BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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5 Gefährdungsbeurteilung beim Schweißen

Für die Festlegung von Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ist entsprechend § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG ) eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung durchzuführen.

Voraussetzung für die Beurteilung der Gefährdung (siehe auch TRGS 400 ) sowie für die Auswahl der geeigneten Schutzmaßnahmen (siehe auch TRGS 500 ) bei jeder Verfahrens-/Werkstoffkombination sind die Kenntnisse über die "Emissionsrate" und "chemische Zusammensetzung" des Schweißrauches.

Folgende Faktoren werden in die Gefährdungsbeurteilung einbezogen:

Verfahrensspezifische Faktoren

  • Die Schweißverfahren können hinsichtlich der Partikel nach Emissionsraten (mg/s) in vier Klassen (Emissionsklassen 1 bis 4) eingeteilt werden.

Wirkungsspezifische Faktoren

  • Die Schweißrauche können hinsichtlich der spezifischen Wirkung ihrer Inhaltsstoffe auf den Körper in drei Klassen (Wirkungsklassen A, B, C) eingeteilt werden.

Die Höhe der Gesundheitsgefährdung (niedrige bis sehr hohe) ist von verfahrens- und wirkungsspezifischen Faktoren abhängig (Bild 5-1).

Eine Zuordnung zu den Schweißrauchklassen anhand von Emissionsraten und Wirkung (A 1 bis C 4) enthält Bild 5-2.

Arbeitsplatzspezifische Faktoren

  • Dazu gehören insbesondere: räumliche Verhältnisse, Lüftungssituation, Kopf- und Körperposition beim Schweißen.

Bei mittleren, hohen und sehr hohen Emissionsraten (Emissionsklassen 2 bis 4) treten im Atembereich des Schweißers - ohne lüftungstechnische Maßnahmen - Schadstoffkonzentrationen auf, die mehrfach die Grenzwerte überschreiten.

Bei niedrigen Emissionsraten (Emissionsklasse 1) liegen die Schadstoffkonzentrationen im Atembereich des Schweißers erfahrungsgemäß im Grenzwertbereich oder knapp darunter.

Ohne lüftungstechnische Maßnahmen und bedingt durch zusätzliche Gegebenheiten am Arbeitsplatz wird in einigen Fällen die Gesundheitsgefährdung erhöht, z. B. in engen Räumen.

Deshalb sind hier neben Überlegungen zur:

  1. Auswahl schadstoffarmer Verfahren
  2. Auswahl schadstoffarmer Werkstoffe

- soweit technisch möglich - auch optimale Lösungen für die Lüftungstechnik zu finden und anzuwenden.

Es kann davon ausgegangen werden, dass "keine Gesundheitsgefährdung" vorliegt, sofern die stoffspezifischen Grenzwerte der im Schweißrauch enthaltenen lungenbelastenden und toxischen Stoffe eingehalten sind. Für krebserzeugende Stoffe steht zunächst das Minimierungsgebot im Vordergrund. Die alten TRK-Werte sind durch Maßnahmen deutlich zu unterschreiten. Auf die Wirksamkeitskontrolle von Schutzmaßnahmen entsprechend Nr. 7 TRGS 400 wird hingewiesen.

Durch die Auswahl wirksamer lüftungstechnischer Maßnahmen wird die Gesundheitsgefährdung reduziert oder sogar ausgeschlossen.

Die Zuordnung der Gefährdung in der Tabelle im Bild 5-2 erfolgt nach verfahrens- und werkstoffspezifischen Faktoren. Sie dient als Grundlage für die weitere Beurteilung am Arbeitsplatz und Auswahl der jeweiligen Schutzmaßnahmen.


