BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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2 Welche Tätigkeiten können zu einer Gefährdung des Rückens oder der Gelenke führen?

Der Gesetzgeber hat mit dem Arbeitsschutzgesetz alle Unternehmer dazu verpflichtet, die Gefährdungen für ihre Beschäftigten im Betrieb zu ermitteln und zu beurteilen. Dies gilt auch für die Gefährdungen des Rückens und der Gelenke.

Doch welche Tätigkeiten sind für Rücken und Gelenke belastend?

Tätigkeiten mit manueller Lastenhandhabung

Lastenhandhabungen ohne technische Hilfsmittel können – bei entsprechend hoher Belastung – zu Beschwerden und Erkrankungen des Rückens und der Gelenke führen.

Lagerarbeiterin hebt Kisten.

Kindergärtnerin hebt ein Kind

Arbeiter trägt eine Stahlstütze auf einer Schulter

Zwei Männer schieben eine Mülltonne

Beispiele für das Heben, Halten, Tragen sowie Ziehen und Schieben von Lasten

Unter manueller Lastenhandhabung wird das

  • Heben, Halten, Tragen und Absetzen von Lasten, aber auch das
  • Schieben, Ziehen oder sonstige Bewegen von Lasten durch menschliche Körperkraft verstanden.

Die Lastenhandhabungsverordnung sieht im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung vor, Arbeitsplätze besonders im Hinblick auf die manuelle Handhabung von Lasten zu beurteilen und gegebenenfalls Erleichterungen dieser Arbeiten vorzunehmen. Die Verordnung enthält jedoch keine konkreten Werte darüber, wie schwer Lasten maximal sein dürfen, wenn sie gehoben, getragen oder anderweitig bewegt werden sollen. Ausnahmen gelten für werdende Mütter (§ 4 des Mutterschutzgesetzes) sowie für Kinder und vollzeitschulpflichtige Jugendliche (§ 2 der Kinderarbeitsschutzverordnung).

Tätigkeiten mit erzwungenen Körperhaltungen (Zwangshaltungen)

Zwangshaltungen am Arbeitsplatz entstehen immer dort, wo die Tätigkeit, das Arbeitsmittel oder die Gestaltung des Arbeitsplatzes den Menschen dazu zwingen, Körperhaltungen mit geringen Bewegungsmöglichkeiten über eine längere Zeit hinweg einzunehmen.

Ein Arbeiter kniet im Gepäckraum eines Flugzeugs

Ein Feuerwehrmann hebt Ausrüstung in Kopfhöhe

Ein Koch steht gebeugt an der Arbeitsplatte

Ein Gärtner bügt sich

Beispiele für Arbeiten in Zwangshaltungen

Die Belastungen für Rücken und Gelenke ergeben sich dabei z. B. durch statische Haltearbeit, extreme Gelenkwinkelstellungen oder Druckeinwirkungen.

Die am häufigsten in der Arbeitswelt vorkommenden Zwangshaltungen sind:

  • Arbeiten in starker Rumpfbeuge, z. B. Maurer, Eisenflechter,
  • Hocken, Knien, Fersensitz, Kriechen, Liegen, z. B. Bodenleger, Estrichleger, Pflasterer, Installateure,
  • Arbeiten über Schulterniveau, z. B. Maler, Putzer, Automobilmontagetätigkeiten,
  • über längere Zeitabschnitte erzwungene Sitzhaltung aufgrund der Arbeitsaufgabe bzw. Arbeitsgestaltung, z. B. Mikroskopiertätigkeiten, Uhrmacher, Qualitätskontrolle,
  • Dauerhaftes Stehen ohne wirksame Bewegungsmöglichkeit, z. B. Friseurtätigkeiten, Arbeiten im Operationssaal.

Tätigkeiten mit erhöhter Kraftanstrengung oder Krafteinwirkung

Diese Belastungen werden durch das Aufbringen bzw. das Einwirken erhöhter Kräfte geprägt. Ausgenommen hiervon sind die zuvor genannten Lastenhandhabungen.

Ein Bahnarbeiter stelt eine Weiche

Ein Fabrikarbeiterin räumt Kartons ein

Fahrt mit einem Gabelstapler

Arbeiten mit einem Winkerlschleifer

Beispiele für kraftaufwändige Tätigkeiten, repetitives Arbeiten sowie Einwirkung von Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibrationen

Typische Tätigkeitsbereiche für diese Belastungsformen sind:

  • Schwer zugängliche Arbeitsstellen, z. B. Steigen, Klettern,
  • Einsatz der Hände und Arme als Werkzeug, z. B. Klopfen, Hämmern, Drehen, Drücken,
  • Kraft-/Druckeinwirkung bei der Bedienung von Arbeitsmitteln, z. B. Bohren, Stemmen.

Tätigkeiten mit Einwirkung von Hand-Arm- oder Ganzkörpervibrationen

Tätigkeiten mit Hand-Arm-Vibrationen durch handgeführte oder handgehaltene Arbeitsma- schinen (z. B. Abbruchhämmer, Stampfer und Bohrer) oder mit Ganzkörpervibrationen (z. B. beim Fahren von Gabelstaplern, Erdbaumaschinen und Ladern) stellen eine eigene Gruppe von Belastungen dar.

Ab wann wird von einer Gefährdung gesprochen?

Der menschliche Körper ist von seiner Bestimmung her für zeitweilige Bewegung auch in ungünstigen bzw. extremen Positionen ausgelegt. Auch das Aufbringen von Kräften innerhalb seiner Möglichkeiten wurde von der Natur für den Menschen vorgesehen. Daher sagt das alleinige Vorkommen einer oder mehrerer der oben angeführten Tätigkeiten noch nichts über die Höhe der Beanspruchung und die damit verbundene Gefährdung für Rücken und Gelenke aus.

Neben dem Erkennen der belastenden Tätigkeiten ist also besonders die Höhe, die Dauer und die Häufigkeit der Belastungen zu ermitteln, um Gefährdungen für Rücken und Gelenke zu erkennen und zu beurteilen.

Darüber hinaus können individuelle Faktoren wie Alter und Geschlecht einen großen Einfluss auf die Beanspruchung haben und sollten dementsprechend in die Bewertung einbezogen werden.

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