BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Schutzmaßnahmen

4.1 Ersatzstoffe und Ersatzverfahren

(1) Vor Aufnahme von Tätigkeiten mit Materialien, aus denen mineralischer Staub freigesetzt werden kann, ist zu prüfen, ob diese durch Materialien mit geringerer gesundheitlicher Gefährdung ersetzt werden können. Besteht für den Arbeitgeber die Möglichkeit der Materialwahl, so hat er den Ersatzstoff zu verwenden, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist.

(2) Vor der Aufnahme von Tätigkeiten mit Materialien, aus denen mineralischer Staub freigesetzt werden kann, ist zu prüfen, ob durch Änderung des Arbeitsverfahrens das Auftreten von Staub verhindert oder vermindert werden kann. Die Staubentwicklung lässt sich beispielsweise dadurch vermindern, dass Materialien in emissionsarmen Verwendungsformen mit kleinen Staubungszahlen, bezogen auf die einatembare und alveolengängige Staubfraktion, eingesetzt werden.

(3) Beim Auftreten von quarzhaltigem Staub sind diese Änderungen nach dem Stand der Technik durchzuführen.

(4) Strahlmittel dürfen nicht mehr als 2 vom Hundert ihres Gewichts (2 Gewichts-%) an kristallinem Siliciumdioxid enthalten.

(5) Schleifwerkzeuge, deren Schleifmittel ganz oder teilweise aus kristallinem Siliciumdioxid besteht, dürfen nicht verwendet werden. Dies gilt nicht für Schleifkörper aus Naturstein.

(6) Auftraggeber und Auftragnehmer haben bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung zusammenzuwirken und sich abzustimmen. Dies betrifft insbesondere die Auswahl der Materialien und Verfahren, die Koordinierung der verschiedenen Tätigkeiten und die Festlegung und Durchführung der erforderlichen Schutzmaßnahmen.

4.2 Staubarme Arbeitsverfahren

(1) Arbeitsverfahren sind so auszuwählen und durchzuführen, dass möglichst wenig Staub freigesetzt wird. Bei Tätigkeiten mit Staubexposition ist eine Ausbreitung des Staubes auf unbelastete Arbeitsbereiche nach dem Stand der Technik zu vermeiden.

(2) Dies wird z. B. dadurch erreicht, dass

  1. staubförmige Materialien in der Nähe von Arbeitsplätzen nicht offen gelagert oder umgesetzt werden,
  2. die freie Fallhöhe bei Aufschüttungen, Halden und Übergabestellen von Förderbändern so gering wie möglich gehalten wird,
  3. beim Befüllen von Silos das Austreten von Stäuben verhindert wird,
  4. Förderbandübergabestellen mit starker Staubentwicklung mit einer Staubabsaugung oder Wasserberieselung ausgerüstet werden,
  5. Nass- oder Feuchtbearbeitungsverfahren anstelle Trockenbearbeitungsverfahren eingesetzt werden,
  6. stark staubende Rohstoffe, Produkte und Abfälle, wie z. B. pulverförmige Produkte, in geschlossenen Systemen gelagert und transportiert werden, z. B. Lagerung in geschlossenen Silos, geschlossenen Säcken, Big-Bags, abgedeckten Containern, Förderung in geschlossenen Rohrleitungen,
  7. stark staubende Rohstoffe, Produkte und Abfälle feucht gehalten werden,
  8. bei Spritzbetonarbeiten Verfahren mit geringer Staubfreisetzung gewählt werden, z. B. Nass-Spritzverfahren,
  9. bei Strahlarbeiten Verfahren mit geringer Staubfreisetzung gewählt werden, z. B. Nass- oder Feuchtstrahlverfahren,
  10. bei Abbrucharbeiten die Arbeitsstelle mit Wasser befeuchtet wird,
  11. Auffangvorrichtungen für Abfallmaterial beim Verarbeiten von keramischen Massen, z. B. ablaufender Gießschlicker oder Pressgranulat, vorhanden sind,
  12. grobspanende Fertigungsverfahren angewendet werden.

