BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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5 Anwendungsbeispiele und besondere Bedingungen

 

5.1

Arbeiten im Bereich von Straßen

Für Personen, die beim Bau, der Unterhaltung oder Reinigung der Straßen und Anlagen im Straßenraum eingesetzt sind oder in deren Raum befindliche Anlagen zu beaufsichtigen haben oder bei der Abfallsammlung tätig sind, wird gefordert, dass bei der Arbeit außerhalb von Gehwegen und Absperrungen auffällige Warnkleidung zu tragen ist (§ 35 Abs. 6 StVO in Verbindung mit der Verwaltungsvorschrift (VwV) zu § 35 Abs. 6). Gemäß der Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA 95, Ziffer 8 Abs. 1) trifft das auch auf Personen zu, die bei den vorgenannten Arbeiten neben dem Verkehrsbereich tätig werden und nicht durch eine geschlossene Absperrung (z.B. Absperrschranken oder Bauzäune) von diesem getrennt sind. Weiterhin weist die RSA auf die Notwendigkeit vertikaler Reflexstreifen in Körperkontur bei Warnkleidung hin, die auf Nachtbaustellen eingesetzt wird (Lit. Verkehrsblatt).

Nach der Verwaltungsvorschrift zu §35 StVO Abs. 6 muss die Warnkleidung der DIN EN 471 entsprechen und folgende Anforderungen erfüllen:

  • Warnkleidungsklasse mindestens Klasse 2 gemäß Tabelle 1, DIN EN 471
  • Farbe des textilen Hintergrundmaterials fluoreszierendes orange-rot oder fluoreszierendes gelb nach Tabelle 2, DIN EN 471
  • Mindestrückstrahlwerte des retroreflektierenden Materials Stufe 2 gemäß Tabelle 4, DIN EN 471

Die Entscheidung, welche Ausführungsform der Warnkleidung zum Einsatz kommt, kann nur im Einzelfall auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung und der Beurteilung der Art und Größe der Risiken sowie der betrieblichen Beanspruchung (Tätigkeit, Einsatzbereich, Tragedauer) getroffen werden.
Je größer die Gefährdung durch die Geschwindigkeit des vorbei fließenden Verkehrs, die Größe der Verkehrsbelastung, die Häufigkeit des Betretens des Straßenraumes, die Einschränkung der Beobachtungsmöglichkeit des Verkehrs und wenn Arbeiten in einer nicht nach RSA gesicherten Baustelle durchzuführen sind, desto auffälliger, das heißt desto großflächiger muss die Warnkleidung sein.
Daher: Wird im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung für die geplanten Tätigkeiten ermittelt, dass „erhöhte Gefährdung“ für die Versicherten vorliegt, ist Warnkleidung der Klasse 3 einzusetzen (siehe Kap. 4.4 ).

 

Latzhose

Latzhose

Weste

Weste

Abbildung 9a und 9b: Einfache Gefährdung, Warnkleidung Klasse 2

Weste und Hose

Weste und Hose

Jacke und Hose

Jacke und Hose

Abbildung 10a und 10b: Erhöhte Gefährdung, Warnkleidung Klasse 3

Eine Rundbundhose bietet nur dann ausreichende Sicherheit wenn sie in Verbindung mit Warnkleidung für den Oberkörper getragen wird, da die Bestreifung bei der Rundbundhose am unteren Hosenbein durch Tätigkeiten schnell verdeckt werden kann.



5.2

Arbeiten in Gleisanlagen

Warnkleidung ist zu tragen, wenn Versicherte im Gleisbereich durch bewegte Schienenfahrzeuge gefährdet werden können. Das betrifft:

  • Mitarbeiter im Bahnbetrieb
    (Betriebsbeamte nach EBO, Betriebsbedienstete nach BOStrab, ...),
  • Versicherte, die Arbeiten an oder in der Nähe von Bahnanlagen ausführen oder diese Arbeiten sichern
    (Arbeiten im Bereich von Gleisen im Sinne der UVV "Arbeiten im Bereich von Gleisen" BGV/GUV-V D 33),
  • Betriebsfremde Personen, die im Gleisbereich durch bewegte Schienenfahrzeuge gefährdet werden
    (Siehe Information "Sicheres Verhalten betriebsfremder Personen im Gleisbereich von Eisenbahnen" BGI 834).


