BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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5   Schutzmaßnahmen

Die grundsätzliche Rangfolge der Schutzmaßnahmen ist folgende:

  1. Technische Schutzmaßnahmen,
  2. Organisatorische Maßnahmen,
  3. Persönliche Schutzausrüstungen.

Die Maßnahmen haben sich am Stand der Technik zu orientieren. Im Folgenden werden Hinweise zu den im Rahmen der Kampfmittelräumung zu ergreifenden besonderen Schutzmaßnahmen gegeben.


5.1 Technische Schutzmaßnahmen

5.1.1 Arbeitsverfahren und Arbeitsmittel

In der Rangfolge der Schutzmaßnahmen steht an erster Stelle das vorgesehene Arbeitsverfahren. Aus dem Arbeitsverfahren ergeben sich die einzusetzenden Arbeitsmittel und Vorgehensweisen.

Geeignete Arbeitsverfahren sind nach § 4 Arbeitsschutzgesetz solche Verfahren, bei denen eine Gefährdung möglichst vermieden, zumindest aber weitestgehend minimiert wird; z.B. maschinelle Verfahren, dort wo ihr Einsatz möglich ist. Diese Prüfung, ob maschinelle Arbeitsverfahren eingesetzt werden können, ist allen übrigen Überlegungen hinsichtlich der anzuwendenden Arbeitsverfahren voranzustellen.

Nach § 4 Nr. 3 Arbeitsschutzgesetz ist bei der Auswahl der Schutzmaßnahmen der Stand der Technik zu berücksichtigen. Für Tätigkeiten mit besonders hohen Gefährdungen ist zu prüfen, ob z.B. ferngesteuerte Erdbaumaschinen oder Spezialmaschinen zur Verfügung stehen und entsprechend den örtlichen Gegebenheiten eingesetzt werden können.

In engem Zusammenhang mit der Auswahl des Arbeitsverfahrens stehen Auswahl und Ausrüstung der eingesetzten Arbeitsmittel:

  • Sondiertechnik und -geräte,
  • Arbeitsmittel zur Freilegung, Bergung und Transport der Kampfmittel (Erdbaumaschinen, Spaten und andere Werkzeuge, Separieranlagen, Fahrzeuge),
  • Geräte zur Identifizierung der Kampfmittel, insbesondere solche, die chemische Kampfstoffe enthalten,
  • Fahrzeuge und Behälter zum Transport von Kampfmitteln innerhalb der Räumstelle,
  • Aufbewahrungs- und Bereitstellungsbehälter.

5.1.2 Ausrüstungen von Baumaschinen

In Abhängigkeit von den zu erwartenden Gefährdungen müssen Baumaschinen, die bei der Kampfmittelräumung eingesetzt werden, mit zusätzlichen geeigneten Schutzeinrichtungen ausgerüstet sein, z.B.

Abb. 12: Bagger mit Sicherheitsverglasung
  • kommt die Gefahr durch Druckwelle, Splitterflug, Projektile ausschließlich von vorn:
    • Sicherheitsverglasung der bzw. vor der Frontscheibe,
    • verstärkte Stahlplatten im Fußbereich,

  • kommt die Gefahr durch Druckwelle, Splitterflug, Projektile von allen Seiten:
    • Sicherheitsverglasung aller bzw. vor allen Glasscheiben,
    • geeignete Verstärkung aller Metallwände.

Abb. 13: Bodenaushub zur Kampfmittelräumung in kontaminierten Bereichen nach BGR 128 unter Verwendung persönlicher Schutzausrüstung

Bei der Ausrüstung von kleineren Baumaschinen, z.B. Minibaggern mit zusätzlichen Schutzeinrichtungen, ist deren Einwirkung auf die Betriebssicherheit der Maschine (z.B. Standsicherheit) zu beachten.

Bei Arbeiten in kontaminierten Bereichen sind die eingesetzten Baumaschinen in Abhängigkeit von der Gefährdungsbeurteilung mit Anlagen zur Atemluftversorgung gemäß der BG-Information "Fahrerkabinen mit Anlagen zur Atemluftversorgung auf Erdbaumaschinen und Spezialmaschinen des Tiefbaues" (BGI 581) auszustatten (siehe auch Abschnitt 11.4 der BG-Regel "Kontaminierte Bereiche" (BGR 128 )). Besteht die Möglichkeit, dass chemische Kampfstoffe frei im Boden vorliegen oder bei den Tätigkeiten freigesetzt werden können, sind die eingesetzten Erdbaumaschinen stets mit Anlagen zur Atemluftversorgung auszurüsten.


