BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Rückwärts blättern

21

Polyvinylchlorid (PVC)-Beläge mit Träger nach DIN 16952- Teil 5 (auch Cushioned Vinyl(CV)-Bodenbeläge genannt) - BT 15

Stand 2/2000



21.1 Anwendungsbereich

Ausbau von Polyvinylchlorid (PVC)-Belägen nach DIN 16952-5 mit Träger aus schwach gebundener Asbestpappe im Perforations- Nassverfahren

 

21.2 Organisatorische Maßnahmen

  • Unternehmensbezogene Zulassung vor Aufnahme der Arbeiten gemäß § 39 Gefahrstoffverordnung / Nummer 3.1 TRGS 519
  • Benennung eines sachkundigen Verantwortlichen nach Anhang 4 Teil B TRGS 519
  • Einmalige unternehmensbezogene Anzeige vor Aufnahme der Arbeiten gemäß § 37 Gefahrstoffverordnung / Nummer 3.2 TRGS 519 an zuständige Aufsichtsbehörde und Berufsgenossenschaft
  • Prüfung durch den sachkundigen Verantwortlichen, welche Verlegeart (lose/geklebt) vorliegt
  • Erstellung einer Betriebsanweisung und Unterweisung der beim Umgang mit asbesthaltigen Gefahrstoffen beschäftigten Arbeitnehmer nach § 20 Gefahrstoffverordnung
  • Arbeitsausführung nur durch fachkundge und in das Verfahren eingewiesene Personen. Es müssen mindestens zwei Personen zusammenwirken
  • Aushändigung der Nutzerinfo an den Auftraggeber

 

21.3 Arbeitsvorbereitung

Bereitzustellen sind:

  • 1. Geräte
  • Handspachtel und Handstripper. Der Handstripper muss so gestaltet sein, dass Kühlluft nicht auf die Arbeitsfläche geblasen wird. Die Spachtel und Strippermesser müssen einen scharfen Messerschliff aufweisen. Ersatzmesser und -Spachtel sind in ausreichender Zahl vorzuhalten
  • Schere, Bodenlegermesser
  • Drucksprühgerät (z.B. Gartenspritze)
  • Stachelwalze zum Perforieren des Bodenbelags. Geeignet ist z.B. eine Walze mit Breite ca. 250 mm, Durchmesser ca. 170 mm, Gewicht mit Zusatzgewichten mind. 75 kg Stacheldurchmesser ca. 3,5 mm zugespitzt, Abstand in der Reihe ca. 25 mm, Abstand zwischen den Reihen ca. 20 mm
  • bauartgeprüfter Staubsauger (Verwendunqskategorie KI bzw. H einschließlich der "Zusatzanforderungen für Asbestsauger"; siehe Nummer 7.3 Abs. b TRGS 519)
  • Staubsauger, die zuvor bei Arbeiten in abgeschotteten Bereichen (sog. Schwarzbereichen) eingesetzt waren, dürfen nur dann verwendet werden, wenn eine Kontamination der Geräte (z.B. auch innere Kontamination über Bypasskühlung im Motorgehäuse) ausgeschlossen werden kann
  • Geeignete, sicher verschließbare und gern. Nummer 9.3 Abs. 2 TRGS 519 gekennzeichnete Behälter (Kartons und ausreichend feste Kunststoffsäcke, 0,2 mm Wandstärke) zur staubdichten Verpackung der Bodenbelagstücke und Abfälle
  • Schaumgummischaber
  • Sprühextraktionsgerät
  • Sprühextraktionsgeräte dürfen nach dem Einsatz im Asbestbereich nur noch hierfür verwendet werden
  • Atemschutzmaske (mindestens Schutzstufe P2), Einweganzüge
  • 2. Material
  • Abdeckfolien
  • Reinigungsmittel und -tücher
  • Gewebeverstärktes Industrieklebeband
  • Lösung 1: zum Benetzen und Einweichen des Bodenbelags, bestehend aus: ca. 0,5 l tensidhaltigem Reinigungsmittel, 0,3 kg Borsäure, aufgefüllt mit Wasser auf 10 l Lösung
  • Lösung 2: Zum Sprühen während des Ausbaues, bestehend aus: ca. 0,5 l tensidhaltigem Reinigungsmittel, 1,0 l Restfaserbindemittel, aufgefüllt mit Wasser auf 10 l Lösung
  • Reinigungsmittel für Sprühextraktion
  • Arbeitsraumabsperrung, Sicherheitskennzeichnung mit Zutrittsverbot
  • Haftdispersion für Restfaserbindung, z.B. Grundierungsmittel für Estriche (Dispersion)

