BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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2 Begriffsbestimmungen

  Im Sinne dieser Regel werden folgende Begriffe bestimmt:
  1. Arbeiten sind Tätigkeiten, bei denen sich Versicherte in Behältern, Silos und engen Räumen aufhalten.
     
    Arbeiten sind z.B.:
    • Instandhaltungsarbeiten, wie
      • Instandsetzungsarbeiten, z.B. Ausbessern und Austauschen,
      • Wartungsarbeiten, z.B. Konservieren, Schmieren oder Nachstellen,
      • Inspektionsarbeiten,
    • Reinigungsarbeiten einschließlich Restmengenbeseitigung,
    • Änderungsarbeiten,
    • Tätigkeiten bei Fertigungsprozessen,
    • Störungsbeseitigung,
    • Feuerfestbau.
    Das Aufhalten schließt ein:
    • Betreten,
    • Befahren,
    • Einfahren,
    • Einsteigen,
    • Hineinbeugen.
  2. Behälter und enge Räume sind allseits oder überwiegend von festen Wandungen umgebene sowie luftaustauscharme Bereiche, in denen auf Grund ihrer räumlichen Enge oder der in ihnen befindlichen bzw. eingebrachten Stoffe, Zubereitungen, Verunreinigungen oder Einrichtungen besondere Gefährdungen bestehen oder entstehen können, die über das üblicherweise an Arbeitsplätzen herrschende Gefahrenpotenzial deutlich hinausgehen. Auch Bereiche, die nur teilweise von festen Wandungen umgeben sind, in denen sich aber auf Grund der örtlichen Gegebenheiten oder der Konstruktion Gefahrstoffe ansammeln können bzw. Sauerstoffmangel entstehen kann, sind enge Räume im Sinne dieser Regel.
    Inspektionsarbeiten Reperaturarbeit
    Abb. 1 Inspektionsarbeiten Abb. 2 Reparaturarbeit.
    Kontrolltätigkeiten Kontrolltätigkeiten
    Abb. 3 Kontrolltätigkeiten (Hineinbeugen): nur mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen möglich, hier: ein Schutzgitter im Mannloch, welches ein Hineinstürzen verhindert. Abb. 4 Kontrolltätigkeiten
     

    Auch Tanktassen, Gruben, Schächte oder Kanäle sind als enge Räume anzusehen, falls das Auftreten von Gefahrstoffen oder Sauerstoffmangel nicht sicher ausgeschlossen werden kann.

    Besondere Gefährdungen durch Stoffe oder Zubereitungen können in engen Räumen und Behältern bestehen bzw. entstehen

    • durch Arbeitsverfahren, z.B. Schweißen, Schleifen, Reinigen mit Flüssigkeiten oder Feststoffen,
    • durch Aufrühren von Rückständen,
    • durch biologische Vorgänge, z.B. Gärung, Fäulnis,
    • durch chemische Reaktionen,
    • durch zum Spülen verwendete Gase,
    • durch Stoffe und Zubereitungen, die durch undichte Auskleidungen oder undichte Absperreinrichtungen eindringen können,
    • durch Sauerstoffmangel; dieser kann auftreten durch Inertgase, die zum Spülen verwendet wurden, oder durch Stoffe (auch Behältermaterial), die den Sauerstoff absorbieren, chemisch oder physikalisch binden oder verdrängen; Sauerstoffverbrauch bei der Arbeit, ungeeignete und unzulängliche Lüftung während der Arbeit in Behältern oder engen Räumen können ebenfalls zu Sauerstoffmangel führen,
    • durch Anreicherung mit Sauerstoff; z.B. durch Fehlbedienungen oder Undichtigkeiten bei Schweißarbeiten,
    • durch heiße Stoffe oder Zubereitungen, Schüttgüter, Flüssigkeiten oder fließfähige Stoffe und Zubereitungen, die in Behältern oder engen Räumen vorhanden sind oder in diese eindringen,
    • durch Beseitigung von Anbackungen,
    • durch Gefahrstoffe, die berührt, durch die Haut aufgenommen oder eingeatmet werden können,
    • durch biologische Arbeitsstoffe, die bei Aufnahme in den Körper (z. B. durch Inhalation von Aerosolen, Eindringen über vorgeschädigte Haut oder Wunden, Verschlucken) zu Infektionen führen können. Außerdem sind sensibilisierende oder toxische Wirkungen z. B. durch Pilzsporen oder Stoffwechselprodukte, wie Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff oder Toxine, zu berücksichtigen,
    • durch Gase, Dämpfe, Nebel oder Stäube, durch die Brände oder Explosionen entstehen können.

    Besondere Gefährdungen durch Einrichtungen können z.B. in Behältern, Silos und engen Räumen bestehen oder entstehen durch:

    • bewegliche Teile oder Einbauten, wie Misch-, Zerkleinerungs-, Auflockerungs-, Förder- oder Lüftungseinrichtungen,
    • aufgeheizte oder gekühlte Behälterteile und Einbauten,
    • sich schließende oder öffnende Armaturen in Leitungen oder Kanälen, z.B. Schieber, Klappen, Explosionsunterdrückungseinrichtungen,
    • betriebsmäßig unter elektrischer Spannung stehende Einrichtungen, z.B. Widerstands- und Hochfrequenzheizungen,
    • elektrische Betriebsmittel, z.B. Handleuchten, Elektrowerkzeuge, Elektroschweißgeräte,
    • Strahlung, z.B. durch Messeinrichtungen,
    • Reinigungsgeräte, z.B. Flüssigkeitsstrahler.

