BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4. Kriterien für wesentlich erhöhte körperliche Belastungen mit einer Gesundheitsgefährdung für das Muskel-Skelett-System

4.1 Allgemeines

(1) Die Vielfalt der Beziehungen zwischen der Schwere von Lasten, den bei der Arbeit eingenommenen Körperhaltungen, der Zeitdauer bzw. der Häufigkeiten von Belastungen sowie der Ausführungsbedingungen führt zu unterschiedlichen körperlichen Belastungen, die durch geeignete Methoden auf ihre möglichen Gesundheitsgefährdungen beurteilt werden können.

(2) Die Beurteilungskriterien beziehen sich auf eine Arbeitsschicht unter Berücksichtigung von möglichen Spitzenwerten für jede der genannten Belastungsformen.

(3) Werden die Beurteilungskriterien erreicht oder überschritten, sind Gestaltungsmaßnahmen der Arbeit erforderlich und den Beschäftigten ist arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten.

(4) Auch wenn die Beurteilungskriterien nicht erreicht werden, können im Einzelfall körperliche Überbeanspruchungen nicht ausgeschlossen werden, sodass Beschäftigten Wunschvorsorge gemäß § 5a der ArbMedVV zu ermöglichen ist.

(5) Erhält der Arbeitgeber Kenntnis von einer Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit stehen kann, hat der Arbeitgeber unabhängig von den Beurteilungskriterien nach § 5 Absatz 2 ArbMedVV arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten.

4.2 Lastenhandhabung beim Heben, Halten, Tragen, Ziehen oder Schieben von Lasten

(1) Lastenhandhabung beim Heben, Halten und Tragen von Lasten ist dann eine Tätigkeit mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen im Sinne dieser AMR, wenn bei der Beurteilung mit der Leitmerkmalmethode "Heben, Halten und Tragen von Lasten" [6 ] ein Punktwert des Risikobereichs 3 erreicht oder überschritten wird.

(2) Lastenhandhabung beim Ziehen oder Schieben von Lasten ist dann eine Tätigkeit mit wesentlich erhöhter körperlicher Belastung im Sinne dieser AMR, wenn bei der Beurteilung mit der Leitmerkmalmethode "Ziehen und Schieben" [7 ] ein Punktwert des Risikobereichs 3 erreicht oder überschritten wird.

4.3 Repetitive manuelle Tätigkeiten

Repetitive manuelle Tätigkeiten sind dann Tätigkeiten mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen im Sinne dieser AMR, wenn bei der Beurteilung mit der Leitmerkmalmethode "Manuelle Arbeitsprozesse" [8 ] ein Punktwert des Risikobereichs 3 erreicht oder überschritten wird.

4.4  

Arbeiten in erzwungenen Körperhaltungen im Knien, in langdauerndem Rumpfbeugen oder -drehen oder in vergleichbaren Zwangshaltungen

Arbeiten in erzwungenen Körperhaltungen im Knien, in langdauerndem Rumpfbeugen oder -drehen oder in vergleichbaren Zwangshaltungen sind Tätigkeiten mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen im Sinne dieser AMR, wenn Arbeiten

  a)  im ein- oder beidseitigen Knien ohne oder mit Abstützung des Körpers durch die Arme, im ein- oder beidseitigen Fersensitz, im ein- oder beidseitigen Hocken oder im Kriechen insgesamt mindestens eine Stunde pro Arbeitsschicht ausgeführt werden;
b) mit vorgeneigtem Oberkörper (Rumpfvorbeuge) insgesamt mindestens eine Stunde pro Arbeitsschicht ohne wirksame Unterbrechung oder Belastungswechsel ausgeführt werden;
c) in vergleichbaren Zwangshaltungen ausgeführt werden wie
  • Arbeiten mit den Händen über Schulterniveau oder über dem Kopf insgesamt mindestens eine Stunde pro Arbeitsschicht,
  • Arbeiten in erzwungener Sitzhaltung ohne wirksame Bewegungsmöglichkeit insgesamt mindestens zwei Stunden pro Arbeitsschicht,
  • Arbeiten mit dauerhaftem Stehen ohne wirksame Bewegungsmöglichkeit insgesamt mindestens vier Stunden pro Arbeitsschicht.

 

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