BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Anhang 4:
Ortung von Leitungen

(Auszug aus „Kabel- und Leitungsschäden“, Informationsreihe Heft 2 und Heft 16, Institut für Bauschadensforschung e.V., Hannover, Prof. Dr. F. Wiznerowicz, Prof. Dr. K.-H. Münnich)

Mit Hilfe von Leitungssuchgeräten lassen sich vor Beginn von Erdarbeiten Verlauf und Tiefenlage von erdverlegten Leitungen und metallischen Rohrleitungen feststellen.

Prinzipiell ist zwischen der Ortung metallischer und nichtmetallischer Leitungen sowie zwischen passiven und aktiven Verfahren zu unterscheiden.

Ortung von Leitungen

Physikalische Verfahren zur elektromagnetischen Ortung von Kabeln und Leitungen

Bild 5: Physikalische Verfahren zur elektromagnetischen Ortung von Kabeln und Leitungen (Überblick)

1. Elektromagnetische Ortung metallischer Leitungen

1.1 Passives Verfahren

Fließt in einem Leiter ein elektrischer Strom I, so ist in der Umgebung des Leiters ein magnetisches Feld H vorhanden. Das Feld ist umso stärker und kann umso besser mit einem Empfänger erfasst werden, je größer der Strom ist. Mit zunehmendem Abstand vom Leiter nimmt die Feldintensität ab, und die Ortung wird schwieriger.

Magnetisches Eigenfeld eines stromdurchflossenen Leiters

Bild 6: Magnetisches Eigenfeld eines stromdurchflossenen Leiters

Der Vorteil des passiven Ortungsverfahrens besteht gerade für Tiefbaufirmen darin, dass nur eine Person mit nur einem Gerät arbeitet. Die Handhabung ist einfach und auch für elektrotechnische Laien möglich.

1.2 Aktives Verfahren

Beim aktiven Orten wird der Strom in den metallischen Leitungen mit einem speziellen Sender (Magnetisches Feld mit einer Frequenz zwischen 500 Hz und 300 kHz) erzeugt. Das magnetische Eigenfeld der Leitung wird – wie beim passiven Verfahren – mit Hilfe eines Empfängers erfasst (Bild 7 ).

Aktives Orten mit Hilfe eines Senders und eines Empfängers

Bild 7: Aktives Orten mit Hilfe eines Senders und eines Empfängers

1.3 Tiefenbestimmung

Die Tiefenbestimmung für eine im Boden verlegte Leitung lässt sich bei der aktiven Ortung mit modernen Ortungsgeräten auf Knopfdruck automatisch durchführen.

Die Aussagefähigkeit der Tiefenbestimmung wird häufig überschätzt. Wegen der stets vorhandenen Möglichkeit der Fehlinterpretation der Anzeige darf die Tiefenmessung nicht dazu verwendet werden festzulegen, wie nah an einem Leiter mit Erdbewegungsmaschinen gearbeitet werden darf.

2. Elektromagnetische Ortung nichtmetallischer Leitungen

Nichtmetallische (Rohr)Leitungen sind ohne metallische Hilfsleitungen elektromagnetisch nicht zu orten. Als Abhilfe werden detektierbare Warneinrichtungen mit eingelegten metallischen Leitern angeboten, die bei der Neuverlegung nichtmetallischer (Rohr)Leitungen in einem defi nierten Abstand mit eingegraben werden.

3. Ortung bei grabenloser Verlegung

Das grabenlose Verlegen von Kabeln und Leitungen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Vorteile dieser Verlegeart können aber nur voll ausgeschöpft werden, wenn das Bohrgerät mit einem entsprechenden Ortungssystem überwacht und ins Ziel gesteuert werden kann.

Ein solches Ortungssystem besteht aus einem Sender, der in die gängigen Bohrköpfe passt, und aus einem Empfänger, mit dem die Position des Bohrkopfes geortet werden kann. Die vom Sender zum Empfänger übermittelten Daten werden zusätzlich an der Bohranlage angezeigt. Als Daten stehen zur Verfügung: Tiefe, Neigung, Verrollung und Temperatur des Bohrkopfes (Radiodetection).

Weitergehende Informationen zum Thema „Ortung von Kabel und Rohrleitungen“ sind im Band 1 des Standardwerkes zur Schadenerkennung und Schadensvermeidung „Bauschäden im Hoch- und Tiefbau; Fraunhofer IRM Verlag, 2007; auf den Seiten 145 – 155 zusammengefasst.

 

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