    Behinderungen, die unter ungünstigen Bedingungen auch eine Gefährdung hervorrufen können, sind z.B.

    • feste Einbauten, wie Schwallbleche oder Böden,
    • Hilfsmittel, wie Leitern oder Gerüste.

    Besondere Gefährdungen durch psychische Belastungen können z.B. auftreten durch

    • räumliche Enge,
    • große Höhen, z.B. in Silos oder Schächten.

    Bei der Betrachtung, ob es sich um einen "engen Raum" handelt, sollte nicht nur die Raumgröße herangezogen werden, sondern es ist immer auch die besondere Gefährdung zu berücksichtigen. So sind z.B. Besenkammern oder Tresorräume bei üblicher Nutzung nicht als enge Räume im Sinne dieser Regel anzusehen.

    Abwasserkanal Grube
    Abb. 5 Abwasserkanal Abb. 6 Grube
    Behälter bei der Fertigung Schuss unter einer Kolonne
    Abb. 7 Behälter bei der Fertigung Abb. 8 Schuss unter einer Kolonne

  3. Silos sind bauliche Anlagen zur Lagerung von Schüttgut, die von oben befüllt und nach unten oder zur Seite hin entleert werden.
     
    Für Silos ist in einigen Gewerbezweigen auch die Bezeichnung Bunker gebräuchlich.
     
    Zu besonderen Gefahren siehe Begriffsbestimmung "Behälter und enge Räume".

  4. Zugangsverfahren sind Arbeitsverfahren, die unter Zuhilfenahme von Arbeitsmitteln den Zugang zum Behälter, Silo oder engen Raum ermöglichen. Solche Verfahren können sein:
     
    • einfacher Einstieg ohne Hilfsmittel (in der Regel bei Zugängen, die sich unten befinden),
    • Zugang mittels Leitern (fest installierte Steigleitern oder mobile Leitern),
    • Zugang mittels hochziehbarer Personenaufnahmemittel nach der Regel „Hochziehbare Personenaufnahmemittel“ (BGR/GUV-R 159 ),
    • Zugang mittels Auffanggurt als Körperhaltevorrichtung.
  5. Positionierungsverfahren sind Arbeitsverfahren, bei denen die Versicherten an einer bestimmten Stelle im Behälter, Silo oder engen Raum positioniert werden, um Arbeiten im Sinne der Nummer 1 zu verrichten. Dabei verbleiben die Versicherten im Personenaufnahmemittel. Als Arbeitsmittel zum Positionieren können hochziehbare Personenaufnahmemittel nach der Regel „Hochziehbare Personenaufnahmemittel“ (BGR/GUV-R 159 ) oder seilunterstützte Verfahren benutzt werden.

  6. Zugänge zu Behältern und engen Räumen können z.B. sein
    • Türen,
    • Einstiege,
    • Mannlöcher,
    • Steigleitern,
    • Steigeisengänge.

    Silo Kanaleinstieg
    Abb. 9 Silo Abb. 10 Kanaleinstieg
    Mannloch
    Abb. 11 Mannloch
    Mannloch Steigleiter
    Abb. 12 Mannloch Abb. 13 Steigleiter

  7. Freimessen ist das Ermitteln einer möglichen Gefahrstoffkonzentration bzw. des Sauerstoffgehalts vor und während der Arbeiten in Behältern, Silos oder engen Räumen mit dem Ziel der Feststellung, ob die Atmosphäre im Behälter, Silo oder engen Raum ein gefahrloses Arbeiten ermöglicht. Beim Freimessen handelt es sich nicht um Messungen im Sinne des § 9 Abs. 4 der Gefahrstoffverordnung oder der Technischen Regel für Gefahrstoffe "Ermittlung und Beurteilung der Konzentration gefährlicher Stoffe in Arbeitsbereichen" (TRGS 402 ).

  8. Aufsichtführender ist eine vom Unternehmer eingesetzte Person, die mit der Aufsicht über die Vorbereitung und Durchführung der Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen beauftragt ist.
     
    Siehe § 8 Abs. 1 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV/GUV-V A1).

  9. Sicherungsposten ist eine Person, die mit den im Behälter, Silo oder engen Raum tätigen Versicherten ständige Verbindung hält und gegebenenfalls Maßnahmen der Rettung durchführt oder einleitet.

  10. Behälter, Silos und enge Räume mit leitfähiger Umgebung sind Bereiche, deren Begrenzung vollständig oder teilweise aus metallischen oder elektrisch leitfähigen Teilen bestehen und bei denen eine großflächige Berührung nicht zwingend gegeben ist, jedoch auf Grund der Arbeitshaltung auftreten kann; siehe z. B. Abbildung 4 .

  11. Ein leitfähiger Bereich mit begrenzter Bewegungsfreiheit ist gegeben, wenn dessen Begrenzungen im Wesentlichen aus Metallteilen oder leitfähigen Teilen bestehen, eine Person mit ihrem Körper großflächig in Berührung mit der umgebenden Begrenzung stehen kann und die Möglichkeit der Unterbrechung dieser Berührung eingeschränkt ist; siehe z. B. Abbildung 7 .

  12. Sauerstoffmangel liegt dann vor, wenn die Sauerstoffkonzentration niedriger ist als der Sauerstoffgehalt der natürlichen Atemluft von 20,9%.

  13. Seilunterstützte Arbeiten sind Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von textilen Seilen nach Anhang 2 Nr. 5.4 der Betriebssicherheitsverordnung.

Webcode: M1440-4