BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3 Allgemeine Maßnahmen zur Verhütung von Gefahren für Leben und Gesundheit bei Rohrleitungsbauarbeiten

 

3.1 Arbeitsorganisation

 

3.1.1 Leitung und Aufsicht

 

3.1.1.1 Arbeiten des Rohrleitungsbaus müssen von fachlich geeigneten Vorgesetzten geleitet werden. Diese müssen die arbeitssichere Durchführung der Arbeiten gewährleisten.

Siehe auch § 4 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 38 und 39 „Bauarbeiten“.
 

3.1.1.2 Arbeiten des Rohrleitungsbaus müssen von hierfür geeigneten, zuverlässigen und weisungsbefugten Personen beaufsichtigt werden (Aufsichtführende). Diese müssen die arbeitssichere Durchführung der Arbeiten überwachen. Sie müssen hierfür ausreichende Kenntnisse besitzen und während der Arbeiten auf der Baustelle anwesend sein.

Siehe auch § 4 Abs. 2 der DGUV Vorschrift 38 und 39 „Bauarbeiten“.
Hinsichtlich der Pflichtenübertragung siehe § 13 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.
 

3.1.2 Gefährdungsermittlung und Unterweisung

 

3.1.2.1 Der Unternehmer hat Gefährdungen, unter Berücksichtigung möglicher Störungen, baustellenbezogen zu ermitteln und die notwendigen Maßnahmen des Arbeitsschutzes festzulegen und gegebenenfalls zu dokumentieren.

Persönliche Schutzausrüstungen kommen als Schutzmaßnahme erst dann in Betracht, wenn technische oder organisatorische Maßnahmen nicht möglich sind oder keinen ausreichenden Schutz bieten.

Baustellenbezogene Gefährdungen können z. B. ausgehen von

  • bestehenden Anlagen,
  • erdverlegten Leitungen,
  • Kontaminationen,
  • Kampfmitteln,
  • Freileitungen,
  • dem öffentlichen Straßenverkehr,
  • Baustellenverkehr,
  • Gefahrstoffe.
Siehe auch §§ 4 bis 6 Arbeitsschutzgesetz;
§ 3 der Betriebssicherheitsverordnung;
§§ 2, 3 und 21 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“;
§§ 15 bis 16 der DGUV Vorschrift 38 und 39 „Bauarbeiten“ und Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA).
Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, z. B. Sanierung von Rohrleitungssystemen, ist eine Gefährdungsbeurteilung nach § 6 der Gefahrstoffverordnung durchzuführen.
 

3.1.2.2 Der Unternehmer hat die Versicherten über die mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen und die Maßnahmen zu ihrer Verhütung zu unterweisen.

Die Unterweisung muss an die Gefährdungsentwicklung angepasst sein und erforderlichenfalls wiederholt werden, mindestens jedoch einmal jährlich erfolgen. Die Inhalte und die Durchführung der Unterweisung sind zu dokumentieren.

Siehe auch § 12 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz,
§ 9 der Betriebssicherheitsverordnung und
§ 4 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.
 

3.1.3 Koordinierung

Werden Versicherte mehrerer Unternehmen oder selbständige Einzelunternehmer auf einer Baustelle tätig, haben die Unternehmer hinsichtlich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Versicherten zusammenzuarbeiten. Insbesondere haben sie, soweit es zur Vermeidung einer möglichen gegenseitigen Gefährdung erforderlich ist, eine Person zu bestimmen, die die Arbeiten aufeinander abstimmt; zur Abwehr besonderer Gefahren ist sie mit entsprechender Weisungsbefugnis auszustatten.

Siehe auch § 6 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.
 

3.1.4 Arbeitsmedizinische Betreuung

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die Versicherten arbeitsmedizinisch betreut und die erforderliche arbeitsmedizinische Vorsorge angeboten bzw. veranlasst wird.

Arbeitsmedizinische Vorsorge ist erforderlich bei gesundheitlichen Gefährdungen, z. B. durch Lärm, Staub, Tätigkeiten mit Gefahrstoffen.
Siehe auch § 11 Arbeitsschutzgesetz und Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV).
 

3.1.5 Persönliche Schutzausrüstungen

 

3.1.5.1 Der Unternehmer hat auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung nach Abschnitt 3.1.2.1 den Versicherten geeignete persönliche Schutzausrüstungen in ausreichender Anzahl zur Verfügung zu stellen. Ihr Einsatz ist nachrangig zu anderen – technischen oder organisatorischen – Schutzmaßnahmen.

 

3.1.5.2 Die Versicherten haben die persönlichen Schutzausrüstungen bestimmungsgemäß zu benutzen.

Siehe auch § 4 Nr. 5 Arbeitsschutzgesetz und
§§ 29 bis 31 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.
 

3.1.6 Erste Hilfe und Rettung

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass zur Ersten Hilfe und zur Rettung aus Gefahr die erforderlichen Einrichtungen und Sachmittel sowie das erforderliche Personal zur Verfügung stehen.

Siehe auch § 10 Arbeitsschutzgesetz und
§§ 24 bis 27 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.
 

3.2 Mechanische Gefährdungen

 

3.2.1 Benutzung von Arbeitsmitteln

 

3.2.1.1 Es dürfen nur solche Arbeitsmittel ausgewählt und betrieben werden, die für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind und bei deren bestimmungsgemäßer Verwendung Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet sind. Ist es nicht möglich, demgemäß Sicherheit und Gesundheitsschutz der Versicherten in vollem Umfang zu gewährleisten, hat der Unternehmer geeignete Maßnahmen zu treffen, um eine Gefährdung so gering wie möglich zu halten.

