BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

Rückwärts blättern Vorwärts blättern

6 Notfall- und Rettungsmaßnahmen

6.1

Maßnahmen zur Rettung aus Behältern, Silos und engen Räumen

6.1.1 Zur Rettung aus Behältern, Silos und engen Räumen hat der Unternehmer geeignete Rettungsgeräte und Transportmittel bereitzuhalten.
 
Für die Rettung verantwortlich ist der Unternehmer, dessen Versicherte im Behälter, Silo oder engen Raum arbeiten. In vielen Fällen werden das Personal und die Ausrüstung zum Retten vom Betreiber des Behälters, Silos oder engen Raumes bereitgestellt.
 
Arbeiten Versicherte mehrerer Unternehmen gleichzeitig oder zeitversetzt in einem Behälter, Silo oder engen Raum, ist zwischen den Verantwortlichen abzustimmen und zum Beispiel auf dem Erlaubnisschein zu dokumentieren, wer gegebenenfalls die Rettung durchführt.

Siehe auch § 25 der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV/GUV-V A1) und Information „Retten aus Behältern, Silos und engen Räumen“ (BGI 5028).

Da in den meisten Fällen schnelle Rettung erforderlich ist, sollte die Ausrüstung vor Ort bereitgehalten werden, um ein unverzügliches Retten zu ermöglichen. Das Bereithalten von Rettungseinrichtungen an zentralen Stellen des Unternehmens, z. B. bei der Werkfeuerwehr, ist nur sinnvoll, wenn bei den Arbeiten in den Behältern, Silos und engen Räumen Gefahrstoffeinwirkungen oder Sauerstoffmangel ausgeschlossen werden können.

Rettungskräfte dürfen nur in Behälter, Silos oder enge Räume ohne Isoliergeräte einsteigen, wenn sichergestellt ist, dass keine gefährlichen Gefahrstoffkonzentrationen oder Sauerstoffmangel vorliegen.

Bei Benutzung von Persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten gilt die Regel „Benutzen von Persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten aus Höhen und Tiefen“ (BGR/GUV-R 199).

Für die Rettung in horizontaler Richtung können geeignete Ausrüstungen sein:

  • Schleifkorb,
  • Rettungswanne.
Persönliche Schutzausrüstungen zum Retten sind in der Regel keine Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz!

Bei Absturzgefahr sind zusätzlich Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz zu benutzen; siehe Abschnitt 4.10 !

Bei der Benutzung der Persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten wird der zu rettende Versicherte mittels Rettungsgurt aus dem Behälter, Silo oder engen Raum gezogen.

Eine schnelle Rettung ist in der Regel nur dann gewährleistet, wenn diese Person den Rettungsgurt bereits während der Arbeiten angelegt hat. Sollten dringende Gründe dagegen sprechen, den Rettungsgurt bereits beim Einstieg in den Behälter, Silo oder engen Raum anzulegen, sind andere Maßnahmen einzuplanen, die ein schnelles Retten ermöglichen. Solche Maßnahmen können sein:

  • Bereithalten von geeignetem Atemschutz, um Rettungsmannschaften das Erreichen und Retten der Versicherten, die sich in Notlage befinden, unverzüglich zu ermöglichen.
  • Bereithalten von Ausrüstung, die ein schnelles Erreichen des Behälterinneren ermöglicht, z.B. Ausrüstung zum Auftrennen der Behälterwandung.

Das Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen ohne ständige Verbindung zwischen Rettungsgerät und Rettungsgurt sollte die Ausnahme darstellen! Dringende Gründe, die gegen eine ständige Verbindung von Gurt und Rettungsgerät sprechen, können sein:

  • das gleichzeitige Arbeiten mehrerer Versicherter im Behälter, Silo oder engen Raum (was bei Benutzung mehrerer Seile sehr schnell zur gegenseitigen Behinderung führen kann),
  • Einbauten in den Behältern, Silos oder engen Räumen, die zum Verfangen des Seiles führen können,
  • die örtlichen Gegebenheiten, z.B. häufige Richtungsänderungen.
6.1.2 Die Versicherten, insbesondere die Sicherungsposten, sind über die Benutzung der Persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten zu unterweisen. Die erforderlichen Maßnahmen zur Rettung von in Not geratenen Versicherten sind in regelmäßigen Abständen, mindestens jedoch einmal jährlich, praxisnah zu üben.
Abb. 25 Zugangsverfahren mittels Auffanggurt und Rettungswinde Abb. 26 Seiteneinstieg mittels spezieller Halterung des Rettungshubgerätes
Abb. 27 Dreibock mit Rettungswinde Abb. 28 Rettungsschlaufe (besonders geeignet zum schnellen Retten)

6.2


Feuerlöscheinrichtungen

6.2.1 Besteht Brandgefahr, sind bei Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen geeignete Feuerlöscheinrichtungen in ausreichender Zahl und leicht erreichbar bereitzuhalten.
6.2.2 Der Unternehmer hat eine ausreichende Anzahl von Versicherten, insbesondere die Sicherungsposten durch Unterweisung und Übung im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen zur Bekämpfung von Entstehungsbränden vertraut zu machen.
6.2.3 Zum Löschen in Behältern, Silos und engen Räumen sind entsprechend der zu löschenden Stoffe Schaumlöscher oder Wasser geeignet.
CO2- und Pulverlöschmittel sind für Behälter, Silos und enge Räume grundsätzlich ungeeignet.

6.3


Alarm- und Rettungsplanung mit Dritten

6.3.1 Bei Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen hat der Unternehmer eine schnelle Alarmierung der Rettungskräfte und - falls erforderlich - der Nachbarschaft zu organisieren. Es ist ein Alarm- und Rettungsplan aufzustellen.
6.3.2 Gehen von Einrichtungen, die sich auf dem Betriebsgelände oder in der Nachbarschaft befinden, Gefahren aus, sind die entsprechenden Schutzmaßnahmen im Erlaubnisschein festzuhalten. Die Schutzmaßnahmen sind mit der Nachbarschaft abzustimmen.
6.3.3 Ist im Rettungsplan vorgesehen, außerbetriebliche Rettungskräfte, z.B. öffentliche Feuerwehren, in die Rettungsmaßnahmen mit einzubeziehen, sind diese an den Übungen nach Abschnitt 6.1.2 zu beteiligen.

 

Webcode: M1440-8