BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Rückwärts blättern Vorwärts blättern

3

Bau und Ausrüstung

3.1

Gemeinsame Bestimmungen

3.1.1 Die der Fahrerkabine zugeführte Frischluft muss erwärmt und der Innenraum der Kabine muss durch geeignete Einrichtungen klimatisiert werden können.
  Geeignete Einrichtungen sind z.B. Klimageräte oder Wärmetauscher.

3.1.2

Umluft in der Kabine, die über Einrichtungen nach Abschnitt 3.1.1 klimatisiert wird, muss durch einen Schwebstofffilter der Filterklasse H13 nach EN 1822 gefiltert werden.

3.1.3

Türen, Fenster, Klappen und deren Verschlußeinrichtungen müssen so gestaltet sein, dass beim Öffnen unter Überdruck keine Gefahren für den Maschinenführer, z.B. durch schlagartige Bewegungen, entstehen.

3.1.4

Im Sichtfeld des Maschinenführers muss eine Kontrollanzeige für den Überdruck in der Kabine vorhanden sein. Die Kontrollanzeige soll den Bereich von 0 Pascal bis 400 Pascal umfassen. Der obere und untere Grenzwert für den Überdruck nach Abschnitt 3.1.22 muss deutlich erkennbar und dauerhaft markiert sein.

3.1.5

Zusätzlich zu den Kontrollanzeigen nach Abschnitt 3.1.4 müssen in der Kabine eine Warnleuchte und eine akustische Warneinrichtung (Hupe) vorhanden sein, die dem Maschinenführer einen Druckabfall unter den unteren Grenzwert bzw. einen Druckanstieg über den zulässigen oberen Grenzwert nach Abschnitt 3.1.22 anzeigt. Die Warneinrichtung muss mit einer Zeitverzögerung von weniger als 5 s ansprechen.

3.1.6

Im Sichtfeld des Maschinenführers muss an augenfälliger Stelle ein Hinweiszeichen (Schild) mit der Aufschrift
Bei geschlossener Kabine muss die
Frischluftversorgung in Betrieb sein!


  angebracht sein. Das Zeichen muss der UVV "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" (BGV A8) entsprechen.

3.1.7

In der Fahrerkabine muss an leicht erreichbarer Stelle eine Einrichtung zur Aufbewahrung eines geeigneten Atemschutzgerätes für die Selbstrettung (Fluchtgerät) vorhanden sein.
  Siehe Abschnitt 4.1.11 .

3.1.8

Filter- oder Atem-Druckluft-Anlagen und Klimageräte müssen so angeordnet, beschaffen oder gekapselt sein, dass beim Betrieb der Maschine der zulässige Schalldruckpegel (LpA) von 85 dB(A) am Fahrerohr nicht überschritten wird.

3.1.9

Filter- oder Atem-Druckluft-Anlagen und Klimageräte müssen so angeordnet sein, dass die Sicht des Maschinenführers dadurch nicht wesentlich eingeschränkt wird. Sichteinschränkungen müssen ausgeglichen werden.
  Dies wird z. B. durch Spiegel, Ultraschall-, Video- oder Radareinrichtungen erreicht.

3.1.10

Filter-, Atem-Druckluft-Anlagen und Klimageräte müssen vibrationsfest angebracht sein und Beschleunigungskräften von mindestens 3 g standhalten.

3.1.11

Filter- oder Atem-Druckluft-Anlagen müssen mit geeigneten Halterungen auf der Erdbaumaschine stoß- und rüttelfest befestigt sein.

3.1.12

Außerhalb von Fahrerkabinen befindliche Armaturen müssen gegen unbefugtes Betätigen gesichert und gegen mechanische Beschädigungen durch Abdeckungen geschützt sein.
  Dies sind z.B. Ventile, Leitungen und deren Anschlüsse.

