expositions-Risiko-Beziehung (ERB) beschreibt das Verhältnis eines stoffspezifischen Risikos für eine krebserzeugende Wirkung zu einer angenommenen Exposition gegen diesen Stoff. Dabei wird einem zusätzlichen, d. h. über die Hintergrundrate hinausgehenden Krebserkrankungsrisiko einer Stoffkonzentration in der Luft bei gleichmäßiger Exposition während der gesamten Lebensarbeitszeit gegenüber gestellt. Aus den ERB können stoffspezifische Expositionskonzentrationen für krebserzeugende Gefahrstoffe in der Luft am Arbeitsplatz abgeleitet werden, die dem Akzeptanz- oder Toleranzrisiko (s. dort) entsprechen. ERB werden – wie im vorliegenden Leitfaden erläutert – auf der Basis arbeitsmedizinisch-toxikologischer Literaturdaten abgeleitet und dienen der Prävention sowie der Umsetzung von Minimierungsmaßnahmen.

Exzess-Risiko:

Mehrdeutige Begriffsverwendung:

(a) Oft definiert als das zusätzliche Erkrankungsrisiko unter Exponierten in Relation zum Basisrisiko, auch relative Risikodifferenz (RD) genannt: RD=RR-1. Sie gibt die prozentuale Risikoerhöhung unter Exponierten an. Bei einem Relativen Risiko (RR) von z. B. 1,5 beträgt diese 50 %, bei einem RR von 2,0 100 % und bei einem RR von 10 entsprechend 900 %.

(b) In diesem Leitfaden wird darunter das expositionsbedingte Lebenszeitrisiko verstanden, das in der Regel als Differenz zwischen dem Risiko der Exponierten und dem Risiko einer nicht-exponierten Vergleichsgruppe (z. B. der Allgemeinbevölkerung) definiert wird:
  Pexcess (x) = P(x) – P(0)
mit   Pexcess  (x): Exzess-Risiko bei der Exposition x
  P(x): Lebenszeitrisiko der Exponierten
  P(0): "Hintergrundrisiko" (Lebenszeitrisiko einer nicht-exponierten Vergleichsgruppe)
Der so verstandene Begriff des Exzess-Risiko wird insbesondere bei epidemiologischen Daten verwendet, es ist dabei formal identisch mit dem Additional Risk (s. dort). Der Begriff des Exzess-Risiko mag im Falle von Tierversuchen – formal nicht ganz korrekt – auch dann angewandt werden, wenn das expositionsbedingte Lebenszeitrisiko als Extra Risk (s. dort) berechnet wurde.

Extrapolationsfaktor/Sicherheitsfaktor:

Ein Extrapolationsfaktor ist physiologisch/empirisch begründet. Bei der Risikoabschätzung geht man von vorliegenden toxikologischen Daten aus und extrapoliert auf einen experimentell nicht ermittelten Erwartungswert (z. B. Absenkung der Effektkonzentration bei Verlängerung der Versuchsdauer). Diese quantitative Abschätzung muss eine nachvollziehbare Interpretation empirischer Daten einschließen.

Die Berücksichtigung darüber hinausgehender, eher qualitativer Aspekte (Datengüte, Schwere des Effekts, Verdachtsmomente) erfolgt, um nach dem Vorsorgeprinzip auch vor unbekannten oder wissenschaftlich/empirisch nicht quantifizierbaren Risiken zu schützen. Ein hierfür eingesetzter Faktor wird als Sicherheitsfaktor bezeichnet.

Extra Risk:

Berechnungsweise des expositionsbedingten Lebenszeitrisikos anhand des Risikos der Exponierten und des Risikos einer nicht-exponierten Kontrollgruppe gemäß folgender Formel:
PE(x) = [P(x) – P(0)] : [1 – P(0)]
  mit   PE(x): Extra Risk bei der Exposition x
  P(x): Lebenszeitrisiko der Exponierten
  P(0): "Hintergrundrisiko"
(Lebenszeitrisiko einer nicht-exponierten Kontrollgruppe)
Es handelt sich somit um den Quotienten aus Additional Risk (s. dort) und dem Anteil der Individuen, die bei Abwesenheit einer Exposition nicht reagieren. Die Berechnungsweise des Extra Risk wird aus rechentechnischen Gründen bei bestimmten Dosis-Wirkungsmodellen insbesondere bei Daten aus Tierversuchen verwendet; das Ergebnis unterscheidet sich in der Regel wenig vom Additional Risk.

Fall-Kontroll-Studie:

Das Ziel von Fall-Kontroll-Studien ist es, die Bedeutung von Risikofaktoren (s. dort) für die Entstehung von Krankheiten quantitativ zu ermitteln. Die logische Basis für Fall-Kontroll-Studien ergibt sich aus der Überlegung, dass ein Risikofaktor, der die Entstehung einer Krankheit begünstigt, bei Patienten mit dieser Krankheit vor Krankheitsbeginn häufiger vorhanden gewesen sein muss als in einer Vergleichsgruppe von Nicht-Erkrankten. Da bei Fall-Kontroll-Studien die Recherchen erst nach eingetretener Erkrankung einsetzen, also in die Vergangenheit gerichtet sind, gehören die Fall-Kontroll-Studien zu den retrospektiven Studienformen. Das Ergebnis einer Fall-Kontroll-Studie ist die sogenannte Odds Ratio (s. dort), eine Verhältniszahl, die angibt, um wievielmal häufiger die Erkrankung bei vorhandenem Risikofaktor auftritt als ohne. Eine Odds Ratio unter 1.0 würde ein erniedrigtes Risiko anzeigen, ein Wert über 1.0 ein erhöhtes. Eine Odds Ratio von 1.5 entspricht einer Risiko-Erhöhung um 50 %. Zur Bewertung der Relevanz einer Odds Ratio ist allerdings die Berechnung eines zugehörigen Konfidenz-Intervalls (s. dort) unerlässlich.

In eine Kohorte eingebettete Fall-Kontroll-Studie: Dieses Design stellt einen Sonderfall der Fall-Kontroll-Studie dar, welches in der Arbeitsepidemiologie häufig vorkommt. Alle Fälle aus einer Kohorte werden mit einem zufälligen Sample der zum Zeitpunkt der Falldiagnose nicht erkrankten Kontrollpersonen aus derselben Kohorte verglichen ("Incidence-Density-Sampling"), wodurch die optimalen Bedingungen einer inzidenten und vollständigen Fallrekrutierung sowie die zufällige Auswahl nicht erkrankter Personen aus derselben Bezugspopulation erfüllt werden.

