BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3

Gemeinsame Bestimmungen

3.1

Allgemeines

3.1.1 Vorübergehender Personaleinsatz im Rohr
  Bei Rohrvortrieben mit unbemannten Verfahren ist der vorübergehende Einsatz von Personal im Rohrstrang oder in der Vortriebsmaschine nur dann zulässig, wenn die in der Tabelle angegebenen Bedingungen eingehalten sind.

 

 
MLM (mm) i.d.R. DN (mm) Personaleinsatz
< 600 < 800 nicht zulässig
≥ 600 bis < 800 ≥ 800 bis < 1000 zulässig bei Vortriebslängen 150 m unter Berücksichtigung des Kap. IX der UVV "Bauarbeiten" (BGV C22)
  • nur zum Beheben von Störungen
  • nicht für Hindernisbeseitigung aus der Vortriebsmaschine heraus
  • nicht für Kontrollvermessungen
≥ 800 bis < 1000 ≥ 1000 bis < 1200 zulässig bei Vortriebslängen ≥ 200 m unter Berücksichtigung des Kap. IX der UVV "Bauarbeiten" (BGV C22)
  • nur zum Beheben von Störungen und für Inspektion und Wartung
  • nicht für Hindernisbeseitigung aus der Vortriebsmaschine heraus
  • nicht für Kontrollvermessungen
≥ 1000 bis < 1200 ≥ 1200 bis < 1400 zulässig bei Vortriebslängen ≤ 250 m
  • für Kontrollvermessungen möglich, wenn Sohle frei von Einbauten
  • nicht für Hindernisbeseitigung aus der Vortriebsmaschine heraus
≥ 1200 bis < 1800 ≥ 1400 bis < 2000 zulässig
  • Hindernisbeseitigung nur eingeschränkt möglich, in Abhängigkeit von Art, Lage und Abmessungen des Hindernisses, vom Maschinentyp und vom Baugrund und der erforderlichen Hilfs- und Sicherungsmaßnahmen
≥ 1800 ≥ 2000 zulässig
  • Hindernisbeseitigung möglich, in Abhängigkeit von Art, Lage und Abmessungen des Hindernisses, vom Maschinentyp und vom Baugrund und der erforderlichen Hilfs- und Sicherungsmaßnahmen

 

3.1.2 Leitung und Aufsicht
3.1.2.1 Die Arbeiten müssen von fachlich geeigneten Vorgesetzten geleitet werden. Diese müssen die vorschriftsmäßige Durchführung der Arbeiten gewährleisten.
3.1.2.2 Die Arbeiten müssen durch Aufsichtführende beaufsichtigt werden; sie müssen während der Arbeiten auf der Baustelle ständig anwesend sein.
  Aufsichtführender ist, wer die arbeitssichere Durchführung der Arbeiten zu überwachen und für die arbeitssichere Ausführung zu sorgen hat. Er muss hierfür ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen besitzen sowie weisungsbefugt sein.

Zur Pflichtenübertragung siehe § 13 BG-Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A 1).



3.1.3 Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung
3.1.3.1 Der Unternehmer hat Gefährdungen baustellenbezogen zu ermitteln und die notwendigen Schutzmaßnahmen in einer Betriebsanweisung festzulegen. Bei dieser Gefährdungsbeurteilung sind mögliche Störfälle zu berücksichtigen.
  Mögliche Störfälle sind z.B. Vortriebshindernisse, Maschinenausfälle, Stopfer in Förderleitungen, Wassereinbrüche, Anschneiden von kontaminierten Bereichen.
3.1.3.2 Der Unternehmer hat sicherzustellen, dass die Versicherten über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren arbeitsplatzbezogen informiert, sowie über Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren vor der Beschäftigung und danach bei Bedarf in angemessenen Zeitabständen, mindestens jedoch einmal jährlich, unterwiesen werden.


3.1.4 Alleinarbeit
  Grundsätzlich dürfen Arbeiten des grabenlosen Bauens nicht von einer Person allein ausgeführt werden. Abweichend hiervon kann der Unternehmer im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festlegen, für welche Arbeiten Alleinarbeit zulässig ist. In der Betriebsanweisung ist festzulegen, welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen in diesen Fällen vorzusehen sind. Insbesondere sind die Überwachung, die Meldesysteme und die Organisation der Ersten Hilfe zu regeln.
  Siehe auch § 8 BG-Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A 1).