Siehe auch §§ 4, 7 und 8 der Betriebssicherheitsverordnung.
 

3.2.1.2 Bei Feststellung von Mängeln, die Auswirkungen auf die Sicherheit haben, dürfen die Arbeitsmittel nicht bzw. nicht weiter benutzt werden.

 

3.2.1.3 Die Benutzung der Arbeitsmittel bleibt dazu geeigneten, unterwiesenen und beauftragten Versicherten vorbehalten.

Bei der Unterweisung müssen insbesondere der Inhalt der Betriebsanweisung sowie die übrigen für den sicheren Betrieb der Maschinen/Arbeitsmittel notwendigen Regelwerke vermittelt werden. Die Unterweisung muss neben dem theoretischen Teil auch eine praktische Einweisung am Arbeitsmittel beinhalten.
Siehe auch Abschnitt 2.5 des Anhanges 2 der Betriebssicherheitsverordnung.
 

3.2.1.4 Im Gefahrbereich von Arbeitsmitteln dürfen sich Personen nicht aufhalten. Abweichungen davon sind nur dann zulässig, wenn der Aufenthalt im Gefahrbereich aus arbeitstechnischen Gründen notwendig ist. Der Unternehmer hat hierfür besondere Schutzmaßnahmen festzulegen.

 

3.2.1.5 Vor dem Betreten des Gefahrbereichs haben dazu befugte Personen Kontakt mit dem Arbeitsmittelbediener aufzunehmen.

 

3.2.1.6 Der Arbeitsmittelbediener hat seine Arbeitsweise mit den übrigen Versicherten abzustimmen, die festgelegten Schutzmaßnahmen zu beachten und bei Gefahr für Personen Warnzeichen zu geben.

 

3.2.1.7 Betreten Unbefugte den Gefahrbereich, hat der Arbeitsmittelbediener die Arbeit so lange einzustellen, bis diese den Gefahrbereich verlassen haben.

 

3.2.1.8 Arbeitsmittel dürfen nur bestimmungsgemäß betrieben werden. Der bestimmungsgemäße Betrieb von Arbeitsmitteln ist auf der Basis der Betriebsanleitung des Herstellers in einer Betriebsanweisung festzulegen.

 

3.2.1.9 Fehlen für den vorliegenden Einsatzfall Festlegungen in der Betriebsanleitung oder muss von ihr abgewichen werden, hat der Unternehmer die Bedingungen für den bestimmungsgemäßen Betrieb in der Betriebsanweisung festzulegen.

 

3.2.1.10 Die Betriebsanweisung des Unternehmers und die Betriebsanleitung des Herstellers müssen an der Einsatzstelle vorhanden sein.

Siehe auch § 17 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.
 

3.2.2 Hebezeugbetrieb

 

3.2.2.1 Hebezeuge und Lastaufnahmeeinrichtungen sind für die jeweiligen Transportaufgaben so auszuwählen, dass bei bestimmungsgemäßem Betrieb die Last sicher aufgenommen, transportiert und wieder abgesetzt werden kann.

 

3.2.2.2 An der Einsatzstelle von Lastaufnahmemitteln oder Anschlagmitteln sind Unterlagen bereitzuhalten, aus denen unter anderem folgende Angaben entnommen werden können:

  • Tragfähigkeit,
  • Eigengewicht von Lastaufnahmemitteln, sofern dieses 5 % der Tragfähigkeit oder
  • 50 kg überschreitet,
  • zulässiger Greifbereich von Lastaufnahmemitteln, die die Last über Klemmkräfte halten,
  • Mindestlast von selbstansaugenden Vakuumhebern.
Siehe auch Abschnitt 4 des Anhanges 2 der Betriebssicherheitsverordnung und
Kapitel 2.8 „Betreiben von Lastaufnahmeeinrichtungen im Hebezeugbetrieb“ der DGUV Regel 100-500 und 100-501 „Betreiben von Arbeitsmitteln“.
 

3.2.2.3 Lasten sind grundsätzlich so anzuschlagen und zu transportieren, dass sie nicht verrutschen oder herabfallen können. Aus diesem Grund sind unter anderem die nachfolgenden Bestimmungen zu beachten:

  • Rohre dürfen nicht in offenen Schlaufen hängend transportiert werden (Hängegang). Dies gilt nicht für das Anlüften oder Anheben der Last im bodennahen Bereich und wenn das Zusammenrutschen der Schlaufen sowie eine Verlagerung der Last verhindert ist.
  • C-Haken dürfen nur mit eingelegter Sicherungskette verwendet werden.
  • Beim Anschlagen mit Klemmen oder Zangen darf der angegebene Greifbereich weder über- noch unterschritten werden.
  • Bei mehrsträngigen Klauen- oder Hakengeschirren müssen alle Klauen oder Haken gleichzeitig zum Eingriff kommen.
  • Lastschließende Klemmen und Zangen zum Transport lotrecht hängender Blechtafeln und Rohrgreifer zum Verlegen von Rohren in Gräben dürfen nur verwendet werden, wenn sie mit Einrichtungen versehen sind, die verhindern, dass sich Klemmen, Zangen und Rohrgreifer bei Entlastung selbsttätig von der Last lösen. Dies gilt nicht bei beabsichtigtem Lösen durch Schrittschaltwerk.
  • Beim Anschlagen im Schnürgang dürfen Anschlagmittel mit höchstens 80 % ihrer Tragfähigkeit belastet werden.
  • Zum Heben von Betonfertigteilen mit Transportankern dürfen nur Lastaufnahme- und Anschlagmittel eingesetzt werden, bei denen die bestimmungsgemäße Zuordnung zu den Ankern im Betonfertigteil sichergestellt ist.
 

