BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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5 Was ist beim Umgang mit Leitern und Tritten zu beachten?

5.1 Allgemeines

Das Arbeiten von Leitern ist erfahrungsgemäß gefährlicher als von anderen Arbeitsmitteln aus.

Jeder Beschäftigte, der Leitern und Tritte benutzt, trägt eine Mitwirkungspflicht für Sicherheit und Gesundheitsschutz.

Die Verhaltensmaßnahmen bei der Benutzung von tragbaren Leitern ergeben sich auch aus der auf der Leiter angebrachten Benutzungsanleitung in Form von Piktogrammen.

Piktogramme

Bild 42: Piktogramme

5.2 Bauartunabhängige Hinweise zur bestimmungsgemäßen Benutzung

  • Bei Arbeiten von Leitern aus muss ein sicheres Festhalten und Stehen möglich sein.
Dieser Methode können bei Verwendung geeigneter Leitern gleichgestellt sein:
  • Stehen mit mindestens einem Fuß auf der Plattform einer Stufenstehleiter bei gleichzeitigem Anlehnen an der Haltevorrichtung.
  • Stehen in Grätschstellung auf einer beidseitig besteigbaren Stehleiter, wobei der Benutzer auf den jeweils drittobersten Sprossen/Stufen steht und Knieschluss mit der Leiter hält.
  • Stehen mit beiden Füßen auf den Sprossen/Stufen der Anlegeleiter bei gleichzeitigem Anlehnen mit dem Körper oder Körperteilen an höhergelegene Sprossen. Der Körperschwerpunkt liegt dabei stets zwischen beiden Leiterholmen.
Sicherer Stand auf der Stehleiter mit Plattform

Bild 43: Sicherer Stand auf der Stehleiter mit Plattform

Sicherer Stand bei Über-Kopf-Arbeiten

Bild 44: Sicherer Stand bei Über-Kopf-Arbeiten

Sicherer Stand auf der Anlege-/Schiebeleiter

Bild 45: Sicherer Stand auf der Anlege-/Schiebeleiter

  • Die sichere Benutzung von Leitern und Tritten sollte durch den Transport von Arbeitsmitteln und Materialien nicht wesentlich eingeschränkt werden.
Zum Transport von Arbeitsmitteln haben sich umhängbare Werkzeugtaschen, -gürtel oder -schürzen bewährt.
Es sollte darauf geachtet werden, dass keine Gegenstände mit einem Gewicht von mehr als 10 kg transportiert werden. Deren Windangriffsfläche sollte 1 m² nicht übersteigen.
  • Es sollten keine Stoffe und Geräte benutzt werden, von denen zusätzliche Gefahren ausgehen.
Beispiele hierfür sind:
  • heiße oder ätzende flüssige Stoffe,
  • Geräte mit erheblicher Krafteinwirkung auf den Benutzer.
  • Leitern und Tritte sind nur mit max. 150 kg zu belasten.
     
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  • Steigschenkel von Leitern und Tritten nur von einer Person betreten.
     
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  • Leitern und Tritte sind nur mit geeignetem Schuhwerk zu besteigen.
Geeignet sind z.B. geschlossene Schuhe; offenes Schuhwerk ohne Fersenriemen ist nicht geeignet.
  • Für die vorgesehene Tätigkeit sind bereitgestellte Leitern und Tritte und gegebenenfalls erforderliches Zubehör zu benutzen.
Ungeeignet als Aufstieg sind z.B. Hocker, Stühle, Tische, Getränkekisten, Fässer, Regale.
  • Leitern und Tritte sind vor der Benutzung durch den Benutzer auf ordnungsgemäßen Zustand zu überprüfen. Mängel sind dem Vorgesetzten zu melden. Mit Mängeln behaftete Leitern und Tritte dürfen nicht benutzt werden.
Dies gilt besonders bei der Benutzung betriebsfremder Leitern und Tritte.
  • Leitern sind sicher zu transportieren.
Zum sicheren Transport gehört z.B., dass lange Leitern vor dem Transport zusammengeschoben bzw. -geklappt werden.
  • Leitern auf Verkehrswegen sind gegen unbeabsichtigtes Umstoßen zu sichern.
Geeignete Sicherungsmaßnahmen sind z.B. Aufstellen von Warnposten, Absperrungen oder Abschrankungen.
  • Beim Arbeiten auf der Leiter sollen sich Benutzer nicht hinauslehnen.
     
