BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Schutzmaßnahmen

4.1 Allgemeine Schutzmaßnahmen

4.1.1 Rangfolge der Maßnahmen

Das Arbeitsverfahren ist so zu gestalten, dass DME nicht frei werden, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist. Dies bedeutet, zu prüfen, ob die anstehenden Aufgaben und Tätigkeiten auch durch andere Antriebstechniken erfüllt werden können. Werden nach dieser Prüfung weiterhin Dieselmotoren eingesetzt, sind Maßnahmen zur Minderung der DME zu treffen. Expositionsminderungen können durch die Absaugung der DME direkt an der Entstehungsstelle und den Einsatz von DPF sowie ferner durch lüftungstechnische Maßnahmen erreicht werden.

4.1.2 Einsatzbeschränkungen

Der Einsatz von dieselgetriebenen Fahrzeugen oder Flurförderzeugen in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen ist vom Arbeitgeber zu beschränken, wenn unter Berücksichtigung der erforderlichen Motorleistung oder Tragfähigkeit dieselbe Aufgabe auch durch schadstofffreie Antriebstechniken, z. B. durch Elektroantrieb, erfüllt werden kann. Solche Einsatzbeschränkungen können u.a. in folgenden Fällen gegeben sein:

  1. Befahren von Containern, mindestens teilweise geschlossenen LKW-Ladeflächen, Eisenbahnwaggons, Schiffsräumen und Flugzeugen,
  2. Befahren von Kühlhäusern und anderen Lagerhallen,
  3. Versorgung von Arbeitsplätzen in Fertigungshallen sowie
  4. Einsatz von Bohrwagen und Vortriebsmaschinen in untertägigen Arbeitsbereichen.

4.1.3 Maßnahmen zur Minderung von DME

(1) Maßnahmen zur Minderung von DME sind z. B.:

  1. Verwendung schadstoffarmer Dieselmotoren,
  2. Verwendung von DPF,
  3. regelmäßige Wartung aller betrieblichen dieselgetriebenen Maschinen, wie z. B. Geräte, Aggregate, Fahrzeuge, Flurförderzeuge, nach dem Wartungskonzept (siehe Nummer 4.2.4 ),
  4. Verwendung aufsteckbarer DPF für den kurzzeitigen Einsatz bei Straßenfahrzeugen,
  5. Ableitung der Abgase ins Freie durch fest angeschlossene Abgasableitungen,
  6. Erfassung der Abgase durch Absaugung an der Austrittsstelle aus dem Auspuff und Ableitung ins Freie,
  7. lüftungstechnische Maßnahmen,
  8. räumliche Trennung unterschiedlich belasteter Bereiche,
  9. gezielte betriebliche Verkehrsführung sowie
  10. Maßnahmen zur Emissionsbegrenzung, die für den zu beurteilenden Arbeitsbereich erfolgreich erprobt sind oder bei entsprechend übertragbaren Versuchen erfolgreich eingesetzt wurden, wie z. B. die Verwendung von Kraftstoffen, die zu einer Minderung der Abgasbelastung führen.

(2) Bei allen Maßnahmen, bei denen mit DME belastete Luft abgesaugt wird, ist sicher zu stellen, dass diese Luft nicht in den Arbeitsbereich gelangen kann. Auf das Verbot der Reinluftrückführung gemäß § 11 Abs. 4 GefStoffV wird hingewiesen.

4.1.4 Abgrenzung und Kennzeichnung von Gefahrenbereichen

(1) Ganz oder teilweise geschlossene Arbeitsbereiche, in denen DME auftreten oder auftreten können, sind abzugrenzen und die Gefahrenbereiche durch Anbringung von Warn- und Sicherheitszeichen kenntlich zu machen. Gefahrenbereiche können auch in der Betriebsanweisung bezeichnet werden.

(2) Zutritt ist nur für unterwiesene Beschäftigte zulässig.

(3) In ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen, in denen DME auftreten oder auftreten können, ist das Zeichen "Rauchen verboten" anzubringen.

 

4.2 Technische Schutzmaßnahmen

4.2.1 Dieselmotoren

(1) Bei Neu- oder Ersatzbeschaffung ist die beste nach dem Stand der Technik verfügbare Technologie auszuwählen.

(2) Abhängig von dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind geeignete Schadstoffminderungsmaßnahmen anzuwenden, dazu zählen z. B. Abgasnachbehandlungssysteme, Aufsteckfilter oder Abgasabsaugungen.

