BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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4 Arbeiten mit Rohrabsperrgeräten

4.1 Auswahl von Rohrabsperrgeräten

Bei der Auswahl des geeigneten Rohrabsperrgerätes sind die örtlichen Randbedingungen (z. B. Form und Beschaffenheit der abzusperrenden Leitung, Rohrdurchmesser, Sperrdruck) und die Angaben des Rohrabsperrgeräteherstellers zu berücksichtigen. Die Rohrabsperrgeräte dürfen nur bestimmungsgemäß unter Berücksichtigung der Betriebsanleitung des Herstellers betrieben werden.

4.2

Betriebsanweisung

Die Betriebsanweisung nach Abschnitt 3.2 muss mindestens folgende Angaben enthalten:

  • zulässige(r) Rohrnennweite/Nennweitenbereich (mm),
  • maximal zulässiger Betriebsdruck des Absperrgerätes,
  • Verwendung der in der Betriebsanleitung geforderten Sicherheitsventile und Manometer,
  • maximal zugelassene Sperrdrücke aus Wasser oder Luft (Diagramme oder Tabellen),
  • vorbereitende Maßnahmen zum sicheren Einsatz,
  • sicheres Einsetzen und Sichern gegen Ausschub und unkontrolliertes Verschieben,
  • sicherer Ausbau,
  • Instandhaltung und Lagerung,
  • Prüfung und Prüfungsintervalle,
  • vorgesehene Verwendung von Sicherungseinrichtungen gegen unbeabsichtigtes Entfernen (bei Druckrohrprüfungen).
(siehe auch Betriebsanleitung des Herstellers)

Die Betriebsanweisung muss an der Einsatzstelle einsehbar sein.

4.3

Maßnahmen vor Arbeitsbeginn

Vor dem Einbau von Rohrabsperrgeräten müssen die Rohrleitungen im unmittelbaren Einsatzbereich auf augenfällige Mängel untersucht werden. Die Rohrleitungen und Schachteinbauten müssen im Bereich der Absperrung ausreichend stabil, ebenflächig (z. B. ohne scharfe Kanten) und sauber sein. Rohrleitungen ohne Auflast sind gegen unzulässige Verschiebungen zu sichern.

4.4

Maßnahmen gegen die Gefahr unkontrollierten Verschiebens von Rohrabsperrgeräten und Ertrinken von Versicherten

Die Rohrabsperrgeräte müssen durch eine geeignete formschlüssige Sicherung gegen unkontrolliertes Verschieben oder Ausschub infolge Leitungsdrucks gesichert werden. Auf diese Sicherung kann nur verzichtet werden, wenn der Hersteller des Rohrabsperrgerätes eine formschlüssige Sicherung nicht grundsätzlich verlangt und bei Versagen des Rohrabsperrgerätes keine Gefährdung für Beschäftigte entstehen kann. Zur Auswahl der geeigneten Ausschubsicherung können vorhandene Herstellerangaben herangezogen werden. Liegen keine Herstellerangaben vor oder wird ein bauseits hergestellter Verbau als Ausschubsicherung verwendet, ist eine Berechnung mit einem Sicherheitsfaktor von 1,5 durchzuführen; dabei dürfen die Reibungskräfte zwischen Dichtkörper und Rohrinnenwand nicht berücksichtigt werden (Beispiel: Ergibt sich aufgrund des hydrostatischen Drucks eine Druckkraft von 10.000 N, muss der Verbau eine Längskraft von 15.000 N aufnehmen können). Bei wieder verwendbaren Ausschubsicherungen sind die Herstellerangaben (z. B. Ein- und Ausbau, zulässige Kraftaufnahme) zu beachten.

4.5

Sperrdruck

Es ist durch geeignete Verfahren sicherzustellen, dass der höchstzulässige Sperrdruck nicht überschritten wird. Zur Durchführung von Druckprüfungen mit Wasser ist beispielsweise ein Freispiegelbehälter oder entsprechende Ausrüstung zur drucklosen Füllung erforderlich. Bei Druckprüfungen mit Luft kann der Sperrdruck durch die Verwendung eines Steuerorgans (Druckbegrenzungsventil) kontrolliert werden.

 
4.6

Ausbau

Die Versicherten dürfen mit dem Ausbau von Ausschubsicherung und Rohrabsperrgerät erst beginnen, wenn der Sperrdruck vollkommen abgebaut ist.

4.7

Zusätzliche Bestimmungen für Rohrabsperrblasen und -kissen

Versicherte dürfen Rohrabsperrblasen und -kissen im Rohr zunächst nur so weit mit Luft füllen, dass diese zentrisch und vollflächig an der Rohrwandung anliegen und festsitzen. Die Ausschubsicherung sollte erst dann eingebracht werden, wenn die überwiegende Längenänderung auf Grund der Expansion der Dichtkörper abgeschlossen ist. Durch die Verwendung geeigneter Einrichtungen (z. B. Sicherheitsventile und Manometer) muss sichergestellt sein, dass der vom Hersteller vorgegebene maximale Betriebsdruck nicht überschritten werden kann. Beim Aufbringen des vollen Betriebsdrucks dürfen sich keine Versicherten im Gefahrbereich aufhalten. Aufgrund der Kompressibilität ihres Füllmediums dürfen mit Luft gefüllte Absperrblasen oder Absperrkissen in umschlossenen Räumen nur dann eingesetzt werden, wenn sich innerhalb des umschlossenen Raumes (z. B. Rohrleitung oder Schachtbauwerk) keine Personen aufhalten, die weitere Tätigkeiten ausführen.

4.8

Zusätzliche Bestimmungen für Druckprüfungen

Der Aufsichtführende nach Abschnitt 3.1 muss während der Druckprüfung auf der Baustelle ständig anwesend sein. Beim Aufbringen und Ablassen des Prüfdruckes sowie während der Druckprüfung dürfen sich keine Personen vor dem Absperrgerät aufhalten. Bei Druckprüfungen ist nur der kurzzeitige Aufenthalt vor dem formschlüssig gesicherten Rohrabsperrgerät, beispielsweise zum Betätigen der Armaturen, zugelassen. Der Prüfdruck muss gefahrlos (z. B. außerhalb des Gefahrbereiches) abgelesen werden können.

Eine Leitung mit nicht längskraftschlüssigen Verbindungen ist auch an den Rohrverbindungen, Krümmern, Abzweigen und Absperreinrichtungen unter Berücksichtigung des Prüfdruckes und der jeweiligen Bodenpressung ausreichend abzusteifen bzw. zu verankern. Die Absteifungen und Verankerungen dürfen erst entfernt werden, wenn die Leitung vollkommen druckentlastet ist.

 

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