BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Schutzmaßnahmen

4.1 Rangordnung der Schutzmaßnahmen

Der Umfang und die Rangordnung der Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz sind in §§ 8 Abs. 2 und 9 Abs. 2 GefStoffV geregelt. Nähere Hinweise zu den notwendigen Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit bleihaltigen Gefahrstoffen sind in Nummer 4.2 dieser TRGS beschrieben. Aufgrund der Kenntnisse über den Einfluss von persönlichem Verhalten und persönlicher Hygiene auf die Aufnahme von Blei in den Körper ist es neben den technischen und allgemeinen organisatorischen Maßnahmen erforderlich und von besonderer Bedeutung, individuell Schutzmaßnahmen mit Vorgaben für die persönliche Schutzausrüstung und die persönliche Hygiene festzulegen.

4.2 Schutzmaßnahmen für die betriebliche Praxis

(1) Wegen der individuell sehr unterschiedlichen oralen Bleiaufnahme besteht bei Arbeitsplatzkonzentrationen im Bereich von 0,1 mg Blei/m³ kein enger Zusammenhang zwischen der Höhe des Blutbleispiegels und der Bleistaubkonzentration in der Atemluft. Demzufolge ist ein erhöhter Blutbleispiegel z. B. aufgrund oraler Aufnahme (Hand-Mund-Kontakt) auch möglich, wenn eine Arbeitsplatzkonzentration von 0,1 mg/m³ eingehalten wird. Die Möglichkeiten zur weiteren Reduzierung der Blutbleibelastung liegen in diesen Fällen insbesondere in der kontinuierlichen Verbesserung der innerbetrieblichen Organisation und der Systeme zur persönlichen Hygiene sowie dem optimierten Einsatz persönlicher Schutzausrüstung. Bei bestimmten Tätigkeiten ist auch eine starke Verunreinigung der Arbeitskleidung zu berücksichtigen (§ 9 Abs. 3 GefstoffV ).

(2) Unter Nummer 4.2.1 bis 4.2.3 sind verschiedene Maßnahmen und Verhaltensweisen aufgeführt, die sich in der betrieblichen Praxis zur nachhaltigen Reduzierung der Bleibelastung bereits bewährt haben. Diese Maßnahmen sind bei allen unter Nummer 3 aufgeführten Tätigkeiten anzuwenden.

(3) Wegen der Vielzahl unterschiedlichster Tätigkeiten in Industrie-, Gewerbe- und Handwerksbereichen enthält Anlage 2 dieser TRGS weitere Maßnahmen und Verhaltensregeln, die den unter Nummer 3 genannten Tätigkeiten in einer Matrix spezifisch zugeordnet sind. Diese sind vorrangig anzuwenden, es sei denn, das Schutzziel wird nachweislich auch unter Berücksichtigung neuerer Erkenntnisse durch andere Maßnahmen erreicht.

4.2.1 Organisatorische Maßnahmen

4.2.1.1 Reinigung der Arbeitsplätze/Bereiche
  • Arbeitsplätze sind durch Absaugen oder mittels nasser Verfahren zu reinigen.
  • Abblasen und/oder Fegen sind verboten.
  • Arbeitsplätze/Arbeitsbereiche sind mit den erforderlichen Mitteln zur Reinigung auszustatten. Je nach Arbeitsplatz/Arbeitsbereich sind dies Mittel zur Nassreinigung (Wasserschlauch und Waschbürste) oder zur Trockenreinigung (Staubsauger).
4.2.1.2 Sozialräume (Umkleide-, Wasch- und Pausenräume)
  • Belastete und nicht belastete Bereiche von Umkleideräumen sind strikt zu trennen (Schwarz-Weiß-Prinzip). Separate Umkleideräume - getrennt durch Waschräume - sind anzustreben.
  • Das Betreten von Kantinen- und Pausenräumen mit bleibelasteter Kleidung oder bleibelasteten Schuhen ist nicht erlaubt.
  • Umkleide-, Wasch- und Pausenräume (inkl. Mobiliar) sind täglich feucht zu reinigen. Die Reinigung ist zu kontrollieren und zu dokumentieren.

4.2.2 Persönliche Schutzausrüstung

  • Bei allen unter Nummer 3 genannten Tätigkeiten ist die geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA) nach § 9 Abs. 2 und 3 GefStoffV auszuwählen, bereitzustellen und von den Beschäftigten zu nutzen (BGR 189 ff).
  • Es ist sicherzustellen, dass die PSA nicht in kontaminierten Bereichen abgelegt wird.
  • Nach Beendigung der Tätigkeit ist erst die bleibelastete Arbeitskleidung und danach das Atemschutzgerät abzulegen.
  • Die PSA ist nach Gebrauch zu überprüfen (ggf. durch Sachkundige), zu reinigen oder auszutauschen.
  • Die trockene und staubfreie Aufbewahrung aller PSA ist sicherzustellen.

