BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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5 Handlungskonzept zum Schutz der Beschäftigten

(1) Für bleihaltige Gefahrstoffe wurde bislang kein Arbeitsplatzgrenzwert nach § 3 Abs. 6 GefStoffV festgelegt. Zum Schutz der Beschäftigten ist daher nachstehendes Handlungskonzept zur Prävention heranzuziehen. Dieses Handlungskonzept wird unter Berücksichtigung der individuellen Blutbleispiegel seit Jahren zur Reduktion der Bleibelastung erfolgreich eingesetzt und hat sich in der Praxis bewährt. Das Handlungskonzept setzt voraus, dass bereits alle nach GefStoffV erforderlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen ergriffen worden sind und der Betriebsarzt nach seiner medizinischen Beurteilung den Arbeitgeber über die zu treffenden Maßnahmen informiert (§ 15 Abs. 1 Nr. 4 GefStoffV). Hierbei ist zu beachten, dass die Weitergabe individueller Untersuchungsbefunde ohne Zustimmung der Untersuchten nicht zulässig ist.

(2) Das Handlungskonzept hat folgenden Ablauf:

  1. Bei Überschreitung eines qualitätsgesicherten** Blutbleispiegels von 300 µg/l bei männlichen Beschäftigten und 100 µg/l bei weiblichen Beschäftigten sind folgende Maßnahmen zu veranlassen:
    • zusätzliche Schulung zur persönlichen Hygiene
    • zusätzliche Schulung zum persönlichen Verhalten.
  2. Bei Überschreitung eines qualitätsgesicherten** Blutbleispiegels von 350 µg/l bei männlichen Beschäftigten und 200 µg/l bei weiblichen Beschäftigten sind folgende Maßnahmen zu veranlassen:
    • zusätzliche Schulung zur persönlichen Hygiene
    • zusätzliche Schulung zum persönlichen Verhalten
    • Beurteilung des Arbeitsplatzes und Überprüfung der Umsetzung der erforderlichen technischen und/oder organisatorischen Maßnahmen
    • verkürzte Nachuntersuchungsfristen.
  3. Bei Überschreitung eines qualitätsgesicherten** Blutbleispiegels von 400 µg/l bei männlichen Beschäftigten und 300 µg/l bei weiblichen Beschäftigten sind folgende Maßnahmen zu veranlassen:
    • Überprüfung der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes bzw. der Belastung infolge des Tätigkeitsprofils
    • Analyse, ob zeitweise besondere Belastungen aufgetreten sind
    • Überprüfung der persönlichen Schutzausrüstung
    • zusätzliche Schulung zur persönlichen Hygiene
    • zusätzliche Schulung zum persönlichen Verhalten
    • ausführliche individuelle arbeitsmedizinische Beratung
    • kurzfristige Wiederholungsmessung zur Absicherung des erhöht gefundenen Blutbleispiegels
    • Beschäftigungsbeschränkungen bis hin zu einem Arbeitsplatzwechsel bei dem keine Belastung durch bleihaltige Gefahrstoffe besteht oder diese deutlich verringert ist.

** Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass für die Blutbleianalytik bestimmte Qualitätskriterien erforderlich sind, z. B. dass für den zu erwartenden Konzentrationsbereich von 100-700 µg/l die Robustheit des Verfahrens eine relative Standardabweichung von Tag zu Tag nicht mehr als 6 % betragen soll (s. auch Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G 2 "Blei oder seine anorganischen Verbindungen").

 

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