BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Anhang 1

Plattformen und Trägergeräte

Dieser Anhang beschreibt Einrichtungen und Eigenschaften von Plattformen und Trägergeräten nach Abschnitt 3 "Auswahl":

A. Plattform

An der Plattform sind folgende Einrichtungen bzw. Eigenschaften vorhanden:

  • Folgende Angaben sind deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht:

    • Name und Anschrift des Herstellers,
    • Arbeitsplattform,
    • zulässige Personenzahl auf der Plattform,
    • zulässige Nutzlast,
    • Eigengewicht der Plattform,
    • Typ und Fabriknummer,
    • Baujahr,
    • CE-Kennzeichnung;

  • eine ausreichend tragfähige, ebene, rutschhemmende, selbstentwässernde und leicht zu reinigende Standfläche;
      Tragfähigkeit der Standfläche: entsprechend Abschnitt 5.1 der DIN EN ISO 2867 "Erdbaumaschinen; Zugänge",
      Öffnungen in der Standfläche: maximal 35 x 35 mm groß.
  • ein umlaufendes, mindestens 1,00 m hohes Geländer mit Handlauf, Zwischenholm und Fußleiste, das eine den Einsatzbedingungen angepasste Festigkeit aufweist;
      Geländer siehe Abschnitt 10 der DIN EN ISO 2867.
  • eine Schutzstange außerhalb des Handlaufs, mindestens 100 mm vor und mindestens 100 mm unterhalb angeordnet, um ein Einquetschen der Hände zwischen dem Handlauf und festen Teilen der Umgebung zu verhindern;

  • ein Zugang, der in der Ein- und Ausstiegsposition vom Führer des Trägergerätes überblickt werden kann;

  • falls das Geländer zum Zugang vorübergehend geöffnet wird:

    • die Konstruktion lässt sich nur entgegen der Absturzrichtung oder nach oben oder seitlich (gleitend) öffnen;
    • sie schließt und sichert in geschlossener Stellung selbsttätig;

  • soll in Bereichen gearbeitet werden, in denen eine Gefährdung durch herabfallende Gegenstände besteht, z.B. in ungesicherten Tunnelbereichen oder bei Abbrucharbeiten:

    • ein ausreichend bemessenes Schutzdach;
      Dieses Schutzdach überdeckt eine Grundfläche von mindestens 0,4 m x 0,6 m je zugelassene Person und die lichte Höhe zwischen Standfläche und Schutzdach beträgt mindestens 1,90 m. Es entspricht mindestens Abschnitt 4 (Stufe 1) der DIN EN ISO 3449 „Erdbaumaschinen; Schutzaufbauten gegen herabfallende Gegenstände, Prüfung, Anforderungen“.
      Ein Schutzdach ist nicht erforderlich, wenn die Plattform so groß ist, dass Versicherte in den nicht gefährdeten Bereich zurücktreten können.

  • soll in Bereichen gearbeitet werden, in denen eine Gefährdung durch Einquetschen während des Hebevorgangs besteht:

    • eine Einrichtung, die verhindert, dass die auf der Plattform befindlichen Personen eingequetscht werden;
      Derartige Einrichtungen sind z.B.
    • entsprechende Schutzdächer,
    • an der Plattform angebrachte stabile Stempel von mindestens 1,90 m Höhe,
    • Andrückschalter, die mindestens 1,90 m über der Standfläche angebracht sind und bei Aktivierung die Hubbewegung unterbrechen
      oder
    • Zustimmungstaster für die Hubbewegung.

B. Trägergerät

Am Trägergerät sind folgende Einrichtungen bzw. Eigenschaften vorhanden:

  • Die Plattform wird vom Fahrerplatz des Trägergerätes aus gesteuert;

  • eine Einrichtung zur Begrenzung der Hub- und Senkgeschwindigkeit der Plattform auf höchstens 0,4 m/s, gemessen in Plattformmitte;

  • eine Einrichtung zur Begrenzung der Senkgeschwindigkeit für den Fall eines Schlauchbruches auf höchstens 0,4 m/s;

  • eine Einrichtung zur Begrenzung der Kippgeschwindigkeit der Plattform, auch im Falle eines Schlauchbruchs, auf höchstens 0,4 m/s, gemessen an der Plattformvorderkante;

  • sofern das Trägergerät mit einem Betriebsarten-Wahlschalter (BWS) ausgerüstet ist: Steuerung umschaltbar auf die Betriebsart "Personenbesetzte Plattform";
      Der BWS steuert folgende Funktionen:
    • Begrenzung der Hub-, Senk-, Schwenk- und Kippgeschwindigkeit;
    • gegebenenfalls Aktivierung des Zustimmungstasters an der Plattform.
  • eine Einrichtung, durch die die Plattform selbsttätig horizontal ausgerichtet wird; sie gewährleistet, dass (bezogen auf die Querachse des Trägergerätes) die Position der Plattform eine Neigung von ± 10° gegenüber der Standfläche des horizontal aufgestellten Trägergerätes über den gesamten Hubbereich der Plattform nicht überschreitet;

  • eine deutlich gekennzeichnete Einrichtung zur Notabsenkung der Plattform, z.B. für den Fall eines Energieverlustes;

