BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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8 Schadstoffe

In der sehr hohen Temperatur des Lichtbogens verbrennen und verdampfen viele Materialien, die dem Lichtbogen ausgesetzt sind, z.B.

  • Elektrode
  • Elektrodenumhüllung oder Schutzgas
  • Werkstück
  • Metallüberzüge, wie Blei und Zink
  • Anstriche, wie Primer, Farbe, Blei- und Zinkfarben
  • Verunreinigungen, wie Öl, Fett, Lösemittelreste

Sobald Bestandteile der entstehenden Rauche und Gase in unzuträglicher Konzentration auftreten, gelten sie als Schadstoffe. Diese können die Gesundheit des Schweißers beeinträchtigen und müssen aus der Atemluft am Arbeitsplatz ferngehalten werden.

Zur Bewertung der Wirksamkeit von Maßnahmen, welche die Atemluft des Schweißers verbessern, dient der Ablaufplan im Bild 8-1.

Einzelheiten zu den Schadstoffen und ihrer Abwehr enthält die BG-Information "Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren" (BGI 593 ) sowie die TRGS 528 "Schweißtechnische Arbeiten".

Bild 8-1: Ablaufplan zur Minderung von Schweißrauch

Bild 8-1: Ablaufplan zur Minderung von Schweißrauch

8.1 Lüftung

Die Atemluft am Arbeitsplatz kann von Schadstoffen freigehalten werden durch:

  1. Absaugung im Entstehungsbereich (Bild 8-2)
  2. technische Lüftung (maschinelle Raumlüftung, d. h. Austausch von Raumluft gegen Außenluft durch Strömungsmaschinen)
  3. freie Lüftung (natürliche Raumlüftung, d. h. Austausch von Raumluft gegen Außenluft durch Druckunterschiede infolge Wind oder Temperaturdifferenzen zwischen außen und innen)
  4. andere geeignete Einrichtungen (z. B. Wasserbadanlagen beim Plasmaschneiden)
  5. eine Kombination aus vorgenannten Einrichtungen
Bild 8-2: Absaugen von Schweißrauchen

Bild 8-2: Absaugen von Schweißrauchen

Abgesaugte Luft darf Arbeits- und Verkehrsbereichen nur nach ausreichender Abscheidung der Schadstoffe zugeführt werden.

Aus heutiger Sicht sind Schweißarbeiten ohne technische Lüftung abzulehnen. Ausnahme sind lediglich Schweißarbeiten im Freien, wobei aber auf die Position des Schweißers zur Windrichtung hin zu achten ist.

Hinweise zur Auswahl und Gestaltung der Absaugung enthalten z. B.:

Die Forderung nach geeigneten lufttechnischen Maßnahmen bei Arbeiten im Freien ist z. B. erfüllt, wenn die entstehenden Schadstoffe nicht in die Atemluft gelangen.

Bild 8-3: Schutzgasbrenner mit integrierter Absaugung

Bild 8-3: Schutzgasbrenner mit integrierter Absaugung

Für die vielfältigen und sehr unterschiedlichen Lüftungsaufgaben bietet die Industrie viele Hilfsmittel an, z. B.:

1. Willensunabhängige Erfassungen, wie

  • Schutzgassbrenner mit integrierter Absaugung (Bild 8-3 und Bild 8-5)
  • Schweißerschutzschild mit integrierter Absaugung (Bild 8-4) in Verbindung mit mobiler oder zentraler Hochvakuumabsaugung

2. Willensabhängige Erfassungen, wie

  • leichte Absaugschläuche mit Erfassungseinrichtungen, die mit Hilfe von Magneten oder Haken innerhalb von Bauteilen leicht befestigt werden können
  • vom Schweißer nachzuführende Absaugrüssel
Bild 8-4: Schweißerschutzschild mit integrierter Absaugung

Bild 8-4: Schweißerschutzschild mit integrierter Absaugung

Bild 8-5: Vom Schweißer nachzuführender Absaugrüssel

Bild 8-5: Schutzgasbrenner mit integrierter Absaugung mit verstellbarem Erfassungselement

Für das bestimmungsgemäße Benutzen der Lüftungseinrichtungen ist es von entscheidender Bedeutung, dass die vorgesehenen Maßnahmen mit den betroffenen Schweißern auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmt werden. Ein großer Teil des Erfolges einer Lüftungsmaßnahme hängt von der Mitarbeit des Schweißers ab.