3.2.2.4 Kann die Anwesenheit von Versicherten im Gefahrbereich hängender Lasten arbeitsbedingt nicht vermieden werden – beispielsweise beim Einbau von Rohren und Schachtfertigteilen – sind geeignete Maßnahmen festzulegen und anzuwenden. Hierbei dürfen kraftschlüssig wirkende Lastaufnahmemittel nicht verwendet werden!

Siehe auch Abschnitt 4.1 des Anhanges 2 der Betriebssicherheitsverordnung
DGUV Regel 101-001 „Transportanker und -systeme von Betonfertigteilen“.
 

3.2.2.5 Werden Lasten, z. B. Rohre, Schachtbauteile, Verbaugeräte, beim Transport mit Hebezeugen von Hand geführt, hat sich der Mitgänger stets im Sichtbereich des Maschinenführers und außerhalb der Fahrspur des Hebezeuges aufzuhalten.

Siehe auch: Abschnitt 4 des Anhanges 2 der Betriebssicherheitsverordnung,
DGUV Regel 100-500 und 100-501 „Betreiben von Arbeitsmitteln“, insbesondere Kapitel 2.8 „Betreiben von Lastaufnahmeeinrichtungen im Hebezeugbetrieb“ und Kapitel 2.12 „Betreiben von Erdbaumaschinen“.
 

3.2.2.6 Beim Bewegen von Lasten ist ein Einweiser einzusetzen, wenn der Hebezeugführer die Last nicht beobachten kann und Personen gefährdet werden können.

 

3.2.3 Lagern und Stapeln von Lasten

 

3.2.3.1 Lasten sind so abzuladen, zu lagern und zu stapeln, dass sie nicht unbeabsichtigt abrollen, abrutschen oder kippen können.

 

3.2.3.2 Beim Stapeln von Rohren ist sicherzustellen, dass jede Lage des Rohrstapels gegen Auseinanderrollen gesichert ist. Bei verpackt, gebündelt oder aufgehaspelt angelieferten Rohren darf die Verpackung oder Umschnürung erst gelöst werden, wenn sichergestellt ist, dass die Rohre nicht ab- oder auseinander rollen können und sich keine Personen im Gefahrbereich der aufschlagenden Umschnürung oder des aufschlagenden Rohrendes aufhalten.

 

3.2.3.3 Beim Auslegen oder Abrollen von PE-Ringbundware sind geeignete Abrolleinrichtungen, z. B. Abrollwagen, Abrolltraversen zu verwenden.

 

3.2.3.4 Werden Rohre zum Schweißen auf Böcken abgelegt, so sind die Böcke kippsicher aufzustellen und so einzurichten, dass die Rohre nicht herunterrollen können.

 

3.2.4 Herstellen und Trennen von Rohrverbindungen

 

3.2.4.1 Bei Rohren mit Muffenverbindung ist sicherzustellen, dass das Zusammenziehen, bzw. Zusammenschieben der Rohre nach den Vorgaben (Verlegeanleitung) des Rohrherstellers erfolgt.

 

3.2.4.2 Beim Zusammenziehen von Rohren ist der Aufenthalt von Personen im Gefahrbereich des Zugseiles von Ziehgeräten unzulässig.

 

3.2.4.3 Werden die erforderlichen Schubkräfte für das Zusammenschieben der Rohre mit Hilfe einer Baumaschine, z. B. Bagger oder Radlader, aufgebracht, ist von einer erhöhten Quetschgefahr für die Beteiligten auszugehen.

Der Einsatz von Baumaschinen ist für diesen Zweck nur zulässig, wenn

  • der Rohrhersteller dieser Arbeitsweise zugestimmt hat,
  • der Aufsichtführende ständig vor Ort ist,
  • die Arbeiten von zuverlässigen und unterwiesenen Personen ausgeführt werden.
 

3.2.4.4 Beim Werkstoff Polyethylen (PE) werden zur Vorbereitung für das Spiegel- oder Heizwendelmuffenschweißen die Rohrenden mechanisch bearbeitet, z. B. mittels Rotationsschälgerät. Über die in Abschnitt 3.2.1 genannten Anforderungen hinaus dürfen diese Arbeiten nur von geprüften Schweißern ausgeführt werden.

 

3.2.5 Einbringen von Rohren in Gräben

 

3.2.5.1 Da auf Grund der häufig beengten räumlichen Verhältnisse in Rohrgräben das Verlegepersonal einer erhöhten mechanischen Gefährdung, z. B. Quetschen, Anstoßen, ausgesetzt ist, sind die nachfolgenden Maßnahmen zu beachten.

 

3.2.5.2 Werden die Rohre beim Ablassen von Hand geführt, sollte dies möglichst am Rohrende geschehen.

 

3.2.5.3 Müssen zum Einbringen von Rohren Umsteifungsarbeiten vorgenommen werden, so dürfen Aussteifungsmittel nur entfernt werden, wenn durch das Umsteifen die Erddruckkräfte so aufgenommen werden, dass andere Verbauteile nicht überlastet sind.

Das Einbringen langer Rohre kann z. B. erfolgen

  • schräg zwischen den Aussteifungsmitteln hindurch,
  • vom Kopfende des Grabens aus, mit anschließendem Längstransport auf der Grabensohle,
  • über einen Schacht (Absenkgrube, Ablassfeld),
  • mit Hilfe von Auswechselungsrahmen.
 

3.3 Elektrische Gefährdungen

 

3.3.1 Allgemeine Anforderungen für Auswahl und Betrieb von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln

Bei Auswahl und Betrieb von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln auf Rohrleitungsbaustellen sind die DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“, die DGUV Information 203-006 „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen“ zu berücksichtigen. Bei Vorliegen erhöhter elektrischer Gefährdungen ist die DGUV Information 203-004 „Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung“ zu beachten.