5.1.3 Separieranlagen

5.1.3.1 Einsatzbeschränkungen von Separieranlagen

Separieranlagen dürfen nur eingesetzt werden, wenn die Explosivstoffmenge pro Munitionsstück 100 g nicht übersteigt.

  Munitionsteile mit weniger als 100 g Explosivstoffmenge haben in der Regel einen Kaliberdurchmesser unter 50 mm.

Munitionsstücke, die eine größere Explosivstoffmenge enthalten, dürfen nicht in die Anlage gelangen.

  Dies wird z.B. durch eine vorangehende Sondierung des zu separierenden Bodens und Bergung der großkalibrigen Kampfmittel (mehr als 100 g Explosivstoffmenge, z.B. Bomben, Granaten, Minen) durch Größenbegrenzung im Aufgabebereich oder andere Maßnahmen erreicht.

Es dürfen nur Separieranlagen eingesetzt werden, bei denen die Kampfmittel nicht aus großen Höhen fallen können.

  Dies kann z.B. erreicht werden durch
  • Begrenzung der Fallhöhe auf höchstens 50 cm,
  • Auslaufrutschen mit Holzsteg, Wasserbecken oder Plastikbahnen.

5.1.3.2 Schutzeinrichtungen und besondere Maßnahmen

Versicherte, die an oder in der Nähe der Separieranlage arbeiten, müssen durch geeignete Einrichtungen hinreichend vor Gefährdungen durch Detonation von Kampfmitteln geschützt werden. Vom Unternehmer ist die Wirksamkeit der Schutzeinrichtung nachzuweisen.

Abb. 14: Schutzeinrichtung Wand aus Sicherheitsglas
  Geeignete Schutzeinrichtungen sind z.B
  • Wände aus Sicherheitsglas (Panzerglas, laminiertes Polycarbonat),
  • Splitterschutzwände aus Holz oder dergleichen,
  • Splitterschutzwände aus Metall,
  • Schutzwälle,
  • Abschaltanlagen,
  • Fallhöhenbegrenzungen.
Von einem ausreichenden Schutz und damit der Wirksamkeit der Maßnahme ist auszugehen, wenn
  • die Wände aus Glas der Widerstandsklasse BR 6 der DIN EN 1063 "Glas im Bauwesen, Sicherheitssonderverglasungen; Prüfverfahren und Klasseneinteilung für den Widerstand gegen Beschluss" entsprechen (Splittermasse und Auftreffgeschwindigkeit siehe Tabelle 1 der DIN EN 1063),

  • Sicherheitsglas der DIN EN 13541 "Glas im Bauwesen; Sicherheitssonderverglasungen; Prüfverfahren und Klasseneinteilung des Widerstandes gegen Sprengwirkung" (Widerstandsklasse ER 4) entspricht,

  • Splitterschutzwände aus Stahl (St 37) mindestens 12 mm dick sind,

  • die Separieranlage durch eine entsprechende Schaltung stillgesetzt wird, wenn der Anlagenführer den gesicherten Arbeitsplatz verlässt,

  • die Fallhöhe der Kampfmittel durch Rutschen, Bahnen oder dergleichen auf 50 cm begrenzt wird.

Abb. 15: Einsatz von Separieranlagen

Die Separieranlage ist durch eine entsprechende Schaltung stillzusetzen, wenn der Anlagenführer den gesicherten Arbeitsplatz verlässt.

Erdbaumaschinen, die für die Beschickung einer Separieranlage mit dem Separiergut eingesetzt werden, müssen mit geeigneten Schutzeinrichtungen ausgerüstet sein.

  Geeignete Schutzeinrichtungen sind z.B.
  • Sicherheitsverglasung der bzw. vor der Frontscheibe und verstärkte Stahlplatten im Fußbereich (bei Explosionsgefahr ausschließlich von vorn).
  • Sicherheitsverglasung aller bzw. vor allen Glasscheiben und entsprechende Verstärkung aller Metallwände (bei Explosionsgefahr von allen Seiten).

