BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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11 Arbeitsmedizinische Vorsorge

11.1 Allgemeines

Eine vollkommene Sicherheit gegen die Einwirkung gesundheitsschädlicher Stoffe kann unter den heutigen Betriebsbedingungen trotz erheblicher technischer und organisatorischer Anstrengungen nicht erreicht werden. Daher ist es bei bestimmten Arbeiten erforderlich und unstrittig, neben der notwendigen technischen Prävention auch eine arbeitsmedizinische Vorsorge zu betreiben. Ziele sind hierbei die Verhinderung bzw. Früherkennung insbesondere chronischer Erkrankungen.

Gefährdete Arbeitnehmer müssen daher vor Aufnahme der Arbeit und dann in bestimmten Zeitabständen durch einen dazu berechtigten Arzt (Arbeitsmediziner oder zusätzlich Betriebsmediziner) arbeitsmedizinisch untersucht werden (siehe Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV ). Diese Forderungen gelten u. a. auch für Arbeitnehmer, die einer stärkeren Einwirkung krebserzeugender Stoffe, wie Chrom(VI)-Verbindungen (Chromate, Chromtrioxid) oder Nickeloxid, ausgesetzt sind. Betroffen sind also auch zahlreiche Schweißer.

„Biomonitoring ist Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen, soweit dafür arbeitsmedizinisch anerkannte Analyseverfahren und geeignete Werte zur Beurteilung zur Verfügung stehen“ (ArbMedVV). Diesbezüglich siehe auch Abschnitt 1.7 dieser BGI.

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind beim Schweißen und Trennen von Metallen zu veranlassen, wenn die Schweißrauchkonzentration 3 mg/m³ A überschreitet; jedoch sind sie auch anzubieten, wenn diese Konzentration eingehalten wird.

Bei Expositionen gegenüber krebserzeugenden Stoffen, wie Chrom(VI)-Verbindungen und Nickeloxid, sind in Abhängigkeit von der Expositionshöhe arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nach Anhang Teil 1 der ArbMedVV zu veranlassen und anzubieten bzw. ist das regelmäßige Angebot zu organisieren (G 15 „Chrom(VI)-Verbindungen“, G 38 „Nickel oder seine Verbindungen“). Diesbezüglich siehe auch Punkt 6 der TRGS 528.

Auch beim Tragen von Atemschutzgeräten sind gemäß Teil 4 des Anhangs zur ArbMedVV Pflichtuntersuchungen bei Atemschutzgeräten der Gruppen 2 und 3 und Angebotsuntersuchungen beim Tragen von Atemschutzgeräten der Gruppe 1 erforderlich. Diese sind entsprechend G 26 „Atemschutzgeräte“ (bei Atemschutzgeräten schwerer als 3 Kg und mit Atemwiderstand) durchzuführen.


11.2 Grundsätze und Auswahlkriterien

Die „Berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen“ (G...) geben dem berechtigten Arzt wesentliche Hinweise für das Vorgehen in der Praxis (Bild 11-1).

Hinsichtlich der in der Schweißtechnik entstehenden Schadstoffe sind insbesondere die Grundsätze G 15, G 38 und G 39 von Bedeutung.

Welche Personenkreise für eine spezielle arbeitsmedizinische Untersuchung infrage kommen, nennen die BG-Informationen „Handlungsanleitungen für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach den Berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen“ (BGI 504 und BGI 504-…).

BG-Grundsatz Titel Auswahlkriterien
G 2 Blei oder seine Verbindungen BGI 504-2
G 7 Kohlenmonoxid BGI 504-7
G 15 Chrom(VI)-Verbindungen BGI 504-15
G 27 Isocyanate BGI 504-27
G 32 Cadmium oder seine Verbindungen BGI 504-32
G 34 Fluor oder seine anorganischen Verbindungen BGI 504-34
G 38 Nickel oder seine Verbindungen BGI 504-38
G 39 Schweißrauche BGI 504-39
G 40 Krebserzeugende Gefahrstoffe - allgemein BGI 504-40 c (Be)
BGI 504-40 f (Co)

Bild 11-1: „Berufsgenossenschaftliche Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen“ (G ...) und die zugeordneten „Handlungsanleitungen für die arbeitsmedizinische Vorsorge“.


