BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3 Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung

(1) Grundsätzlich ist zu prüfen und zu dokumentieren, ob auf bleihaltige Arbeitsstoffe verzichtet werden kann. Diese Substitutionsprüfung muss sich auf den Arbeitsstoff und die nachfolgend beschriebenen Tätigkeiten beziehen* . Bei geeigneten Alternativen sind diese anzuwenden. Bei Tätigkeiten mit bleihaltigen Gefahrstoffen sind die konkreten Schutzmaßnahmen nach der Gefährdungsbeurteilung nach § 7 GefStoffV festzulegen. Dabei ist zu berücksichtigen, ob Frauen im gebärfähigen Alter und Jugendliche beschäftigt werden oder beschäftigt werden sollen.

(2) Auch die folgenden Personengruppen sind in die Informationsermittlung und die Gefährdungsbeurteilung nach § 7 GefStoffV einzubeziehen. Das gilt auch für in diesen Bereichen tätige Beschäftigte von Fremdfirmen:

  • Instandhalter/Handwerker
  • Raumpflegepersonal
  • Straßenreinigungspersonal
  • Abholer der verschmutzten Arbeitskleidung
  • Wäschereimitarbeiter
  • Reinigungskräfte für Atemschutzgeräte und weitere persönliche Schutzausrüstung.

(3) Tätigkeiten mit bleihaltigen Gefahrstoffen nach dem derzeitigen Stand der Kenntnisse sind:

  1. Transportieren, Lagern und Stapeln von Blei in Barren, Blechen, Stangen u. ä. Formen
  2. Handhaben und Verladen von Bleiverbindungen in geschlossenen Gebinden
  3. Auftragen von bleihaltigen Dekorfarben auf Emaille, Glas und Keramik in Form von Pasten oder von erstarrten Thermoplasten
  4. Verarbeiten von Pasten mit bleihaltigen Pigmenten und von bleihaltigen Dekorfarben als Siebdruckpasten oder Thermoplaste
  5. Weichlöten mit bleihaltigen Loten
  6. Verhütten von Bleierzen und Bleikonzentraten (Primär-Bleihütten)
  7. Recycling von bleihaltigen Abfällen und Sekundärrohstoffen (Sekundär-Bleihütten)
  8. Verladen und Abfahren bleihaltiger Krätze, Asche oder anderen staubenden Materials sowie Entleeren der Behälter
  9. Raffinieren von Blei
  10. Herstellen und Verarbeiten von Bleibronzen, Bleipigmenten, Bleiglasuren, Bleipulver und staubenden Bleiverbindungen
  11. Homogenverbleien
  12. Anrichten und Einlegen von Bleiglasgemengen
  13. Auftragen von bleihaltigen Anstrichstoffen (Restaurierung) oder anderen bleihaltigen Produkten im Spritzverfahren
  14. Verwendung von pulverförmigen Bleiverbindungen bei der Herstellung von Farben (Restaurierung), Akkumulatoren und Gegenständen aus Kunststoff
  15. Herstellen, Transportieren und Einbauen von Ladungsträgern in der Akkumulatorenindustrie
  16. Entfernen bleihaltiger Beschichtungen z. B. durch Abbrennen, mittels abrasiver Verfahren (z. B. Bürsten, Schleifen, Strahlen) oder Abbeizen
  17. Schweißen oder Brennschneiden von bleihaltigen oder bleifarbenbedeckten Metallteilen
  18. Bearbeiten von Blei, Bleilegierungen oder bleihaltigen Deckschichten durch mechanische Verfahren (Schleifen, Polieren, Zerspanen) oder thermische Verfahren
  19. Instandsetzungs-, Reinigungs- und Revisionsarbeiten in den bleierzeugenden und -verarbeitenden Bereichen
  20. Dacheindeckungen mit bleihaltigen Werkstoffen
  21. Glasmalarbeiten, Bleiverglasungen (insbesondere bei Restaurierung historischer Bleiverglasungen)
  22. Zerlegung von bleihaltigen Altgeräten (z. B. Elektro- und Elektronikgeräte)
  23. Erzeugung und Bearbeitung von bleihaltigen Automatenstählen
  24. Verwenden von bleihaltigen Explosivstoffen (Munition und Spezialsprengmaterial) und Reinigen von Plätzen (u. ä. Schießstände), auf denen diese Materialien angewandt wurden.

(4) Bei diesen 24 Tätigkeiten ist eine Gefährdungsbeurteilung nach § 7 GefStoffV erforderlich. Eine Muster-Gefährdungsbeurteilung ist in Anlage 1 dieser TRGS aufgeführt. Ansonsten empfiehlt sich eine entsprechende Anpassung der bereits nach §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz vorhandenen Gefährdungsbeurteilung.

(5) Bei Tätigkeiten mit bleihaltigen Gefahrstoffen ist zu beachten, dass nur ein Teil der Bleibelastung des Beschäftigten durch Einatmen von Bleistäuben und Bleirauchen (Inhalation) verursacht wird. Ein erheblicher Teil wird durch den Verdauungstrakt aufgenommen (orale Aufnahme z. B. durch Hand-Mund-Kontakt). Die Ermittlung der Blutbleibelastung ist daher auch bei geringen Bleikonzentrationen in der Luft am Arbeitsplatz von entscheidender Bedeutung. Die Erfahrungen zeigen, dass die Blutbleibelastung in hohem Maße von der betrieblichen und persönlichen Sauberkeit sowie von persönlichen Verhaltensweisen abhängt.

 


* Z. B. beim Weichlöten und bei der Auswahl von Munition beim Übungsschießen auf Schießständen.

 

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