BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Asbesthaltige Flachdichtungen

AT 1

Stand 2/2000


2.1 Anwendungsbereich

Ausbau von asbesthaltigen statisch belasteten It-Flachdichtungen aus Rohrleitungen, Deckeln oder Flanschen (> 1000 kg/m3)

  • thermisch belasteten Dichtungen bis DN 400 (über 200° C)
  • thermisch nicht belastete Dichtungen (bis 200° C)
    (z. B. Trafodichtungen, Dichtungen innerhalb der Gasversorgung)


2.2 Organisatorische Maßnahmen

  • Benennung eines sachkundigen Verantwortlichen nach TRGS 519
  • Einmalige unternehmensbezogene Anzeige vor Aufnahme der Arbeiten gemäß § 37 Gefahrstoffverordnung / Nr. 3.2 TRGS 519 an zuständige Aufsichtsbehörde und Berufsgenossenschaft
  • Erstellen einer Betriebsanweisung und Unterweisung der beim Umgang mit asbesthaltigen Gefahrstoffen beschäftigten Arbeitnehmer nach § 20 Gefahrstoffverordnung
  • Arbeitsausführung nur durch fachkundige und in das Arbeitsverfahren eingewiesene Personen


2.3 Arbeitsvorbereitung

Bereitzustellen sind:

  • Arbeitsmittel (z. B. Werkzeuge, Schaber oder Spachtel, reißfeste Folie oder andere geeignete Behältnisse zum Auffangen von Dichtungen oder Dichtungsteilen, Klebeband)
  • gemäß TRGS 519 geeigneter, bauartgeprüfter Staubsauger (Verwendungskategorie K1 bzw. H einschließlich der "Zusatzanforderungen für Asbeststaubsauger"; (siehe Nr. 7.3 Abs. 6 TRGS 519)
    • Staubsauger, die zuvor bei Arbeiten in abgeschotteten Bereichen (sogenannte Schwarzbereiche) eingesetzt wurden, dürfen nur dann verwendet werden, wenn eine Kontamination der Geräte (z. B. auch innere Kontamination über Bypasskühlung im Motorgehäuse) ausgeschlossen werden kann
  • geeigneter, sicher verschließbarer und gemäß Nr. 9.2 Abs. 3 TRGS 519 gekennzeichneter Behälter (bei körnigen, gewebten oder stückigen Abfällen z. B. ausreichend fester Kunststoffsack) zur staubdichten Verpackung der asbesthaltigen Dichtung, von Dichtungsteilen sowie mit Dichtungsresten kontaminierter Verbrauchsmaterialien (z. B. Lappen, Pinsel)
  • geeignetes Penetriermittel (z. B. Rostlöser, Kriechöl) mit Auftragevorrichtung (z. B. Pinsel oder Sprühflasche)
  • (Geeignet sind Penetriermittel, die einen guten haftablösenden und die Dichtung durchdringenden Effekt haben. Falls erforderlich, sollte ebenfalls auf einen hohen Flammpunkt geachtet werden.)
  • Arbeitsplatzabsperrung / Sicherheitskennzeichnung mit Zutrittsverbot
  • Atemschutzmaske (mindestens Schutzstufe P2)


2.4 Arbeitsausführung

  • Arbeitsbereich abgrenzen
  • Ausbreiten der Folie oder Anbringen des Auffangbehälters
  • Flanschpaare dichtungsseitig mit Penetriermittel benetzen und einwirken lassen
  • Flanschschrauben lockern; Dichtungsränder erneut mit Penetriermittel benetzen und einwirken lassen
  • Lösen und Ziehen der Flanschschrauben, dabei Absaugen mit K1 bzw. H -Staubsauger*)
  • Lösen bzw. Abheben der Flanschverbindung
  • Absaugen mit K1 bzw. H -Staubsauger
  • Intensives Benetzen der freiliegenden Dichtung
  • Dichtung abnehmen
  • Bei festsitzender bzw. zerstörter Dichtung: Abschaben der Dichtung mit Spachtel oder Schaber; Dichtung dabei intensiv benetzen. Kleinere, lose Dichtungsreste mit K1 bzw. H -Staubsauger absaugen
  • Staubdichtes Verpacken der asbesthaltigen Dichtung bzw. der Dichtungsteile in geeignetem Behälter
  • Reinigen bzw. Verpacken der Arbeitsmittel sowie der Verbrauchsmaterialien in geeigneten Behälter
  • Optische Kontrolle, gegebenenfalls Reinigen des Arbeitsbereiches mit Reinigungstüchern oder feuchtem Lappen bzw. mit K1 bzw. H -Staubsauger, Saugdüse danach dicht abkleben
  • Einbau einer neuen (asbestfreien) Dichtung
  • Arbeitsbereich freigeben

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*) In explosionsgefährdeten Bereichen muss auf den Einsatz eines K1-Staubsaugers verzichtet werden.



2.5 Entsorgung (siehe auch Teil 1 Abschnitt 8 (Seite 10))

Die asbesthaltigen oder asbestkontaminierten Abfälle dürfen nicht geworfen, geschüttet, zerkleinert oder geshreddert werden und sind entsprechend den Annahmebedingungen des örtlichen Abfallbeseitigers unter Beachtung der gefahrgutrechtlichen Bestimmungen zu verpacken. Für die Bereitstellung zum Transport sind die Behältnisse oder Verpackungen nach Nummer 9.3 Abs. 2 der TRGS 519 zu kennzeichnen und vor dem Zugriff Dritter zu sichern. Entsorgung gemäß den Anforderungen des Merkblatts "Entsorgung asbesthaltiger Abfälle" der Länderarbeitsgemeinschaft (LAGA).


2.6 Verhalten bei Störungen

Treten beim Ausbau Störungen auf (z. B. Schabarbeiten), ist der sachkundige Verantwortliche hinzuzuziehen.

Muss beim Arbeitsablauf von diesem geprüften Verfahren abgewichen werden, ist die Arbeit zu unterbrechen und der sachkundige Verantwortliche zwecks Abstimmung der weiteren Vorgehensweise zu verständigen.


 

 

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