BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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6 Ergänzende Maßnahmen bei hoher Gefährdung nach §§ 10 und 11 GefStoffV

6.1 Ergänzende allgemeine Schutzmaßnahmen

(1) Ergibt die Gefährdungsbeurteilung eine hohe Gefährdung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, so sind die in diesem Abschnitt beschriebenen Schutzmaßnahmen zusätzlich zu den Grundsätzen und den Grundmaßnahmen ergänzend anzuwenden.

(2) Für Gefahrstoffe mit der Kennzeichnung T (giftig) und T+ (sehr giftig) sind die erforderlichen Maßnahmen nach den §§ 9 und 10 GefStoffV (Schutzstufe 3) festzulegen.

(3) Die TRGS 400 verweist in Nummer 5 (Informationsquellen) auf standardisierte Arbeitsverfahren. Unterstützung bei der Festlegung der betrieblichen ergänzenden Schutzmaßnahmen bieten die Schutzleitfäden der Reihe 300, unter www.bgchemie.de und www.baua.de abrufbar.

(4) Der Arbeitgeber hat zu prüfen, ob die Substitution eines Gefahrstoffes durch Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse oder Verfahren, die bei ihrer Verwendung oder Anwendung nicht oder weniger gefährlich für die Gesundheit und Sicherheit sind, technisch möglich ist. Die Parameter für die technische Eignung einer Substitution werden in der TRGS 600 konkretisiert.

(5) Der Arbeitgeber berücksichtigt bei der Prüfung, ob eine Substitution oder ein geschlossenes System technisch möglich ist, berücksichtigt die spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Betriebs, wie Produktionsverfahren, Anlagentechnik, Genehmigungssituation und Produktqualität. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, ob sich eine Substitution oder die Verwendung eines geschlossenen Systems durchführen lässt. Das Ergebnis der Substitution ist im Rahmen der Dokumentation zur Gefährdungsbeurteilung zu begründen und zu dokumentieren (siehe auch TRGS 600).

6.2 Ergänzende technische Schutzmaßnahmen

6.2.1 Herstellung und Verwendung im geschlossenen System

(1) Ist die Substitution technisch nicht möglich, so hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Herstellung und die Verwendung des Gefahrstoffs in einem geschlossenen System statt findet.

(2) Es ist grundsätzlich darauf zu achten, dass die Forderungen an ein geschlossenes System auf die Gestaltung der damit erforderlichen Tätigkeiten abzustellen sind, z. B. auf die geschlossenen technischen Lösungen für Probenahmen, Befüllen, Entleeren und Wiegen.

(3) Zur Beurteilung der Wirksamkeit der technischen Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen wurden Verfahrensindices abgeleitet. Diese können sich auf einzelne Bauteile, z. B. Verbindungselemente (integrierte Absaugung) einer Anlage (siehe Tabelle 1) oder auf die technische Gestaltung der Tätigkeiten (hoch- oder wirksame Absaugung, siehe Tabelle 2 in Nummer 6.2.3) beziehen.

(4) Der Verfahrensindex charakterisiert das durch die technische Lösung verbleibende verfahrensbedingte Expositionspotenzial und kann die Werte 0,25, 0,5, 1, 2 und 4 annehmen. Für ein geschlossenes System muss der Verfahrensindex 0,25 (wie beispielhaft in Tabelle 1 aufgeführt) betragen. Dabei ist die Anzahl der erforderlichen Dichtungselemente als auch das betriebsmäßig vorgesehene Öffnen der Dichtungselemente so weit wie möglich zu reduzieren. Vor Wiederinbetriebnahme sind geeignete Dichtheitsprüfungen vorzunehmen und bei getrennten Verbindungen neue Dichtungen zu verwenden. Für betriebsmäßig zu öffnende Flansche sind aufgrund der Verkantungsgefahr möglichst Verbindungen einzusetzen, die nicht mit Nut und Feder ausgerüstet sind.

(5) Bei einem integrierten Absaugsystem muss der austretende Gefahrstoff an der Austrittsstelle wirksam mit einem dicht angeschlossenen Schlauch oder Rohr gefahrlos abgeführt und entsorgt bzw. neutralisiert werden. Bei der Auslegung des Absaugsystems muss der Hersteller dieses geschlossenen Systems das physikalische Verhalten des Gefahrstoffes, insbesondere die Thermik und die Dichte, beachten.