Es ist sicherzustellen, dass die verwendeten ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel für den rauen Rohrnetz-Baustelleneinsatz geeignet sind (z. B. Kennzeichnung mit Hammer-Symbol oder Schutzisolierungs-Symbol), mind. IP X4. Es ist sicherzustellen, dass die verwendeten ortsveränderlichen elektrischen handgeführten Elektrowerkzeuge mindestens der Klasse IP 2X entsprechen. Sollte bauartbedingt z. B. bei Schweißaggregaten IP X4 nicht möglich sein, sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zusätzliche Schutzmaßnahmen abzuleiten, die sicherstellen, dass von dem verwendeten Gerät keine erhöhte Gefahr ausgehen kann ( z. B. Einhausung, Schutzabdeckung, geeignete Aufstellung). Sie müssen mit einer Netzanschlussleitung vom Typ H 07 RN-F oder gleichwertiger Bauart ausgestattet sein. Bis 4 m Leitungslänge ist als Netzanschlussleitung auch Typ H 05 RN-F oder eine mindestens gleichwertige Bauart zulässig.

Neben der regelmäßigen Überprüfung durch eine befähigte Person nach TRBS 1203 (Elektrofachkraft) ist eine arbeitstägliche Sichtprüfung aller ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel durch den Benutzer zwingend notwendig (z. B. Überprüfung der Zuleitungen, der Anschlüsse und des Gerätegehäuses auf augenscheinliche Beschädigungen).

 

3.3.2 Einsatz mobiler Stromerzeuger

Beim Einsatz von mobilen Stromerzeugern ist die DGUV Information 203-032 „Auswahl und Betrieb von Stromerzeugern auf Bau- und Montagebaustellen“ anzuwenden. Am Einsatzort müssen die Betriebsanleitung und die Betriebsanweisung vorhanden sein.

Der Unternehmer, welcher mobile Stromerzeuger einsetzt, muss sich im Vorfeld erkundigen, welches Netzsystem (Information durch den Hersteller, Betriebsanleitung) der Stromerzeuger liefert.

Die am häufigsten anzutreffende Bauart entspricht dem Prinzip der „Schutztrennung“. Hierbei ergeben sich verschiedene Möglichkeiten des sicheren Betriebes.

Ein einzelnes Betriebsmittel wird direkt am Stromerzeuger angeschlossen.

Alle Betriebsmittel werden jeweils über eine eigens zugeordnete Fehlerstrom-Schutzeinrichtung betrieben. Dabei können RCD (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung), PRCD oder PRCD-K (ortsveränderliche Fehlerstrom-Schutzeinrichtung) am ungeerdeten Stromerzeuger zur Anwendung kommen. PRCD-S (ortsveränderliche Fehlerstrom-Schutzeinrichtung mit erweiterter Schutzfunktion) können nicht verwendet werden, da diese sich am Stromerzeuger nicht einschalten lassen.


Abb. 1
ein einzelnes Betriebsmittel direkt am Stromerzeuger angeschlossen


Abb. 2
Betrieb sämtlicher Betriebsmittel über jeweils eine PRCD

 

3.3.3 Zusätzliche Anforderungen für Auswahl und Betrieb von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung

Liegen Arbeitsplätze und Verkehrswege in elektrisch leitfähigen Bereichen mit begrenzter Bewegungsfreiheit, z. B. in Rohrleitungen, Schächten und Rohrleitungsgräben, sind in Bezug auf elektrische Anlagen und Betriebsmittel die Anforderungen der DGUV Information 203-006 „Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung“ einzuhalten.

Alle ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel sind in Abhängigkeit von der Gefährdung mit Trenntransformator (je Trenntransformator nur einen Endverbraucher anschließen) oder Schutzkleinspannung (z. B. in Rohrleitungen, in engen, nassen Schächten) zu betreiben.

Bei einem nicht geerdeten Stromerzeuger, welcher nach dem Prinzip der Schutztrennung arbeitet, wird das erste Betriebsmittel direkt angeschlossen. Jedes weitere


Abb. 3
Beispiel für den Betrieb eines Stromerzeugers bei erhöhter elektrischer Gefährdung.

Betriebsmittel muss über einen separaten Trenntransformator betrieben werden. Nach einem Trenntransformator darf keine weitere Unterverteilung betrieben werden.

Diese Schaltungsvariante ist generell für alle Anwendungszwecke geeignet.

Beim Vorliegen erhöhter elektrischer Gefährdung ist beim Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel die Verwendung von RCDs nicht ausreichend.

Mobile Stromerzeuger, Trenntransformatoren und Transformatoren für Schutzkleinspannung dürfen nur außerhalb des Bereiches erhöhter elektrischer Gefährdung (z. B. außerhalb des Rohrgrabens) aufgestellt werden.

Handleuchten dürfen innerhalb des Bereiches mit begrenzter Bewegungsfreiheit ausschließlich mit Schutzkleinspannung betrieben werden. Wird die Beleuchtung außerhalb des Bereiches erhöhter elektrischer Gefährdung aufgestellt, reicht zu ihrer Absicherung ein Fehlerstromschutzschalter als Schutzmaßnahme aus.

Akku-betriebene elektrische Betriebsmittel erfüllen ebenfalls das Schutzprinzip „Schutzkleinspannung“. Sie sind generell geeignet für den Einsatz in Rohrleitungen, Schächten und Rohrleitungsgräben.

