BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Verfahren

SZP ermöglicht den Anwendern und Anwenderinnen den Zugang zum sowie die Positionierung am Arbeitsplatz und das Verlassen desselben. Änderungen der Arbeitsposition unter planmäßiger Belastung eines Seiles sind ebenfalls möglich. SZP schützt die Anwender und Anwenderinnen vor einem Absturz durch die Verwendung eines Sicherungssystems (siehe Abbildungen 6 und 9).

Zur Abgrenzung des Verfahrens wird hier der Einsatz von PSA gegen Absturz (PSAgA) dargestellt.

PSAgA ist ein Sicherungssystem (Absturzschutzsystem), welches bei der Fortbewegung unter Verwendung eines nicht planmäßig belasteten Verbindungsmittels eingesetzt wird (siehe Abbildungen 5 und 7).

Abb. 5  Verwendung von PSAgA/Absturzschutzsystem

Abb. 5 Verwendung von PSAgA/Absturzschutzsystem

4.1 Charakteristik

SZP ist gekennzeichnet durch:

  1. die Verwendung von mindestens zwei getrennt voneinander befestigten Seilen, wobei eines im Tragsystem und das andere im Sicherungssystem integriert wird,
  2. den Einsatz einer Körperhaltevorrichtung (z. B. Arbeitssitz), welche über eine Seileinstellvorrichtung mit dem Tragseil verbunden ist,
  3. die Benutzung eines geeigneten Gurtsystems, welches Bestandteil eines Absturzschutzsystems ist,
  4. eine angemessene und spezielle Ausbildung der Anwender und Anwenderinnen in den vorgesehenen Zugangs-, Positionierungs- und Rettungsverfahren.

Abb. 6  Verwendung von SZP

Abb. 6 Verwendung von SZP

Abb. 7  Positioniern durch Verwendung von PSAgA/Absturzschutzsystem

Abb. 7 Positioniern durch Verwendung von PSAgA/Absturzschutzsystem

Abb. 8  Verwendung von SZP

Abb. 8 Verwendung von SZP

Abb. 9  SZP vertikale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 9 SZP vertikale Hauptbewegungsrichtung

4.2 Kategorien

Die Anwendung von SZP wird nach der Zugangsrichtung und den verwendeten Anschlagpunkten in 4 Kategorien unterteilt.

4.2.1 Kategorie 1/Vertikalzugang
(vertikale Hauptbewegungsrichtung):

Die Anwender/Anwenderinnen bewegen sich an einem Tragsystem vertikal nach unten oder oben um einen Arbeitsplatz zu erreichen und sich an diesem zu positionieren (siehe Abbildung 9)

Typische Anwendungen sind z. B. Arbeiten an einer Fassade oder senkrechten Wand.

4.2.2 Kategorie 2/Traversieren
(horizontale Hauptbewegungsrichtung):

Die Anwender/Anwenderinnen bewegen sich horizontal unterhalb einer tragenden Struktur. Dies geschieht prinzipiell durch ein kontinuierliches Versetzen der Anschlagpunkte. Durch den ständigen Wechsel werden die Systeme sowohl als Trag- wie auch als Sicherungssystem eingesetzt.

Typische Anwendungen sind z. B. die Fortbewegungen unter einer Dachkonstruktion oder unter Brücken. Zur Aufrechterhaltung der Redundanz im Augenblick des Wechsels eines Anschlagpunktes ist ein zusätzliches 3. System erforderlich (siehe Abbildung 10).

Kategorie 3
(horizontale oder diagonale Hauptbewegungsrichtung):

Für die horizontale/diagonale Fortbewegung wird zunächst eine Seilstrecke installiert. Dazu werden mindestens zwei Seile zwischen jeweils mindestens zwei Anschlagpunkten befestigt. Die Anwender/Anwenderinnen können sich an den Seilstrecken von Hand oder mittels Seileinstellvorrichtungen fortbewegen (siehe Abbildung 11 und Abbildung 12). Sie können sich auch über ein zusätzliches Kontroll- bzw. Führungsseil fortbewegen oder von anderen bewegt werden. Sie sind redundant mit beiden Seilen verbunden.