3.1.5 Arbeitsmedizinische Betreuung
  Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die Versicherten arbeitsmedizinisch betreut und die erforderlichen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden.
  Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind erforderlich bei gesundheitlichen Gefährdungen durch z.B. Lärm, Vibration, Staub, Umgang mit Gefahrstoffen, Arbeiten in bestehenden abwassertechnischen Anlagen.
  Siehe auch BG-Vorschrift "Arbeitsmedizinische Vorsorge" (BGV A 4).


3.1.6 Erste Hilfe
  Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass
  1. die für Rettung aus Gefahr und für Erste Hilfe erforderlichen Personen und Einrichtungen zur Verfügung stehen

    und
  2. Meldeeinrichtungen vorhanden sind sowie durch organisatorische Maßnahmen sichergestellt ist, dass unverzüglich Hilfe herbeigerufen und an den Einsatzort geleitet werden kann.
  Siehe auch §§ 24 und 25 der BG-Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A 1) und BG-Regel "Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen" (BGR 139).


3.1.7 Lärm
  Für Arbeitsplätze in Lärmbereichen sind insbesondere folgende Bestimmungen zu beachten:
  • Maßnahmen zur Lärmdämmung nach dem Stand der Technik,
  • die Verpflichtung, Gehörschutz zu tragen,
  • arbeitsmedizinische Betreuung.


3.1.8 Persönliche Schutzausrüstungen
3.1.8.1 Der Unternehmer hat den Versicherten die folgenden persönlichen Schutzausrüstungen zur Verfügung zu stellen:
  1. Kopfschutz (Schutzhelme),
  2. Fußschutz (Sicherheitsschuhe/Sicherheitsgummistiefel),
  3. Handschutz (Schutzhandschuhe),
  4. erforderlichenfalls weitere persönliche Schutzausrüstungen
    • Gehörschutz,
    • Augenschutz,
    • Hautschutz,
    • Atemschutz,
    • Schutz gegen Absturz,
    • Warnweste,
    • besondere Schutzkleidung (z.B. für Schweißarbeiten oder beim Umgang mit Gefahrstoffen).
  Siehe auch BG-Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A 1 ) und verschiedene Regeln für den Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen (siehe  Anhang ).
3.1.8.2 Die Versicherten haben die zur Verfügung gestellten persönlichen Schutzausrüstungen zu benutzen. Sie haben die persönlichen Schutzausrüstungen vor der Benutzung auf ordnungsgemäßen Zustand und erkennbare Mängel zu prüfen. Mangelhafte persönliche Schutzausrüstungen dürfen nicht benutzt werden.


3.1.9 Baugrunderkundungen und -beobachtungen
3.1.9.1 Vor Beginn der Arbeiten hat der Unternehmer zu ermitteln, ob im vorgesehenen Arbeitsbereich Anlagen oder Stoffe vorhanden sind, durch die Personen gefährdet werden können.
  Gefahren können ausgehen z.B. von
  • erdverlegten Rohrleitungen und Kabeln,
  • Kampfmitteln im Baugrund (Bombenblindgänger),
  • Kanälen und Schächten, in denen Krankheitskeime oder
    explosionsfähige Atmosphäre vorhanden sind,
  • Gefahrstoffen (Gase, Dämpfe, Stäube).
3.1.9.2 Sind solche Anlagen oder Stoffe vorhanden, müssen die erforderlichen Schutzmaßnahmen im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden und den Eigentümern und Betreibern der Anlagen festgelegt und durchgeführt werden.
  Bei erdverlegten Leitungen können Lage und Verlauf durch Rückfrage bei den Leitungsbetreibern und durch Anlegen von Suchgräben oder durch Kabelsuchgeräte ermittelt werden.

Erforderliche Schutzmaßnahmen sind z.B.:

  • Kennzeichnen des Leitungsverlaufs vor Beginn der Arbeiten,
  • Festlegen und Einhalten von Sicherheitsabständen,
    • bei elektrischen Leitungen und Kabeln siehe Merkblatt "Erdarbeiten in der Nähe erdverlegter Kabel",
    • bei Gasleitungen siehe DVGW-Arbeitsblatt GW 315.
3.1.9.3 Zwischen im Boden befindlichen Anlagen und neuen Vortriebsabschnitten muss ein ausreichender Sicherheitsabstand gewährleistet sein. Hierbei sind alle Einflüsse, die sich auf den Sicherheitsabstand auswirken, zu berücksichtigen.
  Derartige Einflüsse sind z.B.
  • Lagetoleranzen bestehender Anlagen,
  • Steuertoleranzen beim Vortrieb,
  • Auswirkungen durch Bodenverdrängung oder -auflockerung.
3.1.9.4 Ist mit dem Vorhandensein von Gefahrstoffen (z.B. Baugrundkontamination) zu rechnen, sind die Maßnahmen nach
  • Gefahrstoffverordnung,
  • BG-Regel "Kontaminierte Bereiche" (BGR 128 )
zu ergreifen.
3.1.9.5 Bei unvermutetem Antreffen von solchen Anlagen und Stoffen sind die Arbeiten sofort zu unterbrechen. Besteht eine Gefährdung, sind Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Der Aufsichtführende ist zu verständigen.
  Sicherungsmaßnahmen sind z.B:
  • Absperren des Gefahrbereiches,
  • Versicherte und Passanten warnen und fernhalten.


