BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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3 Herstellung und Verwendungsbereiche von Epoxidharzen
3.1 Gefährdungsbeurteilung

Nach § 7 der Gefahrstoffverordnung hat der Unternehmer vor Beginn einer Tätigkeit alle mit der Arbeit verbundenen Gefahren zu ermitteln und zu beurteilen. Tätigkeiten mit Epoxidharzen kommen in den nachfolgend aufgeführten Verwendungsbereichen vor.

3.2 Herstellen von Epoxidharzen
  Die Herstellung der Basisharze, Härter und Zuschlagstoffe erfolgt im Wesentlichen in geschlossenen Anlagen im Bereich der chemischen Industrie. Durch den Einsatz von Additiven, Füllstoffen und Flexibilisatoren werden im so genannten Formulierungsprozess die gewünschten Produkteigenschaften eingestellt. Ein direkter Kontakt mit den Stoffen ist im Bereich der herstellenden Industrie nahezu auf den Bereich der Probenahme, die Anwendungstechnik und auf Reinigungsarbeiten beschränkt.

3.3 Epoxidharze in der Bauwirtschaft
  Während Epoxidharze in der Vergangenheit im Baubereich ausschließlich im Rahmen von Spezialanwendungen, z.B. Beschichtungen von Industriefußböden bei hoher Chemikalienbeanspruchung oder in der Betonsanierung, eingesetzt wurden, werden Epoxidharze heute weit verbreitet in vielen Baugewerken für unterschiedlichste Anwendungen verwendet. Typische Anwendungsbereiche sind unter anderem spezielle Farben und Lacke, Klebstoffe, Grundierungen, Versiegelungen, Abdichtungen, Gießharze, dekorative Bodenbeschichtungen, Parkhaus- und Industriebodenbeschichtungen, Kunstharzestriche, Fugenmörtel für Fliesen und Pflasterbeläge, wenn hierbei besondere Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit gegenüber z.B. chemischen Einwirkungen verlangt wird. Für die Anwendungen im Baubereich kommen ausschließlich kalt härtende Epoxidharzsysteme zum Einsatz.

3.4 Epoxidharze im Formenbau
  Die Herstellung von Formteilen, z.B. für Windenergieanlagen oder im Flugzeugbau, erfolgt entweder durch Handlaminieren, dem Prepreg-Verfahren oder durch Vakuuminfusions-/injektionstechnik. Bei der Vakuuminfusions-/injektionstechnik wird die Viskosität des Harzes mit Reaktivverdünnern oder über die Temperatur eingestellt. Im Rahmen des Herstellungsprozesses von Formteilen sind Klebe- und Reinigungsprozesse notwendig, wobei als Reinigungsmittel häufig Aceton verwendet wird. Vergleichbare Tätigkeiten finden sich auch im Schiffs- und Bootsbau sowie bei der Herstellung von Fahrzeugen.

3.5 Epoxidharze in der Elektroindustrie
  Epoxidharze sind auf Grund ausgezeichneter elektrischer und mechanischer Eigenschaften so genannte Schlüsselwerkstoffe in der Elektronik und in der Elektrotechnik. Die Anwendung erstreckt sich unter anderem auf Tränkharze und Vergussmassen für Kondensatoren, Transformatoren, Drosseln, Spulen, Generatoren sowie die Herstellung von Leiterplatten. Es werden aber auch Klebstoffe und Beschichtungsstoffe auf Basis von Epoxidharzen eingesetzt. In der Elektroindustrie kommen überwiegend heiß härtende Epoxidharz-Systeme mit Dicarbonsäureanhydriden als Härter zur Anwendung.

3.6 Epoxidharze in der Metallindustrie
  Epoxidharzbasierte Systeme werden in der Metallindustrie in der Oberflächenbeschichtung bei der Nasslackierung und bei der Pulverbeschichtung, z.B für den Korrosionsschutz von Behältern, Erdtanks und von Stahlkonstruktionen, sowie beim Kleben eingesetzt. Die Anwendung der flüssigen Beschichtungsstoffe erfolgt durch Spritzlackierung. Die bei der Pulverbeschichtung verwendeten Polyester-Beschichtungspulver enthalten auf Epoxidharzbasis aufgebaute Härterkomponenten. In der Regel werden fertig gemischte Pulver unterschiedlicher Pigmentierung eingesetzt, so dass ein Mischvorgang entfällt.

3.7 Epoxidharze in der Holzwirtschaft
  In der Holzwirtschaft werden Epoxidharze im Modell- und Formenbau, bei der Pinselherstellung und bei der Herstellung von Sportgeräten, wie Skier und Snowboards, eingesetzt.

In Modell- und Formenbaubetrieben werden sowohl Modelle und Formen als auch in einigen Betrieben, z.B. Kfz-Zulieferer, Kleinserien gefertigt. Zum Einsatz gelangen – neben Polyurethan- und Polyestersystemen – kalt härtende Epoxidharze. Die Verarbeitung erfolgt nahezu ausschließlich im Handlaminier- oder Gießverfahren.

Bei der Pinselherstellung kommen bei der Verklebung der Borsten oder Haare untereinander und mit der Zwinge zur Aufnahme des Pinselstiels ausschließlich kalt härtende Epoxidharze zum Einsatz. Die Verarbeitung erfolgt im Regelfall über Misch- und Dosiereinrichtungen. Ein direkter Kontakt mit den Harzen besteht in diesem Fall nur bei Reinigungsarbeiten (geringer Umfang).

Bei der Herstellung von Sportgeräten, wie Skier und Snowboards, werden ausschließlich kalt härtende Epoxidharzsysteme in einem modifizierten Handlaminierverfahren eingesetzt. Hierbei werden die Epoxidharze aus Vorratsbehältern mit angebrachten Rollen in Formen zusammen mit weiteren Materialien, z.B. Aluminiumeinlagen, Glasfaser- oder Kohlefasermatten, Holzeinbauteilen, Stahlkanten, eingebracht.

3.8 Epoxidharze in sonstigen Arbeitsbereichen
  Diese Arbeitsbereiche umfassen Spezialanwendungen von Epoxidharzsystemen im Gieß-, Laminier-, Beschichtungs-, Kleb- oder Einbettungsverfahren, die eher sporadisch, meist von Hand und unter Verwendung geringer Mengen durchgeführt werden. Zum Einsatz kommen fast ausschließlich kalt härtende Epoxidharzmischungen. Sowohl bei der Herstellung von Orthopädiehilfsmitteln, vorzugsweise im Modell- und Formenbau bzw. bei der Verwendung von Faserverbundwerkstoffen, als auch bei Produkten der Medizintechnik, z.B. Herzschrittmacher, sind Epoxidharze auf Grund guter Festigkeitseigenschaften und inerten Verhaltens im ausreagierten Zustand das Mittel der Wahl. In Museumswerkstätten sind Restaurieren, Verfestigen bzw. Versiegeln von Oberflächen sowie Anfertigen von Nachbildungen typische Arbeitsvorgänge, die epoxidharzhaltige Produkte einbeziehen. Im Schul- und Hochschulbereich werden Epoxidharze beim Modell- und Formenbau eingesetzt, aber auch bei Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Konservieren und Kalteinbetten von biologischen und mineralogischen Präparaten, beispielsweise im Rahmen elektronenmikroskopischer Strukturuntersuchungen. Epoxidharzkomponenten im Reaktionsgemisch mit Methylmethacrylat finden in Zahnarztpraxen zur Zahnoberflächenversiegelung und teilweise auch zur Zahnwurzelfüllung in geringem Umfang Verwendung.

 

 

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