BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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10 Gase

Schutzgase oder Schutzgasgemische werden beim Schweißen eingesetzt, um den Nahtbereich vor Luftzutritt zu schützen und/oder eine aktivierende Wirkung im Schweißbereich auszuüben (Bild 10-1). Eine weitere Aufgabe kann der Wurzelschutz (Formiergas) beim Schweißen sein.

Verfahren Ar He CO2 H2 N2 O2 Luft
WIG/MIG X X          
MAG X X X     X  
Wurzelschutz/Formiergas X     X X    
Plasmaschweißen X X   X      
Plasmaschneiden X     X X   X
Sauerstoffschneiden           X  
Druckluftschneiden             X
Lichtbogenspritzen             X
Plasmaspritzen X X   X X    

Bild 10-1: Gase, die bei Lichtbogen-Verfahren verwendet werden

Gase, die wesentlich schwerer als Luft sind, z. B. Argon (1,4-mal), Formiergas und Kohlendioxid (1,5-mal), können in Vertiefungen oder engen Räumen (Behältern) zur Verdrängung der Atemluft führen.

Stickstoff (N2) ist etwas leichter als Luft und wird in Mischung mit Wasserstoff als Formiergas zum Wurzelschutz benötigt.

Wasserstoff (H2) ist viel leichter als Luft und kann zu Bränden und Explosionen führen. Formiergas mit mehr als 10 % H2 muss gefahrlos abgeführt oder abgefackelt werden.

Werden zum Spülen von Behältern Formiergase mit mehr als 4 % H2 verwendet, kann sich im Behälter ein explosionsfähiges Gemisch bilden, solange der O2-Gehalt durch unvollständiges Spülen oder unkontrollierten Lufteintritt, z. B. durch Nahtspalte, nicht unter 4 % gesunken ist. Um Schäden zu vermeiden, ist es daher zweckmäßig, den O2-Gehalt im Behälter vor Schweißbeginn festzustellen.

Sauerstoff (O2) fördert die Verbrennung und führt schon bei geringer Anreicherung in der Luft zum Sinken der Zündtemperatur, zu einer gefährlichen Beschleunigung von Verbrennungsvorgängen und macht selbst schwer entflammbare Stoffe leicht entzündlich.

Gasführende Teile und Lichtbogenbrenner müssen bei Arbeitsunterbrechungen, wie z. B. Frühstückspause, Mittagspause und Schichtwechsel, aus Vertiefungen, Behältern oder engen Räumen entfernt werden, um gefährliche Ansammlungen von Schutz- und Plasmagasen sicher zu vermeiden.

Die Gasversorgung besteht aus Gasflaschen mit Druckminderern nach DIN EN 585, Überdruckmessgeräten nach DIN EN 562 und Gasschläuchen nach DIN EN 559. Anstelle des Hinterdruckmessgerätes kann ein Mengenmesser verwendet werden.

Gasschläuche für Brenngase sind für mindestens 20 bar zulässigen Betriebsüberdruck, Gasschläuche für nichtbrennbare Schutzgase für mindestens 10 bar zulässigen Betriebsüberdruck ausgelegt.

Um Verwechselungen brennbarer und nichtbrennbarer Gase auszuschließen, dienen für den Anschluss von Flaschendruckminderern am Flaschenventil und für Schlauchanschlüsse nach DIN EN 560:

  • Linksgewinde für Wasserstoff (brennbares Gas)
  • Rechtsgewinde für nichtbrennbare Gase

Überdruckmessgeräte für Sauerstoff müssen deutlich erkennbar und dauerhaft mit dem Bildzeichen und der Aufschrift "Oxygen" oder dem Buchstaben "O" gekennzeichnet sein.

Die Sicherung der Schläuche gegen Abgleiten von den Schlauchtüllen erfolgt z. B. durch Schlauchschellen.

Kennfarben für die Gasart sind:

  • rot für H2 und H2-Gemische (brennbares Gas)
  • schwarz für Ar, He, CO2, Luft, N2(nicht brennbare Gase)
  • blau für O2

Leitungen und Teile, die für H2 und H2-Gemische vorgesehen sind, dürfen in Einbauräumen für elektrische Betriebsmittel nicht vorhanden sein und müssen so angeordnet sein, dass sich kein Wasserstoff im Gerät ansammeln kann.

Die Kennzeichnung von Behältern und Rohrleitungen mit Gefahrstoffen (DIN 2403) ist in der ASR A 1.3 festgelegt.

Einzelheiten zum sicheren Umgang mit Gasen und den dazu benötigten Geräten und Einrichtungen enthält die BG-Information "Gasschweißer" (BGI 554).

Bild 10-2: Farbkennzeichnung von Gasflaschen

Bild 10-2: Farbkennzeichnung von Gasflaschen

 

Webcode: M1522-53