11.3 Schweißrauche (allgemein)

Der Grundsatz G 39 gilt für Schweißrauche allgemein. Bei Versicherten, die bei ihrer Tätigkeit einer Schweißrauchkonzentration von mehr als 3 mg/m3 A-Staubanteil (alveolengängige Fraktion) als Schichtmittelwert im Atembereich ausgesetzt sind, müssen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nach G 39 "Schweißrauche" durchgeführt werden.

Eine Überschreitung des Richtwertes 3 mg/m3 ist nach neuesten Erkenntnissen bei folgenden Verfahren der Schweißtechnik in der Regel anzunehmen:

  • Lichtbogenhand-, MIG-, MAG-Schweißen ohne ausreichende Lüftung,
  • Plasmaschneiden ohne Absaugung oder ohne Wasserabdeckung,
  • Flamm-, Lichtbogen-, Plasmaspritzen in nicht gekapselter Betriebsart,
  • Brennfugen,
  • Lichtbogen-Druckluftfugen,
  • Abbrennstumpfschweißen,
  • maschinelles Brennschneiden ohne Absaugung oder ohne Wasserabdeckung,
  • Schweißen mit Fülldraht (MAG-, MIG-, MOG-Schweißen) ohne Absaugung,
  • Laserstrahl-Schweißen (mit/ohne Zusatzwerkstoff) und -Schneiden ohne Absaugung.

Vorsorgeuntersuchungen nach Grundsatz G 39 sind wegen Unterschreitung des Richtwertes in der Regel nicht erforderlich (können aber angeboten werden) bei folgenden Verfahren der Schweißtechnik:

  • Gasschweißen,
  • Flammwärmen,
  • Wolfram-Inertgasschweißen,
  • Mikro-Plasmaschweißen,
  • Plasmaschneiden mit Wasserabdeckung,
  • Unterpulverschweißen,
  • Widerstandsschweißen (ausgenommen Abbrennstumpfschweißen),
  • Reibschweißen,
  • thermisches Spritzen in gekapselten Anlagen,
  • Bolzenschweißen,
  • Gießschmelzschweißen (Thermitschweißen),
  • Elektroschlackeschweißen.

Bei anderen Verfahren oder Situationen müssen Arbeitsplatzmessungen zur Entscheidung herangezogen werden.

Nach G 39 müssen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vor Arbeitsaufnahme durchgeführt werden; die Nachuntersuchungen erfolgen dann im Abstand von 36 Monaten.


11.4 Chrom(VI)-Verbindungen

Der Grundsatz G 15 erläutert die Einzelheiten zu arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für Arbeitnehmer in Zusammenhang mit einer Exposition gegenüber Chrom(VI)-Verbindungen. Zugeordnet zu G 15 sind die Auswahlkriterien in der BG-Information "Chrom(VI)-Verbindungen" (BGI 504-15).

Mit einer gesundheitsrelevanten und nennenswerten Exposition (früher Überschreitung der Auslöseschwelle) ist nach neuesten Erkenntnissen bei folgenden Verfahren der Schweißtechnik zu rechnen:

  • Lichtbogenhandschweißen mit hochlegierten umhüllten Stabelektroden (mit einem Massengehalt von 5 % oder mehr Chrom),
  • Metall-Aktivgasschweißen mit hochlegiertem Fülldraht (mit einem Massengehalt von 5 % oder mehr Chrom in der Legierung oder Schlackenbildnern),
  • Plasmaschmelz- und Laserstrahl-Schneiden von Chrom-Nickel-Werkstoffen (mit einem Massengehalt von 5 % oder mehr Chrom),
  • Flamm-, Lichtbogen-, Plasmaspritzen mit hochlegierten Spritz-Zusatzwerkstoffen (mit einem Massengehalt von 5 % oder mehr Chrom),
  • Schweißen, Schneiden sowie Trockenschleifen von Werkstücken mit Chrom(VI)-haltigen Anstrichstoffen.