Gefährdung Schweißrauchklasse
I    niedrige Gesundheitsgefährdung A 1
II   mittlere Gesundheitsgefährdung A 2, B 1, C 1
III  hohe Gesundheitsgefährdung A 3, B 2, B 3, C 2, C 3
IV  sehr hohe Gesundheitsgefährdung A 4, B 4, C 4

Bild 5-1: Zuordnung der Gefährdungen zu den Schweißrauchklassen [Quelle: [17]

Schweißrauche:
Emissionsklassen/
Emissionsraten
[mg/s]
Beispiele von Verfahren
Schweißrauche: Wirkung
Wirkungsklasse A
Wirkungsklasse B
Wirkungsklasse C
Atemwegs- und lungenbelastende Stoffe1)
z. B. Fe2O3
Toxische oder toxisch-irritative Stoffe2) z. B. F-, MnO, CuO Krebserzeugende Stoffe2)

z. B. Cr(VI), NiO
Gefährdung Gefährdung Gefährdung
1 < 1 z. B. UP3) I (A 1) I (B 1) I (C 1)
< 1 z. B. WIG4) II (A 1) II (B 1) II (C 1)
2 1 bis 2 z. B. Laserstrahl-
schweißen
III (A 2) III (B 2) III (C 2)
3 2 bis 25 z. B. LBH, MAG (Massivdraht) III (A 3) III (B 3) III (C 3)
4 > 25 z. B. MAG (Fülldraht) IV (A 4) IV (B 4) IV (C 4)
I = niedrige Gesundheitsgefährdung
II = mittlere Gesundheitsgefährdung
III = hohe Gesundheitsgefährdung
IV = sehr hohe Gesundheitsgefährdung;
A 1 bis C 4: Schweißrauchklassen

1) Wenn Legierungs- und Umhüllungs-/Füllungskomponenten jeweils < 5 % sind.
2) Wenn Legierungs- und Umhüllungs-/Füllungskomponenten jeweils > 5 % sind.
3) automatisiert
4) Siehe BG-Information "Schweißtechnische Arbeiten mit chrom- und nickellegierten Zusatz- und Grundwerkstoffen" (BGI 855) sowie "BG/BGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung: Wolfram-Inertgas-Schweißen (WIG-Schweißen)" (BGI 790-012)

Bild 5-2: Gefährdungsbeurteilung anhand von Emissionsraten und Wirkung; Zuordnung zu den Schweißrauchklassen [Quelle: [17]

5.1 Software der BGHM

Schweißrauchexposition bewerten

Eine Software zur Bewertung der Schweißrauchexposition mit Hilfe einer Gefährdungszahl bietet die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) jetzt auf ihrer Website an.

Dem Programm liegt das im Fachmagazin „Schweißen und Schneiden“ Ausgabe 09/11 unter dem Titel „Arbeitsschutzregelungen beim Schweißen“ vorgestellte Modell zugrunde. Im Vordergrund steht dabei der technische Vergleich zwischen Verfahren, Werkstoffen und arbeitsplatzspezifischen Faktoren und nicht die arbeitsmedizinisch-toxikologische Bewertung. Gleichzeitig wird deutlich, warum bei manchen schweißtechnischen Arbeiten ein gesundheitliches Restrisiko bestehen bleibt, was das Tragen von Atemschutzgeräten als notwendige ergänzende Schutzmaßnahme unterstreicht.

Die Software führt den Nutzer Schritt für Schritt in die Beschreibung der betreffenden Arbeitsplatzsituation. Dies geschieht anhand von Gefährdungsgruppen und speziellen Faktoren, die auf der Auswertung zahlreicher Messergebnisse aus Labor und Praxis beruhen und in eine Gefährdungszahl münden. Deren Höhe entscheidet schließlich darüber, welches Schutzmaßnahmen-Paket der beschriebenen Arbeitsplatzsituation zuzuordnen ist. Hier offeriert die Software dem Anwender also maßgeschneiderte Verbesserungsvorschläge. Über wiederholte Berechnungen mit den Faktoren der einzelnen Vorschläge kann der Anwender nun ausloten, welche der angebotenen Verbesserungen ihm den größten Nutzen bringen. Die Bewertung der Schweißrauchexposition mit Hilfe dieser Software konkretisiert die Anforderungen der GefStoffV und der TRGS 528 sowie die in den BGIen 593 und 616 beschriebenen Vorgehensweisen.

Das Programm steht im Internet unter http://www.bghm.de Webcode 802

 

Webcode: M1511-7