Eine typische Anwendung ist der Zugang zu einem im freien Raum liegenden Arbeitsplatz, über dem sich keine ausreichend tragfähigen Bauteile befinden (Wartung abgehängter Deckenleuchten, sowie die Rettung oder Selbstrettung von hohen Gebäuden oder Konstruktionen zum Boden, bei denen ein direktes Abseilen nicht möglich ist).

Abb. 10 a  SZP horizontale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 10a SZP horizontale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 10 b  SZP horizontale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 10b SZP horizontale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 10 c  SZP horizontale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 10c SZP horizontale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 11 SZP horizontale oder diagonale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 11 SZP horizontale oder diagonale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 12 SZP horizontale oder diagonale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 12 SZP horizontale oder diagonale Hauptbewegungsrichtung

Abb. 13  Vorstieg an einer Rohrbrücke

Abb. 13 Vorstieg an einer Rohrbrücke

Abb. 14  Vorstieg an einer Rohrbrücke

Abb. 14 Vorstieg an einer Rohrbrücke

4.2.4 Kategorie 4/Vorstieg:

Beim Vorstieg im Rahmen der Anwendung von SZP nach Kategorie 1 bis 3 wird zum Zwecke des Erstzugangs zu den Anschlagpunkten ausnahmsweise nur ein Seil verwendet. Dabei steigt die Person, in der Regel durch eine zweite Person fremdgesichert, entlang einer Struktur vor und legt in definierten Abständen Zwischensicherungen. Das durch die Sicherungsperson bediente Sicherungsgerät wird in Kombination mit den Zwischen sicherungen zu einem improvisierten Absturzschutzsystem, wobei das Risiko eines größeren Falls in Kauf genommen wird. Die besondere Gefahr des Aufschlagens auf Hindernisse und Gebäudeteile ist zu beachten (Tabelle 1), siehe Abbildungen 13 und 14.

Bis zur dritten Zwischensicherung besteht eine erhöhte Gefahr des Bodenkontaktes im Falle eines Sturzes. Die Abstände der Zwischensicherungen sind im unteren Bereich entsprechend kleiner zu wählen.

Tabelle 1:
Empfohlene Abstände der Zwischensicherungen: Ein Aufschlagen auf den Boden oder auf Strukturen sollte ausgeschlossen sein.

Abstände vom Boden zum letzten Punkt
Erster Sicherungspunkt + 2,5 m/Greifhöhe  
Zweiter Sicherungspunkt + 3,0 m 0,5 m
Dritter Sicherungspunkt + 4,0 m 1,0 m
Vierter Sicherungspunkt + 5,0 m 1,0 m
Folgende Sicherungspunkte   in Greifhöhe

Ein passives Ab- und Aufseilen im Rettungsfall ist zulässig und durch einen aufsichtführenden Höhenarbeiter/ eine aufsichtführende Höhenarbeiterin zu koordinieren. Für das Verfahren ist eine separate Schulung erforderlich (siehe Abbildung 15).

Typische Anwendung: Behälter- und Silobefahrung.

Abb. 15  Hinweis zur passiven Positionierung

Abb. 15 Hinweis zur passiven Positionierung

4.3 Hinweise für die gegenseitige Rettung

Es ist immer für die zu rettende Person ein schnelles, sicheres und schonendes Rettungsverfahren auszuwählen, insbesonders unter Berücksichtigung des medizinischen Aspektes (Verletzungen, Hängetrauma).

Individuelle Rettungsszenarien sind in der Einsatzplanung zu erfassen. Witterungsbedingungen, Lage des Arbeitsplatzes und atmosphärische Bedingungen sind zu berücksichtigen. Die erforderliche Rettungsausrüstung ist gesondert gepackt, zugänglich und gekennzeichnet, an der Einsatzstelle vorzuhalten.

Dabei ist der Sicherung der rettenden Person Vorrang zu geben.

 

 

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