3.1.13

Eine Verständigung zwischen dem Maschinenführer und Begleitpersonal außerhalb der Maschine muss gewährleistet sein.
  Dies wird z.B. durch Sprechfunkverkehr erreicht.

3.1.14

Aufstiege und Zugänge zu Filter- oder Atem-Druckluft-Anlagen sowie Standplätze für deren Montage und Wartung müssen DIN ISO 2867 "Erdbaumaschinen; Zugänge" entsprechen.

3.1.15

Öffnungen für die Montage und Wartung von Filter- oder Atem-Druckluft-Anlagen müssen DIN ISO 2860 "Erdbaumaschinen; Öffnungen, Mindestmaße" entsprechen.

3.1.16

Für die Instandhaltung der Filter- oder Atem-Druckluft-Anlagen müssen sichere Standplätze mit einer Mindestfläche von 500 x 400 mm vorhanden sein.

3.1.17

Filter- oder Atem-Druckluft-Anlagen müssen mit Einrichtungen für den sicheren Transport versehen sein.
  Dies sind z.B. Griffe, Anschlagmöglichkeiten.

3.1.18

Durch den Anbau der Filter- oder Atem-Druckluft-Anlage dürfen
  - Zugänge zu anderen Wartungs- und Kontrollstellen auf Erdbaumaschinen oder Spezialmaschinen des Tiefbaues nicht behindert werden,
  - Überrollschutzaufbauten (ROPS, TOPS) und Schutzdächer (FOPS) in ihrer Schutzwirkung nicht beeinträchtigt werden.

3.1.19

Der Fahrerkabine muss bei Überdruck nach Abschnitt 3.1.22 eine Frischluftmenge von mindestens 12 m3 pro Person und Stunde zugeführt werden können. Der Volumenstrom muss durch ein Meßgerät mit Alarmschwelleneinstellung, das bei Unterschreitung dieses Grenzwertes optischen und akustischen Alarm auslöst, gemessen werden.
  Die angegebene Mindestatemluftmenge setzt voraus, dass in der Fahrerkabine Rauchverbot besteht und eingehalten wird.

3.1.20

Unter Beibehaltung der Frischluftmindestmenge von 12 m3 pro Person und Stunde können abweichend von Abschnitt 3.1.19 an Stelle des Frischluftvolumenstroms auch Sauerstoff (O2) oder Kohlenstoffdioxid (CO2) durch Meßgeräte mit Alarmschwelleneinstellung gemessen werden. Dabei darf die Konzentration von
  - Sauerstoff 20,4 Vol.-% nicht unterschreiten
  bzw.
  - Kohlenstoffdioxid 0,5 Vol.-% nicht übersteigen.
  Bei Unter- bzw. Überschreitung dieser Grenzwerte muss das Meßgerät optischen und akustischen Alarm auslösen. Die Meßpunkte der Meßgeräte müssen so angeordnet sein, dass weder die zugeführte Frischluft noch die Ausatemluft gemessen werden. Funktionsstörungen an Meßgeräten müssen durch Selbstüberwachung Alarm auslösen.

3.1.21

Die Messungen nach den Abschnitten 3.1.19 und 3.1.20 können entfallen, wenn die der Fahrerkabine zugeführte Frischluftmenge mehr als 20 m3 pro Person und Stunde beträgt. Die zugeführte Frischluftmenge darf 120 m3/h nicht überschreiten.

3.1.22

Fahrerkabinen und die Frischluftzufuhr müssen so ausgelegt sein, dass während des Betriebs ein Überdruck von 100 Pascal eingehalten wird und ein Überdruck von höchstens 300 Pascal nicht überschritten werden kann.

3.1.23

Die Frischluftzufuhr in Fahrerkabinen muss so ausgeführt sein, dass eine gleichmäßige Verteilung erreicht wird und Zuglufterscheinungen vermieden werden.

3.1.24

An der Fahrerkabine muss außen eine grüne Leuchte mit einer Leistung von mindestens 5 W vorhanden sein, die außenstehenden Personen anzeigt, dass die Anlage in Betrieb ist.