5.2.1

Mitarbeiter im Bahnbetrieb

Mitarbeiter im Bahnbetrieb, die durch bewegte Schienenfahrzeuge gefährdet werden können, sind z.B.:

  • Eisenbahnfahrzeugführer, Lokrangierführer, Fahrer von Straßen- und U-Bahnen,
  • Rangierer,
  • Wagenmeister,
  • Zugführer, Zugbegleiter,
  • Betriebsleiter und andere Führungskräfte, die Gleisanlagen betreten müssen.

Mitarbeiter im Bahnbetrieb tragen

  • eng anliegende Warnkleidung der Klasse 2,
  • mindestens in Form einer Weste,
  • in der Farbe fluoreszierendes orange-rot,
  • mit retroreflektierendem Material.

Mitarbeiter, die ganztägig in Gleisanlagen durch Schienenfahrzeuge gefährdet werden, z.B. Rangierer, Lokrangierführer und Wagenmeister, tragen Jacke und Hose als Warnkleidung (Klasse 3). Diese Warnkleidung muss gleichzeitig die Anforderungen einer Schutzkleidung gegen Regen erfüllen. Bei Gefährdung durch feuerflüssiges Gut (z.B. Roheisen, Schlacke) muss schwerentflammbare Warnkleidung getragen werden.



5.2.2

Arbeiten im Bereich von Gleisen

Das Tragen von Warnkleidung ersetzt nicht die für Arbeiten im Gleisbereich erforderlichen Sicherungsmaßnahmen, die auf der Basis einer Gefährdungsbeurteilung vor Beginn der Arbeiten vom Unternehmer zu veranlassen sind. Die Einhaltung der von der "Für den Bahnbetrieb zuständigen Stelle" festgelegten Sicherungsmaßnahmen gegen die Gefahren aus dem Bahnbetrieb haben dabei oberste Priorität (vgl. Information "Sicherheitshinweise für Arbeiten im Gleisbereich von Eisenbahnen" BGI/GUV-I 781).

Warnkleidung ist auch für Arbeiten außerhalb des Gleisbereichs erforderlich, wenn die Gefahr besteht, unbeabsichtigt in diesen zu gelangen.

Für Versicherte, die Arbeiten im Gleisbereich an Bahnanlagen und anderen Anlagen sowie damit zusammenhängende Tätigkeiten, z.B. Besichtigungs-, Vermessungs- und Kontrolltätigkeiten ausführen, ist insbesondere:

  • eng anliegende Warnkleidung der Klasse 2,
  • mindestens in Form einer Weste,
  • in der Farbe fluoreszierendes orange-rot,
  • mit retroreflektierendem Material

zur Verfügung zu stellen.

Es hat sich bewährt, dass Versicherte, die Arbeiten im Gleisbereich ausführen und Personen, die Sicherungsaufgaben im Gleisbereich durchführen, durch unterschiedliche Warnkleidungsfarben unterschieden werden können.
Daher fordert z.B. die Deutsche Bahn AG für Sicherungsaufsichten, Sicherungsposten und Absperrposten:

  • eng anliegende Warnkleidung der Klasse 2,
  • mindestens in Form einer Weste,
  • in der Farbe fluoreszierendes gelb,
  • mit retroreflektierendem Material

zur Verfügung zu stellen.



5.2.3

Betriebsfremde Personen, die im Gleisbereich durch bewegte Schienenfahrzeuge gefährdet werden können

Betriebsfremde Personen, die im Gleisbereich durch bewegte Schienenfahrzeuge gefährdet werden können, sind z.B. Anlagenbediener in Industrieanlagen mit Schienenbahnen, Be- und Entladepersonal, Mitarbeiter von Energieversorgungsunternehmen.

Betriebsfremde Personen tragen

  • eng anliegende Warnkleidung der Klasse 2,
  • mindestens in Form einer Weste,
  • in der Farbe fluoreszierendes orange-rot,
  • mit retroreflektierendem Material.