3.1.10 Standsicherheit und Tragfähigkeit
3.1.10.1 Bauliche Anlagen und ihre Teile, Start- und Zielschächte, Hilfskonstruktionen, Gerüste, Laufstege und andere Einrichtungen müssen so bemessen, aufgestellt, unterstützt, verankert und beschaffen sein, dass sie die bei der vorgesehenen Verwendung anfallenden Lasten aufnehmen und ableiten können. Sie dürfen nicht überlastet werden und müssen auch während der einzelnen Bauzustände standsicher sein.
3.1.10.2 Standsicherheit und Tragfähigkeit müssen überwacht werden. Mängel und Gefahrzustände sind unverzüglich zu beseitigen.
  Die Standsicherheit und Tragfähigkeit können beeinträchtigt werden, z.B. durch:
  • Sturm, starken Regen, Frost und ähnliche Naturereignisse,
  • heftige Erschütterungen durch Rammungen, Sprengungen, Fahrzeugverkehr,
  • Überlastung von Pressgrubenwänden.


3.1.11 Arbeitsplätze und Verkehrswege
3.1.11.1 Arbeitsplätze müssen über sicher begeh- oder befahrbare Verkehrswege erreicht und verlassen werden können.
3.1.11.2 Arbeitsplätze und Verkehrswege müssen so eingerichtet und beschaffen sein sowie erhalten werden, dass sie sicher benutzt werden können. Dies gilt insbesondere hinsichtlich Oberflächenbeschaffenheit, Abmessungen, Beleuchtung und Belüftung.
  Das bedeutet, dass z.B. trittsichere Verkehrswege, Arbeitsplattformen oder
-ebenen zur Verfügung stehen und die Arbeitsraumbreiten nach DIN 4124 "Baugruben und Gräben" eingehalten werden müssen.


3.1.12 Verkehrssicherung
3.1.12.1 Vor Arbeiten im Bereich von öffentlichen Verkehrswegen sind im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden Sicherungsmaßnahmen festzulegen. Die Arbeits- und Verkehrsbereiche sind zu sichern.
  Siehe auch:
  • § 15, BG-Vorschrift "Bauarbeiten" (BGV C 22)
  • Straßenverkehrsordnung (StVO ),
  • Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA).


Solche Maßnahmen können z.B. sein:

  • geänderte Verkehrsführung,
  • Geschwindigkeitsbegrenzung,
  • Absperrungen,
  • Signaleinrichtungen.

 

3.1.12.2 Um eine sichere Verständigung zwischen den einzelnen Einsatzstellen (Start-, Zielschacht) auch ohne gefährliches Überqueren des Verkehrsweges zu ermöglichen, sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen, z.B. Bereitstellung von Funkgeräten.


3.2

Einsatz von Maschinen und Einrichtungen

3.2.1 Maschinenführer
  Mit dem selbständigen Führen und Warten von Maschinen des grabenlosen Bauens dürfen nur Personen beauftragt werden,
  • die das 18. Lebensjahr vollendet haben,
  • die im Führen und Warten der Maschinen sowie in fachbezogenen sicherheitstechnischen Belangen unterwiesen sind und ihre Befähigung hierzu gegenüber dem Unternehmer nachgewiesen haben und
  • von denen zu erwarten ist, dass sie die ihnen übertragenen Aufgaben zuverlässig erfüllen.

Die Beauftragung hat schriftlich zu erfolgen.

  Bei der Unterweisung muss insbesondere der Inhalt der Betriebsanleitung sowie der übrigen für den sicheren Betrieb der Maschinen notwendigen Regelwerke vermittelt werden. Die Unterweisung muss neben dem theoretischen Teil auch die praktische Einweisung an der Maschine sowie Übungsarbeiten unter Aufsicht beinhalten.


