BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Maßnahmen zum Schutz gegen elektrischen Schlag

3.1

Allgemeine Anforderungen

3.1.1 Elektrische Betriebsmittel müssen nach den Festlegungen dieser BG-Information und den allgemein anerkannten Regeln der Technik bereitgestellt und benutzt werden. Abweichungen sind zulässig, wenn die gleiche Sicherheit auf andere Weise gewährleistet ist.
3.1.2 Elektrische Betriebsmittel müssen unter Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen ausgewählt werden.
  Zu berücksichtigen sind z. B. Temperatur, Feuchtigkeit, Staub, mechanische oder chemische Beanspruchung. Siehe auch BG-Information "Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600).

Elektrische Betriebsmittel sind so zu benutzen und elektrische Anlagen so zu betreiben, dass bei bestimmungsgemäßer Verwendung eine Gefährdung vermieden wird.
3.1.3 Bei Vorliegen besonderer Gefährdungen dürfen elektrische Betriebsmittel nur unter Einhaltung zusätzlicher Bestimmungen benutzt werden.
  Besondere Gefährdungen sind außer erhöhter elektrischer Gefährdung z. B. Brand- oder Explosionsgefahr.
  Zusätzliche Bestimmungen siehe auch BG-Information "Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600).

3.2


Schutzmaßnahmen

3.2.1 Schutzmaßnahmen in leitfähigen Bereichen mit begrenzter Bewegungsfreiheit
3.2.1.1 Ortsfeste elektrische Betriebsmittel sind unter Anwendung einer der folgenden Maßnahmen zu betreiben:
  • Schutzkleinspannung (SELV) nach VDE 0100-410 Abschnitt 411.1. Es dürfen nur Betriebsmittel der Schutzklasse III verwendet werden, die jedoch unabhängig von der Nennspannung mindestens der Schutzart IP 2X entsprechen müssen, d. h. isoliert oder fingersicher abgedeckt sind.

  • Schutztrennung nach VDE 0100-410 Abschnitte 413.5.1 und 413.5.2. Dabei darf jeweils nur ein Verbrauchsmittel je Sekundärwicklung eines Trenntransformators oder Motorgenerators (siehe BGI 867 Abschnitt 5.3.2) angeschlossen werden. Die Wicklungen müssen galvanisch voneinander getrennt sein.

  • Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung nach VDE 0100-410 Abschnitt 413.1. Bei Verwendung von Betriebsmitteln der Schutzklasse I sind deren Körper mit einem örtlichen zusätzlichen Potenzialausgleich nach VDE 0100-410 Abschnitt 413.1.6 zu versehen. Für die automatische Abschaltung sind Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) ohne Hilfsspannungsquelle mit IDN £ 30 mA zu verwenden.
3.2.1.2 Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel sind unter Anwendung einer der folgenden Maßnahmen zu betreiben:
  • Schutzkleinspannung (SELV) nach VDE 0100-410 Abschnitt 411.1. Es dürfen nur Betriebsmittel der Schutzklasse III verwendet werden, die jedoch unabhängig von der Nennspannung mindestens der Schutzart IP 2X entsprechen müssen, d. h. isoliert oder fingersicher abgedeckt sind.

  • Schutztrennung nach VDE 0100-410 Abschnitte 413.5.1 und 413.5.2. Dabei darf jeweils nur ein Verbrauchsmittel je Sekundärwicklung eines Trenntransformators oder Motorgenerators angeschlossen werden. Die Wicklungen müssen galvanisch voneinander getrennt sein.
Handleuchten dürfen nur mit Schutzkleinspannung (SELV) betrieben werden.
  Nach VDE 0100-706 sind Leuchtstofflampen-Leuchten mit eingebautem Transformator, der mit SELV gespeist wird und eine höhere Ausgangsspannung erzeugt, gleichermaßen zugelassen.
  Ortsveränderliche Stromquellen müssen außerhalb des leitfähigen Bereiches mit begrenzter Bewegungsfreiheit aufgestellt werden. Ist dies aus technischen Gründen nicht möglich, z. B. bei sehr langen Rohrleitungen, Kanälen, Kastenträgern usw., darf im Einzelfall die Stromquelle innerhalb des leitfähigen Bereiches mit begrenzter Bewegungsfreiheit aufgestellt werden, wenn die Zuleitung
  • geschützt verlegt (siehe Abschnitt 3.3.1 ) und vom Typ H07RN-F oder mindestens gleichwertiger Bauart ist (siehe Anhang 4 )