First-Pass-Effekt:

Stoffe, die über den Verdauungstrakt aufgenommen werden, gelangen nach Resorption über die Pfortader in die Leber. Bei ihrer ersten Leberpassage ("first pass") können sie teilweise in erheblichem Umfang verstoffwechselt werden, so dass nur noch ein Bruchteil der Ausgangssubstanz die anderen Organe erreicht.

Gamma-Funktion:

Spezielle mathematische Funktion, aus der sich eine kontinuierliche Wahrscheinlichkeitsverteilung (Gamma-Verteilung) ableitet.

Gavage:

Verabreichung einer Substanz mittels Schlundsonde.

Gentoxizität:

ist ein relativ breiter Begriff für Wirkungen auf das genetische Material. Er bezieht sich auf Prozesse, die die Struktur bzw. den Informationsgehalt der DNA oder die DNA Segregation (Aufteilung in Tochterzellen) verändern und die nicht notwendigerweise mit Mutagenität (siehe dort) assoziiert werden. So schließen Gentoxizitätstests auch solche Tests ein, die Hinweise auf induzierte DNA Schäden geben, nicht aber den unmittelbaren Beweis einer Mutation liefern, etwa über Effekte wie die unplanmäßige DNA-Synthese (UDS, unscheduled DNA synthesis), Schwesterchromatidaustausche (SCE, sister chromatid exchange), DNA-Strangbrüche, DNA-Adduktbildung oder mitotische Rekombination, aber ebenso Tests zur Mutagenität. Vgl. Quelle: (SCHER/SCCP/SCENIHR, 2009).

Man unterscheidet zwischen:

primär gentoxisch wirkenden Substanzen: Ausgangsstoff und/oder Stoffwechselprodukt(e) reagieren unmittelbar mit der DNA und können so die genetische Information verändern;

sekundär gentoxisch wirkenden Substanzen: Induktion von genetischen Schäden ohne unmittelbare Wechselwirkung mit der DNA. Beispiele sind oxidative Schädigung durch entstehende reaktive Sauerstoffspezies oder Störung der DNA-Reparatur.

Glucuronidierung:

Übertragung eines Glucuronsäurerests aus der Uridindiphosphoglucuronsäure ("aktivierte Glucuronsäure") auf nukleophile Reaktionspartner wie Hydroxyl-, Amino-, Sulfhydryl- oder Carboxylgruppen. Diese Reaktion wird von den zu den Phase-II-Enzymen (s. dort) gehörenden UDP-Glucuronosyltransferasen katalysiert. Durch Glucuronidierung werden unpolare Fremdstoffe hydrophil und ausscheidbar.

Hämangiosarkom:

Bösartiger Tumor, der vom Gewebe der Innenauskleidung der Blutgefäße, dem Endothel, ausgeht.

Harder‘sche Drüse:

Zusätzliche Tränendrüse der Nickhaut im nasenseitigen Augenwinkel von vielen Tierspezies. Der Mensch besitzt keine Nickhaut.

HEC:

Englische Abkürzung für "humanäquivalente Konzentration". Im Kontext dieses Leitfadens geht es darum, dass bei der Interspeziesextrapolation (s. dort) für lokal wirksame (speziell: lungenschädigende) Stoffe die im Inhalationsversuch am Versuchstier ermittelten Effektkonzentrationen auf die Verhältnisse beim Menschen umgerechnet werden müssen, woraus eine zu der im Tierversuch eingesetzte (human-)äquivalente Konzentration resultiert.

hBMD:

Humanäquivalente Benchmarkdosis (s. "Benchmark-Verfahren"), die durch Extrapolation auf den Menschen aus Tierversuchsdaten errechnet ist.

hT25:

Humanäquivalente T25 (s. dort), die durch die Extrapolation auf den Menschen aus der aus Tierversuchsdaten ermittelten T25 errechnet ist.

Homöostase:

Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustands im physiologischen System.

Hyperplasie:

Vergrößerung eines Gewebes oder Organs durch Anstieg der Zellzahl (vermehrte Zellteilung).

Hypertrophie:

Vergrößerung eines Gewebes oder Organs durch Anstieg der Zellvolumina.

Hypophyse:

Hirnanhangsdrüse, die eine Reihe von Hormonen produziert.

Hypoxie:

Minderversorgung eines Gewebes mit Sauerstoff.

IARC:

Abkürzung für "International Agency for Research on Cancer"; Tochterinstitut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Sitz in Lyon, das sich der Krebsforschung und der Einstufung krebserzeugender Stoffe widmet.

ICD:

Abkürzung für "International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems", ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenes und international anerkanntes Klassifikationssystem medizinischer Diagnosen.

Interspeziesextrapolation:

Hier: Umrechnung von tierexperimentell erhaltenen Ergebnissen auf die (durchschnittlichen) Verhältnisse beim Menschen.

Interstitium:

Zwischengewebe (z. B. Bindegewebe), das die Organe durchzieht und untergliedert. Es besitzt eine Stütz-, Träger- oder Gerüstfunktion.

Intraspeziesextrapolation:

Hier: rechnerische Berücksichtigung von Empfindlichkeitsunterschieden innerhalb der menschlichen Bevölkerung bei der Risikoabschätzung.

Inzidenz:

Bezeichnet die Häufigkeit der Neuerkrankungen an einer bestimmten Erkrankung bezogen auf einen definierten Zeitraum (meistens ein Jahr) und bezogen auf eine definierte Population. Zur Ermittlung der Inzidenz müssen in einer definierten Region alle neu erkrankten Patienten erfasst werden. Dieses ist in der Regel durch bevölkerungsbezogene epidemiologische Krankheitsregister möglich, z. B. Krebsregister, Herzinfarktregister oder durch eigene Inzidenz-Studien. Für Deutschland kann die Inzidenz nur für wenige Krankheitsgruppen und regional sehr beschränkt angegeben werden. Die einzigen epidemiologischen Krebsregister, die für alle Altersgruppen verlässliche Inzidenzdaten über längere Zeiträume liefern, sind das Krebsregister des Saarlandes und das Krebsregister der ehemaligen DDR bis 1990. Die aufgrund des Bundeskrebsregistergesetzes seit den 90er Jahren aufgebauten Landeskrebsregister sind nur teilweise vollständig, werden aber zukünftig vermehrt nutzbare Daten liefern (siehe "Dachdokumentation Krebs" unter www.rki.de). Für Malignome des Kindesalters (bis zum vollendeten 14. Lebensjahr) liefert das Mainzer Kinderkrebsregister Daten für die gesamte Bundesrepublik.
Die kumulative Inzidenz (CI) gibt den Anteil neu erkrankter Peronen zu einem definierten Zeitpunkt für eine spezifische Erkrankung an:

CI  =   Anzahl Personen, die im definierten Zeitintervall erkranken
Anzahl Personen, die im definierten Zeitintervall unter Risiko stand zu erkranken

Klastogenität:

Als Klastogene werden Substanzen bezeichnet, die Chromosomenbrüche verursachen. Dies kann das Ergebnis einer direkten DNA Schädigung sein oder eines indirekten Mechanismus, z. B. eine Hemmung von Topoisomerasen (s.dort) (SCHER/SCCP/SCENIHR, 2009).

