BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Gefährdungsbeurteilung

4.1 Allgemeines

(1) Der Arbeitgeber hat auf der Grundlage der in Nummer 3 ermittelten Informationen anhand

  1. der Stoffeigenschaften,
  2. Art, Ausmaß und Dauer des Hautkontaktes sowie
  3. der zu ermittelnden zusätzlichen Informationen

die Gefährdung zu beurteilen und die erforderlichen Maßnahmen festzulegen.

(2) Bei der Gefährdungsbeurteilung ist auch der mögliche Kontakt zu kontaminierter Arbeitskleidung, persönlicher Schutzausrüstung, kontaminierten Arbeitsflächen und Arbeitsmitteln zu berücksichtigen.

(3) Diese TRGS teilt die Gefährdung in drei Kategorien ein:

  1. geringe Gefährdung durch Hautkontakt,
  2. mittlere Gefährdung durch Hautkontakt sowie
  3. hohe Gefährdung durch Hautkontakt.

(4) Insbesondere die Gefährdung durch hautresorptive und sensibilisierende Gefahrstoffe ist schwierig zu beurteilen. Deshalb wird dem Arbeitgeber empfohlen, sich im Hinblick auf diese Gefährdungen in jedem Fall durch fachkundige Personen nach § 7 Abs. 7 GefStoffV, z. B. den Betriebsarzt beraten zu lassen.

(5) Die in den Nummern 5 und 6 aufgeführten technischen, organisatorischen, hygienischen und persönlichen Maßnahmen sind entsprechend der Höhe der Gefährdung auszuwählen mit dem Ziel, den Kontakt der Haut mit Gefahrstoffen nach dem Stand der Technik zu minimieren.

(6) Die folgenden Bedingungen sind bei der Gefährdungsbeurteilung zusätzlich zu berücksichtigen:

  1. Physikalische Bedingungen:
    1. bei Arbeiten in Hitze, bei Wärmestrahlung oder bei körperlicher Arbeit ist durch stärkere Hautdurchblutung und vermehrte Schweißproduktion mit einer erhöhten Gefährdung zu rechnen,
    2. bei Hautkontakt mit Gefahrstoffen und anschließender Okklusion (z. B. bei der Kontamination der Hände unter Schutzhandschuhen) ist eine erhöhte Gefährdung anzunehmen,
    3. bei Hautkontakt mit Gefahrstoffen bei oder nach einer Tätigkeit, die erfahrungsgemäß eine mechanische Schädigung der Haut mit Mikroverletzungen verursacht, ist von einer erhöhten Gefährdung auszugehen.
  2. Chemische Bedingungen:
    1. bei gleichzeitiger oder vorheriger Einwirkung entfettender Substanzen auf die Haut (Seifen, Tenside, Lösungsmittel) ist von einer erhöhten Gefährdung auszugehen, da eine Entfettung der Haut eine vermehrte Aufnahme von Gefahrstoffen bedingen kann,
    2. bei gleichzeitiger oder vorheriger Einwirkung von z. B. Kosmetika bzw. Hautschutz- oder Hautpflegemittel kann eine verstärkte Aufnahme von Gefahrstoffen durch die Haut erfolgen,
    3. wird im Arbeitsverfahren ein schwerlöslicher Stoff in eine lösliche Form überführt (z. B. durch Lösungsmittel wie Alkohol, Aceton), kann sich die Gefährdung erhöhen.
  3. Depotbildung

    Da bei hautresorptiven Stoffen die Hornschicht der Haut als Depot dienen kann, können auch nach Expositionsende aus diesem Depot hautresorptive Gefahrstoffe in den Körper freigesetzt werden. Intensive Hautreinigungsmaßnahmen, wie die Reinigung mit lösemittelhaltigen Hautreinigungsmitteln, die mechanische Reinigung oder die Reinigung mit heißem Wasser, können zu einer verstärkten Freisetzung von Gefahrstoffen aus dem Depot führen. Deshalb ist als erste Maßnahme die Reinigung mit kaltem oder lauwarmem Wasser unter Verwendung von geeigneten Hautreinigungsmitteln empfehlenswert (siehe Nummer 6.1).

(7) Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist zu dokumentieren. Ein von Nummer 4.2 abweichendes Ergebnis ist zu begründen.

4.2 Zuordnung der Gefährdungskategorien

(1) Die Gefährdungskategorien ergeben sich in Abhängigkeit von:

  1. Gefährlichkeitsmerkmalen (beispielsweise R-Sätze, Gefahrensymbole),
  2. den unterstellten Gefährlichkeitsmerkmalen nach Nummer 3.2 Abs. 3 und 4 bei Datenlücken,
  3. Art und Ausmaß des Hautkontaktes und
  4. Arbeitsbedingungen.

Es müssen immer alle R-Sätze betrachtet werden, und die höchste Gefährdungskategorie ist maßgebend.

(2) Die Anlage 4 enthält die Zuordnung der Gefährlichkeitsmerkmale zu den Gefährdungskategorien in Abhängigkeit von Ausmaß und Dauer der Exposition.