(3) Produktionsrückstände sind so zu handhaben, dass möglichst wenig Staub freigesetzt wird.

4.3 Maschinen und Geräte

(1) Maschinen und Geräte sind so auszuwählen und zu betreiben, dass möglichst wenig Staub freigesetzt wird. Staubemittierende Anlagen, Maschinen und Geräte müssen mit einer wirksamen Absaugung nach dem Stand der Technik versehen sein, soweit die Staubfreisetzung nicht durch andere Maßnahmen verhindert wird.

(2) Dies wird z. B. erreicht durch Verwendung von Maschinen und Geräten,

  1. deren Emissionsrate dem Stand der Technik entspricht,
  2. deren Staubquellen gekapselt sind,
  3. bei denen der Staub an Arbeitsöffnungen, Entstehungs- oder Austrittsstellen abgesaugt wird,
  4. die verkleidet sind und
  5. bei denen durch Benetzen oder Wasserzuführung eine ausreichende Staubminderung erreicht wird.

(3) Des Weiteren wird dies dadurch erreicht, dass

  1. geschlossene anstelle von offenen Fördermitteln eingesetzt,
  2. offene Materialübergabestellen vermieden werden und
  3. Maschinen und Geräte unter Unterdruck betrieben werden.

(4) Bei Verwendung staubtechnisch geprüfter Maschinen und Geräte kann davon ausgegangen werden, dass die Emissionsrate dem Stand der Technik zum Zeitpunkt der Prüfung entspricht.

(5) Bei Verwendung von Steinsägen, bei denen durch Wasserzuführung eine Staubminderung erreicht werden soll und deren Wasserzuführung im Umlaufverfahren ohne Aufbereitung betrieben wird, ist täglich das Umlaufwasser auszuwechseln.

(6) Bei Verwendung von Maschinen mit geschlossenen Fahrerkabinen, die mit einem Filter zur Reinigung der Außenluft ausgestattet sind (dies ist in der Regel bei klimatisierten Kabinen der Fall), sind die Türen und Fenster während des Betriebes geschlossen zu halten.

4.4 Arbeitsräume

(1) Arbeitsräume, in denen Staub auftreten kann, sind so zu gestalten und zu unterhalten, dass

  1. Wände und Decken zur Vermeidung von Staubanhaftung glatt sind,
  2. Ablagerungsflächen für Staub vermieden werden,
  3. Fußböden und Oberflächen leicht zu reinigen sind und
  4. Arbeitsräume mit unterschiedlichen Staubkonzentrationen durch bauliche Maßnahmen voneinander getrennt sind.

(2) Ablagerungsflächen werden z. B. durch Abschrägungen oder Verkleidungen vermieden.

(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht für instationäre Arbeitsplätze außerhalb einer Arbeitsstätte.

4.5 Stauberfassung und Arbeitsplatzlüftung

(1) Kann das Freiwerden von Staub nicht unterbunden werden, ist dieser an der Austritts- oder Entstehungsstelle möglichst vollständig zu erfassen und gefahrlos zu entsorgen. Die abgesaugte Luft ist so zu führen, dass so wenig Staub wie möglich in die Atemluft gelangt. Ist eine vollständige Erfassung des Staubes nicht möglich, so sind weitere lufttechnische Maßnahmen, wie Arbeitsplatzlüftungen, erforderlich. Dabei ist die Luft so zu führen, dass so wenig Staub wie möglich in der Atemluft verbleibt. Lufttechnische Maßnahmen sollen also weder zu einer Verteilung des Staubes noch zu einer Staubgefährdung an anderer Stelle führen. Dies wird z. B. erreicht, wenn für Arbeitsplätze möglichst staubfrei belüftete Kabinen geschaffen werden.