Klitorisdrüse:

s. "Präputialdrüse".

Kohortenstudie:

Eine Kohorte bezeichnet in der Epidemiologie eine Gruppe von Personen, die durch ein gemeinsames Merkmal charakterisiert ist. Dieses Merkmal kann eine gemeinsame Exposition gegenüber einem Schadstoff sein, das Wohnen in einer bestimmten Region, der gleiche Beruf oder ähnliches. In einer Kohortenstudie werden die Mitglieder der Kohorte über einen definierten Zeitraum beobachtet auf das Auftreten von Endpunkten hin. Diese Endpunkte können das Auftreten definierter Erkrankungen oder das Versterben an definierten Todesursachen sein. Da sie von einer Exposition ausgehend das zeitlich nachfolgende Erkrankungsrisiko untersuchen, handelt es sich um ein prospektives Studiendesign. In der Arbeitsmedizin wird der Ausgangspunkt von Kohortenstudien häufig zeitlich zurückverlegt. Diese Studien werden oft als historische Kohortenstudien oder als historisch-prospektives Design bezeichnet.

Wie auch tierexperimentelle Studien erfordern epidemiologische Studien bei ihrer Planung die Festlegung der erforderlichen Stichprobenumfänge.

Konfidenz-Intervall:

Ein Konfidenz-Intervall erlaubt die Beurteilung der Schwankungsbreite einer Schätzung (z. B. Odds Ratio, Relatives Risiko, Standardisierte Mortalitäts-Ratio). Das Intervall gibt an, in welchen Bereich 95 von 100 möglichen Schätzungen fallen würden (wenn das 95 %- Konfidenz-Intervall berechnet wurde) oder 99 von 100, wenn das 99 %-Konfidenz-Intervall angegeben wurde. Gebräuchlicher ist das 95 %-Konfidenz-Intervall. Wenn eine Odds Ratio (s. dort) mit 1.41 geschätzt wurde und das Konfidenz-Intervall von 0.95 bis 1.67 reicht, ist keine signifikante Erhöhung der Odds Ratio zu konstatieren, weil in den 95 %-Bereich auch Werte unter 1.0 fallen, d. h. erniedrigte Risiken wie Risikoerhöhungen auftreten können.

Korrelationsstudien:

s. "Ökologische Studien".

Krebsrisikozahl:

Dieser Begriff wurde in der Vorläuferversion dieses Leitfadens gleichlautend zum Terminus "Risikokonzentration" verwendet (siehe dort).

Kurzzeitkonzentration:

Kurzzeitkonzentrationen sind kurzfristige mögliche Überschreitungen der TKC oder des TNKC bei Einhaltung des Schichtmittelwerts und werden durch die Verknüpfung mit einem Überschreitungsfaktor (ÜF) berechnet. Wir unterscheiden Kurzzeitkonzentrationen (KZC) für kanzerogene (KZCkanz) und nichtkanzerogene Effekte (KZCnkanz). Im Englischen werden entsprechend die Abkürzungen STELcarc und STELncarc unterschieden.

KZC:

Abkürzung für Kurzzeitkonzentration (s. dort).

Leydigzell-Tumor:

Neubildung, die ihren Ausgang in den Testosteron-produzierenden Leydigzellen des Hodens nimmt. Während Leydigzelltumoren beim Menschen sehr selten auftreten, wird insbesondere bei alternden Fischer-344-Laborratten eine hohe spontane Inzidenz beobachtet.

Makrophagen:

Zu den weißen Blutzellen gehörende frei bewegliche Zellen in verschiedenen Geweben, die sich Mikroorganismen und andere Partikel einverleiben und abtransportieren können ("Fresszellen"). Im Kontext dieses Leitfadens sind vornehmlich die Alveolarmakrophagen der Lungenbläschen (Alveolen) gemeint.

Makrophagenclearance:

s. "Clearance".

Mamma:

Brust- oder Milchdrüse bei Säugetieren. Kommt in rudimentärer Form auch beim männlichen Geschlecht vor.

Margin of Exposure (MoE):

Abstand zwischen der aus experimentellen Daten abgeleiteten Konzentration, die noch toxische Effekte (hier: Tumoren) auslöst und der erwarteten bzw. durch Messungen ermittelten Konzentration, gegen die der Mensch (am Arbeitsplatz) exponiert ist.

Maximal tolerierbare Dosis (MTD):

Höchste Dosis im Tierexperiment, bei der keine gravierenden toxischen Effekte allgemeiner Art auftreten. Die MTD wird in der Regel anhand der Körpergewichtsentwicklung ermittelt. In Tierstudien, mit denen die mögliche krebserzeugende Wirkung einer Prüfsubstanz untersucht wird, sollte die MTD erreicht, aber nicht überschritten werden.

Maximum-Likelihood-Schätzung:

Statistisches Verfahren zur möglichst genauen Schätzung der höchsten Wahrscheinlichkeit als Kennwerte für die Grundgesamtheit (Population) auf Basis der vorliegenden Stichprobe.

Mesotheliom:

Bösartiger Tumor des Bauchfells (Peritoneum), des Brust-/Rippenfells (Pleura) oder des Herzbeutels (Pericard). Pleuramesotheliome des Menschen werden überwiegend durch eingeatmete biobeständige Fasern (Asbest) bestimmter Abmessungen verursacht.

Mitogen:

Ein Mitogen ist ein die Zellteilung anregendes Agens, mitogen meint die Zellteilung anregend.

Mitose:

Kernteilung, bei der aus einem Zellkern zwei Tochterkerne mit gleichem Erbgut entstehen.

Mitotischer Prozess:

s. "Mitose".

MPPD:

Abkürzung für "Multiple-Path Particle Dosimetry Model", ein Rechenmodell, mit dem Deposition (Ablagerung) und Clearance (Abtransport, Auflösung) von eingeatmeten Partikeln in der Lunge von Ratte und Mensch abgeschätzt werden. Es wird verwendet zur Berechnung der sog. humanäquivalenten Partikelkonzentration (HEC, s. dort) aus Ergebnissen von Tierversuchen mit inhalativer Partikel-Exposition. Das Modell steht als freies Internet-Programm in mehreren Versionen zur Verfügung23 .