5.2.4

Beispiele für die Anwendung im Bereich von Schienenbahnen

Beispielhaft für die unterschiedlichen Tätigkeiten bei Arbeiten im Bereich von Schienenbahnen ist nachfolgend eine Auswahl dargestellt. Mindestens ist Warnkleidung der Klasse 2 zu tragen.

 

Abbildung 11a: Rangierer

Abbildung 11b: Eisenbahnfahrzeugführer

 

Abbildung 12a: Gleisbauarbeiten

Abbildung 12b: Wagenmeister

 

Abbildung 12c: Sicherungsposten

 

Abbildung 13: Lokrangierführer



5.3

Anwendung von Warnkleidung unter besonderen Bedingungen

Bei sommerlichen Temperaturen haben die Versicherten häufig den Wunsch, auch bei Tätigkeiten im ungesicherten Verkehrsbereich eine kurze Hose tragen zu können. Die auf dem Markt angebotenen Shorts/Kurzhosen erfüllen jedoch meist nur Anforderungen nach Klasse 1. Auf dem Markt sind auch Hosen der Klasse 2 mit besonderen Schnittformen erhältlich, die nur dann eingesetzt werden dürfen, wenn nach der Gefährdungsbeurteilung keine weiteren Verletzungs- und Gesundheitsgefahren auftreten können.

Verletzungs- oder Gesundheitsgefahren können sein:

  • Wegfliegende Teile,
  • heiße Materialien,
  • Ecken, Spitzen, Kanten,
  • Gefahrstoffe
  • und/oder
  • biologische Arbeitsstoffe
  • sowie
  • UV-Strahlung, etc.

Bei Tätigkeiten in der Abfallwirtschaft, Kanalunterhaltung, Straßenreinigung, Straßenunterhaltung und -betriebsdienste, Grünflächenpflege sowie bei Arbeiten im innerstädtischen Gleisbereich von Schienenbahnen, wird die Gefährdungsbeurteilung in der Regel ergeben, dass Shorts/Kurzhosen als Bestandteil der Warnkleidung auszuschließen sind.

Abbildung 14: Besondere Schnittformen

 

5.4

Bestimmungsgemäßes Tragen von Warnkleidung

Die Warnwirkung der zum Einsatz gebrachten Warnkleidung ist bei den typischen Arbeitshaltungen zu gewährleisten. Beim Tragen von Arbeitsmitteln, wie Freischneider oder Laubblasgerät sowie beim Transport von Gegenständen werden häufig Teile der Warnkleidung verdeckt, so dass die Erkennbarkeit des Trägers eingeschränkt ist.

In der Regel wird in solchen Fällen Warnkleidung der Klasse 3 erforderlich sein, um eine möglichst hohe Sicherheit für die Versicherten zu erreichen.

 

Abbildung 15:
Teile der Warnkleidung werden verdeckt

Das nicht bestimmungsgemäße Tragen von Warnkleidung, wie z.B. das offene Tragen einer Warnweste, führt zur Verminderung der Warnwirkung. Daher ist beispielsweise auch das Abtrennen bzw. das Hochkrempeln von Ärmeln/Hosenbeinen nicht zulässig. Veränderte Bekleidung darf nicht mehr für den vorgesehenen Zweck eingesetzt werden.

Insbesondere bei der Verwendung von mehrteiligen Kombinationen (Weste oder Jacke und Rundbundhose) ist zu beachten, dass die Warnkleidung beim Ablegen des Oberteiles von Klasse 3 zu Klasse 1 reduziert wird und der notwendige Schutz damit nicht mehr vorhanden ist.

Bei einer Latzhose (Klasse 2) darf der Latz durch das Tragen einer Überbekleidung (z.B. Pullover) nicht verdeckt werden, da dies die Erkennbarkeit reduziert.

 

Abbildung 16a und b, c und d:
Reduzierte Schutzwirkung bei nicht bestimmungsgemäßer Anwendung

Entsprechend der Herstellerinformation sind die Westen oder Jacken geschlossen zu tragen, da sonst die Erkennbarkeit eingeschränkt wird.



 

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