  • ein Schutz des Fahrers vor herabfallenden Gegenständen;
      Dieser Schutz entspricht mindestens Abschnitt 4 (Stufe 1) der DIN EN ISO 3449 „Erdbaumaschinen; Schutzaufbauten gegen herabfallende Gegenstände, Prüfung, Anforderungen“.
  • am Fahrerplatz der deutlich erkennbare Hinweis, dass der Geräteführer den Fahrerplatz nur bei unbesetzter Plattform verlassen darf;

  • bei einem Hydraulikbagger als Trägergerät: zusätzlich

    • die für den Hebezeugbetrieb erforderlichen Einrichtungen;
        Einrichtungen für den Hebezeugbetrieb mit Hydraulikbaggern siehe DIN EN 474-5.
    • eine Einrichtung zur Begrenzung der Drehgeschwindigkeit des Oberwagens bei weitester Ausladung auf höchstens 0,7 m/s, gemessen in Plattformmitte;

  • soll unter Tage gearbeitet werden: zusätzlich Scheinwerfer, mit deren Hilfe der Geräteführer die Plattform und darauf befindliche Personen während aller Arbeitsvorgänge beobachten kann, es sei denn, an der Einsatzstelle ist eine ausreichende Allgemeinbeleuchtung vorhanden.

C. Verbindung der Plattform mit dem Trägergerät

Die Verbindung der Plattform mit dem Trägergerät hat folgende Eigenschaften:

  • Formschlüssig;

  • falls eine Schnellwechsel-Einrichtung (SWE) verwendet wird:

    • die Verriegelung der SWE erfolgt über eine formschlüssige Verbindung und die Verriegelungsstellung wird unter allen vorgesehenen Betriebsbedingungen beibehalten;

    • die Verriegelungsstellung ist vom Fahrerplatz aus überprüfbar bzw. von der Position aus, von der das Verriegelungsstellteil betätigt wird;

    • die Verriegelung löst sich weder bei einer Funktionsstörung noch bei Verlust des Haltedruckes selbsttätig;

    • keilförmige Verriegelungssysteme sind ständig mit Kraft, z.B. hydraulischer Druckspeicher, Federspeicher, beaufschlagt, um die Ausrüstung in Verriegelungsposition zu halten;

    • für die Betätigung eines hydraulisch betriebenen Verriegelungs-/Entriegelungssystems der SWE ist ein eigenes (separates) Stellteil vorhanden; dieses Stellteil ist gegen unbeabsichtigte Betätigung gesichert;

    • falls die Betätigung in ein Stellteil integriert ist, das auch für andere Funktionen als Ver-/Entriegeln genutzt wird:

      • Entriegelt wird nur bei gleichzeitigem Betätigen von zwei unabhängigen Stellteilen (beide mit Selbstrückstellung)
        oder
      • es ertönt automatisch ein akustisches Signal, solange die Entriegelungsfunktion freigeschaltet ist; die Entriegelung der SWE ist nicht möglich, falls die Funktion des akustischen Signals bedingt durch einen Kabelbruch versagt; die korrekte Funktion des akustischen Signals wird bei jedem Start des Motors überprüft.

D. Kompatibilität

Zur Sicherstellung der Kompatibilität sind folgende Unterlagen vorhanden:

  • Freigabe der Kombination zwischen Plattform und Trägergerät ("Bestätigung der Kompatibilität"), z.B. durch die Konformitätserklärung für die Plattform und das Trägergerät. Hierzu gehört die Beschreibung der Montage und der bestimmungsgemäßen Verwendung;
      Anmerkung: Bei Trägergeräten und Plattformen ab Baujahr 1995 müssen Konformitätserklärungen und ggf. eine EG-Baumusterprüfbescheinigung (siehe Abschnitt 3 Auswahl) vorliegen.

  • Standsicherheitsnachweis des Trägergerätes mit angebauter Plattform; in diesem Nachweis wurden die Standsicherheitskriterien für den Hebezeugbetrieb zu Grunde gelegt. Dabei wurden als zulässige Traglast für Plattformbetrieb 50 % der für den Hebezeugbetrieb zulässigen Traglast angesetzt.
      Bei der Bestimmung der Traglast für Plattformbetrieb ist das Gewicht der Plattform, die maximal zulässige Zuladung (Personen + Werkzeug) und, falls verwendet, das Gewicht der Schnellwechseleinrichtung zu berücksichtigen.
      Die Belastung durch Personen (100 kg je Person) ist als Punktlast in 0,1 m Abstand von der Innenseite des Handlaufs in ungünstigster Stellung anzusetzen (Abstand zwischen den Personenpunktlasten 0,5 m). Die zulässige zusätzliche Belastung, z.B. durch Werkzeuge, ist auf 25 % der Plattformbodenfläche in ungünstigster Stellung zu verteilen.
      Falls die Plattform nur bei Windgeschwindigkeiten unter 12,5 m/s eingesetzt werden darf, kann auf einen gesonderten Nachweis unter Berücksichtigung der Windlasten verzichtet werden.
      Beim Nachweis der Standsicherheit von gummibereiften Trägergeräten ist auch die Möglichkeit des Luftverlustes zu berücksichtigen; gegebenenfalls müssen zusätzliche Maßnahmen, z.B. ausgeschäumte Reifen, Notabstützungen oder Ähnliches, getroffen werden.

  • Bedienungsanleitung, die auch Angaben über die Randbedingungen enthält, die die Standsicherheit beeinflussen, z.B. die für die Trägermaschine zulässigen Geländeneigungen (Quer- und Längsachse).


Webcode: M1521-17