BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

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Anhang 1

Gefährdungsermittlung und Maßnahmen

1  Durch Fußschutz im Wesentlichen abzudeckende Gefährdungen

Gefährdungen Ursachen und Art der Einwirkungen Auswahlkriterien
Mechanische Einwirkungen
  • Herabfallende Gegenstände oder Einklemmen des Vorderfußes
  • Festigkeit des Schuhes im Bereich der Zehen
 
  • Sturz und Auftreffen mit der Ferse
  • Energieaufnahmevermögen des Absatzes
   
  • Verstärkung der Hinterkappe
 
  • Einwirkung auf
    • die Knöchel
    • den Mittelfuß
  • Vorhandensein wirksamer Ausrüstungen, z.B. Polsterung
 
  • Treten auf spitze und schneidende Gegenstände
  • Sturz durch Ausgleiten
  • Durchtrittsicherheit der Sohle
  • Rutschhemmung der Sohle
Einwirkung von Elektrizität
  • Elektrische Spannung
  • Isolierung, Ableitung von Spannung
Thermische Einwirkungen
  • Kälte oder Hitze
  • Flüssigmetallspritzer
  • Wärme- bzw. Kälteisolierung
Chemische Einwirkungen
  • Flüssigkeiten, Stäube oder Nebel
  • Dichtheit, Beständigkeit
Biologische Einwirkungen
  • Mikroorganismen oder andere biologische Stoffe
  • Flüssigkeitsdicht
  • leicht zu reinigen/desinfizieren
Zündung explosionsfähiger Atmosphäre
  • Statische Elektrizität
  • Ableitfähigkeit
Einwirkungen durch den Fußschutz
  • mangelhafter Tragekomfort, z.B.
    • eingeschränkte Passform
    • geringe Atmungsaktivität
  • Ergonomische Gestaltung
  • Form, Abpolsterung und Größe des Schuhs
  • Dampfdurchlässigkeiten und Wasserdampfaufnahme
 
  • hohes Schuhgewicht oder Steifigkeit
  • Flexibilität, Gewicht
 
  • Allergisches Potenzial
  • Eingeschränkte Reinigungsmöglichkeiten
  • Eingeschränkter Halt des Fußes
  • Materialeigenschaften
  • Pflegeeigenschaften
  • Passform, Aussteifung in Querrichtung des Schuhs und im Gelenk,
 
  • Elektrostatische Aufladung
  • Ableitfähigkeit


2  Muster einer Checkliste für die Gefährdungsermittlung beim Fußschutz

  • Diese Checkliste ist vom Unternehmer unter Beteiligung der Benutzer zu erstellen.
  • Für Arbeits bzw. Betriebsbereiche mit unterschiedlichen Gefährdungen sind gesonderte Checklisten zu erstellen.
  • Die Checklisten dienen der Einholung von Vergleichsangeboten verschiedener Hersteller oder Lieferanten.
  • Die Checklisten sollten auch Bestandteil der Beschaffungsspezifikation sein.
Checkliste für die Auswahl von Fußschutz
Allgemeine Angaben   
Art des Betriebes/Arbeitsbereiches   
 
Art der Gefährdung ja nein Weitere Angaben bei *) erforderlich, ansonsten gewünscht
  (Zutreffendes ankreuzen)  
Mechanische Einwirkungen      
Herabfallende Gegenstände
Einklemmen des Fußes
Sturz und Auftreffen mit der Ferse
Sturz durch Ausgleiten
Treten auf spitze oder schneidende Gegenstände
Einwirkung auf die Knöchel
Einwirkung auf den Mittelfuß
Umknicken
Einwirkung von Elektrizität *)      
Elektrische Spannung Spannung    Volt
Elektrostatische Aufladung
Thermische Einwirkungen *)      
Kälte  Temperatur  
 Exposition     Std./Tag
Wärme  Temperatur  
 Bodentemperatur  
 Umgebungstemperatur   
 Exposition     Std./Tag
Flüssigmetallspritzer
Chemische Einwirkungen*)     Art der Chemikalien:
Stäube
Säuren
Basen
Lösemittel
Öle
Sonstiges
Biologische Einwirkungen *)     Art der biologischen Stoffe:
 
 
 
Einwirkung von UV-Strahlung *) Art der Strahlung/Kontamination:
Kontamination durch radioaktive Stoffe
Einwirkung durch Feuchte und Witterung *) Art der Verwendung/Einwirkung:
Verwendung überwiegend im Freien ganzjährig
im Freien im Winter
in überdachten Gebäuden
in geschlossenen Gebäuden
Sonstige Angaben zur Spezifikation des Fußschutzes:


3  Berechnung der Risikoprioritätszahl

3.1  Allgemeines

Im Rahmen der vom Unternehmer nach § 3 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) und § 5 Arbeitsschutzgesetz durchzuführenden "Gefährdungsermittlung und der Beurteilung der Arbeitsbedingungen" ist eine Risikobeurteilung vorzunehmen, damit wirksame präventive Maßnahmen getroffen werden können.

Das nachfolgend beschriebene Verfahren stellt eine Möglichkeit zur Risikobeurteilung dar und ist angelehnt an die DIN EN 1050 "Sicherheit von Maschinen; Leitsätze zur Risikobeurteilung".



3.2  Durchführung der Risikobeurteilung

Nach der DIN EN 1050 wird das Risiko durch die "Risikoprioritätszahl (RPZ)" ausgedrückt. Diese ergibt sich aus dem Produkt "Schwere der Verletzung" multipliziert mit der "Wahrscheinlichkeit des Auftretens".