(2) Einrichtungen zum Erfassen, Niederschlagen und Abscheiden von Stäuben und lufttechnische Maßnahmen müssen dem Stand der Technik entsprechen. Bei der erstmaligen Inbetriebnahme dieser Einrichtungen ist der Nachweis einer ausreichenden Wirksamkeit zu erbringen.

(3) Der Nachweis ausreichender Wirksamkeit wird z. B. erbracht durch Herstellerangaben, eine Arbeitsplatzmessung oder durch Einhaltung der Arbeitsplatzbedingungen entsprechend einem Verfahrens- und stoffspezifischen Kriterium (VSK).

4.6 Reinluftrückführung

(1) Abgesaugte Luft, die mineralischen Staub enthält, darf in den Arbeitsbereich nur zurückgeführt werden, wenn sie wirksam gereinigt wurde.

(2) Dies wird bei lufttechnischen Anlagen erreicht, wenn die Staubkonzentration in der zurückgeführten gereinigten Luft (Rückluft) 1/5 des Allgemeinen Staubgrenzwertes (A-Staub) nicht überschreitet und der Anteil der Rückluft in der Zuluft nicht mehr als 70 % beträgt. Die E-Staubkonzentration in der Rückluft darf 1 mg/m³ nicht überschreiten.6

(3) Bei quarzhaltigem Staub ist die lufttechnische Anlage gemäß behördlichen oder berufsgenossenschaftlichen Kriterien auszulegen. Solche sind insbesondere:

  1. Die Staubkonzentration in der zurückgeführten gereinigten Luft (Rückluft) darf eine Reststaubkonzentration von 0,015 mg/m³ bezogen auf Quarzfeinstaub7 nicht überschreiten, und
  2. der Durchlassgrad der Filteranlage muss, bezogen auf die Feinstaubkonzentration im Rohgas < 0,005 % betragen.

Die Anforderungen der TRGS 560 "Reinluftrückführung" bleiben unberührt.

(4) Von einer wirksamen Entstaubung kann ausgegangen werden, wenn

  1. durch eine Baumusterprüfung nach dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz oder durch eine Prüfung der Einrichtung vor Ort der Nachweis erbracht worden ist, dass die Einrichtung die abgesaugte Luft wirksam reinigt und
  2. die Einrichtung bestimmungsgemäß verwendet wird.

(5) Anforderungen an Industriestaubsauger und Entstauber siehe Nummer 4.8.

4.7 Instandhaltung und Prüfung

Einrichtungen zum Erfassen, Niederschlagen und Abscheiden von Stäuben und lufttechnische Anlagen sind entsprechend den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der vom Hersteller angegebenen Zeitabstände, mindestens jedoch jährlich, auf ihre Funktionsfähigkeit zu prüfen, zu warten und gegebenenfalls in Stand zu setzen. Die Prüfungen sind von einer befähigten Person durchzuführen und zu dokumentieren. Befähigte Person ist, wer auf Grund seiner Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnaher beruflicher Tätigkeit über die erforderlichen Fachkenntnisse zur Prüfung von Arbeitsmitteln verfügt. Die Unterlagen über die Prüfung sind mindestens bis zur nächsten Prüfung aufzubewahren.

4.8 Reinigung der Betriebseinrichtungen

(1) Ablagerungen von Stäuben sind zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, so sind Arbeitsräume, Arbeitsplätze, Verkehrswege, Betriebsanlagen, Maschinen und Geräte regelmäßig zu reinigen. Die Reinigungsarbeiten sind so durchzuführen, dass die Freisetzung und Aufwirbelung von Staub so gering wie möglich ist, z. B. mit Feucht- oder Nassverfahren nach dem Stand der Technik oder saugend unter Verwendung geeigneter Staubsauger oder Entstauber.