Multi-Hit-Modell:

Dosis-Häufigkeits-Modell, das zur Modellierung von Dosis-Wirkungs-Beziehungen (s. dort) krebserzeugender Substanzen eingesetzt werden kann und auf der Vorstellung basiert, dass für die Entstehung eines Tumors mehrere Schadensereignisse ("Hits" oder "Treffer") notwendig sind.

Multistage-Verfahren, linearisiertes:

Risikoschätzverfahren, das lange Zeit von der U.S.EPA propagiert wurde. Die zugrunde liegende mathematische Modellfunktion (Multistage-Modell) beschreibt einen Mehrstufenprozess, der zur Ausbildung von klinisch manifesten Tumoren vorausgesetzt wird. Sie dient zur Modellierung der Dosis-Wirkungs-Beziehung (s. dort) mittels der vorhandenen experimentellen Daten bis in den Niedrigdosisbereich hinein. Anhand einer Geraden, die der Steigung der Modellfunktion im Nullpunkt entspricht, werden dann die Risiken bei niedrigen Dosen abgeschätzt.

Mutagenität:

Bezieht sich auf die Induktion von dauerhaften übertragbaren Änderungen in der Menge oder der Struktur des genetischen Materials von Zellen oder Organismen. Diese Änderungen (Mutationen) können ein einzelnes Gen oder ein Gensegment, einen Block von Genen oder Chromosomen einschließen (SCHER/SCCP/SCENIHR, 2009). Mutationen können in Körperzellen (Somazellmutagenenität) und in Keimzellen (Keimzellmutagenität) auftreten.

Nekrose:

Unkontrollierter Zelluntergang.

Nephrotoxizität:

Spezifische Giftwirkung auf die Niere.

Nichtlinearität:

Hier in Hinblick auf die Extrapolation in den Niedrigrisikobereich synonym verwendet mit dem Begriff "Sublinearität" (s. "Dosis-Wirkungs-Beziehungen), nicht zu verwechseln mit Wirkschwelle (s. dort).

Odds Ratio:

Die Odds Ratio (OR) ist eine Verhältniszahl aus zwei Chancen (‚Odds’). Die Chance ist definiert als der Quotient aus Wahrscheinlichkeit und Gegenwahrscheinlichkeit (einer Erkrankung bei gegebener Exposition bzw. einer Exposition bei gegebener Erkrankung). Bei seltenen Erkrankungen gibt die OR näherungsweise an, um wievielmal häufiger eine Krankheit eintritt, wenn ein spezifischer Risikofaktor vorhanden ist, als ohne dessen Vorhandensein. Odds Ratios werden als Ergebnis von Fall-Kontroll-Studien erhalten (s. dort). Eine Odds Ratio unter 1 weist auf ein erniedrigtes Risiko hin, eine über 1 auf ein erhöhtes. Zur Beurteilung der Relevanz der Erhöhung einer Odds Ratio ist die Kenntnis des zugehörigen Konfidenz-Intervalls (s. dort) erforderlich. Die Odds Ratio wird vor allem in Fall-Kontroll-Studien als Schätzer des Relativen Risikos (s. dort) interpretiert, da letzteres in Fall-Kontroll-Studien nicht berechnet werden kann. Je seltener die Erkrankung ist, umso besser wird das RR durch das OR approximiert

Ökologische Studien (bzw. Korrelationsstudien):

Diese Studien vergleichen Exposition und Erkrankung auf Gruppenniveau, d. h. für die Exposition bzw. Erkrankung (oder beide) liegen keine individuellen Informationen vor (z. B. Häufigkeit der Durchführung eines bestimmten Produktionsverfahrens und Krebsmortalität im Vergleich zweier Fabriken). Aufgrund des nicht individuell zugeordneten Expositions- und Erkrankungsstatus sollten ökologische Studien jedoch grundsätzlich nicht für die Ableitung von Expositions-Risiko-Beziehungen zur Einschätzung von Arbeitsplatzgrenzwerten herangezogen werden.

OR:

Odds Ratio (s. dort).

Overload:

Überladung der Lunge durch Aufnahme einer sehr großen Partikelmenge, die zu einer Beeinträchtigung der Makrophagenclearance (s. dort) führt.

Paraganglion:

Ansammlung von Nervenzellkörpern mit teilweise hormonproduzierender Funktion. Ein Beispiel sind die sog. chromaffinen (d. h. im Labor mit Chromsalzen anfärbbaren) Zellen des Nebennierenmarks.

Parenterale Applikation:

Verabreichung einer Substanz unter Umgehung des (Magen-) Darm-Traktes (z. B. durch Inhalation oder durch Injektion in eine Vene).

p53-Protein:

Genprodukt (benannt nach seiner Molekularmasse), das in Zellen mit geschädigtem Erbmaterial (DNA) verstärkt gebildet wird. Es bewirkt eine gesteigerte DNA-Reparatur, vorübergehende Hemmung der Zellteilung und u. U. den programmierten Tod der betroffenen Zelle (Apoptose). Dadurch verhindert es Mutationen, d. h. die Weitergabe von genetischen Schäden an Tochterzellen. Es wird deshalb auch als "Tumorsuppressor" bezeichnet.

Pfad-zu-Pfad-Extrapolation:

Extrapolation von einem Aufnahme-Pfad zu einem anderen.
Am Arbeitsplatz steht die Aufnahme von Arbeitsstoffen über die Atemwege (inhalativ) und die Haut (dermal) im Vordergrund, während in Tierstudien die Prüfsubstanzen häufig verfüttert oder über das Trinkwasser (oral) verabreicht werden. Wegen des teilweise ausgeprägten First-Pass-Effektes (s. dort) müssen für die Übertragung der Ergebnisse aus Fütterungs-, Trinkwasser- oder Schlundsondenstudien auf Arbeitsplatzverhältnisse mitunter Korrekturfaktoren eingeführt werden.

Peroxisomenproliferation:

Vermehrung von Peroxisomen (Zellorganellen, denen u. a. eine bedeutende Rolle beim Fettstoffwechsel zukommt). Es ist bekannt, dass sich die Peroxisomen der Leber einiger Wirbeltiere, vor allem der Nager, durch die Behandlung mit bestimmten Stoffen ("Peroxisomenproliferatoren", z. B. Fibrate, Phthalate) stark vermehren lassen. Die Peroxisomenproliferation ist eine komplexe Enzyminduktion, bei der es auch zu oxidativem Stress in der Leber, Organhyperplasie und vermehrter Zellproliferation kommt. Als Folge können Lebertumoren auftreten. Eine Relevanz für den Menschen ist in den meisten Fällen nicht gegeben. Die menschliche Leber exprimiert den PPARα-Rezeptor in sehr viel geringerem Umfang.