(3) Kommen bei Fahrzeugen zur Personen- oder Güterbeförderung mit einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 3,5 Tonnen Motoren der Klasse EURO fünf zum Einsatz, kann auf zusätzliche Maßnahmen zur Abgasnachbehandlung verzichtet werden.

4.2.2 Abgasnachbehandlung

(1) Für die Abgasnachbehandlung ist eine fortschrittliche Technologie nach dem Stand der Technik einzusetzen.

(2) Abgasnachbehandlungssysteme müssen die einsatzspezifischen Anforderungen erfüllen.

(3) Die Bewertung dieser Systeme erfolgt nach entsprechenden Beurteilungskriterien, z. B. können für Off-Road-Maschinen die Anforderungen der VERT-Filterliste oder vergleichbare herangezogen werden.

4.2.3 Kraftstoff

(1) Dieselmotoren dürfen nur mit Kraftstoffen betrieben werden, die den Qualitätsanforderungen der DIN EN 590 "Dieselkraftstoff, Mindestanforderungen und Prüfverfahren" [2] oder der DIN EN 14214 "Fettsäure-Methylester (FAME) für Dieselmotoren, Anforderungen und Prüfverfahren" [2] in der jeweils gültigen Fassung entsprechen.

(2) Pflanzenöle als Kraftstoff können eingesetzt werden, wenn sie die Qualitätsparameter der Vornorm DIN V 51605 [2] erfüllen und wenn sichergestellt ist, dass die Abgase nicht in ganz oder teilweise geschlossene Arbeitsbereiche gelangen können.

(3) In untertägigen Arbeitsbereichen ist der Einsatz von Pflanzenölen als Kraftstoff nicht zulässig.

4.2.4 Wartungskonzept

Die Abgasemission der vom Arbeitgeber in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen eingesetzten Dieselmotoren ist entsprechend den Festlegungen der Anlage 3 zu überwachen. Dies gilt nicht

  1. für Fahrzeuge, die überwiegend im öffentlichen Verkehr eingesetzt werden und deren Abgasemissionen regelmäßig in Abgasuntersuchungen nach § 47a StVZO untersucht werden,
  2. für Schienenfahrzeuge, die überwiegend im öffentlichen Verkehr eingesetzt werden und
  3. für Maschinen (z. B. Geräte, Aggregate, Fahrzeuge, Flurförderzeuge), die lediglich zum Abstellen in ganz oder teilweise geschlossene Abstellbereiche eingebracht werden.

4.2.5 Abgasabsaugungen und raumlufttechnische Anlagen

(1) Abgasabsaugungen müssen mit Unterdruck arbeiten und so gestaltet sein, dass sie die Abgase an der Austrittsstelle möglichst vollständig erfassen und so abführen, dass sie nicht in Arbeitsbereiche gelangen.

(2) Die Schläuche von Abgasabsaugungen müssen für die maximal mögliche Abgastemperatur ausgelegt sein; besonders hohe Abgastemperaturen können insbesondere bei Arbeiten an Dieselmotoren auftreten, die mit Dieselpartikelfiltern ausgerüstet sind. Metallschläuche müssen mit Handgriffen ausgerüstet sein. Von den Handgriffen dürfen keine Verbrennungsgefahren für die Beschäftigten ausgehen.

(3) Die Abgasleitungen und -schläuche von Abgasabsaugungen müssen dicht sein. Sie müssen strömungstechnisch so gestaltet und ihre Querschnittsflächen müssen so bemessen sein, dass sich in ihnen möglichst keine DME ablagern können.

(4) Abgasabsaugen und raumlufttechnische Anlagen sind einer jährlichen Prüfung zu unterziehen (§§ 3 und 10 Betriebssicherheitsverordnung). Auf die Berufsgenossenschaftlichen Regeln "Arbeitsplatzlüftung - Lufttechnische Maßnahmen" (BGR 121 ) [2] wird verwiesen.

 

4.3 Organisatorische Schutzmaßnahmen

4.3.1 Betriebsanweisung und Unterweisung

(1) Der Arbeitgeber hat unter Berücksichtigung der Gefährdungsbeurteilung eine arbeitsplatzbezogene schriftliche Betriebsanweisung in verständlicher Form und Sprache zu erstellen und diese den Beschäftigten zugänglich zu machen.