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Seitliches Hinauslehnen kann zum Umkippen der Leiter führen und ist häufig die Ursache für Unfälle mit schweren Verletzungen. Deshalb sollte der Körperschwerpunkt zwischen den Leiterholmen liegen.
  • Leitern und Tritte auf ebenem und tragfähigem Untergrund aufstellen.
     
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Ungeeignet sind z.B. Kisten, einzelne Ziegelsteine oder Steinstapel, Tische, lose Unterlagen.
  • Leitern sollten nicht bei Witterungsbedingungen benutzt werden, die eine zusätzliche Gefährdung hervorrufen.
     
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Zusätzliche Gefährdungen sind z.B. starker oder böiger Wind, Vereisung oder Schneeglätte.

5.3 Bauartbedingte Hinweise zur bestimmungsgemäßen Benutzung

  • Anlege-, Schiebe- und Mehrzweckleitern nur an sichere Flächen anlegen.
     
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Unsichere Anlegestellen sind z.B. Glasscheiben, Spanndrähte, Masten, Stangen, unverschlossene Türen.
  • Anlege-, Schiebe- und Mehrzweckleitern mit Sprossen unter einem Winkel von 65° bis 75° zur Waagerechten anlegen.
     
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Zu flaches Anlegen kann zum Wegrutschen, zu steiles Anlegen zum Umkippen führen.

Der einfachen Bestimmung des richtigen Anlegewinkels dient die so genannte Ellenbogenmethode.

Richtiger Anlegewinkel

Bild 46: Richtiger Anlegewinkel

  • Stufenanlegeleitern so anlegen, dass die Stufen waagerecht stehen.
  • Bei Anlege- und Schiebeleitern die obersten drei Stufen/Sprossen nicht betreten.
     
    Symbol 8
Beim Betreten der obersten drei Stufen/ Sprossen fehlt nicht nur die Haltemöglichkeit, sondern es besteht auch die erhöhte Gefahr des Wegrutschens.
  • Bei Stehleitern mit aufgesetzter Schiebeleiter dürfen die oberen vier Sprossen des Schiebeleiterteiles nicht bestiegen werden.
Der obere Teil des Leiterschenkels dient nur dem Festhalten. Beim Besteigen der oberen Sprossen besteht Kippgefahr.
  • Anlege-, Schiebe- und Mehrzweckleitern sind zum Übersteigen geeignet, wenn sie mindestens einen Meter überstehen oder bauseits Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind. Um das Verrutschen zu vermeiden, sollten Einhakvorrichtungen verwendet werden (siehe Bild 30).
     
    Symbol 9
  • Anlege-, Schiebe- und Mehrzweckleitern auf Erdboden, Grasflächen oder sonstigem nachgiebigen Untergrund möglichst mit Stahlspitzen aufstellen.
     
    Symbol 10
  • Die Sperrbolzen höhenverstellbarer Leitern ("Teleskopleitern") müssen vollständig in die Sprossenlöcher eingeschoben sein.
Teleskopleiter-Sperrbolzen

Bild 47: Teleskopleiter-Sperrbolzen

Bei der Benutzung von höhenverstellbaren Leitern (Schiebe-, Mehrzweck- und Stehleitern) müssen die Fallhakensicherungen eingelegt sein.
Symbol 11
  • Stehleitern ohne Haltevorrichtung nur bis zur jeweils drittobersten Sprosse/Stufe betreten.
     