3.2.2 Bestimmungsgemäße Verwendung
3.2.2.1 Maschinen und Einrichtungen dürfen nur bestimmungsgemäß unter Berücksichtigung der Betriebsanleitung des Herstellers betrieben werden.
  Die Betriebsanleitung des Herstellers muss an der Einsatzstelle vorhanden sein.

Die bestimmungsgemäße Verwendung ist dann gegeben, wenn:
  • die dafür festgelegten Angaben des Herstellers der Maschine und ihrer Ausrüstung in der Betriebsanleitung und
  • die für den Betrieb maßgebenden Vorschriften
eingehalten werden.
3.2.2.2 Fehlen Informationen zur bestimmungsgemäßen Verwendung in der Betriebsanleitung, so muss der Unternehmer die Betriebsanweisung in Absprache mit dem Hersteller der Maschinen und Einrichtungen erstellen.


3.2.3 Standsichere Aufstellung der Maschinen
3.2.3.1 Maschinen des grabenlosen Bauens dürfen nur auf tragfähigem Untergrund aufgestellt, betrieben und verfahren werden.
3.2.3.2 Müssen Maschinen beim Einsatz abgestützt oder verankert werden, so sind hierbei die Vorgaben der Bedienungsanleitung des Herstellers und die örtlichen Gegebenheiten zu beachten.


3.2.4 Lastentransport, Lastaufnahmemittel
3.2.4.1 Lasten sind so anzuschlagen, dass sie gegen Herabfallen gesichert sind.
3.2.4.2 Wegen der oft räumlich beengten Verhältnisse in den Schächten muss grundsätzlich damit gerechnet werden, dass sich Lasten verhängen können. Deshalb müssen Lastaufnahmemittel und Anschlagmittel unter Berücksichtigung des erhöhten Gefahrenpotentials bei Schachtbeschickung so vom Unternehmer ausgewählt werden, dass die Last bei bestimmungsgemäßer Verwendung sicher aufgenommen, gehalten und wieder abgesetzt werden kann.
3.2.4.3 Der Lastentransport in den und aus dem Schacht ist in der Betriebsanweisung zu regeln.
  In dieser Betriebsanweisung sind u.a. festzulegen:
  • zu verwendende Anschlagmittel,
  • zu verwendende Hebezeuge,
  • Verhalten der Versicherten auf der Schachtsohle,
  • Sicherung der Last.
3.2.4.4 Insbesondere darf die zulässige Belastung nicht überschritten und lose Teile dürfen nur in geeigneten Behältern transportiert werden.
  Siehe BG-Regel „Betreiben von Arbeitsmitteln“ (BGR 500), Kapitel 2.8 „Betreiben von Lastaufnahmeeinrichtungen im Hebezeugbetrieb“.
3.2.4.5 Werden Spülrohre oder Förderschnecken in den Produktenrohren liegend in den Schacht eingehoben, so muss durch konstruktive Maßnahmen sichergestellt sein, dass auch beim Verhängen der Last ein Herausrutschen dieser Rohre nicht möglich ist.


3.2.5 Lagern von Bohrelementen und Rohren
3.2.5.1 Bohrelemente und Rohre sind so zu lagern, dass sie gegen Abrollen und Abrutschen gesichert sind. Die Entnahme einzelner Elemente muss möglich sein, ohne die Stabilität des restlichen Lagers zu gefährden.
3.2.5.2 Werden Rohre als Ringbund angeliefert, so ist durch geeignete Einrichtungen sicherzustellen, dass das Abrollen des Rohres ohne Gefährdung möglich ist.
  Geeignete Einrichtungen sind z.B. Rohrbundwagen mit Einrichtungen, die eine kontrollierte Rohrabwicklung zulassen.


3.2.6 Bagger als Hebezeuge
3.2.6.1 Bagger dürfen nur dann als Hebezeuge eingesetzt werden, wenn sie mit den für den Hebezeugbetrieb erforderlichen Zusatzeinrichtungen ausgerüstet und wenn diese Einrichtungen betriebsbereit sind.
  Derartige Zusatzausrüstungen sind z.B. beschrieben in:
  • BG-Regel "Betreiben von Arbeitsmitteln" (BGR 500 ),
  • DIN EN 474-5 "Erdbaumaschinen - Sicherheit",
  • DIN EN 474-12 "Seilbagger - Sicherheit".
3.2.6.2 Der Aufenthalt von Personen unter der Last ist verboten.


