BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3 Begriffsbestimmungen

Arbeiten unter Verwendung von seilunterstützten Zugangs- und Positionierungsverfahren (SZP) sind alle Verfahren, bei denen die Anwender und Anwenderinnen sich an Seilen oder Verbindungsmitteln als Trag- und Sicherungssystem, redundant gesichert, horizontal, diagonal oder vertikal fortbewegen und/oder positionieren (siehe Abbildung 1).

Abb. 1  Systemredundanz : unabhängig voneinander angeschlagenes 
Tragseil (hier grün) und Sicherungsseil (hier rot).

Im Sinne dieser Information werden folgende Begriffe bestimmt:

Tragsystem ist die Gesamtheit von Anschlagsystemen mit Tragseil, Seileinstellvorrichtung und Körperhaltevorrichtung.

Anschlagsystem besteht aus Anschlageinrichtung und/oder Verankerung/Struktur, ggf. Anschlagmitteln, enthält einen oder mehrere Anschlagpunkte.

Verankerungen oder Strukturen können z. B. ausreichend trag­ fähige Bauwerksteile wie Stahl­, Holz­und Stahlbetonträger o. Ä. sein.

Anschlageinrichtungen ermöglichen das Anschlagen des Tragsystems beziehungsweise des Sicherungssystems an einer oder mehreren Stellen.

Anschlageinrichtungen mit mehreren Anschlagpunkten sind z. B.

  • gespannte Seile/Schienen,
  • gegengewichtsbelastete Ausleger.

Anschlageinrichtungen mit Einzelanschlagpunkten sind z. B.

  • Ösenschrauben mit Dübelbefestigungen in Betonbauteilen,
  • Klebehaken in Betonbauteilen,
  • Ringschrauben in Stahlkonstruk tionen (siehe Abbildung 1),
  • Trägerklemmen, Dachpfosten mit Ringösen.

Anschlagmittel dienen der Verbindung des Trag- bzw. Sicherungssystems mit der Anschlageinrichtung bzw. der Verankerung/Struktur. Hierzu können auch Verbindungsmittel bzw. Verbindungselemente zum Einsatz kommen.

Typische Anschlagmittel sind z. B. gebrauchsfertige Gurtband­ schlingen (siehe Abbildung 1), textile Spanngurte, Stahlseil­ schlingen, Karabiner.

Verbindungselemente/Verbindungsmittel sind verbindende Einzelteile oder verbindende Bestandteile.

Verbindungselemente sind z. B. Haken und Karabinerhaken. Verbindungsmittel sind z. B. Seile oder Gurtbänder.

Seileinstellvorrichtungen sind Bestandteile des Tragsystems, die der Positionierung der Körperhaltevorrichtung entlang des Tragseils dienen.

Körperhaltevorrichtungen können Auffanggurte in Kombination mit ergonomisch gestalteter Sitzfläche (siehe Abbildung 2), ergonomisch vergleichbare sitzähnliche Gurtsysteme (siehe Abbildung 3) oder geeignete Auffanggurte sein, von denen aus Höhenarbeiter bzw. Höhenarbeiterinnen sitzend Arbeiten verrichten (siehe Abbildung 4). Zur Körperhaltevorrichtung gehört deren Befestigung mit der Seileinstellvorrichtung.

Abb. 2  Beispiel einer ergonomisch gestalteten Sitzfläche

Abb. 2 Beispiel einer ergonomisch gestalteten Sitzfläche

Abb. 3  Beispiel eines Gurtsystems mit integriertem Sitz

Abb. 3 Beispiel eines Gurtsystems mit integriertem Sitz

Abb. 4  Beispiel eines geeigneten Auffanggurtes

Abb. 4 Beispiel eines geeigneten Auffanggurtes

Sicherungssystem ist die Gesamtheit von Anschlag- und Auffangsystemen

Auffangsystem ist ein persönliches Absturzschutzsystem, das beim Versagen des Tragsystems die Person sicher auffängt und während des Auffangvorgangs die auf den Körper einwirkende Fangstosskraft reduziert und begrenzt.

Ein persönliches Absturzschutzsystem ist die Zusammenstellung von Bestandteilen zum Schutz der Person gegen Absturz, die mindestens eine Körperhaltevorrichtung und ein Befestigungssystem (Sicherungssystem) umfasst, die mit einer zuverlässigen Verankerung verbunden werden können.

Höhenarbeiter und Höhenarbeiterinnen sind ausgebildete Personen, die mit Hilfe von seilunterstützten Zugangs- und Positionierungsverfahren Arbeiten durchführen.

Strukturen sind Teile von Bauwerken oder Konstruktionen, die sich zur Fortbewegung bzw. zum Sichern eignen, z. B. Stahlträger, Verstrebungen oder Pfeiler.

 

 

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