4.2.1 Kontaminierte Arbeitskleidung, Arbeitsmittel, Arbeitsflächen

Bei kurzfristigem und kleinflächigem Hautkontakt mit Arbeitskleidung, Arbeitsmitteln oder Arbeitsflächen, die durch Gefahrstoffe im Sinne dieser TRGS verschmutzt sind, liegt mindestens eine geringe Gefährdung vor. Bei längerfristigem Hautkontakt liegt mindestens eine mittlere Gefährdung vor.

4.2.2 Hautgefährdende Gefahrstoffe

(1) Eine geringe Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor:

  1. bei Tätigkeiten mit
    1. kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt oder
    2. kleinflächigem und längerfristigem Hautkontakt oder
    3. großflächigem und kurzfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit R 66,
  2. bei Tätigkeiten mit kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit
    1. R 38,
    2. sensibilisierenden Eigenschaften (R 43, Gefahrstoffe nach Anlage 3 sowie nach Nummer 3.2.1 Abs. 2 oder 3) oder
    3. sonstigen hautgefährdenden Eigenschaften gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 4 GefStoffV,
  3. bei kurzfristigem und kleinflächigem Kontakt mit Erzeugnissen, die einen sensibilisierenden Arbeitsstoff enthalten oder freisetzen können (z. B. Vulkanisationsbeschleuniger in Polymeren und Elastomeren, Nickel, Restmonomeranteile in nicht vollständig ausgehärteten Kunststoffharzen, ...)

(2) Eine mittlere Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor:

  1. bei Tätigkeiten mit großflächigem und längerfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit
    1. R 38 oder
    2. R 66,
  2. bei Tätigkeiten mit kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit
    1. R 34,
    2. R 35 oder
    3. pH-Werten ≥ 2 bzw. ≥ 11,5
  3. bei Tätigkeiten mit
    1. großflächigem und kurzfristigem Hautkontakt oder
    2. kleinflächigem und längerfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit
    3. R 34, R 38,
    4. sensibilisierenden Eigenschaften (R 43, Gefahrstoffe nach Anlage 3 sowie nach Nummer 3.2.1 Abs. 2 oder 3),
    5. pH-Werten ≥ 2 bzw. ≥ 11,5 oder
    6. sonstigen hautgefährdenden Eigenschaften gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 4 GefStoffV.

(3) Eine hohe Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor:

  1. bei Tätigkeiten mit großflächigem und längerfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit
    1. R 34,
    2. sensibilisierenden Eigenschaften (R 43, Gefahrstoffe nach Anlage 3 sowie nach Nummer 3.2.1 Abs. 2 oder 3) oder
    3. pH-Werten ≥ 2 bzw. ≥ 11,5 oder
    4. sonstigen hautgefährdenden Eigenschaften gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 4 GefStoffV.
  2. bei Tätigkeiten mit
    1. großflächigem und kurzfristigem oder
    2. kleinflächigem und längerfristigem oder
    3. großflächigem und längerfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit R 35.

(4) Abweichend von Absatz 1 bis 3 liegt bei allen Tätigkeiten mit dermaler Gefährdung durch Stoffe, bei denen praktische Erfahrungen zeigen, dass diese Stoffe oder Zubereitungen eine Sensibilisierung bei einer erheblichen Anzahl von Beschäftigten durch Hautkontakt hervorrufen können (z. B. unausgehärtete Epoxidharzsysteme), eine hohe Gefährdung vor.

4.2.3 Hautresorptive Gefahrstoffe und sonstige Stoffeigenschaften

(1) Eine geringe Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor bei Tätigkeiten mit kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit R 21.

(2) Eine mittlere Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor:

  1. bei Tätigkeiten mit
    1. kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt oder
    2. großflächigem und kurzfristigem Hautkontakt oder
    3. kleinflächigem und längerfristigem Hautkontakt,
      mit Gefahrstoffen mit
    4. R 24 oder
    5. R 40, R 68, wenn hautresorptiv oder
    6. R 21 (nicht kleinflächiger und kurzfristiger Hautkontakt) oder
  2. bei allen Tätigkeiten mit R 62, R 63, wenn hautresorptiv.

(3) Eine hohe Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor:

  1. bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen mit Hautkontakt mit
    1. R 27 oder
    2. R 24, wenn zusätzlich mit R 34 bzw. R 35 gekennzeichnet ist,
  2. bei Tätigkeiten mit großflächigem und längerfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit
    1. R 21, R 24 oder
    2. R 40, R 68, wenn hautresorptiv,
  3. bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen mit Hautkontakt mit R 45, R 46, R 60 oder R 61, wenn hautresorptiv.

4.2.4 Feuchtarbeit

Feuchtarbeit kann aus systematischen Gründen nicht mit den Kriterien von Nummer 4.2 Abs. 1 einer Gefährdungskategorie zugeordnet werden. Deshalb sind bei Feuchtarbeit zur Minimierung der Gefährdung die Maßnahmen nach Nummer 5.3 zu treffen.

 

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