 

3.3.4 Erdung von Stromerzeugern

Stromerzeuger, welche nach dem Prinzip der Schutztrennung arbeiten, müssen nicht geerdet werden. Sind Isolationsüberwachungsgeräte in den Stromerzeugern eingebaut, muss der Potentialausgleich der Stromerzeuger geerdet werden, damit ein erster Fehler gegen Erde sicher erkannt wird. Diese Schutzmaßnahme muss durch eine Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft errichtet werden und danach die Wirksamkeit durch die Elektrofachkraft geprüft werden.

Werden mobile Stromerzeuger in geerdeten Netzsystemen betrieben, (Fehlerstromschutzschaltung mit Erdung), ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme durch eine Elektrofachkraft nachzuweisen.

 

3.3.5 Unvorhergesehene Spannungen an elektrisch leitfähigen Rohrleitungen

 

3.3.5.1 Vor dem Trennen oder Verbinden von Leitungen aus Metall, dem Ein- oder Ausbauen von Leitungsteilen, Armaturen, Zählern, Druckregelgeräten und ähnlichen Geräten solcher Leitungen sowie vor dem Ziehen und Setzen von Steckscheiben ist zum Schutz gegen

  • gefährliche Berührungsspannung
  • und

  • zündfähigen Funkenüberschlag bei brennbaren Gasen

eine metallene, elektrisch leitende Überbrückung der Trennstelle herzustellen, wenn nicht eine anderweitig elektrisch leitende Überbrückung besteht.

Dies wird z. B. erreicht, wenn zur Überbrückung flexible isolierte Kupferseile nach DIN 46 440 „Umflochtene Rundseile aus Kupfer“ verwendet werden, die bei einer Länge bis 10 m einen Querschnitt von 25 mm2 und bei einer Länge bis 20 m einen Querschnitt von 50 mm2 aufweisen.
Bei Leitungen der Gasinstallation und bei Hausanschlussleitungen ist zur Überbrückung ein hochflexibles isoliertes Kupferseil nach DIN 46 440 mit einem Querschnitt von mindestens 16 mm2 bis zu einer Länge von 3 m zu verwenden. Der Übergangswiderstand zwischen Gasleitung und Überbrückungskabel ist so gering wie möglich zu halten.
Ein geringer Übergangswiderstand wird z. B. erreicht, wenn die Kontaktflächen metallisch blank sind und großflächig aufeinander gepresst werden; siehe hierzu auch DVGW-Arbeitsblatt GW 309 „Elektrische Überbrückung bei Rohrtrennungen“. Haftmagnete sind ungeeignet, weil sie keine gesicherte Verbindung gewährleisten.
Siehe auch Abschnitt 3.8 des Kapitels 2.31 „Arbeiten an Gasleitungen“ der DGUV Regel 100-500 und 100-501 „Betreiben von Arbeitsmitteln“.
 

3.4 Gefahrstoffe

 

3.4.1 Allgemeines

Bei Rohrleitungsbauarbeiten werden Arbeitsverfahren angewandt, bei denen unter anderem mit folgenden Gefahrstoffen zu rechnen ist:

  • Stäube beim Schneiden von z. B. Steinzeug, Beton, PVC oder GFK,
  • krebserzeugende Faserstäube beim Bearbeiten von Asbest-Zement-Rohren,
  • Rauche und Gase beim Schweißen oder Brennschneiden von Stahl,
  • krebserzeugende Rauche beim Schweißen von hochlegierten Werkstoffen,
  • Dämpfe, z. B. beim Verwenden von ungesättigten Polyesterharzen (UP-Harzen) lösemittelhaltigen Epoxidharzprodukten,
  • Rauche und Gase beim thermischen Aufbringen und Entfernen von Umhüllungen,
  • Abgase aus Verbrennungsmotoren,
  • Allergie auslösende Stoffe, z. B. beim Verwenden von Epoxidharzprodukten oder Polyurethanprodukten,
  • reizende oder ätzende Stoffe, z. B. beim Verwenden von zementhaltigen Produkten oder Epoxidharzprodukten.
Auf Grund der häufig räumlich beengten Verhältnisse treten die einatembaren Gefahrstoffe meist in erhöhten Konzentrationen auf.
 

3.4.2 Schutzmaßnahmen gegen Gefahrstoffe

 

3.4.2.1 Beim Auftreten von Gefahrstoffen sind geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Vorrangig sind emissions-/staubarme Arbeitsverfahren einzusetzen bzw. Arbeitsverfahren mit Absaugung an der Entstehungsstelle.

