BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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5 Zugangs- und Positionierungsverfahren

5.1

Zugangsöffnungen

5.1.2 Zugangsöffnungen für Behälter, Silos und enge Räume, in denen Arbeiten durchzuführen sind, müssen so groß und so angeordnet sein, dass das Ein- und Aussteigen und Retten von Versicherten jederzeit möglich ist.
Die Mindestgröße der Zugangsöffnungen hängt u.a. ab von:
  • der Lage der Zugangsöffnung (oben, unten, seitlich),
  • von der Erreichbarkeit,
  • vom Freiraum über, vor oder unter der Öffnung,
  • von der Benutzung der Persönlichen Schutzausrüstungen, wie Atemschutz, PSA zum Retten, PSA gegen Absturz,
  • von der Benutzung von Personenaufnahmemitteln (Arbeitsbühnen, Arbeitssitzen, Siloeinfahreinrichtungen),
  • von der Wandstärke oder Stutzenhöhe,
  • von der Häufigkeit der Arbeiten.

Geeignete Maße für Zugangsöffnungen sind beispielhaft in Anhang 7 dargestellt.

Aus Gründen einer schnellen und schonenden Rettung sollten Zugangsöffnungen entsprechend den betrieblichen Gegebenheiten so groß wie möglich gehalten werden.

Siehe auch § 5 der Unfallverhütungsvorschrift „Abwassertechnische Anlagen“ (BGV/GUV-V C5). Für Zugangsöffnungen von abwassertechnischen Anlagen gilt die Unfallverhütungsvorschrift „Abwassertechnische Anlagen“ (BGV/GUV-V C5).
 
Falls es sich beim Behälter, Silo oder engen Raum um eine Maschine handelt, ist für die Gestaltung der Zugänge die DIN EN 547 „Sicherheit von Maschinen; Körpermaße des Menschen“ zu beachten. Für Silos gilt für die Bemessung der Zugangsöffnungen die DIN EN 617.
5.1.3 Falls Behälter und Silos älterer Bauart Mannlöcher mit geringeren als den im Anhang angegebenen Maßen besitzen, sind sie, wenn möglich, den empfohlenen Abmessungen anzupassen, anderenfalls sind besondere Rettungsmaßnahmen erforderlich.
Derartige Maßnahmen können sein:
  • Bereithalten von geeigneten Rettungstragen,
  • Bereithalten von Rettungsschlaufen,
  • Bereithalten von Ausrüstungen, die ein schnelles Auftrennen der Behälterwandung ermöglichen,
  • Auswahl geeigneter Personen (Körpergröße für entsprechende enge Öffnungen geeignet).
5.1.4 In Behältern, Silos und engen Räumen darf nur gearbeitet werden, wenn die Zugangsöffnungen so gestaltet sind, dass ein Retten mit Persönlichen Schutzausrüstungen nicht behindert oder unmöglich gemacht wird. Zum Anbringen der Persönlichen Schutzausrüstungen sind über der Zugangsöffnung entsprechende Anschlagpunkte vorzusehen.
Die Rettung wird z. B. erschwert durch das Vorhandensein von Rückenschutz an Steigleitern. Aus Gründen der besseren Rettungsmöglichkeiten muss daher bei Steigleitern in Behältern, Silos und engen Räumen, z. B. Gruben, auf Rückenschutz als Absturzsicherung verzichtet werden. Erforderlichenfalls sind Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz zu benutzen.
5.1.5 Über den Zugangsöffnungen muss ein entsprechender Freiraum für das Anbringen der Persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten und den schonenden Transport der zu rettenden Versicherten vorhanden sein.
Dieser Freiraum ist gegeben, wenn sich die Anschlagpunkte für die Persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten mindestens 1,5 m über der Zugangsöffnung befinden.
5.1.6 Zugangsöffnungen von Behältern, Silos und engen Räumen sind während der Arbeiten freizuhalten oder müssen für Maßnahmen der Rettung unverzüglich freigemacht werden können.
5.1.7 Zugangsöffnungen sind nach Beendigung der Arbeiten gegen unbefugtes Benutzen zu sichern.
Das Sichern gegen unbefugtes Benutzen kann erfolgen durch:
  • Schließen des Mannlochdeckels,
  • Anbringen eines Sicherungskreuzes,
  • Anbringen des Verbotszeichens „Zutritt für Unbefugte verboten“ (siehe Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A 1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“, Zeichen P 006).