Zum Schutz von weiteren Versicherten sind um die Separieranlage Schutzwälle aus Erdreich oder dergleichen anzulegen. Sie gewährleisten auch Schutz für Dritte und Gegenstände innerhalb und außerhalb der Räumstelle. Bei Separieranlagen, die so ausgerüstet sind, dass bei Detonation von Kampfmittel in der Anlage keine Wirkung nach außen entstehen kann, können solche Schutzwälle entfallen.

Zum Schutz der Versicherten vor Ort ist die Stelle, an der die Kampfmittel aufbewahrt werden (Tagesbereitstellungslager), mit ausreichendem Abstand zur Separieranlage anzulegen.


5.1.4 Ferngesteuerte Arbeitsmaschinen

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung eine besonders hohe Gefahr, sollten ferngesteuerte Arbeitsmaschinen zum Einsatz kommen, z.B. funkgesteuerte Roboter.


5.2 Organisatorische Maßnahmen

5.2.1 Leitung, Aufsicht, Koordination

5.2.1.1 Leitung

Räumarbeiten müssen von einer Verantwortlichen Person nach § 19 Abs. 1 Nr. 3 Sprengstoffgesetz, die auch Inhaber eines gültigen, behördlichen ausgestellten Befähigungsscheines nach § 20 Sprengstoffgesetz sein muss, geleitet werden. Die Verantwortliche Person muss die vorschriftsmäßige Durchführung der Räumarbeiten gewährleisten und während der Räumarbeiten ständig auf der Räumstelle anwesend sein.

Sind mehrere Verantwortliche Personen auf einer Räumstelle gleichzeitig mit der Räumung befasst, ist ein Gesamtverantwortlicher zu bestimmen, z.B. der Räumstellenleiter.

  siehe Abschnitt 7. 2 der "Explosivstoff-Zerlege- oder Vernichteregeln" [BGR 114]

Ist zu erwarten, dass Räumarbeiten in kontaminierten Bereichen durchzuführen sind, müssen die Arbeiten von einer Person geleitet werden, die die Sachkunde für "Arbeiten in kontaminierten Bereichen" der BG-Regel "Kontaminierte Bereiche" (BGR 128 ) besitzt. Werden die "kontaminierten Bereiche" durch chemische Kampfstoffe verursacht, müssen die Arbeiten von einer Person geleitet werden, die zusätzlich eine Fachkunde in Bezug auf den Umgang mit chemischen Kampfstoffen besitzt.

5.2.1.2 Aufsicht

Räumarbeiten müssen in jeder Arbeitssituation von fachlich geeigneten Personen beaufsichtigt werden, wobei besondere Situationen, z.B. Arbeiten in kontaminierten Bereichen, Umgang mit chemischen Kampfstoffen, bei der Auswahl der Aufsichtführenden zu berücksichtigen sind.

In der Regel sind die Aufsichtführenden bei Räumarbeiten ebenfalls Verantwortliche Personen nach § 19 Abs.1 Nr. 3 Sprengstoffgesetz. Die Aufsichtführenden sind durch den Unternehmer zu bestellen.

  Die Beaufsichtigung in jeder Arbeitssituation ist z.B. gegeben bei ständigem Sicht- und Rufkontakt unter Berücksichtigung der Geländesituation.

Wieviele Sondiereinheiten von einem Aufsichtführenden überwacht werden können, ist wesentlich abhängig von der Morphologie und dem Bewuchs des Geländes, d.h. von der Möglichkeit, jederzeit und in jeder Arbeitssituation Sicht- und Rufkontakt zu jeder Sondiereinheit zu haben.

  Im ebenen, von höherem Bewuchs freien Gelände können mehrere Sondiereinheiten gleichzeitig beaufsichtigt werden; in einem Gelände mit starker Morphologie (übermannshohe Gräben, stark hügelig) oder dichtem Bewuchs, der z.B. aus Gründen des Naturschutzes nicht gerodet werden kann, kann pro verantwortliche Person nur eine einzige Sondiereinheit vorgesehen werden.