Geeignete Schutzmaßnahmen bei den nachfolgenden Arbeiten sind z. B.:
Arbeitsvorgang Schutzmaßnahmen
Schneiden, Schleifen von Steinzeug oder Beton Benutzung staubarmer hydraulischer Rohrknacker, Rohrschneider mit Absaugung, Nassschneiden, Belüftung, Staub absaugen siehe auch Technische Regel für Gefahrstoffe "Mineralischer Staub" (TRGS 559), geeignete persönliche Schutzausrüstungen (Atemschutz, Augenschutz, Gehörschutz) benutzen
Schneiden, Schleifen von Kunststoffen, z. B. GFK, PVC Benutzung staubarmer Trenngeräte (z. B. mit Schneidrädern), Staubabsaugung an der Entstehungsstelle, Belüftung, geeignete persönliche Schutzausrüstungen (Atemschutz, Augenschutz) benutzen
Schweißen von Stahl, Guss Gefahrstoffarme Schweißverfahren verwenden, Absaugen möglichst direkt an der Entstehungsstelle, belüften, siehe auch Kapitel 2.26 „Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren“ der DGUV Regel 100-500 und 100-501 „Betreiben von Arbeitsmitteln“ Technische Regel für Gefahrstoffe "Schweißtechnische Arbeiten" (TRGS 528) und DGUV Information 209-077 "Schweißrauche – geeignete Lüftungsmaßnahmen" geeignete persönliche Schutzausrüstungen (Atemschutz, Augenschutz) benutzen
Schweißen von hochlegierten Werkstoffen Unter Umständen sind besondere Maßnahmen notwendig, z. B. Gefahrstoffarme Schweißverfahren verwenden, Absaugung möglichst direkt an der Entstehungsstelle, Atemschutz mit Gebläseunterstützung, siehe auch Kapitel 2.26 „Schweißen, Schneiden und verwandte Verfahren“ der DGUV Regel 100-500 und 100-501 „Betreiben von Arbeitsmitteln“, Technische Regel für Gefahrstoffe „Schweißtechnische Arbeiten“ (TRGS 528) und DGUV Information 209-077 „Schweißrauche – geeignete Lüftungsmaßnahmen“
Einsatz von Verbrennungsmotoren Falls möglich, Geräte mit Elektroantrieb einsetzen, ferngesteuerte Geräte verwenden (z. B. zur Grabenverdichtung)
Bearbeiten von Asbest-Zement-Rohren (AZ-Rohren) Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an asbesthaltigen Produkten dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden, die über eine geeignete personelle und technische Ausstattung gemäß TRGS 519 verfügen. Arbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche führen – z. B. Abschleifen, Druckreinigen oder Bohren – sind grundsätzlich verboten. Die Bearbeitung von AZ-Rohren, z. B. Trennen der Rohre oder Anbohren zum Anbinden von Hausanschlüssen, darf nur mit anerkannten emissionsarmen Verfahren durchgeführt werden. Entsprechende Verfahren werden in der DGUV Information 201-012 „Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten“ beschrieben
Verwenden von lösemittelfreien Epoxidharzprodukten, zementhaltigen Produkten Geeignete persönliche Schutzausrüstungen (Handschutz, Körperschutz, Augenschutz) benutzen.
Werden Verfahren mit Absaugung an der Entstehungsstelle der Gefahrstoffe benutzt, ist in Kanälen und Schächten auf eine ausreichende Zuluftführung zu achten. Der zugeführte Luftvolumenstrom soll wegen der Strömungsverluste mindestens das Doppelte des abgeführten Luftvolumenstroms betragen, soweit nicht nach Abschnitt 5.4.3.1 ein größerer Luftvolumenstrom zuzuführen ist.

Siehe auch DGUV Information 209-073 „Arbeitsplatzlüftung – Lüftungstechnische Maßnahmen“
Information „Arbeitsplatzlüftung“ (BGI 5121).
Bezüglich der Grundpflichten und Maßnahmen zum Schutz der Versicherten siehe Abschnitte 3 und 4 der Gefahrstoffverordnung.
 

3.5 Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe

Bei Arbeiten in oder an Rohrleitungen können Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe entstehen, wenn diese Leitungen der Beförderung von Abwässern, z. B. aus häuslichen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Einrichtungen dienen. Biologische Arbeitsstoffe sind Mikroorganismen die beim Menschen Infektionen, sensibilisierende oder toxische Wirkungen hervorrufen können.

Bezüglich der durchzuführenden Schutzmaßnahmen siehe Abschnitt 5.5.
 

3.6 Brand- und Explosionsgefährdungen

 

3.6.1 Allgemeines

Bei Rohrleitungsbauarbeiten ist bei der Verwendung von brennbaren Stoffen, beim Umgang mit Flüssiggas oder bei Arbeiten in der Nähe von Gasleitungen mit Brand- und Explosionsgefährdungen zu rechnen. Außerdem können eingeleitete brennbare Stoffe oder Faulprozesse, z. B. in Kanalisationen, zu Brand- und Explosionsgefährdungen führen.

 

3.6.2 Tätigkeiten mit brennbaren Stoffen

Bei Tätigkeiten mit brennbaren Stoffen, z. B. Klebern, Lösemitteln, Korrosionsschutzfarben, brennbaren Rohrwerkstoffen beim Schlauchrelining, Kraftstoffen, sind unter anderem folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • Leicht brennbare Stoffe falls möglich ersetzen,
  • brennbares Material soweit möglich entfernen,
  • bei Tätigkeiten mit Lösemitteln ausreichende Lüftung sicherstellen, bei hohen Konzentrationen an der Entstehungsstelle absaugen,
  • Zündquellen vermeiden, z. B. mechanische Zündfunken, elektrostatische Entladungen, Schweißfunken, heiße Oberflächen,
  • bei Tätigkeiten mit Lösemitteln Wechselwirkungen mit anderen Arbeitsplätzen wie Schweißarbeitsplätzen berücksichtigen, da Lösemitteldämpfe sich am Boden anreichern und in benachbarte Bereiche kriechen können,
  • Rauchverbot,
  • geeignete Feuerlöscher bereitstellen,
  • Rettungswege freihalten,
  • Unterweisung der Versicherten beim Umgang mit Feuerlöschern, Löschübungen durchführen.
Siehe auch Anhang I Nr. 1 der Gefahrstoffverordnung und Technishe Regen für Arbeitsstätten ASR A 2.2 „Maßnahmen gegen Brände“.
 