Eine falsch eingesetzte Lüftung kann wirkungslos sein oder die Schutzatmosphäre um den Lichtbogen zerstören und dadurch Fehler in der Schweißnaht hervorrufen. Zur Erfassung und Abscheidung gesundheitsgefährlicher Stoffe beim Plasmaschneiden hat es sich bewährt, das Schweißgut über einem Wasserbad oder – noch wirksamer – von Wasser bedeckt zu bearbeiten. Im Freien kann schon natürliche Luftbewegung als Lüftung ausreichen. Enge Räume erfordern Absaugen der Raumluft oder Einblasen von Frischluft.

Die Eignung einer Lüftung kann durch Konzentrationsmessungen nachgewiesen werden. Als Schwellenwerte für die Konzentration gesundheitsgefährlicher Stoffe sind Arbeitsplatzgrenzwerte festgelegt.

8.2 Atemschutz

Wenn keine ausreichende Lüftung erreicht werden kann, sind Atemschutzgeräte zu tragen. Hierbei ist die BG-Regel "Benutzung von Atemschutzgeräten" (BGR 190) zu beachten.

Auf den Nachweis der Atemschutztauglichkeit laut berufsgenossenschaftlichem Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G 26 "Atemschutzgeräte" wird hingewiesen. Für Schweißarbeiten geeignete Atemschutzgeräte sind Schlauchgeräte und Behältergeräte mit Druckluft (Pressluftatmer).

Wenn die Umgebungsatmosphäre mindestens 17 Vol.-% Sauerstoff enthält, können auch Filtergeräte mit Filtern der jeweils notwendigen Filterklassen und Filtertypen für kurzzeitige Arbeiten geeignet sein.

Es sind gebläseunterstützte Filtergeräte mit automatischer Kopfhaube verfügbar. Da hier keine Erhöhung des Atemwiderstandes erfolgt, ist die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 26 hier nicht erforderlich.

In Behältern und engen Räumen, wie Bunkern, Kesselwagen, Rohrleitungen, Gruben, Kanälen, dürfen Filtergeräte und Regenerationsgeräte jedoch nicht verwendet werden.

8.3 Arbeitsmedizinische Vorsorge

Falls beim Schweißen trotz der ergriffenen Schutzmaßnahmen ein Arbeitsplatzgrenzwert überschritten wird, werden nach der Unfallverhütungsvorschrift "Arbeitsmedizinische Vorsorge" (BGV A 4) Vorsorgeuntersuchungen erforderlich.

Daneben ist es auch sinnvoll, Personen vorsorglich zu untersuchen, die durch gesundheitliche Vorschädigungen gefährdet sind. Auch bei Grenzwertunterschreitung ist eine Vorsorgeuntersuchung auf freiwilliger Basis anzubieten.

Für die einzelnen Einwirkungen sind "Berufsgenossenschaftliche Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen" aufgestellt. Diese Grundsätze werden durch "Auswahlkriterien" ergänzt, die Anhaltspunkte für die Auswahl der zu untersuchenden Personen geben.

Für krebserzeugende Gefahrstoffe gibt es im Allgemeinen keinen Arbeitsplatzgrenzwert. Ob und wann Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen sind, ist in der TRGS 528 "Schweißtechnische Arbeiten" festgelegt.

Titel Arbeitsmedizinischer Grundsatz Auswahlkriterium
Allgemeiner Teil   BGI 504-0
Schweißrauche G 39 BGI 504-39
Blei und seine Verbindungen G 2 BGI 504-2
Chrom(VI)-Verbindungen G 15 BGI 504-15
Nickel und seine Verbindungen G 38 BGI 504-38
Lärm G 20 BGI 504-20

Bild 8-6: Arbeitsmedizinische Grundsätze und ihre Auswahlkriterien

 

Webcode: M1522-10