5.2

Zugangsverfahren

5.2.1 Für das Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen sind geeignete Zugangsverfahren auszuwählen. Solche Verfahren können sein:
  • einfacher Einstieg ohne Hilfsmittel (in der Regel bei Zugängen, die sich unten befinden),
  • Zugang mittels Leitern (fest installierte Steigleitern oder mobile Leitern),
  • Zugang mittels hochziehbarer Personenaufnahmemittel nach der BG-Regel "Hochziehbare Personenaufnahmemittel" (BGR/GUV-R 159 ),
  • Zugang mittels Hubgerät und geeignetem Auffanggurt als Körperhaltevorrichtung,
  • Seilunterstützte Zugangsverfahren.
Die Auswahl der Zugangsverfahren hängt ab:
  • von der Gestaltung der Zugangsöffnungen (Größe, Lage, Erreichbarkeit),
  • von den Rettungsmöglichkeiten (Behinderung durch Einbauten),
  • von der Bauart der Behälter, Silos oder engen Räume (Höhe, Tiefe, Geometrie).
5.2.2 Die Zugangsverfahren sind so auszuwählen, dass sowohl der sichere Zugang, als auch eine schnelle Rettung möglich sind.
Die Rettung kann z. B. durch Leitern erschwert werden, da in vielen Fällen Leitern den freien Querschnitt der Zugangsöffnung reduzieren und außerdem eine Rettung mittels Rettungshubgeräten beeinträchtigen. In solchen Fällen sind Zugangsverfahren mittels Personenaufnahmemittel oder Hubgerät nach Abschnitt 5.2.3 zu bevorzugen.
5.2.3 In Behälter, Silos und enge Räume darf mit einem Auffanggurt als Körperhaltevorrichtung nur eingefahren werden, wenn sichergestellt ist, dass die Dauer des Hubvorgangs nach oben 5 Minuten nicht übersteigt.
Die Dauer des Hubvorgangs hängt ab:
  • von der Höhe des Behälters, Silos oder engen Raumes,
  • vom verwendeten Hubgerät,
  • von der Anzahl der Helfer.
Wird die Dauer von 5 Minuten überschritten, sollten geeignete Einfahreinrichtungen benutzt werden.
Geeignete Einfahreinrichtungen sind z.B. hochziehbare Personenaufnahmemittel, wie:
  • Siloeinfahreinrichtungen,
  • Arbeitssitze,
  • Arbeitskörbe,
  • Arbeitsbühnen.
Bei längerem Hängen im Auffanggurt besteht die Gefahr des Hängetraumas (orthostatischer Schock); siehe auch Abschnitt 6.1.11 der Regel „Benutzung von Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz“ (BGR/GUV-R 198).

5.3


Positionierungsverfahren

5.3.1 Zum Positionieren in Behälter, Silos oder engen Räumen dürfen nur geeignete Positionierungsverfahren benutzt werden. Zum Positionieren in Silos sind Siloeinfahreinrichtungen zu bevorzugen.
5.3.2 Seilunterstützte Positionierungsverfahren dürfen nur benutzt werden, wenn:
  • eine schnelle Rettung gewährleistet ist,
  • das System für die zu erwartenden Belastungen ausgelegt ist,
  • die vom Behälter, Silo oder engen Raum ausgehenden Gefährdungen zu keiner Beeinträchtigung des Systems führen.
Beeinträchtigungen können sich ergeben aus:
  • Gefahrstoffen (Reduzierung der Festigkeit von Textilfasern),
  • hohen oder tiefen Temperaturen,
  • mechanischer Beeinflussung (scharfe Kanten).
5.3.3 Es ist darauf zu achten, dass keine freien Seilenden in das Schüttgut ragen bzw. von mechanischen Einrichtungen (Rührern, Austragseinrichtungen) erfasst werden.
5.3.4 Bei Positionierung auf Schüttgütern sind nur Siloeinfahreinrichtungen zu benutzen; siehe auch Abschnitt 4.11 .
Der Betrieb von Siloeinfahreinrichtungen ist in der Regel „Hochziehbare Personenaufnahmemittel“ (BGR/GUV-R 159 ) geregelt.
5.3.5 Versicherte dürfen zur Durchführung betriebsmäßiger Arbeiten in Silos das Personenaufnahmemittel der Einfahreinrichtung nur verlassen, wenn eine Gefährdung durch das Schüttgut ausgeschlossen ist und der Aufsichtführende dies erlaubt hat.

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