3.6.3 Verwendung von Flüssiggas

 

3.6.3.1 Flüssiggas ist schwerer als Luft und kann am Boden des Rohrgrabens ansammeln. Bei der Verwendung von Flüssiggas sind zusätzlich zu Abschnitt 3.6.2 folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • Ortsbewegliche Flüssiggasbehälter dürfen nur in der für den ununterbrochenen Fortgang der Arbeiten erforderlichen Zahl am Arbeitsplatz aufgestellt werden,
  • flüssiggasbefeuerte Geräte, die aus Behältern mit mehr als 1 l Rauminhalt versorgt werden, müssen
    • über Erdgleiche mit Schlauchbruchsicherungen,
    • unter Erdgleiche mit Leckgassicherungen, die schon bei kleinen Schlauchbeschädigungen (Leckgasmengen) die Gaszufuhr abstellen,
      oder
    • Druckreglern mit integrierter Dichtheitsprüfeinrichtung und einer Schlauchbruchsicherung, bei denen vor jeder Inbetriebnahme zwangsläufig eine Dichtheitsprüfung erfolgt,
    betrieben werden.
  • Zur Versorgung der Verbrauchsanlage, dürfen keine Einwegbehälter verwendet werden.
Siehe auch DGUV Vorschrift 79 UN 80 „Verwendung von Flüssiggas“.
 

3.6.4 Arbeiten im Bereich von Gasleitungen

 

3.6.4.1 Bei Arbeiten im Bereich von erdverlegten Gasleitungen sind die erforderlichen Schutzmaßnahmen mit dem Leitungsbetreiber festzulegen und z. B. wie folgt durchzuführen:

  • Ermitteln, um welche Gase es sich handelt (z. B. Erdgas, Flüssiggas).
  • Verlauf von Gasleitungen vor Beginn von Grabarbeiten ermitteln und kennzeichnen (Trassenmarkierungen, wie gelbe Leitungspfähle, Markierungssteine, Plaketten an Gebäuden, Warnbänder, Schieberkappen, Gasdruckregel- und Messanlagen beachten),
  • Gasleitungen in Handschachtung freilegen.
 

3.6.4.2 Beschädigungen an der Gasleitung und ihrer Umhüllung sind dem Leitungsbetreiber zu melden.

Zu den Beschädigungen zählen:

  • das versehentliche Anheben einer Gasleitung mit z. B. dem Baggerlöffel
  • die geringfügige Beschädigung der Leitungsisolierung.

Kleine Beschädigungen können langfristig zu Leckagen und dadurch zu Bränden oder Explosionen führen.

Nur der Leitungsbetreiber kann beurteilen, wie die Beschädigung behoben werden muss.

 

3.6.4.3 Bei unvermutetem Auftreten von Gas sind sofort alle Zündquellen zu beseitigen, der Gefahrbereich abzusperren, Passanten und Anwohner zu warnen. Hierbei ist zu beachten, dass keine elektrische Klingel oder Beleuchtung betätigt werden darf. Sofern möglich, ist die Leckstelle abzudichten und die Gasausbreitung zu verhindern.

Austretendes Flüssiggas ist schwerer als Luft und kann sich in tiefer liegenden Räumen, Kanälen, Schächten und Öffnungen ansammeln.

Unverzüglich sind der Anlagenbetreiber und gegebenenfalls die Feuerwehr zu verständigen. Ein Gasbrand darf nur gelöscht werden, wenn Personen- oder große Sachschäden zu befürchten sind.

Gefährdete Anlagen, z. B. den Flüssiggasbehälter, mit Wasser kühlen.

Die Arbeiten dürfen erst nach Freigabe durch den Leitungsbetreiber fortgesetzt werden.

 

3.7 Weitere physikalische Gefährdungen

 

3.7.1 Lärm

Werden Versicherte in Lärmbereichen beschäftigt, ist grundsätzlich die Gefahr einer Gehörschädigung gegeben. Während bei Tages-Lärmexpositionspegeln von 80 dB(A) bis 84 dB(A) Gehörschäden nur bei lang andauernder Lärmbelastung auftreten können, nimmt bei Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) und mehr die Schädigungsgefahr deutlich zu.

 

3.7.1.1 Der Unternehmer hat ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) bzw. Spitzenschalldruckpegel 135 dB(C) geeignete Gehörschutzmittel zur Verfügung zu stellen. Eine Tragepflicht für die Versicherten besteht ab 85 dB(A) bzw. Spitzenschalldruckpegel 137dB(C).

Mit Lärmpegeln oberhalb der Schädigungsgrenze ist bei folgenden Arbeiten zu rechnen:
  • Abbrucharbeiten mit Abbau- und Bohrhämmern sowie Baggern mit Meißeleinrichtungen,
  • Arbeiten mit oder in unmittelbarer Nähe von durch Verbrennungsmotor angetriebenen Maschinen älterer Bauart,
  • Verbauarbeiten im Kanalbau, z. B. Ein- und Ausbau der Spreizen und Spindeln durch Hammerschläge,
  • Rammarbeiten, z. B. mit Schlagrammen,
  • Arbeiten an und mit Bodenverdichtungsgeräten, z. B. Explosionsstampfern, Rüttelplatten, Vibrationswalzen,
  • Arbeiten mit Bodendurchschlagsraketen,
  • Strahlarbeiten,
  • Schweißarbeiten mit Elektroden.
 

3.7.1.2 Der Lärmschutz basiert im Wesentlichen auf folgenden Maßnahmen:

  • Technische Lärmminderung,
  • Organisatorische Maßnahmen,
  • Bereitstellung und Benutzung von persönlichem Schallschutz,
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge.
Siehe auch Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung,
DGUV Regel 112-194 „Benutzung von Gehörschützern“ und
DGUV Information 212-024 „Gehörschutz“.
 

3.7.2 Vibration

 

3.7.2.1 Für Arbeitsplätze, bei denen Vibrationen (Hand-Arm-Vibrationen sowie Ganzkörper-Vibrationen) auftreten können, ist unter anderem die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung zu berücksichtigen. Danach ist der Arbeitgeber insbesondere verpflichtet, eine Bewertung und erforderlichenfalls Messung der Vibrationen vorzunehmen, sofern Arbeitnehmer diesen ausgesetzt sind.