Ausführung
Ausführungsbeispiel
Verfahrensindex
ohne
mit
Zusatzmaßnahmen
Funktionselement: Statische Dichtungen
unlösbare
Verbindungen
- geschweißt
- gelötet
0,25
 
lösbare Verbindungen Schweißlippendichtung
0,25
Schneid- und Klemmringverbindung DN 32
0,25
NPT-Gewinde DN 50, Δt 100°C
0,25
Schneid- und Klemmringverbindung > DN 32
1
0,25 Gewährleistung der Dichtheit durch Überwachung und Instandsetzung * (siehe FN zu Tabelle in Anlage 2)
Flansch mit Vor- und Rücksprung mit geeigneter Dichtung
1
Funktionselement: Quasistatische Dichtungen/Armaturen
Schaltwellen und Spindelabdichtungen von Armaturen z. B. Kugelhähne, Kükenhähne, Ventile Stopfbuchsabdichtungen mit Selbstnachstellung (federbelastet)
1
0,25 Gleichwertigkeit analog Nr. 3.1.8.4 TA Luft nachgewiesen
Kolbenabdichtung
1
O-Ringabdichtung
1
Magnetkupplung
0,25
 
Faltenbalg- und Membranabdichtung
0,25
Funktionselement: Dynamische Dichtungen/mit drehenden Teilen
hermetisch
dicht
Spaltrohrmotor
0,25
 
nicht berührungsfreie
Dichtungen
Doppelte Gleitringdichtung mit Sperrflüssigkeit




1
0,25 Mit Überwachung des Sperrdrucksystems durch regelmäßige Kontrolle i.d.R. 1 x täglich ...
berührungsfreie
Dichtungen
gasgeschmierte Dichtungen
1
0,25 Mit Überwachung des Gasflusses

Tabelle 1. Verfahrensindices für Bauteile eines geschlossenen Systems, inklusive integrierte Absaugung (Auszug), vollständige Tabelle in Anlage 2

6.2.2 Technische Gestaltung von Tätigkeiten, bei denen die Anwendung eines geschlossenen Systems nicht möglich ist

(1) Ergibt die Prüfung, dass weder eine Substitution noch ein geschlossenes System technisch möglich sind, so müssen für diese Tätigkeiten Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik getroffen werden, die die Gefährdung ausschließen bzw. falls dies nicht möglich ist, so weit wie möglich verringern.

(2) Geeignet sind z. B. hochwirksame Absaugungen (Verfahrensindex 0,5 und > 0,5) - siehe Tabelle 2 - bei denen austretende Gefahrstoffe mit einer gerichteten, möglichst laminaren Zuluftströmung im Rahmen der Tätigkeit vollständig erfasst und in die Absaugung transportiert werden.

Arbeitsmittel/
Tätigkeit
Ausführungs
techniken/-art
Ausführungsbeispiel
Verfahrensindex
ohne
mit
Zusatzmaßnahmen
Stoffübergabe für Feststoffe
Säcke/ Entleeren Gekapselte Sackschlitz- und Entleerungsmaschine mit integrierter Absaugeinrichtung  
1
0,5 Verdichten und Verpacken der Leersäcke innerhalb der Kapselung, Gewährleistung der Dichtheit durch Überwachung und Instandsetzung 
Säcke/ Befüllen Manuelles Befüllen, Offensack-Befüllung  Einschütten von
Hand
4
2 mit sonstiger Absaugeinrichtung (vgl. Nummer 5.2)
 