3.2.7 Krane als Hebezeuge
  Krane sind entsprechend ihrer Montageanweisung standsicher aufzubauen und dürfen nur von einem durch den Unternehmer schriftlich beauftragten Kranführer bedient werden.
  Siehe auch BG-Vorschrift "Krane" (BGV D 6 ).


3.2.8 Personenbeförderung
  Für die Personenbeförderung – z.B. in Schächten – dürfen nur geeignete Hebezeuge mit Personenaufnahmemitteln verwendet werden.
  Geeignete Systeme sind z.B.:
  • Kran mit Personenförderkorb,
  • Personenaufzug.

Siehe auch:

  • BG-Regel "Hochziehbare Personenaufnahmemittel" (BGR 159 ),
  • BG-Vorschrift "Krane" (BGV D 6 ).


3.2.9 Sicherungsmaßnahmen im Bereich des drehenden Gestänges
3.2.9.1 Beim Betrieb drehender Gestänge oder Schnecken ist durch technische Maßnahmen sicherzustellen, dass Personen nicht erfasst und verletzt werden können.
  Sicherungsmaßnahmen können z.B. sein:
  • Verkleidungen, Verdeckungen,
  • ortsbindende Befehlseinrichtungen mit selbsttätiger Rückstellung,
  • Schutzeinrichtungen mit Annäherungsreaktion, z.B. Schaltleinen,
    Schaltleisten (siehe DIN EN 791).
3.2.9.2 Sind solche Sicherungsmaßnahmen vom Hersteller nicht vorgesehen, lassen sich solche Einrichtungen nicht nachrüsten oder aus arbeitstechnischen Gründen nicht verwenden, muss der Gefahrbereich auf andere Weise abgesichert werden.
  Dies kann geschehen z.B. durch:
  • Absperrmaßnahmen,
  • organisatorische Maßnahmen.
3.2.9.3 Das abgeförderte Erdmaterial darf von Hand nur bei Stillstand der Schnecke ausgeräumt werden.


3.2.10 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel in Schächten
3.2.10.1 Arbeitsplätze und Verkehrswege gelten in Bezug auf elektrische Anlagen als feuchte und nasse Räume im Sinne der VDE-Bestimmungen.
  Siehe auch BG-Vorschrift "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel" (BGV A 3) und "Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung" (BGI 594).
3.2.10.2 Leuchten und ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel dürfen nur mit Schutzkleinspannung, Schutztrennung oder Fehlerstromschutzeinrichtung (RCD) mit einem Nennfehlerstrom LAN ≤ 30 mA betrieben werden.
3.2.10.3 Kabel und Leitungen mit Nennspannungen über 1 kV müssen durch eine Einrichtung überwacht werden, die im Fehlerfall unverzögert abschaltet. Ein selbsttätiges Wiedereinschalten muss ausgeschlossen sein.
3.2.10.4 Stromerzeuger müssen außerhalb des Schachtes aufgestellt sein.
3.2.10.5 Sind in Schächten elektrisch leitfähige Bereiche mit begrenzter Bewegungsfreiheit vorhanden, müssen in Bezug auf elektrische Anlagen und Betriebsmittel zusätzlich zu den Bestimmungen über feuchte und nasse Räume weiter gehende Schutzmaßnahmen gegen die Einwirkung gefährlicher elektrischer Körperströme bei der Benutzung von elektrischen Betriebsmitteln durchgeführt werden.
  Siehe auch BG-Information "Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung" (BGI 594).
3.2.10.6 Kann ein Stromausfall Gefährdungen für die Versicherten im Schacht mit sich bringen, müssen auf der Baustelle Ersatzstromerzeuger mit ausreichender Leistung vorhanden sein und in Bereitschaft gehalten werden (Probelauf wöchentlich).


3.2.11 Beleuchtung
  In Schächten darf nur bei ausreichender Beleuchtung (mindestens 60 Lux) gearbeitet werden.
  Z.B. beleuchtet 1 Leuchtstofflampe 100 W in 3 m Höhe ca. 25 m2 ausreichend.


