BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Wofür ist der Unternehmer verantwortlich, der Arbeitsplattformnetze montiert?

Der Unternehmer, der Arbeitsplattformnetze montiert, ist für den sicheren Umgang mit Arbeitsplattformnetzen verantwortlich.

Begriffe

  1. Arbeitsplattformnetze sind Systeme, bestehend aus Schutznetzen nach DIN EN 1263-1 der Klasse B1 und zusätzlich eingefädelten Spanngurttraversen, die als Arbeitsplätze und Verkehrswege verwendet werden können.

  2. Aufhängepunkte sind geeignete Anschlagpunkte an Bauwerksteilen, z.B. Träger und Stützen, die eine sichere Aufnahme von Verbindungsmitteln zum Netz ermöglichen.

  3. Netzzubehör sind Teile, die zum Einsatz des Arbeitsplattformnetzes erforderlich sind, z.B. Anschlaggurte, Trägerklammern, Karabinerhaken.

  4. Prüfmaschen sind Maschen, die zur Bestimmung des Alterungszustandes in das Arbeitsplattformnetz eingezogen sind und dem Arbeitsplattformnetze entnommen werden können, ohne dass die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt wird.

  5. Alterungsprüfungen sind Prüfungen zur Feststellung des Energieaufnahmevermögens der Prüfmaschen bei Netzen die älter als ein Jahr sind.

Von einem sicheren Auf-, Um- und Abbau sowie dessen sachgerechter Handhabung hinsichtlich Lagerung und Transport kann ausgegangen werden, wenn die Maßnahmen gemäß der Gefährdungsbeurteilung angewendet werden und das Arbeitsplattformnetz dem Benutzer ordnungsgemäß bereitgestellt wird.

Bei einer Gefährdungsbeurteilung werden die Arbeitsmittel und -verfahren unter Berücksichtigung der Arbeitsumgebung beurteilt, um Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten. Sie hat das Ziel Maßnahmen zur Beseitigung von Gefährdungen abzuleiten.

Hierbei sind folgende allgemeine Grundsätze zu berücksichtigen:

  • Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird,

  • Gefahren sind an ihrer Quelle zu bekämpfen,

  • bei den Maßnahmen sind der Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen,

  • Maßnahmen sind mit dem Ziel zu planen, Technik, Arbeitsorganisation, sonstige Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und Einfluss der Umwelt auf den Arbeitsplatz sachgerecht zu verknüpfen,

  • individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig zu anderen Maßnahmen,

  • spezielle Gefahren für besonders schutzbedürftige Beschäftigtengruppen sind zu berücksichtigen,

  • den Beschäftigten sind geeignete Anweisungen zu erteilen.

Informationen zur Gefährdungsbeurteilung können z. B. der CD-ROM "Hochbau" der gewerblichen Berufsgenossenschaften entnommen werden.

Der Unternehmer beauftragt eine befähigte Person (Aufsichtführender) mit der Aufsicht über die Montagearbeiten von Arbeitsplattformnetzen und weist diese in die Gefährdungsbeurteilung und die Montageanweisung ein.

Aufsichtführende sind z. B. Personen mit ausreichender praktischer Berufserfahrung bei der Montage von Arbeitsplattformnetzen, oder Personen, die vergleichbare Fachkenntnisse und eine bauhandwerkliche Ausbildung haben.

Vergleichbare Fachkenntnisse sind z. B. dann gegeben, wenn

  • Grundkenntnisse über gesetzliche Regelungen und berufsgenossenschaftliche Arbeitsschutzbestimmungen, z. B. Arbeitsschutzrecht, Baurecht, Technische Regeln, Unfallverhütungsvorschriften,

  • Kenntnisse über Arbeitsplattformnetze sowie deren Tragverhalten und Zusammenwirken mit dem Bauwerk (Konstruktion),

  • Kenntnisse über mögliche Gefährdungen und deren Beseitigung (mögliche Gefährdungen können z. B. Absturz, herabfallende Gegenstände, Heben, Tragen und Transport von Lasten, gefährliche Arbeitsstoffe sein)

    und

  • Kenntnisse über den Plan für den Auf-, Um- und Abbau sowie den Plan für die Benutzug und ggf. der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers für das jeweilige Arbeitsplattformnetz vorhanden sind.

Der Unternehmer wählt für die Arbeitsplattformnetzbauarbeiten fachlich geeignete Beschäftigte aus.

Fachlich geeignet sind z. B. Beschäftigte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Bau- Handwerk und ausreichender praktischer Berufserfahrung bei der Montage von Arbeitsplattformnetzen oder Beschäftigte mit vergleichbarer Qualifikation, bei denen der Arbeitgeber über die Eignung entscheidet.

Eine vergleichbare Qualifikation ist z. B. dann gegeben, wenn der Beschäftigte in Abhängigkeit des zu errichtenden Arbeitsplattformnetzes über ausreichende praktische Berufserfahrung verfügt und er dabei Kenntnisse in folgenden Punkten erworben hat:

  • Netzarten (Arbeitsplattformnetze, Schutznetze)
  • Netzkonstruktionen (Netzmaterial, Netzmacharten, Maschenweiten, Konfektion, Alterung, Prüfung, Bruchkräfte)
  • Seilkonstruktionen (Seilmaterial, Seilmacharten, Konfektion, Bruchkräfte, Prüfungen)
  • Aufhängepunkte (vorhandene Aufhängepunkte, zu schaffende Aufhängepunkte, Eignung)
  • Befestigung der Netze (Aufhängeseile, Karabinerhaken, Spanngurte)
  • Sonstiges Zubehör
  • Standsicherheit (z. B. Kräfte in Anschlagpunkten, Aussteifung, Spannweiten)
  • Bauliche Durchbildung (z. B. Wandabstände, Zugänge/Aufstiege, Eckausbildungen, ggf. Seitenschutz)
  • Transport von Arbeitsplattformnetzen und Zubehörteilen (Handtransport, maschineller Transport mit Hebezeugen, Bauaufzügen)
  • Bereitstellen von Arbeitsplattformnetzen und Zubehörteilen (z. B. Verladen für den Straßenverkehr)
  • Lagern von Arbeitsplattformnetzen und Zubehörteilen
  • Verwendung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel (Maschinen und Geräte)

Der Unternehmer informiert und unterweist seine Beschäftigten nachweislich über die Gefährdungen bei den Montagearbeiten von Arbeitsplattformnetzen und schafft damit die Voraussetzung für sicheres Arbeiten.

Die Unterweisung umfasst Anweisungen und Erläuterungen, die eigens auf den Arbeitsplatz oder den Aufgabenbereich der Beschäftigten ausgerichtet sind.

Dazu gehören z.B.:

  • Erläuterung des Plans für den Auf-, Um- oder Abbau des betreffenden Arbeitsplattformnetzes,

  • Anweisungen zu sicherem Auf-, Um- oder Abbau des betreffenden Arbeitsplattformnetzes einschließlich Materialtransport,

  • Benennung vorbeugender Maßnahmen gegen die Gefahr des Absturzes von Personen und des Herabfallens von Gegenständen,

  • Angaben über Sicherheitsvorkehrungen für den Fall, dass sich die Witterungsverhältnisse so verändern, dass die Sicherheit des betreffenden Arbeitsplattformnetzes und der betroffenen Personen beeinträchtigt sein könnte

    und

  • Hinweise zu zulässigen Belastungen unter Berücksichtigung von Verkehr (Baubetrieb) und Materiallagerung.


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