Risikoprioritätszahl (RPZ) =
Schwere der Verletzung/des Schadens (V) x Wahrscheinlichkeit des Auftretens (A)

Hinweis:
Die "Schwere der Verletzung/des Schadens" ergibt sich aus Tabelle 1 und die "Wahrscheinlichkeit des Auftretens" aus Tabelle 2 dieses Anhangs, wobei jeweils Zahlenwerte von 1 bis 10 möglich sind.

Die Ziffer der "Schwere der Verletzung/des Schadens" ist entsprechend den Arbeitsverfahren möglichst objektiv festzulegen. Die Bewertungsskala reicht hier von einer minimalen "leichten Fuß- und Beinverletzung bzw. leichten Verletzung durch fehlenden/unzureichenden Fuß- und Knieschutz" (Ziffer 1) bis hin zum Tod (Ziffer 10). Infektionsgefahr kann die Folgen der Verletzung deutlich erhöhen.

Schwere der Verletzung/ des Schadens Fuß-, Beinverletzungen bzw. Verletzungen oder Gesundheitsgefahren durch fehlenden oder unzureichenden Fuß-, Knieschutz Beispiele
1 Leicht Kein Arbeitsunfall z.B. Umknicken ohne Folgen
2 Kein Arbeitsunfall z.B. Umknicken mit subjektiv leichten Beeinträchtigungen
3 AU1) ≤ 3 Tage Ambulante Behandlung erforderlich, z.B.:
  • Leichte Prellungen
  • Zerrungen
  • Hautirritationen
  • Erkältungen
4 Mittel 3 Tage < AU1) ≤  2 Wochen z.B.:
  • Stich-/Schnittverletzungen z.B. durch spitze/scharfe Gegenstände
  • Schwere Zehenprellungen
  • Distorsionen/Zerrungen z.B. durch Umknicken
  • Fußsohlenverbrennungen z.B. beim Einbau bituminöser Massen
5 2 Wochen < AU1)  ≤  6 Wochen z.B.:
  • Bänderrisse z.B. durch Umknicken
  • Zehenbrüche der kleinen Zehen z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände
  • Schwere Prellungen/Quetschungen z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände oder durch Überrollen
  • Amputation eines Kleinzehs oder beider Kleinzehen
6 6 Wochen < AU1)  ≤  3 Monate z.B.:
  • Bänderabrisse evtl. mit Außenknöchelbrüchen z.B. durch Umknicken
  • Mittelfußbrüche z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände oder durch Überrollen
  • Bruch des Wadenbeins z.B. durch Absturz, umfallende Gegenstände, Überfahren
7 AU1) > 3 Monate z.B.:
  • Amputation eines Großzehs oder mehrerer Kleinzehen z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände
  • Bruch des Schienbeins z.B. durch Absturz, umfallende Gegenstände, Überfahren
8 Schwer Dauerhafte Verletzungsfolgen mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit (MdE2) zwischen 20 % und 40 %) z.B.:
  • Fußverletzungen z.B. durch heiße, tiefkalte oder ätzende hineinlaufende, spritzende oder tropfende Massen
  • Fersenbeinbrüche durch z.B. Absturz, Stürzen, Stolpern
  • Trümmerbrüche z.B. durch Absturz, Umknicken, Überfahren, fallende Gegenstände
  • Verletzungen des Sprungbeinknochens
9 Dauerhafte Verletzungsfolgen mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit (MdE2) über 40 %) z.B. Amputationen evtl. bis zum Knie, z.B. durch Überfahren, Abschneiden, Abscheren oder Abtrennen bei Hochdruckstrahlarbeiten
10 tödlich   z.B.:
  • Elektroarbeiten an spannungsführenden Teilen, die isolierendes Schuhwerk erfordern
  • Arbeiten, bei denen der Schuh Zündquelle für Explosionen sein kann

Hinweise zur Tabelle:
1) AU = Arbeitsunfähigkeit
2) MdE = Minderung der Erwerbsfähigkeit

Tabelle 1: Schwere der Verletzung/des Schadens (Verletzungsziffer 1 bis 10)



Wahrscheinlichkeit des Auftretens

Die Ziffer zur "Wahrscheinlichkeit des Auftretens" ist unter anderem von folgenden Einflüssen abhängig:

  • Arbeitsverfahren
  • Arbeitsplatzgestaltung
  • Betriebsorganisation, z.B. Unterweisungen, Kontrollen, Zeitdruck, vertragliche Verpflichtung zur Benutzung der persönlichen Schutzausrüstungen
  • bisher verwendete persönliche Schutzausrüstungen
  • Betriebserfahrung (festgestellte Verstöße gegen Arbeitsanweisungen)
  • Häufigkeit (seltene Tätigkeiten, Unterschätzen der Gefahr durch Routine)
  • Körperliche und geistige Verfassung des Mitarbeiters
  • Arbeitsunfälle und Beinahe-Unfälle (Verbandbucheinträge)
1 Gering Äußerst unwahrscheinlich
2
3
4 Mittel Wahrscheinlich
5
6
7 Hoch Äußerst wahrscheinlich
8
9
10  


Zwangsläufig, unabdingbar

Tabelle 2:   Wahrscheinlichkeit des Auftretens (A)



Hinweise zur Tabelle:

Die Ziffern zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens sind generell den drei Stufen "Gering, Mittel, Hoch" zugeordnet, wobei sich die Zwischenwerte insbesondere durch die oben genannten Faktoren ergeben. Ziffer 10 beschreibt ein unabwendbares Ereignis.

Beispiele für die Berechnung der Risikoprioritätszahl sind im Internetauftritt des Fachausschusses PSA unter www.hvbg.de/psa zusammengestellt.

 

 

Webcode: M1438-17