    und

  • über eine stationäre RCD mit IDN £ 30 mA betrieben wird.
Bei der Auswahl von ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln ist anzustreben, nur solche der Schutzklasse II zu verwenden. Ortsveränderliche Trenn- und Sicherheitstransformatoren müssen der Schutzklasse II entsprechen.
  Die Festlegungen dieses Abschnittes gelten nicht für ortsveränderliche Betriebsmittel mit eigener Stromquelle.
  Solche Betriebsmittel sind z. B. Akku-Schrauber und -Handleuchten.
3.2.2 Schutzmaßnahmen in sonstigen leitfähigen Bereichen
3.2.2.1 Ortsfeste elektrische Betriebsmittel sind unter Anwendung der Schutzmaßnahmen nach VDE 0100-410 zu betreiben.
  Es ist jedoch die Anwendung des zusätzlichen Schutzes durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) nach Abschnitt 412.5 VDE 0100-410 zu empfehlen.
  Stromkreise mit Steckvorrichtungen IN £ AC 32 A sind über RCD mit IDN £ 30 mA zu betreiben.
  Für diese Stromkreise (IN £ AC 32 A) ist auch ein IT-System mit Isolationsüberwachung zulässig.
3.2.2.2 Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel sind unter Anwendung einer der folgenden Maßnahmen zu betreiben:
  • Schutzkleinspannung (SELV) nach Abschnitt 411.1 VDE 0100-410. Es dürfen nur Betriebsmittel der Schutzklasse III verwendet werden, die jedoch unabhängig von der Nennspannung mindestens der Schutzart IP 2X entsprechen müssen, d. h. isoliert oder fingersicher abgedeckt sind.

  • Schutztrennung nach Abschnitten 413.5.1 und 413.5.3 VDE 0100-410.

  • Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung über fest installierte RCDs mit IDN £ 30 mA.
  Anmerkung: Hinter einer fest installierten RCD können zur Schutzpegelerhöhung zusätzlich PRCD verwendet werden.

3.3


Auswahl von Betriebsmitteln

3.3.1 Leitungen
  Bewegliche Leitungen müssen Gummischlauchleitungen vom Typ H07RN-F oder mindestens gleichwertiger Bauart sein.
  Zur Gleichwertigkeit von Leitungsbauarten siehe Anhang 4 .

Bei besonderen Anforderungen sind Leitungen von höherwertiger Bauart zu verwenden.
  Eine höherwertige Bauart ist z. B. eine Leitung vom Typ NSSHöu.

An Stellen, an denen Leitungen mechanisch besonders beansprucht werden können, sind sie geschützt zu verlegen.
  Leitungen gelten als geschützt verlegt, wenn sie z. B.
  • hochgehängt,
  • mit festen Materialien, z. B. Holzbohlen, abgedeckt,
  • in abgedeckten Gräben oder in Schutzrohren verlegt sind.
3.3.2 Leitungsroller
  Leitungsroller müssen mit Leitungen nach Abschnitt 3.3.1 ausgerüstet und nach den Festlegungen für schutzisolierte Betriebsmittel gebaut sein.
  "Nach den Festlegungen für schutzisolierte Betriebsmittel gebaut" bedeutet, dass
  • Konstruktionsteile, in denen sich elektrische Betriebsmittel, z. B. Steckvorrichtungen, Thermoschalter, Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) befinden, von anderen elektrisch leitfähigen Konstruktionsteilen doppelt oder verstärkt isoliert sind

    und

  • elektrisch leitende Verbindungen zwischen dem Schutzleiter der Steckvorrichtungen und anderen elektrisch leitfähigen Konstruktionsteilen nicht vorhanden sind.
Tragegriff, Kurbelgriff und Trommelgehäuse müssen aus Isolierstoff bestehen oder mit Isolierstoff umhüllt sein.
  Damit soll verhindert werden, dass eine gefährliche Berührungsspannung von einer möglicherweise beschädigten Leitung auf diese Konstruktionsteile übertragen wird.

