BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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6 Lichtbogenstrahlung

Kennzeichen für einen Lichtbogen ist seine starke Helligkeit. Sie wird durch die sehr hohe Temperatur des Lichtbogens von einigen tausend Grad hervorgerufen.

Diese Helligkeit führt zu einer intensiven Blendung. Daneben sendet der Lichtbogen kurz- und langwellige Strahlen aus.

  • Die kurzwelligen, unsichtbaren Ultraviolettstrahlen verbrennen die Haut und verursachen das Verblitzen der Augen, indem sie eine Entzündung des äußeren Auges (Bindehautentzündung) hervorrufen.
  • Die langwelligen Infrarotstrahlen – die Wärmestrahlen – können bei längerer Einwirkung den Feuerstar hervorrufen.

6.1 Augenschutz

Gegen Lichtbogenstrahlen müssen die Augen geschützt werden. Hierzu verwendet der Lichtbogenschweißer Augenschutzgeräte nach DIN EN 175

  • beim Lichtbogenschweißen mit Stabelektroden z. B. einen Schutzschild
  • beim Schutzgasschweißen und bei Plasmaverfahren z. B. einen Schutzschirm

mit Schweißerschutzfiltern nach DIN EN 169.

6.1.1 Kennzeichnung an Schweißerschutzfiltern

Schweißerschutzfilter müssen in der Randzone eine dauerhafte Kennzeichnung tragen.

Beispiel 12 XY 1 DIN (Bild 6-1)

Darin bedeuten:

Zahl 12:
Buchstaben XY:
Ziffer 1:
DIN:
Schutzstufe 12
Herstellerkurzzeichen
Brechwertklasse 1 (Optische Güte)
DIN-Prüf- und Überwachungszeichen

Bild 6-1: Kennzeichnung eines Schweißerschutzfilters entsprechend der Norm (Ausschnitt)

Bild 6-1: Kennzeichnung eines Schweißerschutzfilters entsprechend der Norm (Ausschnitt)

Wenn der Schweißerschutzfilter bei Stoßbelastung zugleich die Funktion einer Sicherheitsscheibe besitzt, so folgt auf das DIN-Zeichen noch der Buchstabe "L" für Verbundwerkstoff oder "P" für Kunststoff.

Vorsatzscheiben müssen mit Herstellerkurzzeichen und DIN-Zeichen gekennzeichnet sein.

6.1.2 Empfohlene Schutzstufen beim Lichtbogenschweißen

Hinweise zur richtigen Anwendung der Schutzstufen bei den verschiedenen Lichtbogenschweißverfahren in Abhängigkeit von der Stromstärke gibt die aus DIN EN 169 Teil 1 wiedergegebene Tabelle (Bild 6-2).

Beim Schweißen mit verlängertem Lichtbogen ist die nächsthöhere Schutzstufe zu verwenden. Soll die Erwärmung durch Absorption vermindert werden, dann sind verspiegelte Schweißerschutzfilter zu verwenden.

Bei Überkopfschweißarbeiten sind die Schweißerschutzfilter durch eine Vorsatzscheibe nach DIN 4647 Teil 6 zu schützen, da Einscheibenglas beim Auftreffen heißer Metallspritzer zerspringen kann.

Selbstverständlich müssen immer genügend Ersatzscheiben bereitgehalten werden.

Wenn der Lichtbogen häufig gezündet werden muss, z. B. bei kurzen Nähten und Heftarbeiten, sind Schutzschirme mit Schweißerschutzfiltern nach DIN EN 379 zu empfehlen, die sich selbsttätig mit dem Zünden des Lichtbogens abdunkeln.

Bild 6-2: Schutzstufen und empfohlene Verwendung bei Lichtbogenverfahren

Bild 6-2: Schutzstufen und empfohlene Verwendung bei Lichtbogenverfahren

Auch der Schweißerhelfer muss ausreichend gegen Lichtbogenstrahlung geschützt sein. Soweit er nicht beim Helfen direkt in den Lichtbogen sehen muss, kann er eine Schweißerhelferbrille (Bild 6-3) nach DIN EN 175 tragen, mit Sichtscheiben geringerer Schutzstufe, z. B. 1,2 bis 4.

Bild 6-3: Schweißerhelferbrille mit genormtem Schweißerschutzfilter

Bild 6-3: Schweißerhelferbrille mit genormtem Schweißerschutzfilter

6.2 Hautschutz

Nicht nur das Auge, sondern auch die Haut des Schweißers muss vor Ultraviolettstrahlen geschützt werden. Sie verbrennt sonst wie beim Sonnenbrand. Die Hände sind durch Lederstulpenhandschuhe geschützt. Für den Körper reicht meist der normale Arbeitsanzug mit Lederschürze. Ungeschützte Körperteile dürfen nicht zugelassen werden. Das bedeutet: Selbst dann, wenn es warm ist, dürfen Ärmel beim Schweißen nicht aufgekrempelt werden.

Bei besonders intensiven Lichtbögen, z. B. bei der Verwendung hoher Stromstärken, wird ein zusätzlicher Schutz des Nackens, beispielsweise durch ein Nackenleder, erforderlich; denn durch Reflexion der Strahlung können auch nicht der Strahlung ausgesetzte Körperteile geschädigt werden. Starke Reflexionen treten beim Schweißen metallisch blanker Werkstücke auf, z. B. in Aluminiumbehältern.

Expositionsgrenzwerte für ungeschützte Körperflächen gegenüber künstlicher optischer Strahlung finden sich im Anhang I der Richtlinie 2006/25/EG.

Siehe auch OStrV (Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung).

6.3 Schutz der Umgebung

Die Arbeitsplätze sind möglichst so abzuschirmen, dass auch weitere Personen, z. B. Kranfahrer, gegen die Einwirkung der Strahlung geschützt sind. Hierzu bieten sich, je nachdem, ob der Arbeitsplatz ortsfest ist oder ob z. B. große, schwere Werkstücke zu schweißen sind, Wände, Stellwände oder Vorhänge an. Geeignet sind auch lichtdurchlässige Abschirmungen nach DIN EN 1598. Auch kleine unmittelbar an der Schweißstelle aufgestellte Schutzbleche haben sich gut bewährt. Solche Begrenzungen sollten möglichst wenig Strahlen reflektieren.

In unmittelbarer Nähe ortsfester Arbeitsplätze sollen die Wände nicht hellfarbig und glänzend sein. Gut geeignet sind rohe Ziegelwände. Über die Reflexionseigenschaften von Anstrichstoffen sind die Farbenhersteller zu befragen. Ungeeignet sind Kalkanstriche, weil sie die Strahlen stark reflektieren.

Ständige Schweißerarbeitsplätze sind mit dem Warnhinweis (W09) zu versehen (Bild 6-4).

Bild 6-4: Warnung vor optischer Strahlung (W09)

Bild 6-4: Warnung vor optischer Strahlung (W09)

Wird in Hallen häufig an verschiedenen Stellen geschweißt, reicht ein Warnschild am Hallenzugang aus.

Da die Intensität der Strahlung mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, können an nicht ortsgebundenen Arbeitsplätzen bei geringer Expositionszeit bereits einige Meter Abstand vom Schweißplatz ausreichen.

 

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