Pharmakokinetisches Modell:

Physiologiebasierte pharmakokinetische Modelle (PBPK-Modelle) versuchen, das Verhalten eines Stoffes im Organismus zu beschreiben und die Gewebekonzentrationen in Versuchstier und Mensch zu quantifizieren.

Phase-II-Enzyme:

Enzyme, die an einen Fremdstoff oder dessen Metabolit ein relativ großes (in der Regel polares) Molekül (z. B. Glucuronsäure oder Glutathion) binden. Ein derart modifizierter Fremdstoff kann normalerweise leichter aus dem Organismus ausgeschieden werden. Ein Beispiel für Phase-II-Enzyme sind die Sulfotransferasen (s. dort).

Phäochromocytom:

Tumor des Nebennierenmarks.

POD:

s. "Point of departure".

Point of departure (POD):

Ausgangspunkt oder -wert für weitere Schritte der Risikoabschätzung (s. "T25-Verfahren").

Population:

In der Epidemiologie wird als Population jede durch mindestens ein Merkmal definierbare Gruppe von Menschen verstanden. Dabei kann es sich um die gesamte Bevölkerung eines Landes oder einer Region handeln oder um eine durch eine spezifische definierte Erkrankung gekennzeichnete Patientengruppe (Patientenpopulation).

Power, statistische:

s. "Statistische Power".

PPARα-Rezeptor:

s. "Peroxisomenproliferation".

Prämaligne Effekte:

Vorstufen einer bösartigen Neubildung in einem Gewebe.

Präputialdrüse:

Drüse im Genitalbereich einiger Säugetiere (z. B. Ratten, Mäuse), die Sexuallockstoffe produziert. Bei weiblichen Tieren spricht man meist von Klitorisdrüse. Der Mensch besitzt kein anatomisches Äquivalent zur Präputial-/Klitorisdrüse.

Prävalenz:

Bezeichnet den Bestand an Patienten mit einer definierten Erkrankung bezogen auf eine definierte Population zu einem bestimmten Zeitpunkt oder kumulativ nach einer bestimmten Beobachtungsdauer einer Population. Sie definiert einen Anteilswert, der üblicherweise als Prozentwert oder als Proportion mit Werten zwischen 0 und 1 angegeben wird.

Primäre Gentoxizität:

s. "Gentoxisch".
PROAST:
Benchmarksoftware des niederländischen National Institute for Public Health and the Environment (http://www.rivm.nl/en/Library/Scientific/Models/PROAST). Wird von der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) für Benchmarkmodellierungen eingesetzt. Beinhaltet einige Unterschiede in der Modellierung, im Verständnis zur Auswahl von geeigneten Modellen und in den Abschneidekriterien gegenüber der BMDS Software der U.S.EPA; jedoch erscheinen die Unterschiede nicht gravierend. Im Zweifel sollte eine Abwägung erfolgen unter Einbezug der optischen Bewertung der Datenanpassung und der T25-Berechnung (siehe dort).

PU-Bereich:

s. Pulmonaler Bereich.

Pulmonaler Bereich (PU):

Untere Atemwege und der Abschnitt der Lunge, in dem der Gasaustausch stattfindet. Anatomisch gehören dazu die feinen Endverzweigungen der Bronchien (respiratorische Bronchiolen), die Alveolargänge und die Lungenbläschen (Alveolen).

Querschnitts-Studie:

In einer Querschnitts-Studie wird zu einem definierten Zeitpunkt eine definierte Personengruppe, meistens eine Stichprobe der Bevölkerung untersucht. Eine solche Untersuchung erlaubt die Schätzung der Häufigkeit von Merkmalen, Verhaltensweisen, Risikofaktoren (s. dort). Diese Häufigkeiten werden mit dem epidemiologischen Terminus "Prävalenz" (s. dort) bezeichnet. Neben der Schätzung von Prävalenzen ist es auch möglich, Mittelwerte von Messwerten (z. B. systolischer Blutdruck, Cholesterin-Spiegel) zu schätzen. Für beide Ansätze ist in der Planung einer Querschnitts-Studie die Berechnung des erforderlichen Stichprobenumfangs unumgänglich; siehe Stichproben-Berechnung.

Ein Synonym für Querschnitts-Studie ist die Bezeichnung Survey. Querschnitts-Studien stellen eines der bedeutsamsten Instrumente dar, um den Gesundheitszustand einer Bevölkerung zu untersuchen. Nach dem Stand der Wissenschaft müssen Surveys als repräsentative Surveys durchgeführt werden, d. h. auf der Basis einer repräsentativen Zufallsstichprobe aus der Bevölkerung.

RDDR:

Abkürzung für "regional deposited dose ratio". Modell der US-amerikanischen "Environmental Protection Agency" (EPA) zur Berechnung der nach inhalativer Exposition in den Atemwegen von Maus, Ratte und Mensch deponierten Partikelmenge (s. "Deposition").

Retention:

Hier: Der Verbleib von in den Atemwegen deponierten (s. "Deposition") Partikeln. Die Anzahl der nach inhalativen Exposition retinierten Partikel vermindert sich ständig durch die Clearance (s. dort):

retinierte Dosis = deponierte Dosis – Clearance

REACH:

Bei REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals – Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe) handelt es sich um die grundlegende Verordnung im Rahmen des EU-Chemikalienrechts, mit dem eine europaweite Vereinheitlichung erreicht werden soll. Sie wurde am 18.12.2006 endgültig verabschiedet und trat zum 01.06.2007 in Kraft (EG-Verordnung 1907/2006, Richtlinie 2006/121/EG). Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat umfangreiche Leitliniendokumente (Guidance Documents) zur Ermittlung von Gefährlichkeitsmerkmalen von Chemikalien sowie zur Risikobewertung veröffentlicht.

Relatives Risiko:

Faktor, der angibt, wievielmal häufiger (bzw. seltener) ein bestimmtes Ereignis (Erkrankung, Tod) in einer Population auftritt im Vergleich zu einer Vergleichspopulation. Das Relative Risiko für Zigarettenraucher, an einem Bronchial-Karzinom zu versterben, ist – je nach der täglich gerauchten Anzahl von Zigaretten und nach der lebenslangen Anzahl von gerauchten Packungen – bis zu 25, d. h. ein starker Raucher hat ein 25-mal größeres Risiko, an Bronchial-Karzinom zu versterben, als ein Nichtraucher. Das Relative Risiko kann bei seltenen Erkrankungen im Rahmen von Fall-Kontroll-Studien (s. dort) mittels des Odds Ratio (s. dort) zuverlässig geschätzt werden. Diese Bedingung ist bei Krebserkrankungen in aller Regel erfüllt.