(2) Dies wird z. B. erreicht, wenn

  1. fest installierte Staubsauganlagen, staubbeseitigende Maschinen oder Geräte verwendet werden,
  2. feucht gewischt oder nass gereinigt wird,
  3. beim Kehren das Kehrgut ausreichend mit Bindemittel (wie Wasser, Weißöl, Magnesiumchlorid) versetzt wird und
  4. befestigte Verkehrswege mit Kehrmaschinen gekehrt werden und dabei das Kehrgut aufgenommen wird.

(3) Geeignet sind staubbeseitigende Maschinen oder Geräte, wie z. B. Entstauber, Industriestaubsauger, Kehrsaugmaschinen, wenn sie von einer zugelassenen Prüfstelle bauartgeprüft sind. Sie müssen mindestens der Staubklasse M entsprechen.

(4) Entstauber und Industriestaubsauger sind auch in der höheren Staubklasse H (vormals Verwendungskategorie K 1) erhältlich. Kehrsaugmaschinen sind derzeit nur in der Staubklasse M (vormals Verwendungskategorie G) erhältlich.

(5) Das Reinigen des Arbeitsbereiches durch trockenes Kehren oder Abblasen von Staubablagerungen mit Druckluft ist grundsätzlich nicht zulässig. Das Reinigen von Werkstücken durch Abblasen mit Druckluft ist nur unter Verwendung besonderer Schutzmaßnahmen, z. B. der Verwendung von kombinierten Blas-/Saugeinrichtungen zulässig.

(6) Unbefestigte Fahrstraßen, die nicht gereinigt werden können, sind zur Vermeidung von Staubaufwirbelungen regelmäßig zu befeuchten. Auf eine Befeuchtung kann verzichtet werden, wenn sich keine Personen in staubgefährdeten Bereichen von Fahrstraßen aufhalten und das Fahrpersonal in der Kabine gegen Staubeinwirkung geschützt ist. Neben der Befeuchtung können in der Praxis auch andere geeignete Maßnahmen zur Anwendung kommen, um Staubaufwirbelungen zu vermeiden.

4.9 Reinigung der Arbeitskleidung, Waschräume

(1) Verstaubte Arbeitskleidung ist regelmäßig zu waschen. Das Abblasen der Kleidung ist nur mit geeigneten Einrichtungen wie z. B. speziellen Luftduschkabinen zulässig.

(2) Für die Beschäftigten sind Waschräume zur Verfügung zu stellen. Bei instationären Arbeitsplätzen mit wenigen Beschäftigten sind Waschgelegenheiten ausreichend.

4.10 Organisatorische Maßnahmen

Es sind geeignete organisatorische Maßnahmen (z. B. Verbot der Nahrungs- und Genussmittelaufnahme am Arbeitsplatz; Verbot, Pausen- und Bereitschafträume sowie staubgeschützte Kabinen wie Leit- und Steuerstände mit stark verschmutzter Arbeitskleidung zu betreten) zu treffen, um die Anzahl der staubexponierten Beschäftigten sowie das Ausmaß der Exposition so weit wie möglich zu verringern.

4.11 Betriebsanweisung und Unterweisung

4.11.1 Betriebsanweisung

Für Tätigkeiten mit mineralischem Staub ist unter Berücksichtigung der Gefährdungsbeurteilung eine arbeitsbereichs- oder tätigkeitsbezogene Betriebsanweisung zu erstellen.

4.11.2 Unterweisung

(1) Der Arbeitgeber hat die staubexponierten Beschäftigten anhand der Betriebsanweisung über auftretende Gefährdungen sowie über die Schutzmaßnahmen mündlich zu unterweisen. Die Unterweisung ist vor Aufnahme der Beschäftigung und danach mindestens jährlich arbeitsplatzbezogen durchzuführen. Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisung sind zu dokumentieren und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen.

