BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Anhang 5

Erläuterungen zu den Festlegungen des Abschnittes 3.2

Die erhöhte elektrische Gefährdung, die aus der auftretenden Körperdurchströmung im Fehlerfall resultiert, wird durch die physikalischen Randbedingungen bestimmt. Die Aussagen der Vornorm VDE 0140-479 geben hierzu nähere Angaben. Von den dort angegebenen vier Bereichen werden zur Erläuterung nur die Bereiche AC-3 und AC-4 betrachtet.

Bereich AC-3:

Normalerweise keine organischen Schäden zu erwarten. Mit zunehmender Stromstärke und Zeitdauer der Einwirkung werden reversible Störungen der Reizbildung und der Reizleitung des Herzens möglich, die auch Vorhofflimmern und vorübergehenden Herzstillstand beinhalten, jedoch nicht zu Herzkammerflimmern führen; im Bereich lang andauernder Stromeinwirkung bei Stromstärken oberhalb der Loslassgrenze kommt es zu Muskelkontraktionen und Atembeschwerden.

Bereich AC-4:

Herzkammerflimmern wahrscheinlich. Mit zunehmender Stromstärke und Dauer der Einwirkung treten pathophysiologische Auswirkungen wie Herzstillstand, Atemstillstand und schwere Verbrennungen auf, zusätzlich zu den für den Bereich AC-3 beschriebenen Auswirkungen.

Entscheidend für die Größe des Körperstroms ist die Körperimpedanz, die mit steigender Berührungsspannung abnimmt. Die Körperimpedanz ist jedoch auch abhängig von der Berührungsfläche und der Beschaffenheit der Kontaktstelle.

Unter normalen Bedingungen wird der Körperstrom Werte des Bereiches AC-4 der IEC-Publikation nicht erreichen, wenn die Abschaltung eines gefährlichen Körperstromes innerhalb von 0,2 s erfolgt.

Liegen jedoch besondere Bedingungen, z.B. niedriger Körperwiderstand aufgrund von verkürzten Stromwegen und großflächiger Berührung vor, so können Körperströme des Bereiches AC-4 erreicht werden.

Selbst bei einer schnellen Abschaltung ist Herzkammerflimmern möglich. Diese Überlegungen können als Definitionshilfe für leitfähige Bereiche mit begrenzter Bewegungsfreiheit dienen. Die Trennungslinie zwischen den Bereichen AC-3 und AC-4 liegt bei schneller Abschaltung bei Körperströmen von 500 mA. Diese Grenze wurde zur folgenden Unterteilung herangezogen:

  1. Arbeitsplätze, an denen bei Fehlern von elektrischen Betriebsmitteln nicht mit Körperströmen von mehr als 500 mA gerechnet werden muss.

  2. Arbeitsplätze, bei denen aufgrund der vorhandenen Randbedingungen mit dem Auftreten von Körperströmen von mehr als 500 mA gerechnet werden muss.

Auswahl der Maßnahmen zum Schutz gegen elektrischen Schlag unter Fehlerbedingungen bei erhöhter elektrischer Gefährdung

Unter den o. a. Kriterien sind die notwendigen Schutzmaßnahmen auszuwählen. Bei der Bewertung der Maßnahmen zum Schutz gegen elektrischen Schlag nach VDE 0100-410 können diese in zwei Gruppen eingeteilt werden:

  1. das Auftreten eines Körperstromes beim ersten Fehler wird verhindert. Hierzu zählen Kleinspannung SELV und Schutztrennung;

  2. ein gefährlicher Körperstrom wird abgeschaltet. Hierzu zählen alle Maßnahmen mit automatischer Abschaltung der Stromversorgung. Während bei Anwendung der Maßnahmen der ersten Gruppe zum Schutz gegen elektrischen Schlag im Falle des ersten Fehlers ein Körperstrom nicht auftritt, kann bei denen der zweiten Gruppe im Falle des ersten Fehlers immer ein Körperstrom bis zur Abschaltung fließen. In leitfähigen Bereichen mit begrenzter Bewegungsfreiheit nach der obigen Definition ist mit Körperströmen von mehr als 500 mA zu rechnen. In dieser Situation ist immer, auch bei schneller Abschaltung, Herzkammerflimmern zu erwarten. Deshalb bieten hier RCDs keine ausreichende Sicherheit. Es dürfen nur solche Schutzmaßnahmen bei der Benutzung von ortsveränderlichen Betriebsmitteln angewendet werden, die das Auftreten eines elektrischen Schlages im Falle des ersten Fehlers von vornherein verhindern. Dies sind Kleinspannung SELV und Schutztrennung mit einem Betriebsmittel. Schutzmaßnahmen, die durch Abschalten wirken, d. h. in erster Linie solche mit Schutzleiter, dürfen in leitfähigen Bereichen mit begrenzter Bewegungsfreiheit beim Einsatz ortsveränderlicher Betriebsmittel nicht angewendet werden.

    Liegen jedoch die Bedingungen sonstiger Räume und Bereiche mit leitfähiger Umgebung vor (mit Körperströmen über 500 mA ist nicht zu rechnen, jedoch liegt bedingt durch leitfähige Umgebung eine erhöhte elektrische Gefährdung vor), kann auch eine Schutzmaßnahme ausgewählt werden, die eine Abschaltung innerhalb von 0,2 s gewährleistet. Die hier notwendigen Anforderungen erfüllt nur die Maßnahme Schutz durch Abschaltung bei Verwendung von RCDs. Da in solchen Bereichen auch der zusätzliche Schutz durch RCDs gefordert ist, dürfen nur solche mit Bemessungsdifferenzstrom IDN £ 30 mA verwendet werden. Aufgrund der vorstehenden Überlegungen, auch unter Berücksichtigung der Anmerkungen von VDE 0100-706, wurden die Sicherheitsmaßnahmen in Abschnitt 3.2 unterteilt nach Tätigkeiten.

Beispiele für solche Tätigkeiten können sein:

  1. Arbeiten in leitfähigen Bereichen mit begrenzter Bewegungsfreiheit

    • in kleinen Kesseln, Tanks usw.
    • Montage in engen Bereichen
    • in Bohrungen und Rohrleitungen
    • in Rohrgräben


  2. Arbeiten in sonstigen leitfähigen Bereichen

    • Bewehrungen für Beton
    • auf Freileitungsgittermasten
    • im Apparatebau
    • beim Errichten von Metallkonstruktionen
    • auf Metallkonstruktionen
    • auf, an oder in leitfähigen Konstruktionen
    • an oder in Fahrzeugen
    • in Schornsteinen
    • in Schaltzellen
    • in unterirdischen Hohlräumen, z. B. Tunnel, Stollen


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