Das Relative Risiko (RR) lässt sich definieren als Quotient aus der Inzidenz unter Exponierten (I1) und der Inzidenz unter nicht Exponierten (I0):

RR = I1/I0

Risiko:

Nach der gesellschaftspolitisch-juristischen Definition (s. Abschn. I Art. 2 der EU-Richtlinie 98/24/EG) wird unter Risiko im vorliegenden Zusammenhang die Wahrscheinlichkeit des Eintritts einer Krebserkrankung durch die Exposition gegenüber krebserzeugenden Gefahrstoffen verstanden. Bei zunehmender Schadstoffdosis oder Expositionskonzentration eines krebserzeugenden Stoffes erhöht sich das Risiko bzw. die Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts nimmt zu. Der Begriff allein enthält keine Aussage zur Risikohöhe.

Risikofaktor:

Eigenschaften von Personen oder äußere Einwirkungen, die zur positiven oder negativen Beeinflussung eines Krankheitsrisikos/Mortalitätsrisikos führen können. So ist Zigarettenrauchen ein Risikofaktor für die Entstehung von u. a. Bronchialkarzinomen, Bronchitis, Myokardinfarkt, Magen- und Blasenkarzinomen, Leukämien. Die LDL-Fraktion des Cholesterins ist ein Risikofaktor für die Entstehung arteriosklerotischer Veränderungen, während die HDL-Fraktion des Cholesterins als "positiver" Risikofaktor offensichtlich die Entstehung von Myokardinfarkten verhindern kann. Manche Wissenschaftler betrachten auch das Geschlecht und das Alter einer Person als Risikofaktoren. Berufliche Einwirkungen, Umweltfaktoren und sozio-ökonomische Charakteristika haben sich für eine Vielzahl von Erkrankungen als starke Risikofaktoren erwiesen.

Risikokonzentration:

Die Risikokonzentration stellt im vorliegenden Zusammenhang einen unter bestimmten Annahmen berechneten Konzentrationswert zu einem expositionsbedingten Lebenszeitrisiko im Szenario einer Exposition über das gesamte Arbeitsleben dar. Das Lebenszeitrisiko gibt die Wahrscheinlichkeit an, im Laufe des Lebens an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, wenn die Sterblichkeit an anderen Ursachen ungefähr gleich ist wie in einer nicht-exponierten Population. Die Risikokonzentration kann mit dem Exzess-Risiko (s. dort), dem "Additional Risk" (s. dort) oder dem "Extra Risk" (s. dort) korrespondieren, da dort das Hintergrundrisiko entsprechend eingerechnet wird.

RR:

Abkürzung für: Relatives Risiko (s. dort).

Schätzen:

Unbekannte Parameter der Grundgesamtheit werden anhand von Beobachtungswerten aus einer Stichprobe angenähert. Dafür stehen verschiedene statistische Verfahren zur Verfügung. So werden Populationsmittel (siehe "Population") durch Stichprobenmittelwerte geschätzt. Um diese Punktschätzer besser beurteilen zu können, wird deren Unschärfe anhand der in der Stichprobe geschätzten Variabilität des jeweiligen Merkmals in der Population beurteilt. Zur besseren Beurteilung von Punktschätzern wie z. B. geschätzte relative Risiken (RR), werden diese und ihre Variabilitätsschätzer in so genannten Konfidenzintervallen zusammengeführt, die mit einer vorgegebenen Sicherheitswahrscheinlichkeit, z. B. 95 %, grob gesprochen Aussagen wie "das RR liegt mit 95%iger Wahrscheinlichkeit zwischen 2,0 und 5,5" erlauben.

Schwellenwert:

s. "Wirkschwelle, toxikologische".

Sekundäre Gentoxizität:

s. "Gentoxisch".

Sicherheitsfaktor:

s. "Extrapolationsfaktor/Sicherheitsfaktor".

SIR:

Abkürzung für: Standardisierte Inzidenzratio (s. dort).

SMR:

Abkürzung für: Standardisierte Mortalitätsratio (s. dort).

Standardisierte Inzidenzratio (SIR):

Anzahl der in einem bestimmten Zeitraum beobachteten Neuerkrankungsfälle in einer Studienpopulation dividiert durch die Anzahl von Neuerkrankungsfällen, die erwartet würde, wenn die altersspezifischen Inzidenzraten (s. "Inzidenz") der Studienpopulation dieselben wären wie die altersspezifischen Inzidenzraten einer externen Vergleichspopulation.

Standardisierte Mortalitätsratio (SMR):

Anzahl der in einem bestimmten Zeitraum beobachteten Todesfälle (einer bestimmten Ursache) in der Studienpopulation dividiert durch die Anzahl von Todesfällen, die erwartet würde, wenn die altersspezifischen Mortalitätsraten der Studienpopulation dieselben wären wie die altersspezifischen Mortalitätsraten einer externen Vergleichspopulation.

Statistische Power:

Wahrscheinlichkeit, mit der ein statistischer Test (tatsächlich vorhandene) Unterschiede (z. B. unterschiedliche Tumorraten bei exponierten gegenüber nicht exponierten Versuchstieren) aufdecken und von zufälligen Schwankungen abgrenzen kann. Die statistische Power ist u. a. abhängig vom Umfang der Stichprobe (Anzahl von Versuchstieren in einer Dosisgruppe). Mit dieser Größe kann somit abgeschätzt werden, wie groß eine Studienpopulation sein muss, um ermittelte Unterschiede statistisch abzusichern und Zufallseffekte auszuschließen (s. auch "Stichprobenumfangs-Berechnung").

STEL:

Abkürzung für "Short-Term Exposure Limit". Expositionsspitze, die maximal viermal pro Schicht während eines Zeitraums von jeweils höchstens 15 min erreicht werden darf.

Sterbetafelmethode:

Statistisches Verfahren zur Berechnung des Lebenszeitrisikos, an einer bestimmten Krebsart zu sterben. Bei der Sterbetafelmethode werden die altersspezifischen Mortalitätsraten für die Krebsart und für alle Todesursachen zur Berechnung des Lebenszeitrisikos benutzt.

Stichprobenumfangs-Berechnung:

Die Planung jeder epidemiologischen Studie erfordert die Berechnung der Stichprobengröße, die nötig ist, um diejenigen Annahmen zu verifizieren oder zu falsifizieren, die der Untersuchungshypothese zugrunde liegen. Zur Berechnung des Stichprobenumfangs sind verschiedene Festlegungen erforderlich:
1. Das Signifikanz-Niveau oder die Wahrscheinlichkeit für den Fehler I. Art: Hier wird festgelegt, mit welcher statistischen Sicherheit ein möglicher Unterschied (beim Vergleich mehrerer Gruppen) oder eine Risiko-Erhöhung berechnet werden soll. Üblich ist es, dass Signifikanz-Niveau auf höchstens 5 % festzulegen. Je kleiner das Signifikanz-Niveau ist, umso größer muss die Stichprobe ausfallen. Wird in einer Berechnung ein Signifikanzniveau von 5 % erreicht oder unterschritten, so bedeutet dieses, dass in mindestens 95 % aller denkbaren vergleichbaren Studien tatsächlich der hier berechnete Unterschied auch auftreten wird.