3.2.12 Lüftung
3.2.12.1 Arbeitsplätze und Verkehrswege in Schächten müssen so belüftet sein, dass
  1. an jeder Arbeitsstelle ein Sauerstoffgehalt von mehr als 19 Vol.-% vorhanden ist,
  2. die zulässige Konzentration von Gefahrstoffen in der Atemluft nicht überschritten wird,
  3. explosionsfähige Atmosphäre nicht in gefahrdrohender Menge entstehen kann.
3.2.12.2 Das Einhalten der Bedingungen nach 1. muss bei Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen durch ein Sauerstoff-Messgerät mit Alarmschwelleneinstellung überwacht werden. Das Einhalten der Bedingungen nach 2. und 3. ist erforderlichenfalls durch Messungen zu überwachen. Über die Messergebnisse ist ein Messprotokoll zu führen.
3.2.12.3 Sind diese Bedingungen mit natürlicher Belüftung nicht zu erreichen oder werden Arbeitsverfahren eingesetzt, bei denen Gefahrstoffe in die Atemluft freigesetzt werden, muss künstlich belüftet werden.
  Siehe auch BG-Regel "Sicherheitsregeln für Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen" (BGR 126 ).


3.3

Anforderungen an Schächte und Baugruben

3.3.1 Verbau, Böschungssicherung
  Für Planung, Bemessung, Ausführung und Rückbau von Verbaumaßnahmen gelten die Bestimmungen der BG-Vorschrift "Bauarbeiten" (BGV C 22 , bisher VBG 37), insb. Abschnitt VI "Zusätzliche Bestimmungen für Arbeiten in Baugruben und Gräben sowie an und vor Erd- und Felswänden".
  Siehe auch DIN 4124 "Baugruben und Gräben".


3.3.2 Arbeitsraumbreiten
  Der auf der Schachtsohle zur Verfügung stehende Arbeitsraum muss mindestens den Bestimmungen der BG-Vorschrift "Bauarbeiten" (BGV C 22) Abschnitt VI (bzw. den Forderungen der DIN EN 1610 beim Bau von Abwasserleitungen und -kanälen) genügen.
  Siehe auch DIN 4124 "Baugruben und Gräben" bzw. DIN EN 1610 "Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen".


3.3.3 Leitern
3.3.3.1 In Schächten – ausgenommen in engen und weniger als 10 m tiefen Schächten – dürfen Leitern nicht steiler als 80° eingebaut werden. Leitern, die steiler als 80° sind, sind als Steigleitern zu betrachten. Diese müssen fest installiert sein und ab 5 m Absturzhöhe mit Einrichtungen zum Schutz gegen Absturz von Personen ausgerüstet sein.
  Siehe auch BG-Vorschrift "Leitern und Tritte" (BGV D 36) und BG-Vorschrift "Bauarbeiten" (BGV C 22).

Einrichtungen zum Schutz gegen Absturz von Personen sind z.B.:
  • Einsatz zwangsläufig zur Wirkung kommender Steigschutzeinrichtungen – siehe EN 353-1 "Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Steigschutzeinrichtung mit fester Führung",
  • durchgehender Rückenschutz, beginnend in höchstens 3,00 m Höhe über der Standfläche oder 2,20 m Höhe über Bühnen oder Podesten.
3.3.3.2 Leitern müssen mindestens 1,0 m über die Austrittsstelle hinaus mit einer Griffleiste oder einer gleichwertigen Einrichtung versehen sein, die sicheres Ein- und Aussteigen ermöglicht.


3.3.4 Absturzsicherungen an Schächten
3.3.4.1 Schächte sind durch Abdeckungen gegen den Absturz von Personen zu sichern.
3.3.4.2 Ist dies aus arbeitstechnischen Gründen nicht möglich, muss bei Absturzhöhen von mehr als 2,00 m an allen Arbeitsplätzen und Verkehrswegen Seitenschutz als Absturzsicherung vorhanden sein.
  Siehe auch BG-Vorschrift "Bauarbeiten" (BGV C 22), § 12.
3.3.4.3 An Beschickungsöffnungen kann der Seitenschutz so ausgeführt werden, dass er für die Materialbeschickung kurzzeitig geöffnet werden kann.
3.3.4.4 Nach Beendigung der jeweiligen Transportaufgabe ist der Seitenschutz wieder zu schließen.
  Empfohlen werden selbstschließende Türen (z.B. durch Federn geschlossen gehaltene Türen).


3.3.5 Schutz vor herabfallenden Gegenständen
  Die Versicherten sind bei Arbeiten in Schächten vor herabfallenden Gegenständen zu schützen.
  Schutzmaßnahmen sind z.B.:
  • ausreichend große Schächte,
  • Schutzdächer,
  • Lastentransport entsprechend 3.2.4 ,
  • Hebezeuge entsprechend 3.2.6 /3.2.7 .

 

 

 

Webcode: M1519-5