3.2


Besondere Bestimmungen für Maschinen mit Filteranlagen

3.2.1 Filteranlagen müssen mindestens aus folgenden Bauteilen bestehen:
  1. Gebläse  
  2. Vorfilter: Grobstaubabscheider
  3. Schwebstofffilter: Filterelement der Filterklasse H13 nach EN 1822
  4. Gasfilter: Filter, das die im Luftstrom vorhandenen gesundheitsgefährlichen Gase und Dämpfe zurückhält.
  5. Filteraufnahme­gehäuse: Gehäuse, in dem zumindest das Gas- und Partikelfilter untergebracht werden können.
  Auswahl des Gasfiltertyps nach DIN EN 14387/A1 "Atemschutzgeräte – Gasfilter und Kombinationsfilter – Anforderungen, Prüfung, Kennzeichnung"; Deutsche Fassung EN 14387:2004/prA1:2007.
  Auswahl der Filter siehe auch Abschnitte 4.2.1 und 4.2.3 .

3.2.2

Filter müssen in Strömungsrichtung in der Reihenfolge
  - Vorfilter,
  - Partikelfilter,
  - Gasfilter
  angeordnet sein.

3.2.3

Filtermedien für Gasfilter (z.B. Aktivkohlepellets) müssen abrieb- und rüttelfest in das Filtergehäuse eingebaut sein.

3.2.4

Filteranlagen müssen so angeordnet oder beschaffen sein, dass
  - dauerhafter Dichtsitz der Filter im Gehäuse gewährleistet ist
  und
  - Abgase nicht in die Fahrerkabine gesaugt oder gedrückt werden können.

3.2.5

Im Sichtfeld des Maschinenführers muss eine Kontrollanzeige vorhanden sein, die anzeigt, dass das Partikelfilter oder falls erforderlich das Partikelfilter und das Gasfilter eingebaut sind.

3.2.6

An den Filtern müssen wichtige Hinweise, z.B. für den Betrieb und die Montage, deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht sein.

3.3


Besondere Bestimmungen für Maschinen mit Atem-Druckluft-Anlagen

3.3.1 Im Sichtfeld des Maschinenführers muss eine Kontrollanzeige für den jeweiligen Druck in den Druckluftflaschen vorhanden sein. Das Meßgerat für den Luftdruck muss eine Alarmschwelleneinstellung haben und bei Unterschreiten eines Restdruckes von 20 bar Alarm auslösen.

3.3.2

Die Halterungen müssen mit tragenden Teilen des Grundgerätes fest verbunden sein.

3.3.3

Atem-Druckluft-Anlagen mit Luftversorgung aus Druckluftflaschen müssen mit einem Hinweis auf den hochstzulässigen Flaschendruck (Fülldruck) ausgestattet sein. Eine Überschreitung des Fülldruckes um mehr als 10% muss durch ein Sicherheitsventil verhindert sein.

3.4


Betriebsanleitung

3.4.1 Für die Fahrerkabine, die Filteranlage oder die Atem-Druckluft-Anlage auf Erdbaumaschinen oder Spezialmaschinen des Tiefbaues muss eine vom Hersteller oder Ausrüster aufgestellte, ergänzende Betriebsanleitung vorhanden sein. In der Betriebsanleitung muss darauf hingewiesen sein, dass bei besetzter und geschlossener Kabine die Luftzufuhr (Filterfnschluft bzw. Atemdruckluft) eingeschaltet sein muss.

3.4.2

Für den Betrieb, die Instandhaltung, die Einsatzzeiten der verwendeten Filter und die Filterentsorgung muss zusatzlich zur Betriebsanleitung nach Abschnitt 3.4 1 eine vom Filterhersteller oder -vertreiber aufgestellte Betriebsanleitung vorhanden sein.

 

 

 

Webcode: M1466-5