BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3 Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung

3.1 Allgemeine Anforderungen

(1) Der Arbeitgeber hat gemäß §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz, nach § 3 Allgemeine Bundesbergverordnung und nach § 7 Gefahrstoffverordnung eine Gefährdungsbeurteilung bzw. ein gleichbedeutendes Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument zu erstellen. Dies ist in der TRGS 400 "Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen" sowie, soweit es die inhalative Belastung betrifft, in der TRGS 402 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition" konkretisiert. Dazu hat er vor Beginn der Arbeiten festzustellen, ob bei Tätigkeiten oder Verfahren mineralischer Staub freigesetzt wird. Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit erst aufnehmen lassen, nachdem eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen wurden.

(2) Folgende Schritte sind zu berücksichtigen:

  1. Ermittlung der staubbelasteten Arbeitsbereiche oder Tätigkeiten,
  2. Ermittlung der stoff- und tätigkeitsbezogenen Informationen,
  3. Beurteilung der Gefährdungen,
  4. Festlegung der Schutzmaßnahmen,
  5. Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen sowie
  6. Dokumentation.

3.2 Schritte der Gefährdungsbeurteilung

3.2.1 Ermittlung der staubbelasteten Arbeitsbereiche oder Tätigkeiten

Zur Ermittlung der staubbelasteten Arbeitsbereiche oder Tätigkeiten sind Arbeitsabläufe, Verfahren, Arbeits- und Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen. Arbeitsbereiche können unter räumlichen oder organisatorischen Aspekten festgelegt werden und eine oder mehrere Tätigkeiten mit mineralischem Staub beinhalten. Soweit die Tätigkeiten an wechselnden Arbeitsplätzen durchgeführt werden (z. B. Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten), können die einzelnen Arbeiten im Zusammenhang beurteilt werden.

3.2.2 Ermittlung von Art und Menge der mineralischen Stäube sowie der tätigkeitsbezogenen Informationen

(1) Bei der Gefährdungsbeurteilung sind neben der Menge auch die chemisch-physikalischen Eigenschaften des Staubes und die damit verbundenen Gesundheitsgefährdungen zu berücksichtigen. Dazu können Angaben aus dem Sicherheitsdatenblatt verwendet oder, falls ein solches nicht vorliegt, entsprechende Informationen beim Hersteller bzw. Inverkehrbringer oder aus Stoffdatenbanken eingeholt werden. Insbesondere ist auch das Staubungsverhalten des eingesetzten Materials einzubeziehen.

(2) Bei der Gefährdungsbeurteilung sind die genauen Arbeitsabläufe, die verwendeten Arbeitsverfahren und die am Arbeitsplatz vorhandenen Arbeits- und Umgebungsbedingungen einzubeziehen.

3.2.3 Beurteilung der Gefährdungen

(1) Anhand der unter Nummer 3.2.2 erfassten Informationen sind die Gefährdungen zu beurteilen.

(2) Die Exposition gegenüber mineralischen Stäuben in den betreffenden Arbeitsbereichen ist durch Messungen oder qualifizierte Abschätzungen zu ermitteln. Auf Messungen kann verzichtet werden, wenn für eine Beurteilung der Gefährdungen und qualifizierte Abschätzungen Messergebnisse von vergleichbaren Arbeitsplätzen oder mitgelieferte Gefährdungsbeurteilungen herangezogen werden können.

(3) Die Gefährdungsbeurteilung vereinfacht sich, wenn die Beurteilung und die Festlegung von Schutzmaßnahmen durch standardisierte Arbeitsverfahren vorgegeben werden: Hierzu zählen

  1. eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung des Herstellers oder Inverkehrbringers,
  2. eine stoff- oder tätigkeitsbezogene TRGS, insbesondere verfahrens- oder stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420 und
  3. die konkreten Maßnahmen oder Verfahren einer branchen- oder tätigkeitsspezifischen Hilfestellung (z. B. BGR, BGI, Handlungsanleitungen), die den Vorgaben der TRGS 400 Anlage 2 entsprechen.

Liegen keine standardisierten Arbeitsverfahren vor, oder sind diese nicht anwendbar, so müssen die Gefährdungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung abgeleitet und festgelegt werden.

