BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Schutzmaßnahmen gegen Absturz

4.1 Verkehrswege

Verkehrswege auf Bau-/Montagestellen müssen jederzeit sicher begehbar sein.

Üblicherweise werden Verkehrswege mit Absturzgefahr durch einen dreiteiligen Seitenschutz gesichert. Nur in Ausnahmefällen, bei gering frequentierten Verkehrswegen, sind andere Schutzmaßnahmen entsprechend Abb. 1-3 „Rangfolge der Schutzmaßnahmen“ einsetzbar.

Die Höhen, ab denen Verkehrswege auf Baustellen gegen Absturz gesichert werden müssen, gehen aus Abb. 1-2 „Absturzhöhen, ab denen Maßnahmen gegen Absturz eingesetzt werden müssen“ hervor. Weitere Informationen bieten die Unfallverhütungsvorschrift „Bauarbeiten “ (BGV/GUV-V C22) sowie die technische Regel zur Arbeitsstättenverordnung "Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen “ (ASR A2.1).

4.1.1 Aufstiege allgemein

Die Einsatzmöglichkeiten von Aufstiegen zu hochgelegenen Arbeitsplätzen zeigt Abb. 4-1.

Grundsätzlich sollen Aufstiege zu Arbeitsplätzen auf Bau-/Montagestellen als Treppen oder Laufstege ausgeführt sein. Zum Einsatz kommen z. B.:

  • Treppen in baulichen Anlagen, z. B. Treppenhäuser
    oder
  • Treppen in oder an Gerüsten bzw. Treppentürme

Sind Treppen aus Rosten konstruktiv vorgesehen, müssen sie dem Baufortschritt folgend eingebaut werden, um einen sicheren Aufstieg zur nächsten Ebene zu gewährleisten.

Nähere Ausführungen zu Treppen siehe Information „Treppen“ (BGI/GUV-I 561), zu Treppenleitern DIN EN ISO 14122-3 „Sicherheit von Maschinen – Ortsfeste Zugänge zu maschinellen Anlagen – Teil 3: Treppen, Treppenleitern und Geländer“.

4.1.2 Leitern als Aufstiege

Anlegeleitern dürfen als Aufstiege nur verwendet werden, wenn

  • der zu überbrückende Höhenunterschied nicht mehr als 5,0 m beträgt (wird die Leiter nur sehr selten benutzt, sind größere Höhen möglich),
  • die Benutzungsdauer und die Gefährdung gering sind,
  • die Leitern in Gerüsten als Gerüstinnenleitern eingebaut werden, die nicht mehr als zwei Gerüstlagen, bei einem Systemabstand von 2,0 m, miteinander verbinden,
  • es aufgrund der Gerüstkonstruktion oder der baulichen Gegebenheiten nicht möglich ist, innerhalb des Gerüstes liegende Leitergänge zu verwenden. Anlegeleitern können hier bis zu einer Aufstiegshöhe von 5,0 m eingesetzt werden,
  • sie mindestens 1,0 m über die Austrittsstelle hinausragen, sofern keine anderen geeigneten Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind (Abb. 4-2),
  • durch das Mitführen von Werkzeugen und Materialien der sichere Kontakt zur Leiter und deren Standsicherheit nicht beeinträchtigt wird.

Einsatzmöglichkeiten verschiedener Aufstiege

Abb. 4-1 Einsatzmöglichkeiten verschiedener Aufstiege

Sichere Aufstellung einer Anlegeleiter

Abb. 4-2 Sichere Aufstellung einer Anlegeleiter

4.2 Arbeitsplätze

Absturzgefahren bestehen insbesondere

  • am Außenrand der Bühnen,
  • an den Verlegekanten ins Gebäudeinnere und
  • an Öffnungen.

4.2.1 Absturzsicherungen an den Außenrändern

Vor Montage der Roste müssen die bauseits bleibenden Geländer an den Bühnenaußenrändern bereits angebracht sein.

Als weitere Schutzmaßnahmen eignen sich für die Rostmontage

  • temporärer Seitenschutz (Abb. 4-3),
  • Randsicherungen (Abb. 4-4 und 4-5),
  • Fanggerüste (Abb. 4-6 und 4-7) und
  • Absperrungen (Abb. 4-8).

Temporären Seitenschutz bieten einschlägige Hersteller an. Dieser ist von einem gegen Absturz gesicherten Arbeitsplatz, z. B. mit einer fahrbaren Hubarbeitsbühne, zu montieren.

