BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Besondere Maßnahmen zur Verhütung von Gefahren für Leben und Gesundheit bei Arbeiten in oder an Baugruben und Gräben

 

4.1 Abrutschen von Erd- und Felsmassen

 

4.1.1 Wände von Baugruben und Gräben sind so zu böschen oder zu verbauen, dass Versicherte nicht durch Abrutschen von Massen gefährdet werden können. Dabei sind alle Einflüsse zu berücksichtigen, die die Standsicherheit des Bodens beeinträchtigen können.

Siehe auch § 6 Abs. 3 und § 28 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 38 und 39 „Bauarbeiten“ undDIN 4124 (2012).
 

4.2 Geböschte Baugruben und Gräben

 

4.2.1 Baugruben und Gräben bis 1,25 m Tiefe dürfen ohne Sicherung mit senkrechten Wänden hergestellt werden, wenn die angrenzende Geländeoberfläche

  1. bei nichtbindigen und weichen bindigen Böden nicht steiler als 1:10;
  2. bei mindestens steifen bindigen Böden nicht steiler als 1:2 ansteigt und
    • die in Abschnitt 4.2.5 der DIN 4124 (2012) angegebenen Abstände von Fahrzeugen und Baugeräten zur Böschungskante eingehalten werden,
    • keine ungünstige Gegebenheit und kein ungünstiger Einfluss nach Abschnitt
    • 4.2.7 der DIN 4124 vorliegt, sowie
    • vorhandene Gebäude, Leitungen, andere bauliche Anlagen oder Verkehrsflächen nicht gefährdet werden.
 

4.2.2 Baugruben und Gräben bis 1,75 m Tiefe dürfen nach Abbildung 5 ausgehoben werden, wenn der mehr als 1,25 m über der Sohle anstehende Bereich der Erdwand unter dem Winkel β ≤ 45 geböscht wird und

  • mindestens steifer bindiger Boden oder Fels ansteht,
  • die Geländeoberfläche nicht steiler als 1:10 ansteigt,
  • die in Abschnitt 4.2.5 der DIN 4124 (2012) angegebenen Abstände zur Böschungskante eingehalten werden,
  • keine ungünstige Gegebenheit und kein ungünstiger Einfluss nach Abschnitt 4.2.7 der DIN 4124 (2012) vorliegt,

vorhandene Gebäude, Leitungen, andere bauliche Anlagen oder Verkehrsflächen nicht gefährdet werden.

Andere Begrenzungen der Erdwand sind ebenfalls zulässig, wenn dadurch zusätzlich Boden entfernt wird oder die Sicherung des mehr als 1,25 m über der Sohle anstehende Bereich der Erdwand mit einem Teilverbau (Abbildung 6) vorgenommen wird.

Abb. 5 Graben mit geböschten Kanten Abb. 6 teilweise verbauter Graben
 

4.2.3 Ohne rechnerischen Nachweis der Standsicherheit dürfen bis zu 5,0 m Wandhöhe folgende Böschungswinkel nicht überschritten werden:

  1. β = 45° bei nichtbindigen oder weichen bindigen Böden,
  2. β = 60° bei mindestens steifen bindigen Böden,
  3. β = 80° bei Fels.

Bei Böschungshöhen über 5,0 m ist grundsätzlich ein Standsicherheitsnachweis durchzuführen.

Siehe auch Abschnitt 4.2 der DIN 4124 (2012).
 

4.3 Verbaute Baugruben und Gräben

 

4.3.1 Falls nicht geböscht wird, sind Baugruben und Gräben vollflächig zu verbauen. Dabei muss der obere Rand des Verbaues die Geländeoberfläche bis zu einer Tiefe von 2,0 m um mindestens 0,05 m, bei einer Tiefe von mehr als 2,0 m um mindestens 0,10 m überragen.

 

4.3.2 Bei mindestens steifem bindigem Boden darf der Verbau in Bauzuständen, die nach wenigen Tagen beendet sind, bei Fels gegebenenfalls auch in längerfristigen Bauzuständen bis zu 0,50 m oberhalb der Aushubsohle enden, sofern keine ungünstige Gegebenheit und kein ungünstiger Einfluss nach Abschnitt 4.2.7 der DIN 4124 (2012) vorliegen und kein Erddruck aus Bauwerkslasten aufzunehmen ist.

 

4.3.3 Die Stirnseite des Grabens ist durch Verbau zu sichern, z. B. durch eine Stahlplatte. Bei einer Tiefe bis zu 1,75 m und einer Breite bis zu 1,25 m darf die Stirnseite im mindestens steifem bindigen Boden unverbaut ausgeführt werden.