(4) Ist zur Beurteilung mineralischer Stäube eine Messung erforderlich, darf diese nur von Messstellen durchgeführt werden, die über die notwendige Fachkunde und über die erforderlichen Einrichtungen verfügen. Der Arbeitgeber, der eine akkreditierte Messstelle beauftragt, kann davon ausgehen, dass die von dieser Messstelle festgestellten Erkenntnisse zutreffend sind.3

3.2.4 Konzept der Expositionskategorien

(1) Die in der Tabelle 1 aufgeführten typischen Tätigkeiten aus verschiedenen Branchen wurden jeweils einer von drei Expositionskategorien (1 bis 3) zugeordnet.

(2) Grundlage für die Zuordnung der Tätigkeiten in Anlage 1 zu den Expositionskategorien sind die Ergebnisse von Expositionsmessungen und Literaturauswertungen. Die Beurteilung der Expositionshöhe bei der jeweiligen Tätigkeit beruht auf Expositionsmessungen und Erfahrungen aus der Praxis (Experteneinschätzung).

(3) Der Arbeitgeber hat nach Ermittlung seiner tätigkeitsbezogenen Informationen die Expositionskategorie der Tabelle 1 zu entnehmen.

(4) Für Tätigkeiten, die nicht in der Tabelle 1 enthalten sind, bzw. für aufgeführte Tätigkeiten ohne Zuordnung von Expositionswertebereichen sind vom Arbeitgeber entsprechende Recherchen durchzuführen. Können keine qualitätsgeprüfte tätigkeitsbezogene Expositionen von vergleichbaren Arbeitsplätzen recherchiert werden, sind eigene Expositionsermittlungen erforderlich (Alveolengängiger und Einatembarer Staub sowie Quarz, falls quarzhaltiger Staub vorliegt). Die Zuordnung zur jeweiligen Expositionskategorie erfolgt dann über die Expositionswertebereiche der nachfolgenden Tabelle.

(5) Anhand der für die Tätigkeit ermittelten Expositionskategorie werden mittels der Tabelle in Anlage 2 die Schutzmaßnahmen für die Expositionskategorie ausgewählt.

Expositionskategorie Kriterien
Expositionskategorie 1 Ermittlung der Exposition vor und nach der Festlegung von Schutzmaßnahmen

Geringe Exposition, siehe hierzu Nummer 3.3.

Allgemeine Hygienemaßnahmen/Grundmaßnahmen ausreichend
Expositionskategorie 2 Ermittlung der Exposition vor der Festlegung von Schutzmaßnahmen:

Mittlere Exposition

Technische Maßnahmen erforderlich

Ermittlung der Exposition nach Festlegung von Schutzmaßnahmen

Befund "Schutzmaßnahmen ausreichend"4

Kriterien können sein: Stand der Technik erfüllt, Allgemeiner Staubgrenzwert bei mineralischem Staub, stoffspezifischer AGW bei Portlandzement eingehalten.
Expositionskategorie 3 Ermittlung der Exposition nach Festlegung von Schutzmaßnahmen:

Hohe Exposition

Technische Schutzmaßnahmen nicht ausreichend, organisatorische und persönliche Schutzaßnahmen erforderlich

Befund "Schutzmaßnahmen nicht ausreichend"4

Kriterien können sein: Allgemeiner Staubgrenzwert bei mineralischem Staub, stoffspezifischer AGW bei Portlandzement überschritten, weitere Maßnahmen bei quarzhaltigem Staub erforderlich.

3.2.5 Festlegung der Schutzmaßnahmen

(1) Bei Tätigkeiten mit Exposition gegenüber einatembaren Stäuben, für die kein stoffbezogener Arbeitsplatzgrenzwert festgelegt ist, sind die Schutzmaßnahmen entsprechend der Gefährdungsbeurteilung so festzulegen, dass mindestens der Allgemeine Staubgrenzwert sowohl für den einatembaren als auch für den alveolengängigen Staubanteil eingehalten wird. Für quarzhaltigen Staub ist zudem Nummer 3.2.7 Abs. 7 und 8 zu beachten. Enthält der Staub Stoffe, für die Arbeitsplatzgrenzwerte oder Expositions-Risikobeziehungen festgelegt wurden, oder Stoffe, die in der TRGS 905 oder TRGS 906 genannt sind, für die noch keine Arbeitsplatzgrenzwerte oder Expositions-Risikobeziehungen festgelegt wurden, ist jeweils sinngemäß zu verfahren. Die Gefährdung durch Stäube mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen ist entsprechend der TRGS 402 zu ermitteln und beurteilen.