Beispiel eines temporären Seitenschutzes

Abb. 4-3 Beispiel eines temporären Seitenschutzes

Randsicherungen bestehen aus am Gebäude befestigten Konstruktionen, in die Schutznetze eingehängt werden (Abb. 4-4 und 4-5). Die Montage der Randsicherungen sollten nur Fachfirmen ausführen.

Der Abstand der Randsicherungspfosten darf max. 10,0 m betragen. Öffnungen dürfen nicht größer als 0,3 m sein.

Randsicherungen

Abb. 4-4 Randsicherungen (siehe Information „Sicherheit von Seitenschutz, Randsicherungen und Dachschutzwänden als Absturzsicherungen bei Bauarbeiten “ [BGI 807])

Randsicherung mit Schutznetzen

Abb. 4-5 Randsicherung mit Schutznetzen

Fanggerüste sind in der DIN 4420 Teil 1 „Schutzgerüste – Leistungsanforderungen, Entwurf, Konstruktion und Bemessung“ geregelt. Es ist darauf zu achten, dass der senkrechte Abstand zwischen Absturzkante und Belagfläche 2,0 m nicht übersteigen darf. Die Breite w der Fanglage muss bei Einsatz eines Seitenschutzes mindestens 0,9 m betragen. Bei Verwendung von Schutzwänden kann die Breite b auf 0,7 m reduziert werden (Abb. 4-6 und 4-7).

Abmessungen eines Fanggerüstes

Abb. 4-6 Abmessungen eines Fanggerüstes (siehe Information „Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeits- und Schutzgerüsten “ [BGI/GUV-I 663])

Fanggerüst mit Schutzwand

Abb. 4-7 Fanggerüst mit Schutzwand (siehe Information „Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeits- und Schutzgerüsten “ [BGI/GUV-I 663])

Absperrungen durch Seile, Ketten usw. müssen mindestens einen Abstand von 2,0 m zur Absturzkante haben (Abb. 4-8). Auf Absturzsicherung an der Bühnenkante kann dann verzichtet werden. Im deutlich gekennzeichneten Absturzbereich dürfen sich keine Personen ungesichert aufhalten. Die Verwendung von Flatterband (Trassierband) ist als Absperrung nicht zulässig, weil es durch die geringe mechanische Festigkeit leicht zerreißt.

Abb. 4-8 Im sicheren Abstand zur Absturzkante (größer 2,0 m) abgesperrte Gitterrostbühne

4.2.2 Maßnahmen gegen Absturz ins Gebäudeinnere

Roste sind grundsätzlich sofort nach dem Verlegen an der Unterkonstruktion zu befestigen, damit sie bei Belastung, z. B. beim Begehen während der Montage, nicht vom Auflager abrutschen. Dazu gehört auch das Umbiegen der Blechlappen bei Sicherheitsbefestigungen (siehe BGI/GUV-I 588-1, Abb. 14d und 14e ).
Ist eine sofortige Befestigung nicht möglich, sind diese Flächen abzusperren.

Einsatz von Auffangnetzen
Bei der Montage von Rosten haben sich Auffangnetze als Schutzmaßnahme bewährt. Sie verhindern zwar nicht den Sturz, fangen aber Personen sicher auf, sodass schwerere Verletzungen vermieden werden (Abb. 4-9).

Einsatz eines Schutznetzes zur Montage von Rosten

Abb. 4-9 Einsatz eines Schutznetzes zur Montage von Rosten

Schutznetze des Typs S, großflächig verspannt, stellen eine wirksame Auffangeinrichtung gegen Absturz an der Verlegekante dar (Abb. 4-11). Unter Öffnungen verspannt dienen sie auch dort als Absturzsicherung.

Beim Einsatz von Schutznetzen ist u. a. Folgendes zu beachten:

  • Einhaltung der Vorgaben des Schutznetzherstellers
  • ausreichende Tragfähigkeit der Bauwerkskonstruktion (sichere Aufnahme der Kräfte in Folge eines Sturzes in das Netz)
  • Beachtung einer möglichst geringen Fallhöhe in das Netz
  • Vermeidung eines Kontaktes zum Boden bzw. zu Anlagenteilen beim Sturz in das Netz (Abb. 4-10)
  • Vermeidung der Gefährdung von Personen unterhalb des Schutznetzes (z. B. im Verkehrsbereich)
  • Gewährleistung eines möglichst geringen Netzdurchhangs durch straffes Verspannen
  • Berücksichtigung ausreichender Fangbreiten (Überstand des Netzes über die Absturzkante)

Verformung eines Auffangnetzes

Abb. 4-10 Verformung eines Auffangnetzes

I = Spannweite des Schutznetzes
h = lotrechter Abstand zwischen Absturzkante und Aufhängepunkt des Schutznetzes
H = lotrechter Abstand zwischen Absturzkante und Auftrefffläche im Schutznetz
f0 = Verformung infolge Eigenlast des Schutznetzes
fmax = größte Verformung des Schutznetzes
fges = gesamter Freiraum unter dem Netz
S = Freiraum für eventuelle Verkehrswege oder Einbauten

Ein Berechnungsbeispiel zum Aufhängen der Schutznetze unter Berücksichtigung des erforderlichen Freiraumes ist im Anhang 6 aufgeführt. Dieses zeigt, dass auch bei geringen Bühnenhöhen Schutznetze als Absturzsicherungen verwendet werden können.