(2) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass für alle Beschäftigten, die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen, eine allgemeine arbeitsmedizinisch-toxikologische Beratung durchgeführt wird. Diese Beratung soll im Rahmen der Unterweisung nach Absatz 1 erfolgen. Dabei sind die Beschäftigten über Angebotsuntersuchungen nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge zu unterrichten sowie auf besondere Gesundheitsgefahren bei Tätigkeiten mit bestimmten Gefahrstoffen hinzuweisen. Die Beratung ist unter Beteiligung des Arztes nach § 7 Abs. 1 der in Satz 3 genannten Verordnung durchzuführen, falls dies aus arbeitsmedizinischen Gründen erforderlich sein sollte.

4.12 Ergänzende Maßnahmen bei Expositionskategorie 3

4.12.1 Weitere organisatorische Maßnahmen

(1) Bei Tätigkeiten mit quarzhaltigem Staub der Expositionskategorie 2, bei denen der Stand der Technik nicht eingehalten werden kann, sowie bei Tätigkeiten der Expositionskategorie 3 sind geeignete organisatorische Maßnahmen zu treffen, um die Dauer der Exposition so weit wie möglich zu verkürzen. Der Gefahrenbereich ist abzugrenzen und zu kennzeichnen. Im Gefahrenbereich ist das Rauchen zu untersagen.

(2) Die Kennzeichnung erfolgt mit dem Verbotszeichen gemäß den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) A1.3

  1. P006 "Zutritt für Unbefugte verboten" und
  2. P001 "Rauchen verboten.

(3) Es sind vom Arbeitgeber getrennte Aufbewahrungsmöglichkeiten für Arbeits- und Straßenkleidung zur Verfügung zu stellen und von den Beschäftigten zu benutzen.

(4) In die Gefährdungsbeurteilung ist ein Maßnahmenplan aufnehmen, in dem die geplanten Maßnahmen zur zukünftigen Verbesserung der Staubexpositionsverhältnisse beschrieben sind.

4.12.2 Persönliche Schutzausrüstungen

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass stoffbezogene Arbeitsplatzgrenzwerte oder der Allgemeine Staubgrenzwert nicht eingehalten werden oder sind Tätigkeiten mit quarzhaltigem Staub der Expositionskategorie 2, bei denen der Stand der Technik nicht eingehalten werden kann, oder der Expositionskategorie 3 zuzuordnen, ist vom Arbeitgeber geeignete Persönliche Schutzausrüstung (Atemschutzgeräte, Schutzbrillen, Schutzhandschuhe und Overalls) zur Verfügung zu stellen. Diese ist von den Beschäftigten zu tragen, solange die Gefährdung besteht.

4.12.3 Bereitstellung und Benutzung von Atemschutzgeräten

(1) Kann die Atemluft aus betriebstechnischen Gründen durch technische Staubschutzmaßnahmen nicht ausreichend von mineralischem Staub freigehalten werden, sind geeignete, individuell passende und den ergonomischen und gesundheitlichen Erfordernissen entsprechende Atemschutzgeräte zur Verfügung zu stellen. Es dürfen nur zertifizierte Atemschutzgeräte, d. h. mit CE-Kennzeichnung versehene Geräte, verwendet werden, die neben dem CE-Zeichen zusätzlich die vierstellige Nummer einer notifizierten Stelle enthalten.

(2) Betriebstechnische Gründe können z. B. bei kurzzeitigen Arbeiten vorliegen, wie

  1. Reinigen von Filteranlagen,
  2. Entleeren von Staubkammern und -sammelbehältern sowie
  3. Kontrollgängen in Aufbereitungsanlagen.

(3) Die Atemschutzgeräte sind

  1. gemäß Herstellerhinweisen zu lagern,
  2. bei vorgesehener Wiederbenutzung durch den Arbeitgeber zu warten und zu prüfen und
  3. auszutauschen, wenn sie schadhaft sind oder die Wiederbenutzung unzulässig ist (Gerätekennzeichnung NR).