Leitungsroller müssen mit einer Überhitzungs-Schutzeinrichtung ausgerüstet sein. Bei Anschluss von Betriebsmitteln mit zusammen mehr als 1000 W Leistung ist der Leitungsroller im abgewickelten Zustand zu benutzen.
  Leitungsroller müssen eine ausreichende mechanische Festigkeit für den Einsatz unter erschwerten Bedingungen aufweisen und mindestens der Schutzart IP X4 genügen.
  Einsatz unter erschwerten Bedingungen bedeutet Einsatz unter sehr hohen mechanischen Beanspruchungen oder bei sehr tiefen Temperaturen bis -25 °C.

3.3.3

Installationsmaterial
  Installationsmaterial muss nach dem Einbau mindestens der Schutzart IP X4 genügen.
  Hierzu zählen z. B. Schalter, Steckvorrichtungen, Abzweigdosen, Schaltgerätekombinationen.

Die Gehäuse von Steckvorrichtungen müssen aus Isolierstoff bestehen und eine ausreichende mechanische Festigkeit besitzen. Ortsveränderliche Steckvorrichtungen müssen für erschwerte Umgebungsbedingungen geeignet sein.
  Hinweise zur mechanischen Festigkeit siehe auch BG-Information "Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600).

Steckvorrichtungen für Schutzkleinspannung (SELV) müssen so ausgeführt sein, dass sie nicht in Steckdosen anderer Spannungssysteme eingeführt werden können.

3.3.4

Handgeführte Elektrowerkzeuge
  Handgeführte Elektrowerkzeuge müssen mindestens der Schutzart IP 2X entsprechen und mit einer Netzanschlussleitung vom Typ H07RN-F oder mindestens gleichwertiger Bauart (siehe Anhang 4 ) ausgestattet sein.
  Bis zu einer Leitungslänge von 4 m ist als Netzanschlussleitung auch Typ H05RN-F oder eine mindestens gleichwertige Bauart zulässig, soweit nicht die Normenreihe VDE 0740 die Bauart H07RN-F fordert.

3.3.5

Leuchten
3.3.5.1 Allgemeines
  Leuchten müssen VDE 0711-1 entsprechen und zusätzlich folgenden Anforderungen genügen:
  • Leuchten müssen mindestens in der Schutzart IP 23 ausgeführt sein.

  • Leuchten, die als Bodenleuchten eingesetzt werden, müssen mindestens in der Schutzart IP 55 ausgeführt sein (für Steckvorrichtungen gilt Abschnitt 3.3.3).

  • Leuchten sind entsprechend ihrer Bauart als Decken-, Wand- oder Bodenleuchten einzusetzen. Sie sind mittels zugehöriger Aufhängungen zu befestigen oder mittels geeigneter Ständer aufzustellen.

  • Als bewegliche Netzanschlussleitungen müssen Gummischlauchleitungen vom Typ H07RN-F oder mindestens gleichwertiger Bauart (siehe Anhang 4 ) verwendet werden.

  • Leuchten müssen die mechanischen Anforderungen nach BG-Information "Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600) erfüllen.

  • Bei erschwerten mechanischen Bedingungen müssen geeignete Leuchten mit entsprechender Kennzeichnung eingesetzt werden.
3.3.5.2 Besondere Anforderungen für Handleuchten
  Handleuchten müssen mindestens in der Schutzart IP 55 ausgeführt sein (für Steckvorrichtungen gilt Abschnitt 3.3.3). Sie müssen den Festlegungen in VDE 0710-4 sowie VDE 0711-2-8 entsprechen.
  Handleuchten müssen der Schutzklasse II oder der Schutzklasse III entsprechen. Körper, Griff und äußere Teile der Fassung müssen aus Isolierstoff bestehen.
  Handleuchten müssen mit einem Schutzglas und einem Schutzkorb ausgerüstet sein.
  Der Schutzkorb kann entfallen, wenn an Stelle des Schutzglases eine bruchfeste Umschließung aus Kunststoff vorhanden ist.