 

21.4 Arbeitsausführung

  • Entfernen aller beweglichen Einrichtungen wie Möbel, Teppiche, Gardinen, Bilder und dergleichen
  • Unbewegliche Einrichtungen, z.B. Heizkörper, Einbaumöbel mit Folie abdecken bzw. abkleben
  • Öffnungen zu anderen Räumen schließen. Ausgehängte Türblätter durch überlappende Folie ersetzen
  • Ränder des Bodens zur Sockelleiste oder zur Wand mit Klebeband
  • abkleben. Es muss eine Wanne gebildet werden, um Abfließen des Wassers unter den Estrich zu verhindern
  • Bodenfläche mittels Lösung 1 besprühen
  • Bodenbelag mittels Stachelwalze gründlich perforieren gegebenenfalls unzugängliche Stellen von Hand perforieren (PVC-Schicht einschneiden)
  • Bei geklebten Bodenbelägen mittels Trapezklinge den Boden in ca. 10 cm bis 15 cm breite Streifen schneiden
  • Boden mit ca. 1 l/m2 Lösung 1 begießen. Lösung gleichmäßig verteilen. Bei starkem Gefälle des Estrichs müssen geeignete Schwellen eingerichtet werden. Eine ausreichende Verteilung des Wassers auf dem Boden ist sicherzustellen
  • Fläche mit Abdeckfolie abdecken, gegebenenfalls Wasser unter der Folie verteilen
  • Geklebte Bodenbeläge mindestens bis zum dritten Tag, lose liegende Bodenbelage mindestens bis zum nächsten Tag einweichen lassen
  • Sicherheitskennzeichnung mit Zutrittsverbot anbringen
  • Vorsorge treffen, dass während der Ausbauarbeiten keine Bodenbelagreste in andere Räume verschleppt werden können
  • Vor dem Ausbau ggf. überschüssiges Wasser mit dem Sprühextraktionsgerät absaugen, Wasser in die Abwasserkanalisation geben. Sockelleisten sowie Abklebungen entfernen
  • Bodenbelag mittels Handstripper oder Handspachtel so aufnehmen, dass die Trennung im Klebstoffbett erfolgt
  • Abgetrennten Bodenbelag in Bodennähe aufrollen oder in verpackungsgerechte Stücke schneiden
  • Während des Abtrennens und Aufnehmens Trennfläche durch zweite Person ständig mit Lösung 2 besprühen
  • Ausgebauten Bodenbelag unmittelbar in Karton und Kunststoffsäcke verpacken. Verpackung mittels Klebeband zukleben und mit Kennzeichen versehen. Verpackungsgewichte nicht größer als 25 kg
  • Am Boden anhaftende Belagreste vollständig unter Besprühen abstoßen
  • Lose Reste mit dem Schaumgummischaber zusammenführen und verpacken
  • Werkzeug mit feuchtem Lappen reinigen. Lappen in Abfallsack geben, anschließend Werkzeuge im Freien nochmals mit Wasser reinigen

 