 

4.3.4 Der Verbau darf nur auf Anordnung des Aufsichtführenden um- oder ausgebaut werden. Er darf nur zurückgebaut werden, soweit er durch Verfüllen entbehrlich geworden ist. Der Verbau ist beim Verfüllen an Ort und Stelle zu belassen, wenn er nicht gefahrlos entfernt werden kann.

 

4.3.5 Der Aufsichtführende oder ein von ihm Beauftragter, der die erforderlichen Fachkenntnisse besitzt, hat den Grabenverbau während der Bauausführung regelmäßig zu kontrollieren, insbesondere

  • vor jeder Schicht,
  • nach längeren Arbeitsunterbrechungen,
  • nach Sturm, starkem Regen, Frost und anderen Naturereignissen,
  • nach Erschütterungen durch Rammarbeiten, Sprengungen, Verkehr.
 

4.3.6 Dabei festgestellte Mängel und Gefahrenzustände sind unverzüglich zu beseitigen.

Bei der Kontrolle ist besonders zu achten auf
  • fehlende Verbauteile,
  • Verschiebung oder Lockerung von Verbauteilen,
  • Ausrieseln oder Ausfließen von Erdboden.
Siehe hierzu auch Abschnitte 4.3.9 und 4.3.11 der DIN 4124 (2012).
 

4.4 Verkehrswege an Rohrgräben und Baugruben

 

4.4.1 Schutzstreifen

 

4.4.1.1 An Rohrleitungsgräben und Gruben, wo entweder der Rand, oder sie selbst betreten werden müssen, sind an den Rändern mindestens 0,60 m breite, möglichst waagerechte Schutzstreifen anzuordnen und von Aushubmaterial und Gegenständen freizuhalten.

 

4.4.1.2 Bei Gräben bis zu einer Tiefe von 0,80 m kann auf einer Seite auf den Schutzstreifen verzichtet werden.

 

4.4.2 Leitern, Treppen, Übergänge

 

4.4.2.1 Rohrleitungsgräben und Gruben von mehr als 1,25 m Tiefe dürfen nur über geeignete Einrichtungen, insbesondere Leitern oder Treppen, betreten und verlassen werden.

 

4.4.2.2 Gräben von mehr als 0,80 m Breite sind in ausreichendem Maße mit Übergängen, z. B. Laufbrücken oder Laufstegen, zu versehen.

 

4.5 Arbeitsraumbreiten

Baugruben und Leitungsgräben, in denen gearbeitet wird, müssen – mit Rücksicht auf die Sicherheit der Versicherten, aus ergonomischen Gründen und um eine einwandfreie Bauausführung zu gewährleisten – einen ausreichenden Arbeitsraum aufweisen. Deshalb sind die vorgeschriebenen Mindestarbeitsraumbreiten zu beachten.

Als Mindestarbeitsraumbreiten sind die Werte nach DIN EN 1610 (Abwasserleitungen und -kanäle), DIN 4124 (2012) (alle übrigen Leitungen) bzw. DVGW G 472, DVGW,
W 400 und GW 350 (Kopflöcher beim Schweißen) sowie AGFW FW 401 Teil 12 einzuhalten (siehe Anhang 1).
 

4.6 Erdverlegte Leitungen und Kabel

 

4.6.1 Bei unvermutetem Antreffen erdverlegter Leitungen und Kabel sind

  • die Bauarbeiten sofort zu unterbrechen,
  • die Stelle deutlich zu markieren und zu sichern,
  • der Betreiber unverzüglich zu verständigen.

Die weiteren Erd- und Bauarbeiten dürfen nur in Abstimmung mit dem Betreiber durchgeführt werden.

Siehe auch DGUV Information 203-017 „Schutzmaßnahmen bei Erdarbeiten in der Nähe erdverlegter Kabel und Rohrleitungen“ (bisher BGI 759)
 

4.6.2 Freigelegte Leitungen und Kabel sind so zu sichern, dass keine Gefahr für die Versicherten entstehen kann.

Siehe auch § 16 der DGUV Vorschrift 38 und 39 „Bauarbeiten“.
 

4.6.3 Als Schutzrohre für Kabel dürfen keine PE-Wasserleitungsrohre (blaue Rohre oder schwarze Rohre mit blauen Streifen) verwendet werden.

Werden Schutzrohre (z. B. schwarze PE-Rohre) eingesetzt, muss auf die innen liegende Leitung z. B. mit Trassenwarnbändern deutlich hingewiesen werden.

Siehe auch Arbeitsstättenregel ASR A1.3 Ziffer 4 Abs.2 sowie DVGW Arbeitsblatt GW 335 Teile A2 u. A3 Ziffer 4.2.5 und DVGW-GW-Information Ziffer 3.2

 

 

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