    Symbol 12
Die beiden oberen Stufen-/Sprossenpaare dienen dem Anlehnen und ermöglichen so einen sicheren Stand auch ohne separate Haltevorrichtung.
  • Stehleitern dürfen nur mit gespannten Spreizsicherungen benutzt werden.
     
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  • Stehleitern dürfen nicht als Anlegeleitern benutzt werden.
     
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Auf Grund der Formgebung der Leiterfüße können Stehleitern nicht die erforderliche Rutschhemmung aufweisen.
Beim Betreten der untersten Stufe/Sprosse kommt es zur Überlastung der Gelenke. Dabei kann die Leiter nach hinten abkippen.
  • Von Stehleitern oder Mehrzweckleitern in der Gebrauchsstellung
    „Stehleiter" bzw. „Stehleiter mit aufgesetzter Schiebeleiter" nicht auf hochgelegene Arbeitsplätze oder Einrichtungen übersteigen.
     
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Beim Übersteigen besteht erhöhte seitliche Kippgefahr.
  • Bei fahrbaren Stehleitern die druckfesten Spreizsicherungen einlegen.
    Sind bei Stehleitern mit aufgesetzter Schiebeleiter druckfeste Aussteifungen vorhanden, gehört auch hier das Einlegen zur bestimmungsgemäßen Verwendung.
     
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Die druckfesten Spreizsicherungen verhindern das "Wandern" des Steigschenkels, wenn das aufgesetzte Schiebeteil (Oberleiter) betreten wird. Sie dürfen nicht als Ablage verwendet oder betreten werden.
  • Fahrbare Steh- und Podestleitern gegen unbeabsichtigtes Verfahren sichern.

Sicherung durch „Betätigen" der Feststellbremse

Feststellbare Fahrrolle

Bild 48: Feststellbare Fahrrolle

„Automatische" Sicherung durch die Belastung beim Betreten

Federgelagerte Fahrrolle

Bild 49: Federgelagerte Fahrrolle

  • Einteilige Mehrzweckleitern mit Gelenken erst benutzen, wenn sich alle Gelenke in Sperrstellung befinden.
Sperrstellung der Gelenke

Bild 50: Sperrstellung der Gelenke

Die Sperrstellung der Gelenke ist erkennbar, z.B. durch Sperrbolzen mit "Offen-Geschlossen" Markierung, z.B. „O – C" oder „O – I".
  • Hängeleitern so gegen unbeabsichtigtes Aushängen sichern, befestigen und abspannen, dass sie nicht verrutschen oder in Pendelbewegungen geraten können.
  • Dachdeckerauflegeleitern mit der Sprosse mittig in Sicherheitsdachhaken einhängen (siehe Bild 20).

Dachdeckerauflegeleitern nicht

  • als Anlegeleiter verwenden
  • mit der obersten Sprosse einhängen,
  • in die Dachrinne stellen,
  • bei Dachneigungen von mehr als 75° benutzen,
  • mit deckendem Anstrich versehen.

5.4 Transport und Lagerung von Leitern und Tritten

Leitern und Tritte sollten so transportiert werden, dass keine Personen gefährdet werden.

Schwere oder sperrige Leitern, z.B. mehrteilige Schiebleitern, sollten aus ergonomischen Gründen von mehr als einer Person getragen werden. Wenn möglich, sollten Transportmittel, z.B. Transportrollen, benutzt werden.

Beim Transport von Leitern und Tritten auf Fahrzeugen sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht beschädigt werden.

Leitern und Tritte sollten gegen schädigende Einwirkungen geschützt gelagert werden.

Schäden können je nach Werkstoff, z.B. durch Witterungseinflüsse, sonstige Feuchtigkeits- und Temperatureinflüsse, Säure- und Laugeneinwirkungen, eintreten.

 

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