1 Einsatz emissionsarmer Verwendungsformen
  Sackfülleinrichtung Vakuumpacker
2
1 mit wirksamer Absaugeinrichtung (vgl. Nummer 5.2) 
Big Bags, Großsäcke/ Entleeren Offenes Mannloch Manuelles Entleeren
4
0,5 mit hochwirksamer Absaugeinrichtung (vgl. Nummer 5.2)
Container/ Befüllen mit speziellen Befülleinrichtungen  
1
0,5 Wenn Dichtheit durch besondere Maßnahmen (z. B. überwachte Formschlussverbindung) gewährleistet wird, ...
Offene Probenahme
Tätigkeit: Probe nehmen   Ventil (Kükenhahn, Schwenkkörperventil)
4
1 mit hochwirksamer Absaugeinrichtung (vgl. Nummer 5.2)
Geschlossene Probenahme
Tätigkeit: Probe nehmen    
1
0,25 Gewährleistung der Dichtheit durch Überwachung und Instandsetzung 

Tabelle 2. Verfahrensindices für die technische Gestaltung von Tätigkeiten mit Gefahrstoffen (Auszug) 

 (3) Eine Raumlüftung kann dann ausreichend sein, wenn nur mit geringen Mengen gearbeitet wird oder die Gefahrstoffe nicht in die Luft gelangen können. Dies ist beispielsweise dann gegeben, wenn verarbeitete Feststoffe oder Flüssigkeiten ein zu vernachlässigendes Staubungsverhalten oder einen nur minimalen Dampfdruck besitzen. Werden Festkörper bearbeitet, so dass Stäube frei werden, oder Flüssigkeiten erwärmt, so dass ein merklicher Dampfdruck besteht, ist die Raumlüftung allein nicht ausreichend.

 (4) Eine Luftrückführung bei krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fruchtbarkeitsgefährdenden Stoffen ist nur zulässig, wenn die Luft mit einem berufsgenossenschaftlich oder behördlich anerkannten Verfahren oder Gerät ausreichend gereinigt ist. Nicht ausreichend gereinigte Luft darf nicht in den Atembereich anderer Beschäftigter gelangen, z. B. über ausgeblasene Abluft.

6.2.3 Ergänzende technische Schutzmaßnahmen für Feststoffe und Stäube

Können Tätigkeiten mit Feststoffen oder Stäuben nicht in einer geschlossenen Anlage durchgeführt werden, so hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob durch die folgenden Schutzmaßnahmen eine Gefährdung wirksam verringert werden kann. Eine solche wirksame Verringerung der Gefährdung kann durch den Einsatz einer wirksamen Absaugung erreicht werden. Für krebserzeugende, erbgutverändernde oder fruchtbarkeitsgefährdende Stoffe der Kategorien 1 und 2 sind vorzugsweise integrierte oder hochwirksame Absaugungen einzusetzen. Eine allgemeine Raumlüftung ist für Tätigkeiten mit toxischen Stäuben nicht ausreichend. Zusätzliche Maßnahmen sind beispielsweise die Benutzung von Einmal-Schweißtüchern oder die Aufgabe in gekapselten abgesaugten Aufgabestationen für Säcke und Fässer. Zu bevorzugen ist immer, nicht staubförmige Verwendungsformen einzusetzen, wenn diese verfügbar und verwendbar sind. Die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung gegen Einatmen und gegen Hautkontakt kann zusätzlich erforderlich sein. Auch die orale Aufnahme muss vermieden werden. Hygienemaßnahmen sind zu treffen und eine Verschleppung von Kontaminationen zu vermeiden. Einer Ausbreitung von Stäuben kann beispielsweise durch eine dauerhafte oder zeitlich begrenzte Einhausung begegnet werden.

