BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Vorwort zur 8. Auflage

Die ständige Weiterentwicklung und Verfeinerung der Arbeitsverfahren in der Schweißtechnik sowie die Verwendung neuer Werkstoffe machen es erforderlich, die Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Unfällen und Gesundheitsschäden bei der Arbeit ständig zu optimieren und dadurch insgesamt nach einer Verbesserung der Arbeitsplatzsituation zu streben.

Moderner Arbeitsschutz erschöpft sich nicht in der Erfüllung von Vorschriften. Vielmehr hat der Unternehmer nach dem neuen Arbeitsschutzgesetz die für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundene Gefährdung zu ermitteln, zu beurteilen und dementsprechend Arbeitsschutzmaßnahmen zu treffen. Das Vorschriften- und Regelwerk kann dabei selbstverständlich eine Hilfe sein.

In den letzten vier Jahren sind auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, sowohl national als auch auf europäischer Ebene, weitere Änderungen in der Gesetzgebung vorgenommen worden. Das europäische Chemikalienrecht hat grundlegende Veränderungen erfahren, die vorwiegend auf zwei neue EG-Verordnungen zurückzuführen sind:

  • die REACH-Verordnung (Ausgabe Dez. 2006), die die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe
  • die CLP-Verordnung (Ausgabe Jan. 2009), die die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen

betrifft.

Als Folge dieser europäischen Entwicklung wurde im Hinblick auf den Umgang mit Gefahrstoffen die Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung -GefStoffV) angepasst und als Ausgabe Nov. 2010 herausgebracht.

Neben den allgemein gültigen Grundpflichten sind weitere Schutzmaßnahmen dem Ausmaß der Gefährdung entsprechend erforderlich.

Mit Hilfe von Informationen, die in Sicherheitsdatenblättern/Produktinformationsblättern enthalten und für die Gefährdungsbeurteilung von primärer Bedeutung sind (Informationsermittlung nach GefStoffV ), können Anwender in Betrieben die Anforderungen der GefStoffV diesbezüglich umsetzen.

Die Auswahl und Festlegung der notwendigen Schutzmaßnahmen kann mit Hilfe der TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“ und der zur Verfügung stehenden BG-Informationsschriften zum Thema „Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren“ durchgeführt werden.

Bei der Festlegung der Maßnahmen ist von bestimmten Grundsätzen auszugehen:

  1. Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten werden.
  2. Gefahren sind an der Quelle zu bekämpfen.
  3. Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse sind zu berücksichtigen.
  4. Technik, Arbeitsorganisation, sonstige Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und Einflüsse der Umwelt sind als Einheit zu sehen und sachgerecht zu verknüpfen.
  5. Individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig; zwangsläufig wirkende kollektive Schutzmaßnahmen haben Vorrang.
  6. Besonders schutzbedürftige Beschäftigte, z. B. Jugendliche, sind zu berücksichtigen.
  7. Den Beschäftigten sind Anweisungen zu geben, die sie zu dem gewünschten sicherheits- und gesundheitsgerechten Verhalten motivieren.

Beim Schweißen und Schneiden sowie bei verwandten Arbeitsverfahren entstehen gas- und partikelförmige Stoffe (Gase, Rauche, Stäube), die je nach Zusammensetzung, Konzentration und Expositionsdauer die Gesundheit der Beschäftigten gefährden (Schadstoffe).

Die Ermittlung der Konzentration und Wirkungsstärke dominierender Schadstoffe (= Leitkomponenten) ist Voraussetzung für die Beurteilung der jeweiligen Arbeitsbedingungen, für die Festlegung und Durchführung der erforderlichen Maßnahmen und damit für eine erfolgreiche Gesundheitsvorsorge insgesamt.

Ziel dieser Druckschrift soll es sein,

  • Kenntnisse über Entstehung und Wirkung der beim Schweißen und bei verwandten Verfahren (thermisches Schneiden, thermisches Spritzen, Löten usw.) auftretenden Schadstoffe zu vermitteln,
  • Hinweise zur Ermittlung der Schadstoffe zu geben,
  • die Abschätzung der Gefährdung durch Schadstoffe zu erleichtern und
  • Möglichkeiten zur Vermeidung oder Verringerung der Gefährdung durch Schadstoffe aufzuzeigen.

 

Webcode: M1511-20