Schalter von Handleuchten müssen für deren maximale Stromaufnahme, mindestens aber für 4 A, ausgelegt und so eingebaut sein, dass sie vor mechanischen Beschädigungen geschützt sind.
  Die Leitungseinführung muss über eine ausreichende Zugentlastung und einen Knickschutz verfügen.
  Als Netzanschlussleitung ist bis zu einer Länge von 5 m der Typ H05RN-F oder eine mindestens gleichwertige Bauart zulässig, soweit nicht die Normenreihe VDE 0711 eine andere Bauart fordert.

3.4.


Instandsetzung, Wartung, Prüfung

3.4.1 Instandsetzung und Wartung
  Die Instandsetzung und Wartung von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln darf nur von Elektrofachkräften vorgenommen werden. Elektrische Betriebsmittel, von denen infolge eines Mangels eine Gefährdung ausgeht, müssen sofort wirksam der Benutzung entzogen werden.

3.4.2

Prüfung
3.4.2.1 Ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel in Bereichen erhöhter elektrischer Gefährdung sowie Anlagen oder Anlagenteile, die zur direkten Versorgung elektrischer Betriebsmittel in diesen Bereichen genutzt werden, müssen regelmäßig auf ordnungsgemäßen Zustand durch eine Elektrofachkraft geprüft werden. Für die Prüffristen gilt ein Richtwert von einem Jahr.
3.4.2.2 Schutzmaßnahmen mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) für nichtstationäre Anlagen sind mindestens einmal im Monat auf Wirksamkeit durch eine Elektrofachkraft oder - wenn geeignete Prüfgeräte zur Verfügung stehen - durch eine elektrotechnisch unterwiesene Person unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft zu prüfen.
3.4.2.3 Zusätzlich zu Abschnitt 3.4.2.2 muss arbeitstäglich eine Prüfung auf einwandfreie Funktion durch Betätigen der Prüfeinrichtung durchgeführt werden.
3.4.2.4 Für Isolationsüberwachungseinrichtungen gelten die Prüffristen nach den Abschnitten 3.4.2.1, 3.4.2.2 und 3.4.2.3.
3.4.2.5 Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel müssen regelmäßig auf ordnungsgemäßen Zustand von einer Elektrofachkraft oder bei Verwendung geeigneter Prüfgeräte von einer elektrotechnisch unterwiesenen Person unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft geprüft werden.
  Für die Prüffristen gilt ein Richtwert von drei Monaten.
  Die Festlegung der Prüffristen gehört zur Unternehmerverantwortung. Je nach Beanspruchung der Betriebsmittel sind variable Prüffristen notwendig. Bei hoher Beanspruchung sind die Fristen zu verkürzen. Bei niedriger Beanspruchung dürfen die Fristen über den Richtwert hinaus bis zu einem Jahr verlängert werden.
  Als Kriterium zur Festlegung der Prüffristen gilt Tabelle 1B der Durchführungsanweisungen zur Unfallverhütungsvorschrift "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel" (BGV A3). Das Maß zur Orientierungshilfe ist die bei der Prüfung auftretende Fehlerquote. Liegt diese unter 2 %, darf die Prüffrist verlängert werden. Die Fehlerquote ermittelt sich aus dem Anteil der Betriebsmittel mit Mängeln an der Gesamtzahl der geprüften Betriebsmittel.
3.4.2.6 Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel müssen durch den Benutzer vor jeder Benutzung einer Sichtprüfung auf äußerlich erkennbare Schäden und Mängel unterzogen werden.

3.4.3

Prüfnachweis
  Der Prüfnachweis gilt als erbracht, wenn die geprüften und als mängelfrei beurteilten Betriebsmittel mit einer Kennzeichnung versehen werden.
  Es wird empfohlen, die Betriebsmittel z. B. mit einer Prüfplakette oder einer Banderole mit Angabe des nächsten Prüftermins zu versehen.

Die Prüfungen nach den Abschnitten 3.4.2.1, 3.4.2.2 und 3.4.2.5 sind zu dokumentieren.


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