6.2.4 Ergänzende technische Schutzmaßnahmen für Flüssigkeiten

Hohe Gefährdungen können durch toxische Eigenschaften verursacht werden. Stoffspezifische Arbeitsplatzgrenzwerte sind zu beachten. Können die Tätigkeiten nicht in einer geschlossenen Anlage durchgeführt werden, so hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob durch die folgenden Schutzmaßnahmen eine Gefährdung wirksam verringert werden kann. Eine allgemeine Raumlüftung ist für Tätigkeiten mit toxischen Stäuben nicht ausreichend, eine wirksame Absaugung ist erforderlich. Für krebserzeugende, erbgutverändernde oder fruchtbarkeitsgefährdende Stoffe der Kategorien 1 und 2 sind vorzugsweise integrierte oder hochwirksame Absaugungen einzusetzen. Zusätzlich kann die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung gegen Einatmen und gegen Hautkontakt erforderlich sein. Auch die orale Aufnahme muss vermieden werden. Hygienemaßnahmen sind zu treffen und eine Verschleppung von Kontaminationen ist zu vermeiden. Beim Abfüllen von toxischen Flüssigkeiten sind die Gebinde möglichst direkt am Spundloch abzusaugen, austretende Dämpfe gefahrlos fortzuleiten oder zu beseitigen. Vorteilhaft bei größeren Abfüllstellen ist die Gaspendelung, bei der die Dämpfe in den Vorratsbehälter zurückgeführt werden. Sollen toxische Flüssigkeiten in Apparate eingefüllt werden, so erfolgt dies bei kleineren Mengen (Kanister, Flaschen) mit einer wirksamen Absaugung (beispielsweise unter einem Abzug). Größere Mengen aus Fässern lassen sich am besten durch "Einsaugen" (Evakuieren des Vorlagebehälters und Hinüberdrücken des Fassinhaltes durch den darauf lastenden Luftdruck über ein Rohr ("Heber")) emissions- und leckagearm einfüllen. Ein abgesaugter Faltenbalg um den Heber herum kann dazu dienen, beim Herausziehen des Hebers sich bildende Dämpfe aufzufangen und abzuführen. Große Mengen solcher Flüssigkeiten werden am besten durch fest verlegte, dichte Rohrleitungen zugeführt.

6.2.5 Ergänzende technische Schutzmaßnamen für Gase, Dämpfe, Rauche und Nebel

Tätigkeiten, bei denen toxische Gase, Dämpfe, Nebel oder Rauche gehandhabt werden oder entstehen, können zu einer hohen Gefährdung führen. Stoffspezifische Arbeitsplatzgrenzwerte sind zu beachten. Können die Tätigkeiten nicht in einer geschlossenen Anlage durchgeführt werden, so hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob durch die folgenden Schutzmaßnahmen eine Gefährdung wirksam verringert werden kann. Eine allgemeine Raumlüftung ist für Tätigkeiten mit toxischen Stoffen nicht ausreichend, eine wirksame Absaugung ist erforderlich. Für krebserzeugende, erbgutverändernde oder fruchtbarkeitsgefährdende Stoffe der Kategorien 1 und 2 sind vorzugsweise integrierte oder hochwirksame Absaugungen einzusetzen.

6.3 Ergänzende organisatorische Schutzmaßnahmen

(1) Durch Verwendung dicht verschließbarer Behälter hat der Arbeitgeber insbesondere eine sichere Lagerung, Handhabung und Beförderung auch bei der Abfallbeseitigung zu gewährleisten.

(2) Der Arbeitgeber hat geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um zu gewährleisten, dass Arbeitsbereiche nur den Beschäftigten zugänglich sind, die sie zur Ausübung ihrer Arbeit oder zur Durchführung bestimmter Aufgaben betreten müssen. Dies ist zum Beispiel über ein Erlaubnisschein- und Ausweisverfahren realisierbar. Bewährt haben sich hier Meldebücher und Meldekarten, die in einer zentralen Anlaufstelle des Betriebes (z. B. Meisterbüro außerhalb des betreffenden Bereiches) geführt werden. Auch Schlüssel, Transponder oder Magnetkarten für Berechtigte können verwendet werden.

(3) Mit T+ und T gekennzeichnete Stoffe und Zubereitungen sind unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur fachkundige Personen Zugang haben. Dies gilt nicht für Ottokraftstoffe an Tankstellen. Bereiche, in denen eine Gefährdung durch krebserzeugende, erbgutverändernde und fruchtbarkeitsgefährdende Stoffe bestehen kann, sind dauerhaft oder temporär (für die Dauer der Möglichkeit der Gefährdung) abzugrenzen.

(4) Bei Tätigkeiten mit T+ und T gekennzeichneten Stoffe und Zubereitungen ist die Aufnahme von Nahrungs- und Genussmitteln am Arbeitsplatz nicht zulässig.

(5) Hygienemaßnahmen sind zu treffen, um den Hautkontakt und eine Verschleppung von Kontaminationen zu vermeiden.