Montage von Auffangnetzen
Die Netzmontage sollte durch eine fachkundige Firma mit dafür besonders qualifiziertem Personal durchgeführt werden. Diese benötigt vom Rostverleger Angaben, wo die Roste aufliegen und wo keine Netzbefestigung angebracht werden darf.

Der horizontale Abstand zwischen Netz und Absturzkante beträgt maximal 0,3 m. Der Abstand zwischen den Aufhängepunkten darf 2,5 m nicht überschreiten (Abb. 4-11).

Der Netzverleger überprüft die Schutznetze vor jedem Einsatz auf den ordnungsgemäßen Zustand. Die regelmäßige Prüfung erfolgt jährlich durch den Hersteller der Netze (Abb. 4-12). Der Nachweis der Prüfung ist am Netz angebracht (Abb. 4-13).

Befestigung eines Auffangnetzes

Abb. 4-11 Befestigung eines Auffangnetzes

Prüffäden und Kennzeichnung

Abb. 4-12 Prüffäden und Kennzeichnung

Kennzeichnung mit Prüfnachweis

Abb. 4-13 Kennzeichnung mit Prüfnachweis

Auch der Rostverleger hat auf den ordnungsgemäßen Zustand der Schutznetze zu achten. Stellt er Mängel am Netz oder Zubehör fest, wie

  • Beschädigung der Maschen (Abb. 4-14),
  • Beschädigung eines Randseiles,
  • Garnrisse oder bleibende Verformungen, z. B. an Einhängehaken,

muss eine befähigte Person, z. B. des Netzverlegers, über den weiteren Einsatz entscheiden. Dies trifft ebenfalls zu, wenn Schutznetze durch Auffangen von Personen oder Herabfallen von Gegenständen beansprucht wurden.

Beschädigte Maschen; Reparatur des Netzes ist so 
nicht zulässig

Abb. 4-14 Beschädigte Maschen; Reparatur des Netzes ist so nicht zulässig

Schutzmaßnahmen bei Bodenöffnungen
Bei der Planung der Arbeiten ist zu berücksichtigen, dass auch nach Beendigung der Verlegung der Roste die Sicherungsmaßnahmen gegen Absturz für nachfolgende Gewerke wirksam bleiben.

Öffnungen sind grundsätzlich unverschiebbar und ausreichend tragfähig abzudecken (Abb. 4-15) oder durch Umwehrungen zu sichern.

Nicht vollständig geschlossene Bühnenöffnung

Abb. 4-15 Nicht vollständig geschlossene Bühnenöffnung

4.2.3 Einsatz von PSA gegen Absturz (Anseilschutz)

Der Einsatz von Anseilschutz als persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz stellt im Regelfall für die Montage von Rosten eine ungeeignete Schutzmaßnahme dar. PSA gegen Absturz behindert in vielen Fällen die Beschäftigten beim Verlegen.

Der Einsatz von PSA gegen Absturz ist z. B. gerechtfertigt, wenn der Freiraum unterhalb der Bühne keinen Netzeinsatz zulässt oder wenn die Montage nur kurze Zeit in Anspruch nimmt und nur wenige Teile zu montieren bzw. demontieren sind.

Anforderungen über den Einsatz von PSA gegen Absturz siehe Regel „Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz “ (BGR/GUV-R 198)

Achtung: Für den Fall des Sturzes in ein Auffangsystem ist durch geeignete Maßnahmen innerhalb weniger Minuten eine Rettung zu gewährleisten.