(4) Insbesondere ist sicherzustellen, dass Atemschutzgeräte am Verwendungsort staubfrei und trocken aufbewahrt werden.

(5) Zum Schutz gegen Stäube sind entsprechend der Expositionsverhältnisse am Arbeitsplatz Filter- oder Isoliergeräte zu verwenden, vorzugsweise Geräte mit Haube oder Helm, da diese keine gesundheitlichen Belastungen für den Träger erzeugen.

(6) Geeignete Filtergeräte können z. B.

  1. Filtergeräte mit Atemanschlüssen (in der Regel Masken, Hauben oder Helme) und trennbaren Partikelfiltern (z. B. Halbmaske mit Filter P2 oder Helm mit Gebläse und Partikelfilter TH2P),
  2. Filtergeräte als partikelfiltrierende Halbmasken, z. B. FFP2, sowie
  3. Isoliergeräte

sein.

(7) Als Isoliergeräte können Schlauchgeräte (z. B. vom Typ S. 2A/2B, S. 3A/3B, S. 4A/4B) mit Helm oder Haube bzw. Halb- oder Vollmaske eingesetzt werden.

(8) Die Auswahl der Atemschutzgeräte zum Schutz der Beschäftigten vor Partikeln kann entsprechend der Geräteart, Filterklasse und der Höhe der Exposition (Staubbelastung) gemäß Anlage 3 vorgenommen werden.

(9) In der Regel sind Atemschutzgeräte der Filterklasse P2 oder vergleichbarer Ausführung ausreichend; siehe Anlage 3 .

(10) Die zur Verfügung gestellten Atemschutzgeräte sind bei Tätigkeiten, bei denen die stoffbezogenen Arbeitsplatzgrenzwerte oder der Arbeitsplatzgrenzwert für einatembaren und alveolengängigen Staub nicht eingehalten werden können, zu benutzen, solange eine Gefährdung besteht. Das Tragen von belastenden Persönlichen Schutzausrüstungen als ständige Maßnahme ist nicht zulässig. Durch das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung dürfen technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen nicht ersetzt werden. Die Tragezeitbegrenzungen sind zu beachten. Bei Ermittlung der Tragedauer, Erholungsdauer, der Einsätze je Schicht und der Schichten je Woche für ein Atemschutzgerät ist zu beachten, dass Belastungen durch die Arbeitsschwere und das Umgebungsklima sowie Bekleidungseigenschaften die aufgelistete Tragedauer durch Anpassungsfaktoren zusätzlich verkürzen können.

(11) Träger von Atemschutzgeräten müssen im Umgang mit den Geräten geübt sein und mindestens einmal jährlich hierzu unterwiesen werden. Die Unterweisung enthält insbesondere den sachgerechten Gebrauch, die Kontrolle auf augenscheinlich erkennbare Mängel und die sachgerechte Aufbewahrung der Atemschutzgeräte am Verwendungsort.

(12) Auf das Bereitstellen und Tragen von Atemschutzgeräten kann verzichtet werden, wenn die Gefährdungsbeurteilung eine Expositionskategorie 1 ergibt. Bei Vorliegen der Expositionskategorien 2 und 3 hat der Arbeitgeber den betroffenen Beschäftigten Atemschutzgeräte gemäß Anlage 2 zur Verfügung zu stellen. Bei Vorliegen der Expositionskategorie 3 müssen die Atemschutzgeräte getragen werden. Gleiches gilt für Tätigkeiten mit quarzhaltigem Staub der Expositionskategorie 2, wenn dies im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß TRGS 402 Nummer 5.3 durch den Arbeitgeber in eigener Verantwortung festgelegt wurde.

 


6 VDI 2262 Luftbeschaffenheit am Arbeitsplatz; Minderung der Exposition durch luftfremde Stoffe
7 Mindestbestimmungsgrenze des zur Prüfung verwendeten Messverfahrens

 

Webcode: M449-6