BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3 Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung

3.1 Allgemeine Hinweise

(1) Zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 7 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) hat der Arbeitgeber festzustellen, inwieweit Beschäftigte bei ihren Tätigkeiten DME ausgesetzt sind.

(2) Die Gefährdungsbeurteilung ist tätigkeitsbezogen von einer fachkundigen Person durchzuführen. Hinsichtlich DME-Expositionen ist Folgendes zu berücksichtigen. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber Erkenntnisse aus arbeitsmedizinischen Untersuchungen und/oder Beratungen von Beschäftigten, die gegenüber DME exponiert sind, zu berücksichtigen.

  1. Ausmaß und Dauer der inhalativen Exposition,
  2. Arbeitsbedingungen Verfahren einschließlich Arbeitsmittel, die DME freisetzen,
  3. mögliche Gefährdungen Dritter,
  4. erforderliche Schutzmaßnahmen und
  5. Festlegungen zur Wirksamkeitsprüfung der getroffenen Schutzmaßnahmen.

(3) Bei Einhaltung der Regelungen und Maßnahmen dieser TRGS kann davon ausgegangen werden, dass die in der GefStoffV gestellten Anforderungen hinsichtlich der Sicherstellung von Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten bei Tätigkeiten in Arbeitsbereichen, in denen DME freigesetzt werden, grundsätzlich erfüllt sind. Allerdings ist auch bei Einhaltung der Regelungen und Maßnahmen dieser TRGS ein Krebsrisiko nicht auszuschließen. Weitergehende Maßnahmen zur Minimierung von DME-Expositionen sind anzustreben. Dabei ist das Augenmerk insbesondere zu richten auf:

  1. Möglichkeit des Einsatzes von Ersatzstoffen/-verfahren unter Einbezug des Standes der Technik,
  2. Verfügbarkeit und Einsatz geprüfter DPF 1 ),
  3. Veränderungen der Regelwerke, Grenzwerte und Analysenverfahren und
  4. neue wissenschaftlich-technische Erkenntnisse.

(4) Wird von den Regelungen dieser TRGS abgewichen, müssen zumindest gleichwertige Schutzmaßnahmen getroffen werden. Abweichungen sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren und zu begründen.

(5) Bei maßgeblichen Änderungen von Arbeitsbedingungen und Verfahren ist die Gefährdungsbeurteilung erneut durchzuführen.

(6) In Arbeitsbereichen, in denen alle vorhandenen Dieselmotoren mit DPF gemäß Nummer 2 Abs. 4 dieser TRGS ausgerüstet sind und für die Querempfindlichkeiten oder Störungen aus anderen Arbeitsbereichen oder aus der Umwelt ausgeschlossen werden können, werden nur noch Messergebnisse im Bereich der Nachweisgrenze des coulometrischen Messverfahrens erhalten (< 0,014 mg/m³ EC für eine zweistündige stationäre Probenahme).

 

3.2 Einstufung und Kennzeichnung

(1) Tätigkeiten oder Verfahren, bei denen Beschäftigte in Bereichen arbeiten, in denen DME freigesetzt werden, sind gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV und TRGS 906 "Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren" als krebserzeugend bezeichnet.

(2) Eine Kennzeichnungspflicht für DME besteht nicht.

 

3.3 Gefahrstoffverzeichnis

(1) In das Gefahrstoffverzeichnis nach § 7 Abs. 8 GefStoffV sind ganz oder teilweise geschlossene Arbeitsbereiche aufzunehmen, in denen DME auftreten. Arbeitsbereiche im Freien mit Verwendung von Dieselmotoren brauchen nicht aufgeführt zu werden.

(2) Neben den DME müssen im Gefahrstoffverzeichnis die weiteren relevanten Bestandteile der Abgase von Dieselmotoren und die von ihnen ausgehenden Gesundheitsgefahren aufgeführt werden. Es handelt sich dabei stets um:

  1. Kohlenmonoxid CO,
  2. Kohlendioxid CO2,
  3. Stickstoffmonoxid NO sowie
  4. Stickstoffdioxid NO2.

Für CO besteht eine fruchtschädigende Wirkung auch bei Konzentrationen unterhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes.

(3) Durch den Betrieb von Abgasnachbehandlungssystemen können weitere Emissionen auftreten (z. B. Kohlenwasserstoffe, Ammoniak (NH3), Distickstoffmonoxid (N2O - Lachgas). Diese sind ebenfalls zu berücksichtigen.

(4) Als Gefahrstoffverzeichnis für ganz oder teilweise geschlossene Arbeitsbereiche, in denen DME auftreten, kann das Formblatt in Anlage 1 verwendet werden.

 

3.4 Messen und Berechnen von DME-Konzentrationen

(1) Sind Messungen der DME-Konzentrationen im Arbeitsbereich erforderlich, z. B. zur frühzeitigen Ermittlung erhöhter Konzentrationen oder bei besonderen Ereignissen 2 ), so erfolgen diese mittels coulometrischer Bestimmung des elementaren Kohlenstoffes (EC) im Feinstaub gemäß anerkanntem Analysenverfahren 2 nach BGI 505-44 [1]. 3 )

(2) Im Bergbau unter Tage können DME-Konzentrationen durch Berechnung nach Anlage 4 Nummer 2.3 ermittelt werden. 4 )

(3) Zur Bewertung und Beurteilung von DME-Expositionen können orientierend folgende Konzentrationswerte herangezogen werden:

  1. Messdaten aus Arbeitsbereichen (siehe Anlage 5 )
  2. "Hintergrundbelastung in urbanen Bereichen: 0,003 mg/m3 EC" 5 )

Die genannten Bezugswerte ermöglichen keine Beurteilung des gesundheitlichen Risikos durch die DME-Exposition.