(2) Die Betriebsanweisung muss mindestens Informationen enthalten über:

  1. die am Arbeitsplatz auftretenden Gefahrstoffe im Abgas von Dieselmotoren sowie die daraus resultierenden Gesundheitsgefährdungen,
  2. angemessene Vorsichtsmaßnahmen, die der Beschäftigte zu seinem eigenen Schutz und zum Schutz der anderen Beschäftigten am Arbeitsplatz durchzuführen hat, wie Hygienemaßnahmen sowie Informationen über expositionsmindernde Maßnahmen sowie
  3. Maßnahmen bei Betriebsstörungen, Unfällen und zur ersten Hilfe.

(3) Die Betriebsanweisung muss bei jeder maßgeblichen Veränderung der Arbeitsbedingungen aktualisiert werden.

(4) Der Arbeitgeber muss die Beschäftigten anhand der Betriebsanweisung über auftretende Gefährdungen und entsprechende Schutzmaßnahmen mündlich unterweisen. Dabei ist sicherzustellen, dass die Unterweisung eine allgemeine arbeitsmedizinisch-toxikologische Beratung enthält. Um die Gefährdung, die sich aus der Komplexität der Abgase von Dieselmotoren ergibt, erläutern zu können, ist arbeitsmedizinischer Sachverstand erforderlich. Die Unterweisung muss vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens jährlich durchgeführt werden. Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisung sowie die Bestätigung des Beschäftigten sind schriftlich festzuhalten. Bei der Unterweisung sind folgende Punkte zu vermitteln:

  1. Eigenschaften der Abgase von Dieselmotoren und ihre Wirkung auf die Gesundheit,
  2. Auswirkungen auf die Atemwege insbesondere bei Vorerkrankungen der oberen und unteren Atemwege,
  3. verstärkende Wirkungen zusätzlicher inhalativer Belastungen, insbesondere des Rauchens,
  4. die Bedeutung von Maßnahmen zur Expositionsminderung,
  5. Maßnahmen bei Störungen des Betriebsablaufes,
  6. sachgerechte Abfallentsorgung und
  7. Bedeutung der anzubietenden Vorsorgeuntersuchungen nach § 16 Abs. 3 GefStoffV.

(5) In der Unterweisung nach § 14 GefStoffV sind weibliche Beschäftigte im gebärfähigen Alter darauf hinzuweisen, dass Kohlenmonoxid als Bestandteil der Abgase von Dieselmotoren Schädigungen des ungeborenen Kindes hervorrufen können.

(6) Eine beispielhafte Betriebsanweisung ist in Anlage 2 zu finden.

4.3.2 Betrieb von Dieselmotoren

(1) Das unnötige Laufenlassen von Dieselmotoren z. B. im Leerlaufbetrieb oder das starke Beschleunigen der Dieselmotoren beim Anfahren ist zu unterlassen.

(2) Ist das Abstellen der Dieselmotoren von Fahrzeugen z. B. beim Be- oder Entladen oder bei der Benutzung von Anbaugeräten nicht möglich, muss die Belastung durch DME im Arbeitsbereich wirksam reduziert werden durch geeignete Maßnahmen, wie z. B.

  1. Absaugung der Abgase der im Arbeitsbereich betriebenen Dieselmotoren unmittelbar am Auspuff oder
  2. Verwendung von fest eingebauten oder aufgesteckten DPF.

(3) Sind keine wirksamen Nachbehandlungsmaßnahmen der DME vorhanden, darf die Druckluftanlage des Fahrzeuges, des Flurförderzeuges, der Maschine oder des Gerätes mit Dieselmotor in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen durch Betrieb des Dieselmotors nur befüllt werden, wenn die Dieselmotoremissionen durch Abgasabsaugung unmittelbar am Auspuff oder durch wirksame technische Raumlüftung aus dem Arbeitsbereich entfernt werden.

(4) Alle Einstellungsarbeiten an Systemkomponenten des Verbrennungsmotors (z. B. Verstellung der Einspritzanlage, Ansaugluftdrosselung, Manipulation der Abgasrückführung) z. B. zur Gewährleistung der Partikelfilterfunktionalität (Regeneration) sind ausschließlich durch Fachpersonal unter Berücksichtigung der Schadstoffemissionen und des Kraftstoffverbrauches durchzuführen.