Vorsorgeuntersuchungen nach Grundsatz G 15 sind wegen nicht nennenswerter Gesundheitsgefährdung (früher Unterschreitung der Auslöseschwelle) in der Regel nicht erforderlich bei folgenden Verfahren der Schweißtechnik:

  • Wolfram-Inertgasschweißen,
  • Mikro-Plasmaschweißen,
  • Plasmaschmelzschneiden mit Wasserabdeckung.

Bei anderen Verfahren oder in besonderen Situationen müssen Arbeitsplatzmessungen zur Entscheidung herangezogen werden.

Die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen müssen vor Arbeitsaufnahme (Erstuntersuchung) durchgeführt werden. Die erste Nachuntersuchung hat nach 6 bis 9 Monaten, weitere Nachuntersuchungen haben nach 12 bis 24 Monaten zu erfolgen.

Darüber hinaus sind hier wegen der Einstufung des Chrom(VI) als krebserzeugend noch nachgehende Untersuchungen erforderlich, d. h., auch nach Beendigung der gefährdenden Tätigkeit erfolgt eine arbeitsmedizinische Überwachung. In diesen Fällen ist auch eine besondere Meldung an die Berufsgenossenschaft bei Aufnahme der Tätigkeit mit besonderen Gefährdungen erforderlich (ODIN).


11.5 Nickel und Nickelverbindungen

Der Grundsatz "Nickel oder seine Verbindungen" (G 38) erläutert die Einzelheiten zu arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für Arbeitnehmer mit Expositionen gegenüber Nickel und seinen Verbindungen.

Eine gesundheitsrelevante und nennenswerte Exposition (früher Überschreitung der Auslöseschwelle) wird nach neuesten Erkenntnissen nach den dem Grundsatz G 38 zugeordneten Handlungsanleitungen der BG-Information "Nickel oder seine Verbindungen" (BGI 504-38) bei folgenden Verfahren in der Regel erwartet:

  • Metall-Schutzgasschweißen und Lichtbogenhandschweißen mit hochlegierten Zusatzwerkstoffen (mit einem Massengehalt von 5 % oder mehr Nickel),
  • Plasmaschmelz- und Laserstrahl-Schneiden von Werkstoffen mit einem Massengehalt von 5 % oder mehr Nickel,
  • thermisches Spritzen mit Spritzzusätzen mit mehr als 5 % Nickel.

Vorsorgeuntersuchungen nach Grundsatz G 38 sind wegen Unterschreitung der Auslöseschwelle in der Regel nicht erforderlich bei folgenden Verfahren der Schweißtechnik:

  • Wolfram-Inertgasschweißen,
  • Mikro-Plasmaschweißen,
  • Plasmaschneiden mit Wasserabdeckung,
  • thermisches Spritzen in gekapselten Anlagen.

Bei anderen Verfahren oder in besonderen Situationen müssen Arbeitsplatzmessungen zur Entscheidung herangezogen werden.

Nach G 38 sind eine Erstuntersuchung vor der Arbeitsaufnahme und Nachuntersuchungen jeweils nach 36 bis 60 Monaten vorgeschrieben. Bei einer Tätigkeit von mehr als 5 Jahren werden zusätzlich nachgehende Untersuchungen in Abständen von 36 bis 60 Monaten durchgeführt. In diesen Fällen ist auch eine besondere Meldung an die Berufsgenossenschaft bei Aufnahme der Tätigkeit mit besonderen Gefährdungen erforderlich (ODIN).

 

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