2. Die Power oder die Wahrscheinlichkeit des Fehlers II. Art: Hierbei wird festgelegt, in wie viel Prozent aller denkbaren Konstellationen ein tatsächlich vorhandener Unterschied oder eine bestehende Risiko-Erhöhung nicht übersehen wird. Eine Power von 90 % würde also bedeuten, dass das Risiko, einen Unterschied nicht zu entdecken – obgleich ein Unterschied vorhanden ist – nicht größer als 10 % ist. Wünschenswert ist es natürlich, die Power einer Studie möglichst groß zu machen. Je größer die Power ist, umso größer muss auch die Stichprobe ausfallen. Bei epidemiologischen Studien sollte die Power nicht kleiner als 80 % angesetzt werden.

3. Annahmen über die minimale Größe einer Risiko-Erhöhung: Je kleiner das zu entdeckende Risiko ist, umso größer muss die Stichprobe sein, um die Risikoerhöhung bei einer vorgegebenen Power noch zu entdecken. Für die Festlegung dieses Parameters kann man entweder auf vorgehende Untersuchungen zurückgreifen oder es müssen plausible Annahmen zugrunde gelegt werden. Im Umweltbereich sind Risiko-Erhöhungen über 100 % relativ selten anzutreffen.

4. Annahmen über die Häufigkeit eines kritischen Risikofaktors in der Vergleichsgruppe bzw. Vergleichspopulation: Sollen in einer Studie mehrere Risikofaktoren gleichzeitig analysiert werden, empfiehlt es sich, für die Stichproben-Berechnung den seltensten Risikofaktor zugrunde zu legen. Stehen keine exakten Daten über die Häufigkeit von Risikofaktoren zur Verfügung, empfiehlt sich die Durchführung einer Pilotstudie. Hilfsweise können auch Informationen aus publizierten Studien herangezogen werden.

Stratum (Mehrzahl: Strata):

In der Epidemiologie: Untergruppe eines Kollektivs. Die Unterteilung einer Studienpopulation in Untergruppen (z. B. nach Alter, Geschlecht, Rauchgewohnheiten) bezeichnet man als Stratifizierung.

Stratifizierung:

s. "Stratum".

Sublinearität:

s. "Dosis-Wirkungs-Beziehungen".

Sulfotransferasen:

Stoffwechsel-Enzyme, die zur Gruppe der Phase-II-Enzyme (s. dort) gehören. Sie katalysieren die Übertragung der Phosphatgruppe aus 3’-Phosphoadenosin-5’-phosphosulfat (PAPS) auf nukleophile Gruppen (vor allem Hydroxylreste). Die entstehenden Reaktionsprodukte haben in der Regel eine höhere Wasserlöslichkeit und können dadurch leichter aus dem Organismus ausgeschieden werden. In seltenen Fällen kann eine Sulfatierung auch Folgereaktionen bewirken, die zu stark gentoxischen Metaboliten führen. Diese Sulfotransferase-vermittelte "Bioaktivierung" wird in Standard-in-vitro-Mutagenitätstests (z. B. Ames-Test) im Allgemeinen nicht erfasst.

Supralinearität:

s. "Dosis-Wirkungs-Beziehungen".

T3, T4:

Schilddrüsenhormone: T3 = Trijodthyronin, T4 = Thyroxin (Tetrajodthyronin).

T25:

Abkürzung für: Tumorigene Dosis, die 25 % zusätzliche Inzidenz erwarten lässt. Ursprünglich wird die T25 im experimentellen System als Dosis (mg/kg x d) angegeben. Im vorliegenden Rahmen werden auch Transformationen in eine Inhalationskonzentration als T25 oder hT25 (s. dort) bezeichnet (siehe auch T25-Verfahren/-Methode).

T25-Verfahren:

Einfaches Risikoabschätzungsverfahren, das von der Europäischen Kommission zur Ableitung von Grenzwerten für Zubereitungen mit krebserzeugenden Stoffen empfohlen wurde (Dybing et al., 1997; EC, 2002; Sanner et al., 1997). Ausgehend von einer Konzentration mit signifikant erhöhter Tumorinzidenz wird durch lineare Interpolation (i) unter Berücksichtigung der Hintergrundinzidenz, (ii) gegebenenfalls unter Korrektur einer nicht lebenslangen Versuchsdauer, und (iii) unter Annahme einer vollständigen Resorption eine Dosis ermittelt, bei der die Inzidenz für diesen Tumor im Tierversuch 25 % bei lebenslanger Exposition beträgt.
T25  =   C Bezugsinzidenz (1 – [Inzidenz der Kontrollgruppe])
([Inzidenz bei C] – [Inzidenz der Kontrollgruppej) 1
mit:

C = niedrigste signifikante tumorigene Konzentration oder Dosis (mg/m³ oder mg/kg d)
    Bezugsinzidenz = 0,25 (25 %)
    Inzidenz bei C = Tumorinzidenz in % dividiert durch 100
    Inzidenz der Kontrollgruppe = Tumoren in % dividiert durch 100
Der T25-Wert kann (ggfs. nach Umwandlung in eine humanäquivalente Konzentration als hT25) als "point of departure" (Ausgangspunkt) bezeichnet und verwendet werden, um in den Niedrigdosisbereich das Risiko für geringere Dosierungen abzuschätzen (vgl. Abbildung).

Grafische Darstellung des T25-Verfahrens

Grafische Darstellung des T25-Verfahrens: Berechnung der T25 anhand der Inzidenz von Vormagentumoren bei Ratten nach Exposition gegenüber Styrol-7,8-oxid (Daten aus Lijinsky, 1986)
Bei dem T25-Verfahren wird die tatsächliche Dosis-Wirkungsbeziehung und die Streubreite der experimentellen Daten nicht berücksichtigt, da zur Berechnung der tumorigenen Dosis 25 % nur die Hintergrundinzidenz und die Inzidenz bei einer Expositionskonzentration herangezogen werden.

 

TB-Bereich:

s. Tracheobronchialer Bereich.

TKC:

Abkürzung für Toleranzkonzentration (s. "Akzeptanz-/Toleranzrisiko"), die auf einer Krebsrisikoberechnung basiert.