(2) Bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen ist folgende Rangfolge einzuhalten:

  1. Gestaltung des Arbeitsverfahrens und Verwendung geeigneter Arbeitsmittel (Technische Maßnahmen).
  2. Durchführung kollektiver Schutzmaßnahmen an der Gefahrenquelle, wie z. B. angemessene Be- und Entlüftung.
  3. Durchführung geeigneter organisatorischer Maßnahmen, wie zum Beispiel Festlegung von Zutrittsbeschränkungen, Arbeitszeitregelungen sowie Reinigungs- und Hygienemaßnahmen.
  4. Durchführung individueller Schutzmaßnahmen einschließlich der Anwendung Persönlicher Schutzausrüstung und persönlicher Hygienemaßnahmen, wenn eine Gefährdung durch Maßnahmen nach Nummern 1 und 2 nicht verhindert werden kann.

(3) Die Zuordnung von Schutzmaßnahmen zu den Expositionskategorien ist in Anlage 2 dargestellt.

(4) Hinweise für sinnvolle Staubbekämpfungsmaßnahmen in Anlagen und bei Tätigkeiten finden sich auch im "Praxisleitfaden Quarzfeinstaub" und der "Handlungsanleitung zur guten Arbeitspraxis – Schutz der Beschäftigten vor Stäuben und Aerosolen an Gießereiarbeitsplätzen".

3.2.6 Expositionskategorien und Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit mineralischem Staub

(1) Schutzmaßnahmen für Expositionskategorie 1 gelten für Tätigkeiten, die unter Berücksichtigung der beschriebenen Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik erfahrungsgemäß zu keiner oder nur einer geringen Staubexposition führen.

(2) Schutzmaßnahmen für Expositionskategorie 2 gelten für Tätigkeiten, die nach dem Stand der Technik unter Berücksichtigung der beschriebenen Schutzmaßnahmen und der Art der Tätigkeit eine geringe bis mittlere Staubexposition hervorrufen können.

(3) Schutzmaßnahmen für Expositionskategorie 3 gelten für alle Tätigkeiten, die nach dem Stand der Technik eine hohe Staubexposition hervorrufen können.

3.2.7 Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen

(1) Der Arbeitgeber hat festzustellen,

  1. ob die festgelegten Maßnahmen durchgeführt worden sind und
  2. ob die Maßnahmen geeignet und ausreichend wirksam sind.

(2) Wurde festgestellt, dass die Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind, muss die Gefährdungsbeurteilung erneut durchgeführt werden.

(3) Als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind auch Methoden zur Überprüfung der Wirksamkeit der bestehenden und der zu treffenden Schutzmaßnahmen festzulegen. So soll sichergestellt werden, dass die Schutzmaßnahmen über den Zeitraum der Tätigkeiten die Exposition um das für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten erforderliche Maß verringern.

(4) Zur Überprüfung, ob die getroffenen Schutzmaßnahmen ausreichend wirksam sind, ist die Exposition nach Umsetzung der Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik zu ermitteln.

(5) Die ermittelte Exposition ist im Hinblick auf eine Gefährdung der Beschäftigten und die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu beurteilen. Das Ergebnis dieser Beurteilung ist der Befund. Der Befund ist zu begründen und zu dokumentieren. Der Befund kann lauten:

  1. Schutzmaßnahmen ausreichend,
  2. Schutzmaßnahmen nicht ausreichend.

(6) Bei Stoffen mit einem verbindlichen Grenzwert ist dieser als Beurteilungsmaßstab heranzuziehen. Für die Beurteilung der Exposition gegenüber mineralischem Staub ist der Allgemeine Staubgrenzwert gemäß der TRGS 900 (3 mg/m³ für den alveolengängigen Anteil (A-Staub) und 10 mg/m³ für den einatembaren Anteil (E-Staub)) heranzuziehen.

