BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Vorbereitung der Bauarbeiten

4.1 Einholen von Informationen

Der Auftragnehmer hat zur Vermeidung von Personen- und Sachschäden vor Beginn der Bauarbeiten zu ermitteln, ob im vorgesehenen Arbeitsbereich Leitungen vorhanden sind (siehe auch § 4 Nr. 1 ArbSchG, § 16 BGV C22 und Abschnitt 3.10 Kap. 2.12 „Betreiben von Erdbaumaschinen“ BGR 500).

Dies gilt unabhängig von der Informationspflicht des Bauherrn oder Auftraggebers (siehe auch § 4 ArbSchG, der durch die Nennung im § 2 Abs. 1 der Baustellenverordnung (BaustellV) auch für Bauherren gilt), der eindeutigen Leistungsbeschreibung (siehe z. B. § 9 der Allgemeinen Bestimmungen für die Vergabe von Bauleistungen (VOB) Teil A) und der vollständigen, geeigneten Ausführungsunterlagen (siehe z. B. § 3 VOB Teil B).

Der arbeitsausführende Unternehmer hat sich beim Auftraggeber, bei den jeweiligen Betreibern oder zuständigen Stellen über Art, Lage, Zustand und Verlauf von Leitungen zu erkundigen. Dies kann durch die Aushändigung und Erläuterung von Plänen und in verschiedenen Fällen durch eine zusätzliche Einweisung vor Ort geschehen, wobei auch die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen sind.

Zuständige Stellen können sein: Elektrizitäts-, Gas-, Fernwärme- und Wasserversorgungsunternehmen, Telekommunikationsunternehmen, private Betreiber von Versorgungsleitungen, Betreiber von Leitungen zur Versorgung von Streitkräften, Zweckverbände, Baugenehmigungsbehörden, Straßen-, Autobahnbau- oder Wasserwirtschaftsämter.

4.2 Suchen und Markieren von Leitungen

Nach der Einweisung sind durch den Unternehmer der Verlauf und möglichst die Tiefenlage aller Leitungen im Baubereich kenntlich zu machen, z. B. Oberflächenmarkierung mit Sprühfarbe, Einmessen und Setzen von Pflöcken. Dabei ist zu beachten, dass bei fehlender Kenntnis der genauen Lage der Leitungen keine Gegenstände in den Boden getrieben werden dürfen.

Um erdverlegte Leitungen leichter zu finden, können hilfreich sein:

  • Markierungspfähle oder -steine
  • Hinweisschilder für Gas- und Wasserleitungen
  • Markierungen an Hauswänden, z. B. runde gelbe Punkte, Ø 40 mm, mit Aufschrift „G“ für Gas-Hausanschlussleitungen
  • Abdeckungen von Revisions- und Kabelkontrollschächten
  • Straßenkappen für Unterflurhydranten, Ventile und Absperrarmaturen
  • Schaltschränke (EVU, Telekom)
  • Beleuchtungsmasten (Straßenlaternen)
  • Zustand der Straßenoberfläche (Ansatznähte von nachträglich verlegten Leitungen in einer Schwarzdecke, streifenweise Veränderungen im Straßenpflaster, linienförmige Setzungen)
  • Schutz- oder Warnelemente, etwa 20 bis 40 cm über der Leitung, in Form von:
    ·Trassenwarnbändern
    ·Abdeckungen mit Ziegel- oder Betonformsteinen
    ·Schutzrohren aus Stahl oder Kunststoff
  • Auffinden eines „Sandbettes“

Die genaue Position einer Leitung kann ermittelt werden:

  • durch von Hand anzulegende Suchschlitze (Suchgräben) oder
  • mit Hilfe von Leitungsortungsgeräten für metallische und nichtmetallische Leitungen (Beispiele und Verfahren siehe Anhang 4 ).
Regel-Verlegetiefe von Kabeln und Leitungen in öffentlichen Flächen (DIN 1998)

Bild 1: Regel-Verlegetiefe von Kabeln und Leitungen in öffentlichen Flächen (DIN 1998)

4.3 Festlegen von Sicherungs- und Schutzmaßnahmen

Die Arbeitsverfahren und die damit verbundenen Sicherungs- und Schutzmaßnahmen sind mit den Leitungsbetreibern abzustimmen, insbesondere bei Rohrvortriebs-, Bohr-, Spreng- und Rammarbeiten.

Elektrische Leitungen sind nach Möglichkeit immer freischalten zu lassen.

Beim Antreffen von Gasleitungen (gilt auch für stillgelegte oder vorübergehend außer Betrieb genommene) sind die erforderlichen Maßnahmen immer mit dem Betreiber abzustimmen (siehe hierzu Kap. 2.31 Abschnitt 5.2.1 BGR 500).

Erforderliche Sicherungs- und Schutzmaßnahmen:

  • Schutzabstände (vertikal und horizontal) zur Leitung
  • Sicherung der freigelegten Leitung
  • zu verwendende persönliche Schutzausrüstung
  • zu verwendendes Werkzeug (insbesondere bei Arbeiten in der Nähe von elektrischen Leitungen oder Gasleitungen)

Ermitteln der Telefonnummern von Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehr, Leitungsbetreibern (Störungsdienste) und zuständigen Behörden, z. B. Umweltamt, Wasserwirtschaftsamt, Tiefbauamt.

Vor jeder neuen Arbeitsaufgabe und bei Arbeitsaufnahme nach längerer Arbeitsunterbrechung müssen die Beschäftigten unterwiesen werden.

 

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