BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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2 Begriffsbestimmungen

In dieser TRGS sind die Begriffe so verwendet, wie sie im "Begriffsglossar zu den Regelwerken der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV ), Biostoffverordnung (BioStoffV ) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV )"1 des ABAS, ABS und AGS bestimmt sind. Im Übrigen sind in dieser TRGS Begriffe in folgendem Sinn verwendet:

2.1 Alveolengängiger und einatembarer Staub (A- und E-Staub)

(1) Staub ist eine disperse Verteilung fester Stoffe in der Luft, entstanden insbesondere durch mechanische Prozesse oder durch Aufwirbelungen. Unterschieden wird die alveolengängige (A-Fraktion, A-Staub, früher: Feinstaub) und die einatembare (E-Fraktion, E-Staub, früher: Gesamtstaub) Staubfraktion.

(2) Einatembar ist derjenige Massenanteil von Stäuben im Atembereich, der über die Atemwege aufgenommen werden kann. Alveolengängig ist derjenige Massenanteil von einatembaren Stäuben, der die Alveolen und Bronchiolen erreichen kann. Die einatembare (E) bzw. die alveolengängige (A) Fraktion werden entsprechend den Probenahmekonventionen nach DIN EN 481 bestimmt.

(3) Für Staub, der keine erbgutverändernde, krebserzeugende, fibrogene, allergisierende oder toxische Wirkung aufweist, gilt der Allgemeine Staubgrenzwert für A-Staub (Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für den alveolengängigen Staubanteil) von 3 mg/m³. Für E-Staub gilt der AGW für den einatembaren Staubanteil von 10 mg/m³ der TRGS 900 .

2.2 Mineralischer Staub

Mineralischer Staub ist Staub oder Mischstaub, der bei Tätigkeiten mit natürlich vorkommenden Mineralien und Gesteinen, insbesondere bei deren Gewinnung, Be- und Verarbeitung, oder bei Tätigkeiten mit Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen aus diesen entsteht.

2.3 Quarzfeinstaub

Quarzfeinstaub ist die alveolengängige Staubfraktion (A-Fraktion, A-Staub) des kristallinen Siliciumdioxids in den Modifikationen Quarz, Cristobalit oder Tridymit. Kristallines Siliciumdioxid wird auch als freie kristalline Kieselsäure bezeichnet.

2.4 Quarzhaltiger Staub

Quarzhaltiger Staub (silikogener Staub) ist Mischstaub, der in der alveolengängigen Staubfraktion (A-Fraktion, A-Staub) bis zu 100 Prozent Quarzfeinstaub enthalten kann. Auch beim Be- und Verarbeiten von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen ohne Korngrößenanteile < 100 µm, die kristallines Siliciumdioxid enthalten, kann quarzhaltiger Staub freigesetzt werden. Mineralischer Staub gilt als quarzhaltiger Staub, wenn im Rahmen einer Expositionsmessung in der Luft am Arbeitsplatz mit behördlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannten Standardmethoden ein Quarzfeinstaubanteil nachgewiesen wird.

2.5 Staubungsverhalten

(1) Staubungsverhalten ist die Eigenschaft von Schüttgütern (Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen), bei einer bestimmten Art von Tätigkeit luftgetragene Stäube zu entwickeln und freizusetzen.

(2) Es sind die Kenngrößen der Staubentwicklung zur Bewertung des Staubungsverhaltens heranzuziehen, in der Regel die Staubkenngrößen für die alveolengängige Fraktion und für die einatembare Fraktion.

(3) Das Staubungsverhalten kann auch nach anderen Methoden abgeschätzt werden, z. B. nach dem "BVT-Merkblatt über die besten verfügbaren Techniken zur Lagerung gefährlicher Substanzen und staubender Güter" (BREF "Emissions from Storage") durch Bestimmung der "dispersiveness class" aus den dort enthaltenen Listen.

2.6 Staubungszahl

Die Staubungszahl ist der Quotient aus der jeweiligen im Staubungsversuch freigesetzten A-oder E-Staubmasse (mg) und der Masse (kg) des eingesetzten Materials.2

2.7 Emissionsrate

Die Emissionsrate gibt die Masse des Staubes an, die von einer Maschine oder einem Gerät je Zeiteinheit in die Umgebung abgegeben wird.

2.8 Lufttechnische Maßnahmen

Lufttechnische Maßnahmen zur Minderung der Exposition gegenüber luftfremden Stoffen am Arbeitsplatz sind:

  1. Erfassung der Stoffe an der Entstehungs- oder Austrittsstelle,
  2. Arbeitsplatzlüftung, d. h. Verdrängung oder Verdünnung luftfremder Stoffe im Arbeitsbereich. Zu unterscheiden ist dabei zwischen
    1. technischer (maschineller) Lüftung und
    2. freier (natürlicher) Lüftung.

2.9 Stationäre Arbeitsplätze

Stationäre Arbeitsplätze sind dadurch gekennzeichnet, dass ortsfeste Betriebseinrichtungen vorhanden sind, ortsfeste Betriebsverhältnisse vorliegen und die Umgebungsbedingungen weitgehend gleich bleibend sind (Raumgröße, Lüftung und dergleichen).

2.10 Instationäre Arbeitsplätze

Instationäre Arbeitsplätze sind dadurch gekennzeichnet, dass wechselnde Arbeitsstätten, Betriebseinrichtungen und Umgebungsbedingungen (Raumgröße, Lüftung) vorliegen. Zu instationären Arbeitsplätzen zählen z. B. Baustellen und wechselnde Einsatzstellen innerhalb einer Arbeitsstätte.

2.11 Materialien

Materialien im Sinne dieser TRGS sind Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse.

 


1 www.baua.de/cln_104/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/Glossar/Glossar.html
2 DIN EN 15051 Arbeitsplatzatmosphäre – Messung des Staubungsverhaltens von Schüttgütern – Anforderungen und Referenzprüfverfahren; Deutsche Fassung EN 15051:2006

 

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