Da die örtlichen Gegebenheiten zu den Umständen gehören, auf die der mit den Räumarbeiten beauftragte Unternehmer keinen Einfluss hat (siehe Abschnitt 3.2 ), sind diese bereits in der Planung und Ausschreibung der Räumarbeiten zu berücksichtigen.

Gleichzeitig beeinflussen örtliche Gegebenheiten aber auch die Möglichkeit zur regelgerechten Durchführung der Aufsicht, d.h. diese Umstände sind Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung!

Unter Berücksichtigung dieser Zusammenhänge wird empfohlen werden, die Maximalzahl der von einer verantwortlichen Person beaufsichtigten Sondiereinheiten bereits in der Planung festzulegen, z.B. mit Hilfe eines Fachplaners.

5.2.1.3 Koordinierung

Entsprechend der verschiedenen Rechtsgrundlagen, in denen sie definiert sind, können sich Koordinierungsverpflichtungen an verschiedene Adressaten richten:

  • Der Bauherr/Auftraggeber wird angesprochen über die Baustellenverordnung (siehe § 3 ), bei Arbeiten in kontaminierten Bereichen über Abschnitt 5 der BG-Regel "Kontaminierte Bereiche (BGR 128 )" sowie über § 17 Abs. 2 der Gefahrstoffverordnung. Während der Planung ist zu prüfen, aus welchen Rechtsgrundlagen sich welche Koordinierungsverpflichtungen ergeben könnten.

  • Koordinierungsverpflichtungen des Unternehmers (Auftragnehmers) ergeben sich im Wesentlichen aus § 6 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1 ): in dem Fall, dass auf einer Räumstelle Mitarbeiter mehrerer Unternehmen beschäftigt sind, ist bzgl. der Koordinierung der Arbeiten ein Gesamtverantwortlicher schriftlich zu bestellen, in der Regel der Räumstellenleiter (siehe § 6 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" [BGV A1 ]).

5.2.2 Räumpersonal

5.2.2.1 Alter, Eignung

Die bei Kampfmittelräumarbeiten eingesetzten Beschäftigten sollen

  • das 18. Lebensjahr vollendet haben (siehe § 22 Jugendarbeitsschutzgesetz)
    und
  • körperlich und geistig geeignet sein.

5.2.2.2 Befähigung

Die im Rahmen von Kampfmittelräumarbeiten eingesetzten Beschäftigten müssen über die für die jeweils übertragene Aufgabe erforderliche Befähigung verfügen. Die erforderliche Befähigung kann unter anderem erreicht werden

  • durch spezielle Lehrgänge,
  • durch das Vorhandensein langjähriger Berufserfahrung (Nachweise der Tätigkeit als Räumarbeiter).

Der Unternehmer hat dafür Sorge zu tragen, dass gültige Befähigungsscheine und notwendige Erlaubnisse vorhanden sind.

5.2.3 Sonstige organisatorische Maßnahmen

5.2.3.1 Verhaltensregeln

Bei besonderen Gefährdungen sind auch besondere Regeln für das Verhalten am Arbeitsplatz festzulegen. Dies sind bei Arbeiten zur Kampfmittelräumung z.B.:

  • Rauchverbot,
  • Ess- und Trinkverbot.

5.2.3.2 Betriebsanweisung

Der Unternehmer oder der Räumstellenleiter hat für alle auf der Räumstelle auszuführenden Tätigkeiten, bei denen eine Gefährdung durch Kampfmittel besteht, Betriebsanweisungen zu erstellen.

  Der Tätigkeitsbezug der Betriebsanweisung kann dadurch hergestellt werden, dass entweder innerhalb einer Betriebsanweisung sämtliche auf der Räumstelle auszuführende Tätigkeiten, bei denen eine Gefährdung durch Kampfmittel besteht, erfasst und angesprochen werden, oder für jede einzelne Tätigkeit eine gesonderte Betriebsanweisung erstellt wird.

Die Betriebsanweisungen haben folgende Angaben zu enthalten (nach Abschnitt 4 des Anhangs 5 der "Explosivstoff-Zerlege- oder Vernichteregeln" [BGR 114]):

  • die besonderen Gefahren und das Verhalten bei der jeweiligen Tätigkeit mit dem betreffenden Kampfmittel,
  • die Bestimmungen der Maßnahmen zu Sicherheit- und Gesundheitsschutz,
  • Verhaltensregeln und Maßnahmen bei Unregelmäßigkeiten, Bränden und Explosionen sowie bei Unfällen,
  • die Bedienung von Betriebseinrichtungen,
  • die Erste Hilfe.

