BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Durchführung der Prüfung

4.1 Vergleich und Bewertung

Gemäß TRBS 1201 Abschnitt 4.1 wird der ermittelte Istzustand durch Vergleich mit dem Sollzustand bewertet. Die Bewertung enthält eine Aussage darüber, ob und unter welchen Bedingungen die Druckanlage weiterhin sicher benutzt werden kann bzw. sich die überwachungsbedürftige Druckanlage in einem ordnungsgemäßen Zustand befindet.

Ist die Abweichung größer (positiv wie negativ) als erwartet oder häufen sich an vergleichbaren Druckanlagen festgestellte Mängel bzw. ergeben sich aus der Prüfung keine Mängel, ist dies ein Anlass zur Überprüfung der bislang festgelegten Prüffristen (Verlängerung, Verkürzung).

Beispiele hierzu sind:

  • Das Prüfergebnis zeigt hinsichtlich Schädigung der Wandung keinen Befund, die vorgesehenen Betriebsparameter wurden nachweislich eingehalten. Bei Fortführung der Betriebsweise wird das bestehende Prüfintervall bestätigt.
  • An innenliegenden Rohren ist eine Abrasionsrate gemäß erwarteter Annahme eingetreten. Bei weiterhin gleichbleibenden Betriebsparametern führt die Abrasion bei dem vorgesehenen Prüfintervall nicht zu einer Unterschreitung der Soll-Wanddicke. Das bestehende Prüfintervall wird bestätigt.
  • An innenliegenden Rohren ist bei gleichbleibenden Betriebsparametern eine höhere Abrasionsrate eingetreten als erwartet, wodurch eine Unterschreitung der Soll-Wanddicke im kommenden Prüfintervall zu erwarten ist. Das bestehende Prüfintervall wird verkürzt oder es werden andere Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit festgelegt.

4.2 Wiederkehrende Prüfungen von Rohrleitungen nach Prüfprogramm durch eine befähigte Person (§ 15 Abs. 11 BetrSichV)

4.2.1 Voraussetzungen

Der Betreiber hat in einem Prüfprogramm schriftlich festzulegen, wie bei der wiederkehren- den Prüfung von Rohrleitungen, die von den Nummern 6 bis 9 der Tabelle in § 15 Abs. 5 BetrSichV erfasst sind, vorzugehen ist, damit die Prüfung durch eine befähigte Personen durchgeführt werden kann.

Die Prüfung der Rohrleitungen durch eine befähigte Person ist in diesem Fall an folgende Voraussetzungen gebunden:

Der Betreiber muss verfügen über

  1. hinreichende Erfahrungen mit dem Betrieb sowie der Prüfung und Instandhaltung von Rohrleitungen. Diese Bedingung ist in der Regel bei 5-jähriger einschlägiger Erfahrung als erfüllt anzusehen.
  2. eine angemessene Anzahl befähigter Personen.
  3. die erforderlichen Einrichtungen für zerstörungsfreie Prüfungen.
  4. die erforderlichen Einrichtungen für werkstoff- und korrosionstechnische Untersuchungen.
  5. eine geeignete Organisation, die sicherstellt, dass die Festlegungen des Prüfprogramms umgesetzt werden.

Die schriftlichen Festlegungen sind vom Betreiber verbindlich einzuführen. Die Inanspruchnahme externer Firmen für Prüfungen und Untersuchungen nach Nr. 3 und 4 ist zulässig. Für zerstörungsfreie Prüfungen ist zertifiziertes Prüfpersonal nach DIN EN ISO 9712 einzusetzen. Die in den schriftlichen Festlegungen enthaltenen Prüfaufgaben sind den externen Firmen verbindlich vorzugeben.

Voraussetzung für die Erstellung eines Prüfprogramms für die Prüfung einer Rohrleitung durch eine befähigte Person ist die Gefährdungsbeurteilung, aus der das Prüfprogramm entwickelt wird. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung für das Prüfprogramm sind insbesondere die TRBS 1201 Teil 2 und die TRBS 2141 Teil 1 bis 3 heranzuziehen. Der Betreiber darf nur solche befähigten Personen beauftragen, die mit der Gefährdungsbeurteilung und den sich daraus entwickelnden Besonderheiten der zu prüfenden Rohrleitung vertraut sind.

Für jede Rohrleitung ist grundsätzlich ein eigenständiges Prüfprogramm zu erstellen. Es können aber auch mehrere Rohrleitungen in einem Prüfprogramm zusammengefasst werden, wenn in der Gefährdungsbeurteilung vergleichbare schädigende Einflüsse ermittelt werden. Soll nach Ablauf der Prüffrist das Prüfprogramm erneut Anwendung finden, hat der Betreiber sich zu vergewissern, ob die Gefährdungsbeurteilung noch aktuell ist. Sofern die Gefährdungsbeurteilung überarbeitet wird, ist auch das Prüfprogramm entsprechend anzupassen. Nummer 4.2.3 findet in Bezug auf die Anpassung entsprechende Anwendung.