(7) Bei Stoffen ohne verbindlichen Grenzwert, wie bei quarzhaltigen mineralischen Stäuben, müssen gemäß TRGS 402 Nummer 5.3 zur Bewertung der Exposition andere Beurteilungsmaßstäbe herangezogen werden. Diese können unter anderem Informationen zum Stand der Technik liefern. Derartige Beurteilungsmaßstäbe sind keine Arbeitsplatzgrenzwerte im Sinne von § 3 Abs. 6 der Gefahrstoffverordnung. Deshalb hat der Arbeitgeber die Maßstäbe für die Beurteilung der inhalativen Exposition in eigener Verantwortung festzulegen.

(8) Ein gesundheitsbasierter Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) liegt für Quarzfeinstaub derzeit nicht vor. Zur Feststellung des Befundes, ob die getroffenen Schutzmaßnahmen bei eine Exposition gegenüber quarzhaltigen mineralischen Stäuben dem Stand der Technik entsprechen und nach dieser TRGS ausreichend sind, können die Angaben in der Tabelle ("Expositionswertebereich Quarz") in Anlage 1 dieser TRGS als Beurteilungsmaßstab herangezogen werden. Die betrieblichen Expositionen sind unter Berücksichtigung der in Anlage 1 aufgeführten Expositionswertebereiche so weit wie möglich nach dem Stand der Technik zu minimieren.

(9) Die im Rahmen der Wirksamkeitsprüfung ermittelten Konzentrationen sind mit dem relevanten Expositionswertebereich zu vergleichen. Beim Abgleich mit den Werten des Expositionswertebereichs wird nun beurteilt, ob die technischen Schutzmaßnahmen ausreichend oder weitere Maßnahmen erforderlich sind. Dieses Ziel ist erreicht, wenn die ermittelte Konzentration für mineralischen Staub innerhalb der angegebenen Wertebereiche der Expositionskategorie 1 und 2 liegt, für quarzhaltigen Staub innerhalb der Wertebereiche der Expositionskategorie 1 und unterhalb des arithmetischen Mittelwertes für Quarz der Expositionskategorie 2.

3.2.8 Dokumentation

(1) Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist vor Aufnahme der Tätigkeit gemäß Nummer 8 der TRGS 400 "Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen" zu dokumentieren. Entstehen bei Tätigkeiten mit Materialien mineralische Stäube, sind diese Materialien in das Gefahrstoffverzeichnis einmalig unternehmensbezogen aufzunehmen. Dies gilt nicht für nicht quarzhaltige mineralische Stäube, die bei Tätigkeiten auftreten, die der Expositionskategorie 1 zuzuordnen sind.

(2) Bei maßgeblichen Veränderungen ist die Gefährdungsbeurteilung erneut durchzuführen.

3.3 Kriterien für die Expositionskategorie 1

(1) Für Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten mineralischen Stäuben ausgesetzt sind, können sowohl bei Stäuben ohne stoffspezifischen Grenzwert, also Stäuben, die nur unter den Geltungsbereich des Allgemeinen Staubgrenzwertes (A- und E-Staub) fallen, als auch bei Stäuben ohne Grenzwert (z. B. quarzhaltiger Staub) unter bestimmten Voraussetzungen die Maßnahmen nach Expositionskategorie 1 ausreichend sein.

(2) Tätigkeiten mit geringer Exposition liegen vor, wenn

  1. eine Freisetzung von Stoffen in die Luft am Arbeitsplatz nicht möglich ist oder
  2. ein niedriges Freisetzungsvermögen auf Grund der Stoffeigenschaften (z. B. geringes Staubungsverhalten) vorliegt,
  3. nur geringe Mengen verwendet werden und
  4. nur geringe Emissionen, z. B. auf Grund kleiner Quellflächen oder kurzer Tätigkeitsdauer (< 15 Minuten) möglich sind.

(3) Zur Beurteilung einer geringen Exposition sind das Staubungsverhalten, die verwendeten Stoffmengen und die Emissionen gemeinsam zu betrachten.