(6) Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass auch die orale Aufnahme vermieden wird. Dies betrifft nicht nur die Aufnahme von Nahrungs- und Genussmitteln, sondern auch die Vermeidung der Verschleppung von Kontaminationen, z. B. an äußerlich mit Gefahrstoffen behafteten Schutzhandschuhen. Solche Schutzhandschuhe sind sicher abzulegen, bevor Arbeitsmittel und andere Gegenstände in nicht kontaminierten Arbeitsbereichen berührt werden.

(7) Eine Aufbewahrung unter Verschluss kann durch verschlossene Arbeitsräume und Lager (Schlüssel, Codekarten, Transponder, RFID) oder verschlossene Schränke erfolgen. Auch ein geschlossenes kontrolliertes Betriebsgelände kann hierzu dienen.

(8) Ein Ausfall der lüftungstechnischen Einrichtung muss von den Beschäftigten leicht und unverzüglich bemerkt werden können, z. B. durch automatisch wirkende optische und akustische Alarmierung.

(9) Ergibt die Wirksamkeitsüberprüfung, dass eine Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes nicht möglich ist, insbesondere bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten, hat der Arbeitgeber die Exposition der Beschäftigten nach dem Stand der Technik so weit wie möglich zu verringern und unverzüglich zusätzliche Schutzmaßnahmen durchzuführen, insbesondere persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen.

(10) Heranzuziehen sind für Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) vorzugsweise die entsprechenden TRGS 519 "Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" und 524 "Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen" .

(11) Um die Exposition bei ASI-Arbeiten wirksam zu verringern, können beispielsweise Schutzmaßnahmen, wie eine Kapselung, eine Befeuchtung der Raumluft oder eine Absenkung der Raumtemperatur, ergriffen werden.

(12) In der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung nach § 7 Abs. 6 GefStoffV ist festzulegen, welche weiteren Maßnahmen zur Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes durchgeführt werden.

6.4 Ergänzende persönliche Schutzmaßnahmen

Die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung gegen Einatmen und gegen Hautkontakt kann zusätzlich zu technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen erforderlich sein. Dies umfasst insbesondere den Schutz von Haut und Schleimhäuten (z. B. der Augen) und den Atemschutz. Neben Schutzbrillen, Gesichtsschirmen, Schürzen und Chemikalienschutzhandschuhen ist erforderlichenfalls Schutzkleidung zu tragen. Auf die Auswahl des geeigneten Atemschutzes und der Ermittlung der Verwendungsdauer bei Filtergeräten bei geruch- und geschmacklosen Gasen und Dämpfen ist besonderes Augenmerk zu richten.

6.5 Überprüfung der Wirksamkeit der ergänzenden Schutzmaßnahmen

(1) Die Wirksamkeit der Kapselung ist zu prüfen, beispielsweise mit Modellgasen oder Rauchröhrchen.

(2) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten werden. Er hat dafür die erforderlichen Messungen durchzuführen. Messungen sind auch durchzuführen, wenn sich die Bedingungen ändern, welche die Exposition der Beschäftigten beeinflussen können. Die TRGS 402 konkretisiert die Anforderungen an die Wirksamkeitsüberprüfung bei Stoffen mit Arbeitsplatzgrenzwert.

(3) Der Arbeitgeber hat zudem die Möglichkeit, mittels gleichwertiger Nachweismethoden zu belegen, dass der Arbeitsplatzgrenzwert eingehalten ist. Ist eine Nachweismethode vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) als gleichwertig bezeichnet worden, kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass er diese anstelle einer Arbeitsplatzmessung anwenden kann. Für krebserzeugende, erbgutverändernde oder fruchtbarkeitsgefährdende Stoffe ist eine Arbeitsplatzmessung durchzuführen. Diese kann nur entfallen, wenn begründet erwartet werden kann, dass kein Ergebnis erzielt werden wird. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn Stoffe ohne messbaren Dampfdruck ohne Verstauben gehandhabt werden. Veröffentlicht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) für eine entsprechende Tätigkeit verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien (VSK), so kann der Arbeitgeber die dort beschriebenen Mindestforderungen (Schutzmaßnahmen) übernehmen.

 

 

 

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