 

3.7.2.2 Anhand der Bewertung sind technische oder organisatorische Maßnahmen zur Minimierung der Exposition gegenüber Vibrationen durchzuführen.

 

3.7.3 Nichtionisierende Strahlung

 

3.7.3.1 Ultra-Violett-Strahlung tritt z. B. beim Lichtbogen-Schweißen, bei intensiver Sonnenstrahlung, oder bei der Kunststoffhärtung, z. B. beim Einbau von Schlauchliner-Schläuchen aus lichthärtendem Polyesterharz, auf. Sie ist gefährlich für die Haut und die Augen. Bei der Einwirkung dieser Strahlung auf die Augen kann es langfristig zum Augenkatarakt (Star) oder kurzfristig zu Horn- oder Bindehautentzündungen („Verblitzen“) kommen.

 

3.7.3.2 Infra-Rot-Strahlung tritt z. B. bei Schweißvorgängen auf. Sie kann Schädigungen der Netzhaut und Linse verursachen. Langwellige IR-Strahlung kann zum grauen Star (Feuerstar) führen.

 

3.7.3.3 Bei Laserstrahlung, z. B. Kanallaser, kann die hohe Intensität des Strahles, verbunden mit der großen Reichweite, das Auge bleibend schädigen.

Lasereinrichtungen werden, je nach Gefährdungspotential, in verschiedene Klassen eingeteilt.

 

3.7.3.4 Der Blick in Quellen nichtionisierender Strahlung ist zu vermeiden; andernfalls sind in Abhängigkeit von der jeweiligen Tätigkeit geeignete Schutzfilter auszuwählen und zu benutzen.

Siehe auch
Strahlenschutzverordnung,
DGUV Regel 112-192 und 112-992 „Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz“ und
DIN EN 60825-1/VDE 0837 Teil 1 „Sicherheit von Laser-Einrichtungen; Teil 1: Klassifizierung von Anlagen, Anforderungen und Benutzer-Richtlinien“.
 

3.7.4 Ionisierende Strahlung

 

3.7.4.1 Beim zerstörungsfreien Prüfen von Schweißnähten an Rohrleitungen mit Röntgen- oder Gammastrahlen sind unter anderem die Röntgenverordnung, die Strahlenschutzverordnung und das einschlägige Normenwerk zu beachten. Diese Prüfungen dürfen nur von hierfür befähigten und damit beauftragen Versicherten durchgeführt werden. Während der Prüfung ist der Gefahrenbereich zu kennzeichnen.

 

3.8 Physische Belastungen/Arbeitsschwere

 

3.8.1 Physische Belastungen können bei Rohrleitungsbauarbeiten insbesondere entstehen durch

  • das Heben und Tragen von Lasten, z. B. Rohre, Schachtbauteile, Schachtabdeckungen, Armaturen, Arbeitsmittel, Lastaufnahmemittel,
  • das Arbeiten in (deutlicher) Rumpfvorbeugehaltung, z. B. bei der Montage von Rohren, Schächten oder Armaturen,
  • körperliche Zwangshaltung, bedingt durch die Arbeitsumgebung, z. B. in Gräben, Schächten oder Rohrleitungen.
 

3.8.2 Soweit wie möglich muss die physische Belastung der Versicherten durch die Auswahl geeigneter Arbeitsverfahren und den Einsatz technischer Arbeitsmittel vermieden werden.


Abb. 4
Schachtdeckelhebelgerät

Bei der Montage von Schachtfertigteilen aus Beton kann beispielsweise der Einsatz der bis zu 30 kg schweren Schachtringgehänge entfallen, wenn mit Transportankern ausgestattete Fertigteile verwendet werden. Hier wiegen die entsprechenden Lastaufnahmemittel in der Regel nicht mehr als 5 kg.
Für das Abheben von Schachtdeckeln hat der Unternehmer geeignete Schachtdeckelhebegeräte zur Verfügung zu stellen.
In Rohrleitungen mit geringen Querschnittsabmessungen kann die physische Belastung der Versicherten durch den Einsatz ferngesteuerter Roboter – beispielsweise zum Herstellen von Hausanschlüssen oder zur Behebung lokaler Schäden – vermieden werden.
 

3.8.3 In Baugruben und Gräben lässt sich eine körperliche Zwangshaltung durch ausreichend bemessenen Arbeitsraum vermeiden, bzw. reduzieren. Die Mindestgrabenbreite nach DIN 4124 „Baugruben und Gräben; Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten“ und DIN EN 1610 „Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen“ sind in jedem Falle einzuhalten.

 

3.8.4 Arbeiten, die über das Verlegen und Prüfen der Rohre hinausgehen, z. B. Schweiß- oder Schneidarbeiten, erfordern – abweichend von DIN 4124 und EN 1610 – eine größere Grabenbreite im Bereich der Arbeitsstelle.

So darf z. B. nach DVGW-Arbeitsblatt GW 350 „Schweißverbindungen an Rohrleitungen aus Stahl in der Gas- und Wasserversorgung; Herstellung, Prüfung und Bewertung“ der Abstand vom Rohr zur Grabenwand 0,60 m und zur Grabensohle 0,40 m nicht unterschreiten. Die Länge der Kopflöcher an der Arbeitsstelle soll mindestens 1,50 m betragen.
 

3.8.5 Werden Versicherte in Rohrleitungen oder Schächten eingesetzt, sind die Mindestlichtmaße nach Abschnitt 5.2 zu beachten.

 

 

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