BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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2 Maßnahmen zum Schutz vor Absturz

2.1 Rangfolge der Maßnahmen

Bauliche und technische Maßnahmen haben Vorrang vor organisatorischen und individuellen Schutzmaßnahmen. Sie sind entsprechend der nachfolgenden Rangfolge zu treffen:

(1) Absturzsicherungen

3-teiliger Seitenschutz

Abb. 3: 3-teiliger Seitenschutz

Öffnungen oder Vertiefungen müssen 
umwehrt oder begehbar und unverschieblich abgedeckt oder mit tragfähigem
Material verfüllt sein.

Abb.4: Öffnungen oder Vertiefungen müssen umwehrt oder begehbar und unverschieblich abgedeckt oder mit tragfähigem Material verfüllt sein.

(2) Lassen sich aus betriebstechnischen Gründen (z. B. Arbeitsverfahren, zwingende technische Gründe) Absturzsicherungen nicht verwenden, müssen an deren Stelle Auffangeinrichtungen vorhanden sein.

(3) Lassen sich keine Absturzsicherungen oder Auffangeinrichtungen einrichten, sind persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA) als individuelle Schutzmaßnahmen zu verwenden. Die geeignete PSAgA muss sich aus der Gefährdungsbeurteilung ergeben.

Abb. 5

Voraussetzung für die Verwendung von PSAgA ist das Vorhandensein geeigneter Anschlageinrichtungen3) .

Die Beschäftigten müssen in der Benutzung der PSAgA sowie über die Durchführung der erforderlichen Rettungsmaßnahmen, z. B. über den Auffangvorgang, unterwiesen werden (Erste Hilfe und Rettungsgeräte siehe ASR A4.3 „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen der Ersten Hilfe “).

(4) Lassen die Eigenart und der Fortgang der Tätigkeit und Besonderheiten des Arbeitsplatzes die vorgenannten Schutzmaßnahmen (Absturzsicherung, Auffangeinrichtungen, PSAgA) nicht zu, darf auf die Anwendung von PSAgA im Einzelfall nur dann verzichtet werden, wenn:

  • Die Arbeiten von fachlich qualifizierten und körperlich geeigneten Beschäftigten ausgeführt werden,
  • Der Unternehmer für den begründeten Ausnahmefall eine besondere Unterweisung durchgeführt hat und
  • Die Absturzkante für die Beschäftigten deutlich erkennbar ist.

2.2 Anwendungs- und Praxisbeispiele für die Ausnahmesituationen gemäß dem unter 2.1 genannten Absatz (4):

Die nachfolgenden Anwendungs- und Praxisbeispiele sind Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber bzw. Unternehmer. Sie berücksichtigen sowohl die Festlegungen der ASR A2.1 als auch der Betriebssicherheitsverordnung .

Bei folgenden Arbeiten können auf Grund der Eigenart und Fortgang der Tätigkeiten und Besonderheiten des Arbeitsplatzes die genannten Schutzmaßnahmen (Absturzsicherungen, Auffangeinrichtungen, PSAgA) nicht immer durchgängig realisiert werden:

  1. Montage und Demontage von (temporären) Absturzsicherungen/Auffangeinrichtungen/Anschlagpunkten.

    Abb. 6

  2. Einschalen, Belegen, Montieren und Verlegen von Decken an der fortlaufend offenen Verlegekante bei einer Geschosshöhe von ≤3,00 m. (Absturz nach innen)
  3. Verlegen von Trapezblechen, Dachelementen, Aufsparrendämmsystemen und Schalung bei Flachdächern und einer Geschosshöhe von ≤3,00 m, an der fortlaufenden offenen Verlegekante. (Absturz nach innen)
  4. Verlegen von Unterspannbahnen und Montage von Dachlatten und Montage einer Aufdachdämmung oder Schalung. (Absturz nach innen)

    Abb. 7

  5. Mauern über die Hand bei Außenwänden auf Kellerdecken, wenn Absturzsicherungen aus konstruktiven Gründen noch nicht möglich sind, bei einer Geschosshöhe von ≤3,00 m, an der Absturzkante, innerhalb geböschter Baugrube.
  6. Wenn Arbeitsplätze oder Verkehrswege auf Flächen mit weniger als 22,5° Neigung liegen und in mindestens 2,00 m Abstand von der Absturzkante fest abgesperrt sind. Absperrungen können erstellt werden z. B. durch Geländer, rot-weiße Warnketten oder Seile.

    Abb. 8

  7. Aufrichten und Rückbau von Dachstühlen, z. B. am Kehlgebälk.
  8. Arbeiten, bei denen, wegen des zu geringen Freiraumes unterhalb des Verwenders oder der ungünstigen Umgebungsbedingungen (warme Oberflächen, scharfe Kanten, aggressive Stoffe), kein Anseilschutz verwendet werden kann.
  9. An Grabenrändern in den Grabenabschnitten, die sich in Bearbeitung befinden oder in denen gearbeitet wird und dabei eine Beschickung vom Grabenrand aus notwendig ist. Das gilt in der Regel für die Tätigkeiten Grabenaushub, Einbringen des Verbaus, Leitungsverlegung, Verfüllung und Rückbau des Verbaus.

    Abb. 9

  10. Schlitzwandherstellung: An Schlitzwandlamellen an denen gerade gearbeitet wird, d.h. beim Aushub mit Greifer oder Fräse, dem Einbringen der Bewehrung sowie das Betonieren der Schlitzwandlamellen. Anmerkung: Bei nicht kontinuierlichem Fortgang der Arbeiten sind die in Herstellung befind lichen Schlitzwandlamellen zwischen den einzelnen Arbeitsschritten zum Schutz gegen Absturz und Ertrinken abzudecken.
  11. Kalottenvortrieb im Tunnelbau, z. B. an der permanent fortschreitenden Abbruchkante.

    Abb. 10

 


3) DGUV-I 201-056 (bisher BGI 5164): Planungsgrundlagen von Anschlageinrichtungen auf Dächern

 

 

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