Neben der Gefährdung durch Kampfmittel sind in den Betriebsanweisungen aber auch andere Gefährdungen, z.B. Absturzgefahr, Einsturz von Baugruben und durch elektrische Energie zu berücksichtigen.

Die Betriebsanweisungen sind in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache abzufassen, an geeigneter Stelle an der Räumstelle bekannt zu machen und zur Einsichtnahme auszulegen oder auszuhängen.

5.2.3.3 Unterweisung

Der Unternehmer hat die Beschäftigten über die mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen auf der Räumstelle sowie die Maßnahmen zu deren Verhütung zu unterweisen.

  Siehe § 12 Abs. 1 und 2 Arbeitsschutzgesetz, §§ 4 und 21 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1 ), Anhang 5 der "Explosivstoff-Zerlege- oder Vernichteregeln" (BGR 114).

Die Unterweisung ist räumstellenbezogen vor Beginn der Arbeiten durchzuführen und nach der "Explosivstoff-Zerlege- oder Vernichteregeln" (BGR 114) mindestens vierteljährlich zu wiederholen.

Unterweisungen sind auch durchzuführen bei

  • Neueinstellungen vor der Arbeitsaufnahme,
  • bei wesentlichen Veränderungen der Arbeitsbedingungen, was häufig auch eine Veränderung der Gefährdung bewirkt.

Inhalte und Zeitpunkt der Unterweisung sind zu dokumentieren und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen.


5.2.4 Arbeitsplätze

5.2.4.1 Alleinarbeit

Arbeiten bei der Kampfmittelräumung sind grundsätzlich stets von 2 Personen auszuführen (siehe Abschnitt 3.3 des Anhangs 5 der "Explosivstoff-Zerlege- oder Vernichteregeln" [BGR 114]). Abweichend hiervon kann der Unternehmer im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festlegen, für welche Arbeiten Alleinarbeit zulässig ist. In der Betriebsanweisung ist dann festzulegen, welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen in diesen Fällen vorzusehen sind. Insbesondere sind die Überwachung, die Meldesysteme und die Organisation der Ersten Hilfe zu regeln.

  Siehe § 21 Abs. 2 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1 ).

5.2.4.2 Abstand von Arbeitsplätzen, Schutzwälle

Bei der Kampfmittelräumung müssen Arbeitsplätze soweit voneinander getrennt sein, dass keine gegenseitige Gefährdung eintritt. Dies kann erreicht werden durch

  • ausreichenden Abstand zwischen den Arbeitsplätzen,
  • Schutzwälle.

5.2.4.3 Arbeiten in schiffbaren Gewässern

Räumarbeiten in schiffbaren Gewässern dürfen nur in Abstimmung mit den für die Wasserstraßen und die Schifffahrt zuständigen Aufsichtsbehörden durchgeführt werden.

5.2.5 Erste Hilfe

Auf der Grundlage der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1 ) in Verbindung mit Abschnitt 19 des Anhangs 5 der "Explosivstoff-Zerlege- oder Vernichteregeln" (BGR 114) hat der Unternehmer in Abstimmung mit den örtlich zuständigen Bergungs- und Rettungsstellen dafür zu sorgen, dass

Abb. 16: Bereitstellung von Erste-Hilfe-Material im unmittelbaren Arbeitsbereich
  1. die für die Rettung aus Gefahr und die für die Erste Hilfe erforderlichen Personen, Einrichtungen und Hilfsmittel zur Verfügung stehen,

  2. alle auf der Räumstelle Beschäftigten als Ersthelfer ausgebildet sind, sofern nicht durch andere Maßnahmen eine gleichwertige Erste-Hilfe-Leistung gewährleistet ist,