4.2.2 Inhalt der schriftlichen Festlegungen

Die schriftlichen Festlegungen für die wiederkehrenden Prüfungen (Prüfprogramm) an überwachungsbedürftigen Rohrleitungen müssen mindestens Folgendes umfassen:

  1. die Darlegung, wie die Voraussetzungen nach Nummer 4.2.1 erfüllt werden
  2. die Auslegungsparameter der Rohrleitung (Druck, Temperatur, max. Betriebswerte)
  3. den Rohrleitungsverlauf in dem notwendigen Detaillierungsgrad einschl. der Beschreibung der drucktragenden Bauteile z. B. anhand von R&I-Fließschemata, um eine eindeutige Zuordnung zur Dokumentation zu gewährleisten
  4. die Beschreibung des Sollzustandes, nach Möglichkeit anhand messbarer Kriterien, z. B. erforderliche Wanddicke, Kalt- und Warmposition der Rohrleitungsunterstützungen, zulässiger Werkstoff-/Gefügezustand
  5. Angaben zu Ort, Art und Umfang der Prüfaufgaben, z. B. visuelle Prüfungen ggf. mit Hilfsmitteln, zerstörungsfreie Prüfungen einschl. der festgelegten Messpunkte an den drucktragenden Bauteilen und Druckprüfungen
  6. Angaben zu den im Vorfeld zu den Prüfungen durchzuführenden Vorbereitungen, wie Demontage von Wärmeschutzisolierungen, für die Prüfungen einzustellende Betriebsparameter
  7. die Bewertungskriterien für den Vergleich zwischen Soll- und Istzustand
  8. die Beschreibung der Vorgehensweise für die Aufzeichnung der Prüfergebnisse
  9. die Beschreibung der Vorgehensweise bei der Verfolgung der Abstellung von Mängeln
  10. die vorgesehene Prüffrist

In den schriftlichen Festlegungen ist weiterhin zu beschreiben, inwieweit sich die Bewertung auf Aussagen und Prüfungen Dritter abstützen kann.

4.2.3 Prüfung der Festlegungen

Die zugelassene Überwachungsstelle hat die schriftlichen Festlegungen darauf zu prüfen, ob bei ihrer Einhaltung die Anforderungen der BetrSichV sowie der Stand der Technik, insbesondere die für die Prüfung von Rohrleitungen relevanten Abschnitte der TRBS 1201 Teil 2 erfüllt werden. Unterlagen, auf die im Prüfprogramm verwiesen wird (z. B. Rohrleitungsisometrien oder R&I-Fließschemata), sind Bestandteil des Prüfprogramms.

4.2.4 Prüfung durch befähigte Personen

Mit der Durchführung von Prüfungen dürfen befähigte Personen nur beauftragt werden, welche die Qualifikation gemäß TRBS 1203 Nr. 3.2 besitzen. Die befähigte Person unterzieht die Rohrleitung auf Grundlage des Prüfprogramms einer wiederkehrenden äußeren und Festigkeits-Prüfung (ersatzweise auch zerstörungsfreie Prüfung) und dokumentiert, in welchem Zustand sich die Rohrleitung befindet.

4.2.5 Stichproben durch ZÜS

Die ZÜS hat die Stichproben auszuwählen, anhand derer sie die Einhaltung der schriftlichen Festlegungen (Prüfprogramm) prüft. Dabei sind die Stichproben so auszuwählen, dass die Prüfungen möglichst aller befähigten Personen erfasst werden.Stichprobenprüfungen können aus einer vollständigen Überprüfung einer repräsentativ ausgesuchten Rohrleitung bestehen. Im Einzelfall kann auch die Überprüfung einzelner Prüfaufgaben ausreichen. Die Stichprobe ist so durchzuführen, dass bescheinigt werden kann, dass die befähigte Person die schriftlichen Festlegungen eingehalten hat.

4.2.6 Dokumentation der ZÜS

Die ZÜS stellt über das Ergebnis der Prüfungen der schriftlichen Festlegungen nach 4.2.3 sowie über die stichprobenweisen Überprüfungen gemäß 4.2.5 Bescheinigungen aus.

4.3 Aufzeichnungen/Prüfbescheinigungen

Bezüglich der unterschiedlichen Aufzeichnungen siehe TRBS 1201 Nr. 4.2 .

 

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