(4) Beim Einsatz von Gabelstaplern in Hallen können DME-Konzentrationen mittels Berechnungsverfahren nach Anlage 4 Nummer 1 ermittelt werden.

 

3.5 DME-Expositionssituation in Arbeitsbereichen

3.5.1 Allgemeine Hinweise

(1) Für Arbeitsbereiche, in denen mit dem Auftreten von DME gerechnet werden muss, ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung der Umfang der DME-Expositionen festzustellen. Gegebenenfalls ist durch geeignete Kontrollmessungen zu prüfen, ob sich die Expositionsverhältnisse geändert haben.

(2) Werden in Arbeitsbereichen nur Dieselmotoren betrieben, ist die maßgebliche Exposition für die Arbeitnehmer im Arbeitsbereich die entsprechend Nummer 3.4 ermittelte Konzentration an EC. Treten weitere Emissionen auf, wie z. B. Abgase von Ottomotoren, ist eine Bewertung des Stoffgemisches vorzunehmen. Für Kontrollmessungen kann auf Leitkomponenten zurückgegriffen werden. 6 )

(3) Existieren für einen Arbeitsbereich verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) und wird im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festgestellt, dass diese eingehalten werden, so sind die Anforderungen der GefStoffV für den betreffenden Arbeitsbereich erfüllt.

3.5.2 Handlungshilfen für spezielle Arbeitsbereiche und Tätigkeiten

(1) Anlage 4 dieser TRGS enthält Handlungshilfen für spezielle Arbeitsbereiche und Tätigkeiten, die im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu nutzen sind.

(2) Die Anwendung von Handlungshilfen ist in der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren. Es ist jährlich zu prüfen, ob eine weitere Minimierung der Expositionen möglich ist (s. Nummer 3.1 Abs. 3) .

 


1) Prüfung nach Maßgaben der VERT-Filterliste oder des Förderkreises Abgasnachbehandlung (FAD). Die VERT-Filterliste wird herausgegeben von dem schweizerischen Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (suvaPro). Die jeweils aktuelle Fassung befindet sich auf der Internetseite des BAFU unter http://www.bafu.admin.ch/php/modules/shop/files/pdf/phpDJ2Gzq.pdf

2) Vgl. § 11 Abs. 2 Nr. 1 GefStoffV

3) Arbeitsbereiche, in denen Querempfindlichkeiten des Messverfahrens zu erwarten sind (z. B. produktionsbedingter elementarer Kohlenstoff), sind u.a. die Herstellung und Verarbeitung von Graphit- und Kohlenstoffprodukten (Herstellung von Elektroden, Schmiermitteln, Bremsbelägen), die Rußherstellung und -verarbeitung (z. B. Farben- und Gummi-Industrie), die Carbidherstellung und die Herstellung und Verarbeitung von Cellulose bzw. Papier und Pappen sowie Gießereien. Wenn moglich, sollte im Sinne einer differenzierten Betrachtung der Expositionssituation in diesen Bereichen die Hallengrundlast bestimmt werden, um die tatsachliche Belastung durch Dieselmotoremissionen ermitteln zu konnen. Unabhangig davon sollten die in Nummer 4 empfohlenen technischen Maßnahmen zur Reduzierung von Dieselmotoremissionen durchgefuhrt werden.

4) Aufgrund der Querempfindlichkeit des Messverfahrens im Bereich des Kohlebergbaus konnen gegenwartig die DME-Konzentrationen nicht durch Messungen ermittelt werden [1].

5) Wie bei allen anderen Gefahrstoffen lässt sich auch fur die partikularen Dieselmotoremissionen kein allgemein gültiger Wert für eine Hintergrundbelastung angeben. Der Wert von 3 µg/m3 entspricht langfristigen Mittelwerten an urbanen Standorten [4]. Lokal und im zeitlichen Verlauf können davon große Abweichungen nach oben oder unten auftreten. Daher kann dieser Wert lediglich orientierenden Charakter haben. Aus dem derzeit nach 22. BImSchV gültigen Grenzwert fur Feinstaub (Tagesmittelwert) ergibt sich unter Annahme von 20 Prozent EC-Gehalt eine zulässige Höchstkonzentration in der Umgebungsluft von 10 µg/m3 [5].

6) Für LKW- und Omnibuswerkstätten wird die Exposition durch Abgase an den Arbeitsplätzen in erster Linie durch DME verursacht. Für PKW-Werkstätten mit sowohl Ottomotoren als auch Dieselmotoren unter den instandzusetzenden Fahrzeugen ist Kohlenmonoxid die wesentliche Komponente für die Exposition der Arbeitsbereiche. Kohlenmonoxid wird dort als Leitkomponente für Kontrollmessungen verwendet.



 

 

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