  3. Meldeeinrichtungen vorhanden sind und durch organisatorische Maßnahmen sichergestellt ist, dass unverzügliche Hilfe herbeigerufen und an den Einsatzort geleitet werden kann. Hierzu gehört auch die Bereitstellung, Freihaltung und Kennzeichnung von Rettungswegen und möglichst einem Hubschrauberlandeplatz.
  4. beim Umgang mit chemischen Kampfstoffen und/oder Kampfstoffmunition müssen im Einvernehmen mit einem in die Toxikologie der chemischen Kampfmittel eingewiesenen Arzt die Erste-Hilfe-Maßnahmen festgelegt werden.
      Hierzu gehört z.B. die Festlegung,
    • welches Rettungspersonal (Arzt, Sanitäter, Ersthelfer) vor Ort oder in Rufbereitschaft sein muss,
    • welches spezielle Erste-Hilfe-Material an der Arbeitsstelle vorgehalten werden muss,
    • welche speziellen Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Unfall getroffen werden müssen.

    Entsprechend der zu erwartenden Kampfstoffe ist für die Ersthelfer bzw. Betriebssanitäter eine spezielle Ausbildung erforderlich.

    Siehe auch die stoffspezifischen Merkblätter der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie.

  5. Rettungs- und begleitende Maßnahmen mit der örtlichen Rettungsleitstelle und den betreffenden Krankenhäusern abgestimmt sind.

Abb. 17: Kennzeichnung Räumstelle Rettungsweg

5.2.6 Besondere organisatorische Maßnahmen beim Antreffen anderer als der vermuteten Kampfmittel

Werden andere als die gemäß den Angaben des Auftraggebers im Arbeits- und Sicherheitsplan zu erwartenden Kampfmittel angetroffen, sind geeignete Sofortmaßnahmen zu treffen.

  Geeignete Sofortmaßnahmen sind z.B.
  • Unterbrechung der Arbeiten an dieser Stelle,
  • Absperren der Arbeitsstelle,
  • sofortige Benachrichtigung der verantwortlichen Person und des Auftraggebers,
  • Ergänzung des Arbeits- und Sicherheitsplans,
  • Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung.


5.3 Persönliche Schutzausrüstungen

5.3.1 Allgemeines

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass die Gefährdungen allein durch technische und organisatorische Maßnahmen nicht beseitigt bzw. nicht ausreichend reduziert werden können, hat der Unternehmer geeignete persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung zustellen (siehe -->§ 29 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" [BGV A1 ] bzw. § 2 der PSA-Benutzungsverordnung).

Die Auswahl der persönlichen Schutzausrüstungen hat auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung zu erfolgen. "Gefährdungsbezogene Auswahl" heißt "tätigkeitsbezogene Auswahl", d.h. entsprechend der Gefährdungsbeurteilung kann z.B. die PSA bei Sondierarbeiten eine andere sein als beim Freilegen und Bergen der Munition. Ergibt sich bei der Gefährdungsbeurteilung, dass die Gefährdung vergleichbar ist, kann es auch sein, dass auf der betreffenden Räumstelle bei jeder Tätigkeit die gleiche Ausrüstung getragen werden kann bzw. muss.

5.3.2 Besondere persönliche Schutzausrüstungen, Körperschutz gegen Druckwelle und Splitterflug

Besteht die Gefährdung allein durch die bei der Umsetzung von Munition entstehende Druckwelle und den Splitterflug, ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob durch das Tragen von Körperschutzausrüstungen ein ausreichender Schutz gewährleistet werden kann, d.h. insbesondere die Verletzung lebenswichtiger Organe verhindert wird.

  • Ist dies der Fall, sind Körperschutzausrüstungen zur Verfügung zu stellen und zu tragen. Geeignete Körperschutzausrüstungen sind unter anderem Splitterschutzwesten oder -schürzen.

  • Ist dies nicht der Fall, kann auf das Tragen einer Körperschutzausrüstung verzichtet werden, da diese Ausrüstung in der Regel eine zusätzliche Belastung für den Beschäftigten darstellt.

Die Auswahl der Körperschutzausrüstungen ist auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung zu treffen. Dabei sind nicht nur die Gefährdungen durch Kampfmittel zu berücksichtigen, sondern auch die Gefährdungen, die sich für den Beschäftigten durch das Tragen der Körperschutzausrüstung selbst ergibt, z.B. durch das Gewicht und evtl. den Hitzestau unter der Körperschutzausrüstung.



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