4.2.3 Maßnahmen zur persönlichen Hygiene

4.2.3.1 Allgemeine Hygieneregeln

Die Erfahrung bei Tätigkeiten mit bleihaltigen Gefahrstoffen zeigt, dass Vorgaben zur persönlichen Hygiene und deren strikte Einhaltung größten Einfluss auf die Reduzierung der Blutbleibelastung haben. Folgende Hygieneregeln sind einzuhalten:

  • Nach Beendigung oder bei Unterbrechung der bleibelasteten Tätigkeit (auch für eine Zigarettenpause) sind immer Hände und Gesicht zu waschen sowie der Mund auszuspülen oder Zähne zu putzen.
  • In den bleibelasteten Bereichen sind Gegenstände des persönlichen und privaten Gebrauches (Zigaretten, Mobiltelefone, Taschen etc.) nicht erlaubt.
  • Alle in bleibelasteten Bereichen Beschäftigte müssen bei Schicht-/Arbeitsende duschen.
4.2.3.2 Arbeitskleidung
  • Bei Tätigkeiten in bleibelasteten Bereichen ist die Arbeitskleidung (je nach Grad der Belastung auch Unterwäsche und Strümpfe) vom Betrieb zu stellen; der Arbeitgeber hat die Reinigung der Arbeitskleidung zu veranlassen.
  • Für jeden Beschäftigten, der in bleibelasteten Bereichen tätig wird, ist ständig eine Garnitur sauberer Arbeitskleidung bereitzustellen.
  • Saubere Arbeitskleidung und PSA ist getrennt von benutzter Arbeitskleidung und benutzter PSA aufzubewahren.
  • Benutzte Arbeitskleidung ist im Schwarzbereich für die Reinigung bereitzustellen.
  • Für die Reinigung von Gesicht und Händen sind neben den entsprechenden Waschmöglichkeiten auch Einweg-Hygienetücher (z. B. zum Abwischen von Schweiß) zur Verfügung zu stellen.
  • Werden Schutzhelme in bleibelasteten Bereichen getragen, müssen sie regelmäßig (mindestens einmal pro Schicht) innen und außen feucht gereinigt werden.
4.2.3.3 Speisen, Getränke und Tabak
  • Essen, Trinken, Kaugummi kauen, Rauchen und Schnupfen sind in den bleibelasteten Bereichen verboten.
  • Jegliche Nahrungsaufnahme ist nur in den dafür vorgesehenen Bereichen erlaubt, nachdem die bleibelastete Kleidung abgelegt, die Hände gewaschen und der Mund ausgespült bzw. die Zähne geputzt sind.
  • Jegliche Getränkeaufnahme oder das Rauchen ist nur in den dafür vorgesehenen Bereichen erlaubt, nachdem die Hände gewaschen und der Mund ausgespült bzw. die Zähne geputzt sind.
  • Die Zubereitung, der Verkauf und die Aufbewahrung von Speisen oder Getränken in bleibelasteten Bereichen sind verboten.
  • Plätze zum Rauchen und für die Getränkeaufnahme sind außerhalb bleibelasteter Bereiche genau festzulegen.
  • Fertigungsnahe Kurzpausenräume dürfen nicht zur Nahrungsaufnahme genutzt werden.

4.2.4 Unterrichtung/Unterweisung der Mitarbeiter

(1) Inhalt und Form der Unterrichtung und Unterweisung der Mitarbeiter sind in § 14 GefStoffV festgelegt. Die stoffspezifische Unterrichtung und Unterweisung erfolgt im Wesentlichen anhand der Betriebsanweisung, in der die auftretenden Gefährdungen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Blei beschrieben sind. Eine Muster-Betriebsanweisung für Tätigkeiten mit bleihaltigen Gefahrstoffen ist in Anlage 3 dieser TRGS enthalten.

(2) Die Unterrichtung und Unterweisung sollte folgende Inhalte vermitteln:

  1. Erstunterweisung (vor Arbeitsaufnahme):
    • arbeitsmedizinische/toxikologische Beratung der Beschäftigten (Schwerpunkt Blei anhand der Betriebsanweisung)
    • Sinn und Zweck der arbeitsmedizinischen Vorsorge, einschließlich des Biomonitorings
    • Hygieneregeln
    • sachgerechte Nutzung der persönlichen Schutzausrüstung
    • allgemeine Grundsätze des Arbeitsschutzes (Anlagensicherheit u. a.)
  2. Quartalsunterweisung:
    • Reinigung von Arbeitsplatz und Arbeitsbereich
    • Überprüfung von Zu- und Abluftsystemen
    • Hygieneregeln
    • ggf. Besprechung der durch Änderungen im Betriebsablauf erforderlichen Maßnahmen
  3. Jährliche Unterweisung:
    • Wiederholung der Erstunterweisung
    • Hinweis auf verbesserungswürdiges Verhalten
  4. Abhängig von der aktuellen Blutbleibelastung der Beschäftigten sind ggf. zusätzliche Unterweisungen und Beratungen erforderlich.

 

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