(5) Der Einsatz von neuartigen Kraftstoffen, auch als Beimischung, darf in Kombination mit Abgasnachbehandlung nur unter Berücksichtigung der Verträglichkeit dieser Kraftstoffe mit Abgasnachbehandlungssystemen erfolgen. Hier muss insbesondere die Vergiftung der katalytisch aktiven Schicht (z. B. durch Phosphor) oder die Verstopfung des DPF berücksichtigt werden.

(6) Kraftstoffadditiven als Regenerationshilfe dürfen nur in Verbindung mit einem dafür geeigneten Abgasnachbehandlungssystem eingesetzt werden. Dabei ist die Verträglichkeit dieser Additive mit den Einspritzdüsen des Dieselmotors zu berücksichtigen.

4.3.3 Maßnahmen in Arbeitsbereichen

(1) Die Zahl der in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen verwendeten dieselgetriebenen Maschinen, wie z. B. Geräte, Aggregate, Fahrzeuge, Flurförderzeuge, und der dort Beschäftigten ist so gering wie möglich zu halten.

(2) Absatz 1 ist nicht anzuwenden, wenn Maschinen (z. B. Geräte, Aggregate, Fahrzeuge, Flurförderzeuge) lediglich zum Abstellen in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen eingebracht werden und dort gleichzeitig keine weiteren Tätigkeiten verrichtet werden, z. B. Reinigungsarbeiten.

(3) Ablagerungen von DME in Abgasabsaugleitungen und an Wänden dürfen nur

  1. durch Absaugen mit bauartgeprüften Staubsaugern der Staubklasse H (vgl. DIN EN 60335-2-69 Anhang AA in der jeweils gültigen Fassung [4]),
  2. durch Nassreinigung oder
  3. durch mechanische Bearbeitung unter gleichzeitigem Absaugen freiwerdender Stäube mit bauartgeprüften Staubsaugern der Staubklasse H
entfernt werden. Reinigung mittels Druckluft ist nicht zulässig.

 

4.4 Persönliche Schutzausrüstung

(1) Bis zum Vorliegen einer Risiko-Akzeptanzschwelle für DME gilt folgende Regelung: Ergibt sich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, dass inhalative Expositionen (siehe TRGS 402 "Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition") > 0,1 mg/m3 EC vorliegen, soll Atemschutz getragen werden.

(2) In Abhängigkeit vom Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung soll den Beschäftigten auf ihren Wunsch hin auch bei inhalativen Expositionen > 0,02 mg/m3 EC Atemschutz zur Verfügung gestellt werden.

(3) Bei einer im Arbeitsbereich auftretenden Konzentration bis zu 1,0 mg/m3 EC sind geeignet:

  1. Halb/Viertelmasken mit P2-Filter,
  2. partikelfiltrierende Halbmaske FFP2,
  3. Masken mit Gebläse- oder Partikelfilter TM1P.

(4) Bei Konzentrationen > 1,0 mg/m3 EC sind Geräte mit einer höheren Schutzgruppe, z. B. P3 einzusetzen.

 

4.5 Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen

Ergibt sich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung eine Exposition gegenüber DME, hat der Arbeitgeber den Beschäftigten Vorsorgeuntersuchungen nach § 16 Abs. 3 GefStoffV anzubieten.

 

Literatur und Bezugsquellen

[1]   Verfahren zur Bestimmung von organischen Stoffen im Feinstaub - anwendbar für partikelförmige Dieselmotor-Emissionen (BGI 505-44) Bezugsquelle: Carl Heymanns Verlag GmbH, Köln
www.wolterskluwer.de
[2] Bezugsquelle: Beuth-Verlag GmbH, Berlin
www.beuth.de
[3] Bezugsquelle: Carl Heymanns Verlag GmbH, Köln
www.wolterskluwer.de
[4] Informationen über Abgase des Kraftfahrzeugverkehrs, Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, April 2003
www.lfu.bayern.de/luft/fachinformationen/doc/abgase.pdf
[5] Zweiundzwanzigste Verordnung zur Durchführung des Bundes- Immissionsschutzgesetzes - 22. BImSchV - Verordnung über Immissionswerte für Schadstoffe in der Luft * Vom 4. Juni 2007 (BGBl. I Nr. 25 vom 12.6.2007 S. 1007)
www.bmu.de
[6] siehe: Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten (BGR 190) Bezugsquelle: Carl Heymanns Verlag GmbH, Köln
www.wolterskluwer.de

 

 

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