21.5 Schlussreinigung

  • Vor der Schlussreinigung verunreinigte Arbeitskleidung (Schutzanzug, Schuhe) ablegen. Einweganzug verpacken
  • Vom Bodenbelag befreite Fläche sorgfältig mit dem Sprühextraktionsgerät reinigen. Reinigungswasser aus dem Sprühextraktionsgerät durch ein Tuch abseihen. Das Wasser in die Abwasserkanalisation geben
  • Raue Wandflächen mit dem K1 (bzw. H) Staubsauger absaugen, glatte Flächen feucht abwischen
  • Putztücher in den Abfallsack verpacken. Folien als Kunststoffabfall entsorgen
  • Boden mit Grundierungsdispersion zur Restfaserbindung einwalzen
  • Räume, aus denen asbesthaltige Bodenbeläge ausgebaut wurden, gründlich, mit ca. 30fachem Luftwechsel lüften

 

21.6 Entsorgung

Asbestabfälle weder werfen noch schütten, zerkleinern oder shreddern.

Zur ordnungsgemäßen Entsorgung der asbesthaltigen bzw. asbestkontaminierten Materialien entsprechend den Annahmebedingungen des örtlich zuständigen Abfallbeseitigers unter Beachtung der gefahrgutrechtlichen Bestimmungen verpacken. Für die Bereitstellung zum Transport die Behältnisse oder Verpackungen gemäß GefStoffV kennzeichnen und vor dem Zugriff Dritter sichern. Entsorgung gemäß den Anforderungen des LAGA-Merkblattes "Entsorgung asbesthaltiger Abfälle" der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall.

 

21.7 Verhalten bei Störungen

Muss beim Arbeitsablauf von diesem geprüften Verfahren abgewichen werden, ist die Arbeit zu unterbrechen und der sachkundige Verantwortliche zwecks Abstimmung der weiteren Vorgehensweise zu verständigen.

 

21.8 Nutzerinformation

Ausbau asbesthaltiger PVC-Fußbodenbelöge (CV-Beläge) mit Tröger aus schwach gebundener Asbestpappe im Perforationsnassverfahren

PVC-Fußbodenbeläge mit Trägern aus schwach gebundener Asbestpappe wurden bis etwa Ende der 70er Jahre, möglicherweise auch noch darüber hinaus, eingebaut. Bei unbeschädigten Böden entstehen durch den Asbestgehalt des Belages keine Gesundheitsgefahren durch die Nutzer der Räume. Anders ist es beim Entfernen der Bodenbeläge, wenn nicht durch entsprechende Vorkehrungen eine Freisetzung von Asbestfasern verhindert wird.

Nach Untersuchungen des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitssicherheit - BIA können Räume nach Einsatz des Perforationsnassverfahrens wieder ohne Bedenken genutzt werden. Das Verfahren darf jedoch nur von einer nach § 39 Abs. 1 der Gefahrstoffverordnung zugelassenen Fachfirma ausgeführt werden.

Wesentliches Merkmal des Arbeitsverfahrens ist die Durchfeuchtung des Bodenbelags vor dem Ausbau. Dazu wird der Belag zunächst unter anderem mittels einer Stachelwalze perforiert und anschließend mit einer schwachen Borwasserlösung besprüht und danach mit einer Folie abgedeckt. Diese Borwasserlösung muss bei lose verlegten Böden mindestens bis zum nächsten Tag, bei verklebten Böden mindestens bis zum übernächsten Tag einweichen. Wird diese Wartezeit nicht eingehalten, können Asbestfasern beim Ausbau freigesetzt werden, die zu ernsten Gesundheitsgefahren für Sie als Nutzer und für den Bodenleger führen. Achten Sie daher in Ihrem eigenen Interesse auf die Einhaltung der Einwirkzeit.

Der Raum kann während der Einweichzeit nur eingeschränkt genutzt werden. Es ist besonders zu beachten, dass im Raum erhöhte Rutschgefahr besteht.

Der Ausbau erfolgt entweder mittels Handspachtel oder einem sogenannten Handstripper mit Spezialklingen. Wichtig ist, dass die entfernten Belagstücke sofort verpackt werden, und dass der Raum von den Beschäftigten anschließend intensiv gereinigt wird. Während der Arbeiten soll der Raum weder betreten noch verlassen werden.


 

 

Webcode: M1448-76