Weiter sind folgende Gesichtspunkte u. a. zu beachten:

  • Anschlagpunkt möglichst senkrecht über dem Benutzer von PSA gegen Absturz
  • Tragfähigkeit des Anschlagpunktes beträgt min. 7,5 kN
  • Verwendung von Höhensicherungsgeräten statt verstellbarer Seilkürzer (Abb. 4-16)
    An und über Wasser oder anderen Stoffen, in die man versinken kann, sind Systeme mit Höhensicherungsgeräten nicht erlaubt.
  • Unterweisung mit Übungen der Benutzer
  • Durchführung regelmäßiger Prüfungen gemäß Betriebsanleitung

PSA gegen Absturz mit Höhensicherungsgerät

Abb. 4-16 PSA gegen Absturz mit Höhensicherungsgerät

4.2.4 Einsatz von fahrbaren Arbeitsbühnen

In seltenen Fällen und nur für Rostmontagen in geringer Höhe und geringen Umfangs kommen fahrbare Arbeitsbühnen (auch Rollgerüst oder Schnellbaugerüst genannt) zum Einsatz (Abb. 4-17). Dabei sind insbesondere folgende Punkte zu beachten:

  • Beim Aufbau:
    • Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers beachten
    • Bodenbeschaffenheit und Untergrund prüfen
    • Aufbauhöhe max. 8,0 m im Freien (bzw. nach Angabe des Herstellers)
    • wenn erforderlich, Verbreiterungen und Ballastierungsgewichte entsprechend der Aufbauhöhe und Angaben des Herstellers einsetzen
    • Bauteile gegen unbeabsichtigtes Ausheben sichern
  • Bei der Benutzung:
    • nur innen liegende Aufstiege benutzen
    • nicht gleichzeitig auf mehreren Ebenen arbeiten
    • keine Hebezeuge (z. B. Winden) anbringen (Überlastung)
    • Fahrrollen feststellen
    • niemals die Bühne mit Personen verfahren

Korrekt aufgebaute fahrbare Arbeitsbühne

Abb. 4-17 Korrekt aufgebaute fahrbare Arbeitsbühne

4.2.5 Einsatz von fahrbaren Hubarbeitsbühnen (FHAB)

Fahrbare Hubarbeitsbühnen werden bei der Montage von Rosten nur selten eingesetzt. Sie eignen sich besonders für Arbeiten in großen Höhen mit häufig wechselnden Einsatzorten. Der Einsatz von Hubarbeitsbühnen ist mit Gefährdungen verbunden, wenn sie nicht bestimmungsgemäß benutzt werden.

Daher sind mindestens folgende Punkte zu beachten:

  • nur qualifiziertes, unterwiesenes und schriftlich beauftragtes Bedienpersonal einsetzen (siehe Anhang 5 )
  • tragfähigen Boden gewährleisten (z. B. Überdecken von Bodenöffnungen, Verwenden von Unterlegtellern unter den Abstützungen)
  • nicht aus dem Arbeitskorb auf Konstruktions- oder Gebäudeteile übersteigen
  • nicht auf den Seitenschutz steigen, um eine größere Reichhöhe zu erlangen
  • mögliche Gefährdungen durch oder für andere Gewerke ausschließen und
  • zulässige Gesamtbelastung nicht überschreiten, z. B. durch Mitführen von Rosten (Arbeitsdiagramm der FHAB beachten, s. Abb. 4-18)
    Fahrbare Hubarbeitsbühnen sind in erster Linie ein Personentransportmittel und kein Kranersatz!

Weitere Ausführungen zu fahrbaren Hubarbeitsbühnen siehe Information „Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen“ (BGI 720) und Grundsatz „Ausbildung und Beauftragung der Bediener von Hubarbeitsbühnen“ (BGG/GUV-G 966).

Arbeitsdiagramm einer fahrbaren Hubarbeitsbühne

Abb. 4-18 Arbeitsdiagramm einer fahrbaren Hubarbeitsbühne

4.2.6 Maßnahmen gegen Ertrinken/Versinken

Werden Roste über oder an Stoffen montiert, in denen die Gefahr des Ertrinkens, Erstickens oder Versinkens besteht, z. B. Flüssigkeiten, Schlämme oder Schüttgüter, sind Schutzmaßnahmen gegen Absturz unabhängig von der Absturzhöhe vorzusehen.

Können keine Schutzmaßnahmen gegen Absturz ergriffen werden, sind bei Arbeiten am, auf und über dem Wasser zum Schutz gegen Ertrinken folgende PSA und Rettungsmittel bereitzuhalten und zu benutzen:

  • PSA gegen Ertrinken (z. B. Rettungswesten)
  • Rettungsringe und Beiboote (DIN EN 1914)

Bei Verwendung von PSA gegen Absturz ist darauf zu achten, dass Systeme, bestehend aus Auffanggurt und Höhensicherungsgerät, für Arbeiten über Stoffen, in die man versinken kann, ungeeignet sind. Höhensicherungsgeräte funktionieren nur bei bestimmten Auszugsgeschwindigkeiten, die beim Versinken in Stoffen nicht erreicht werden.

 

 

Webcode: M1418-6