TNKC:

Abkürzung für Toleranzkonzentration (s. "Akzeptanz-/Toleranzrisiko"), die auf nicht krebsartigen (NK) Effekten beruht. Entspricht dem "AGW-analogen Wert" (s. dort).

Toleranzkonzentration:

Über die gesamte Lebensarbeitszeit als gleichbleibend betrachtete Expositionskonzentration, die mit einem berechneten "Toleranzrisiko" für die Entstehung eines berufsbedingten Tumors verbunden ist (TKC; s. dort und s. Akzeptanz-/Toleranzrisiko).

Es wird auch der Begriff der "gefahrenrelevanten Exposition" in Abgrenzung von einer "akzeptablen Konzentration" verwendet. Liegt der AGW-analoge Wert unter dem Gefahrenrisiko von 4:1000, kann die entsprechende Konzentration zur (gesundheitsbasierten) Toleranzkonzentration auf Basis nicht krebsartiger Effekte werden (TNKC; s. dort und s. Akzeptanz-/Toleranzrisiko).

Toleranzrisiko:

s. "Akzeptanz-/Toleranzrisiko".

Topoisomerasen:

Enzyme, die den spiralisierten DNA-Doppelstrang entwinden können und eine wichtige Rolle bei DNA-Replikation und Zellteilung spielen.

Toxikodynamik:

Lehre von der Wirkung giftiger Stoffe auf den Organismus (siehe auch Toxikokinetik).

Toxikokinetik:

Lehre vom Schicksal giftiger Substanzen im Organismus (Aufnahme, Verteilung, Stoffwechsel, Ausscheidung) (siehe auch Toxikodynamik).

Tracheobronchialer Bereich (TB):

Mittlere Atemwege mit Luftröhre (Trachea) und dem Bronchialsystem (außer den respiratorischen Bronchiolen, s. "Pulmonaler Bereich").

TSH:

Abkürzung für Thyreoidea-stimulierendes Hormon. Der auch Thyreotropin oder thyreotropes Hormon genannte Botenstoff wird in der Hypophyse (s. dort) gebildet und regt die Schilddrüse zu Wachstum, Jodaufnahme und Hormonbildung an.

Tunica albuginea:

Bezeichnung für eine bindegewebige Hüllschicht um die Milz, die Hoden (unter der Tunica vaginalis, s. dort), die Schwellkörper des Penis sowie um die Eierstöcke.

Tunica vaginalis:

Die auch "Tunica vaginalis testis" oder "Scheidenhaut" genannte zweiblättrige Haut kleidet bei männlichen Säugetieren das Innere des Hodensacks aus und überzieht die Hoden.

Überschreitungsfaktor:

Überschreitungsfaktor, um den der Schichtmittelwert maximal viermal pro Schicht während eines Zeitraums von jeweils höchstens 15 min überschritten werden darf (englisch: EF, Abkürzung für "Excursion Factor"). Es wird unterschieden zwischen dem ÜFkanz und dem ÜFnkanz betreffend der kanzerogenen oder nichtkanzerogenen Effekte (englisch: EFcarc, EFncarc).

ÜF:

Abkürzung für: Überschreitungsfaktor (s. dort).

Unit Risk:

Nach einem Konzept der US-Umweltschutzbehörde EPA wird unter "Unit Risk" das Krebsrisiko verstanden, welches durch permanente Exposition gegen den betrachteten Gefahrstoff während der gesamten Lebenszeit in Höhe von 1 µg/m³ besteht. Bei der Umrechnung auf die Verhältnisse am Arbeitsplatz ist zu berücksichtigen, dass die maximale Arbeitszeit eines Menschen in der Regel nur rund 1/6 seiner Lebenszeit beträgt.

U.S.EPA:

s. "EPA".

Verstärkereffekt:

Hier: Überproportionaler Anstieg der Dosis-Wirkungs-Beziehung, induziert durch den toxischen Effekt einer Substanz/ihres Metaboliten auf dem Boden eines bereits bei niedrigeren Dosen auftretenden weiteren toxischen Effekts dieser Substanz/ihres Metaboliten. So wird beispielsweise die gentoxische Wirkung von Trichlorethylen durch die bei höheren Dosen ausgelöste Nierentoxizität verstärkt.

Vormagen:

Drüsenloses Verdauungsorgan vor dem Hauptmagen von Nagetieren. Nach Verabreichung von gentoxischen Kanzerogenen (s. "Gentoxizität") mit dem Futter oder per Schlundsonde an Nagetiere entstehen häufig Vormagentumoren. Der Mensch besitzt keinen Vormagen.

Wirkschwelle, toxikologische:

Im Allgemeinen versteht man unter einer toxikologischen Wirkschwelle eine Dosis oder Expositionskonzentration (Schwellenwert), bei deren Unterschreitung ein bestimmter Effekt nicht auftritt. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit dem "No observed effect level" (NOEL), der eine signifikante beobachtete Effekterhöhung gegenüber einem "Hintergrund" angibt und vom jeweiligen Studiendesign abhängt.

Ebenso wie es eine Vielzahl von Definitionen zur toxikologischen Wirkschwelle gibt, ist es umstritten, ob bei einzelnen Schritten der Krebsauslösung durch chemische Kanzerogene Wirkschwellen existieren (Neumann 2006a, b, c). Für "epigenetische" nicht-gentoxische Kanzerogene (z. B. zytotoxische [s. Zytotoxizität], immunschädigende Substanzen oder hormonähnliche Wachstumsstimulatoren) wird in der Regel eine Wirkschwelle angenommen. Es wird aber auch diskutiert, ob auf bestimmte sekundär gentoxische (s. dort) Kanzerogene das Modell einer Wirkschwelle angewendet werden kann (Hengstler et al., 2006). Auch wenn es Argumente für eine solche Ansicht gibt, erscheint die experimentelle Detektion eines Schwellenwerts in diesen Fällen schwierig.

YLL:

Abkürzung für "years of life lost", also die durch vorzeitiges Versterben verlorenen Lebensjahre. Bei Betrachtung eines Kollektivs wird YLL durch das Produkt aus der Anzahl der Todesfälle und der verbliebenen durchschnittlichen Lebenserwartung (in Jahren) im Sterbealter beschrieben.

Zellproliferation:

Vermehrung von Zellen in einem Gewebe.

Zymbaldrüse:

Talgdrüse im äußeren Gehörgang von Nagetieren. Der Mensch besitzt keine Zymbaldrüsen.

Zytotoxizität:

Schädigende Substanzwirkung auf Gewebezellen bzw. die Fähigkeit eines Agens, die Zellvitalität (Funktion und Zellteilung) zu vermindern bis hin zum Zelltod.

 

 

 

 

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