(4) Folgende Beurteilungskriterien können herangezogen werden:

  1. Staubungsverhalten
    1. Die Menge des freigesetzten Staubes hängt vom Staubungsverhalten und von den jeweiligen Arbeitsbedingungen ab. Ein geringes Staubungsverhalten im Sinne der Expositionskategorie 1 liegt vor bei:
      • Einsatz von stückigen Feststoffen, Schlicker, Pasten, Wachsen,
      • Verwendung von maximal 10 kg an Granulat/Pellets,
      • Bearbeitung von Feststoffen mit nassen bzw. feuchten oder anderweitig staubarmen Verfahren,
      • Tätigkeiten mit erdfeuchtem bzw. dauerhaft feuchtem Material im Freien.
    2. Das Staubungsverhalten kann durch qualitätsgesicherte bzw. normierte Messverfahren5 quantitativ oder durch Bewertung anhand der Beschaffenheit des Materials qualitativ bestimmt werden.
  2. Staubungszahlen aus diesen Messverfahren ermöglichen eine relative Abschätzung des Staubungsverhaltens von vergleichbaren Schüttgütern (Produkten) und können von Herstellern und Fachstellen erfragt werden. Staubungszahlen können für die einatembare und alveolengängige Fraktion ermittelt werden. Bei Tätigkeiten mit quarzhaltigen Materialien wird die Staubungszahl auf den freigesetzten Quarzfeinstaub bezogen.
  3. Ist die Staubungszahl des eingesetzten Materials nicht bekannt, kann das Staubungsverhalten nach folgender Tabelle abgeschätzt werden:
Staubungs-
verhalten
Beschaffenheit des Materials Staubentwicklung
staubarm/gering staubend stückiger Feststoff, Pellets, Granulat, Wachs, Pasten, Schlicker keine bzw. nur geringe sichtbare Staubentwicklung
staubend grobkörniges, grobpulveriges oder stückiges, leicht abrasives Material sichtbare, aber sich schnell absetzende Staubwolken, sichtbare Staubablagerungen
stark staubend feinpulveriges oder mehliges Material* sichtbare Staubwolken, die sich minutenlang oder länger in der Luft halten können

* Anmerkung: Es ist zu beachten, dass durch Agglomeration auch feinpulvriges oder mehliges Material staubarmes bzw. geringes Staubungsverhalten zeigen kann.

(5) Die verwendeten Stoffmengen pro Schicht lassen sich im Hinblick auf eine gemeinsame Beurteilung in folgende Kategorien einteilen:

1. geringe Menge = Gramm-Bereich (g),
2. mittlere Menge = Kilogramm-Bereich (kg) und
3. hohe Menge = Tonnen-Bereich (t)

(6) Zur gemeinsamen Beurteilung von Staubungsverhalten, Stoffmenge und Emissionen kann, unter der Voraussetzung einer niedrigen Exposition, eine Einordnung in Expositionskategorie 1 nach folgender Matrix getroffen werden:

Staubungsverhalten
Stoffmenge
staubarm/gering staubend staubend stark staubend
niedrig (Gramm-Bereich) Expositionskategorie 1 Expositionskategorie 1 Expositionskategorie 11)
mittel (Kilogramm-Bereich) Expositionskategorie 1 2) 2)
hoch (Tonnen-Bereich) 2) 2) 2)

Anmerkungen:
1) Unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. Dauer der Tätigkeit max. 1h/Schicht, ausreichende Raumbelüftung)
2) Ermittlung der Expositionskategorie nach Nummer 3.2

3.4 Tätigkeiten der Expositionskategorien 1 bis 3

Tätigkeiten der Expositionskategorien 1 bis 3 können beispielsweise der Tabelle in Anlage 1 entnommen werden.

 


3 Akkreditierte Messstellen siehe BUA, Bundesverband der Messstellen für Umwelt- und Arbeitsschutz e. V., http://www.bua-verband.de
4 Siehe TRGS 402 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition"
5 DIN EN 15051 Arbeitsplatzatmosphäre – Messung des Staubungsverhaltens von Schüttgütern – Anforderungen und Referenzprüfverfahren; Deutsche Fassung EN 15051:2006

 

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